Ob fordernder Realismus oder oberflächlicher Kurzzeitspaß, PES 2011 bedient den Casual-Spieler ebenso wie den Pro-Gamer.
Ganze 8,7 von 10 Punkte samt Gold-Award konnte "Pro Evolution Soccer 2011" für PC und Xbox360 einheimsen. Trotzdem reichte diese Bewertung nicht, um den ewigen Konkurrenten aus dem Hause Electronic Arts in seine Schranken zu weisen. Ganz im Gegenteil, gerade auf den HD-Konsolen musste Konami 2010 feststellen, dass sich die Franchise "FIFA" mittlerweile den Genre-Thron gesichert hat. Einzig auf dem heimischen Rechner bleibt bzw. blieb "PES" die ultimative Fußballumsetzung. Nun, einen Monat nach dem großen Showdown, nach den unendlichen Diskussionen und nach den diversen Vergleichen, folgt, eher still und leise, die Veröffentlichung von "Pro Evolution Soccer 2011" für die Wii. Und wieder stellt sich die Frage: Ist diese Umsetzung besser als die Konkurrenz?
Freiheit ist alles - auch auf der Wii
Pro Evolution Soccer 2011
Ein neues Jahr, ein neuer Ableger und natürlich wieder viele neue Ankündigungen - wenn man bei einer Spielereihe, vor allem einer Sportspielereihe, mit etwas rechnen kann, dann genau damit. "Pro Evolution Soccer 2011" macht da natürlich keine Ausnahme. Da liest man dann in der Pressemitteilung, dass durch die neue 360° Steuerung, die authentisch agierende KI und die völlige Bewegungsfreiheit ein ultimatives, absolut neues Spielgefühl erzeugt wird. Ultimativ? Neu? Hochtrabende Worte - doch was sind nun die wirklichen Fakten?
Fakt 1: "Pro Evolution Soccer 2011" spielt sich so, wie man es bereits aus den diversen Vorgängern für die Wii kennt. Einerseits realistisch und taktisch, andererseits oberflächlich und kaum fordernd. Im Gegensatz zu den anderen Umsetzungen vom diesjährigen "PES" hat man auf der Wii nämlich nach wie vor die Wahl, ob man die Forderung oder ob man doch lieber den leicht zugänglichen Spaß haben will.
Pro Evolution Soccer 2011
Fakt 2: Aber trotz dieser grundsätzlich gleich gebliebenen Ausrichtung merkt man natürlich auch gewisse Änderungen und diese Änderungen nehmen sogar direkten Einfluss auf das Spielgefühl. Besonders zu nennen ist hier die manuelle Passkontrolle. Entscheidet ihr euch für selbige, dann bekommt ihr zwar enorme Freiheit bezüglich der direkten Ballsteuerung, im Gegenzug müsst ihr euch aber auch darauf einstellen, einige Zeit auf dem Trainingsplatz zu verbringen. Nur mit viel Übung werdet ihr dieses Feature auch wirklich beherrschen bzw. sinnvoll einsetzen können und nicht ständig fluchen, dass mal wieder der Gegner und eben nicht der Mitspieler den Ball bekommen hat. Besonders Hardcore-Gamer werden hier aber ihre wahre Freude haben, vor allem auch deshalb, weil am Ende aller Mühen ein enormer Zugewinn an Realität als Belohnung winkt. Wo denn sonst, außer natürlich auf dem richtigen Bolzplatz, kann man Pässe wirklich punktgenau dort hinspielen, wo man es selbst will und eben nicht das Programm? Dafür schon mal ein dickes Lob an Konami. Ebenfalls lobenswert ist, dass dieses neue Feature sowohl mit dem Classic Controller, als auch über Nunchuk bzw. Remote funktioniert - und zwar technisch nahezu fehlerfrei. Und wenn wir schon bei der Technik sind: Die gesamte Bewegungserkennung verrichtet ihre Arbeit praktisch ohne Probleme, d. h. Verzögerungen oder gar komplette Aussetzer sind nicht wirklich zu beobachten und d. h. auch der Spielfluss wird hierdurch nicht gestört.
Fakt 3: Zwiegespalten sind wir in Bezug auf die restlichen versprochenen Verbesserungen, Änderungen bzw. Anpassungen. Warum? Ganz einfach, weil wir selbige praktisch nicht bemerken können. Die KI schwank immer noch von genial bis dämlich, Dribblings fühlen sich immer noch zu träge an und taktisch bietet der Titel zwar zweifelsohne sehr viel, aber eben nicht wirklich etwas Neues.
Die Lizenzjagd geht weiter
Pro Evolution Soccer 2011
Ein Fußballspiel ohne Lizenz scheint nicht wirklich auf dem Markt erwünscht zu sein. Nicht anders ist es zu erklären, dass Konami jedes Jahr einen neuen Verwertungsvertrag aus der Tasche zaubert und damit versucht wieder etwas näher an den "Rechteprimus" Electronic Arts heranzukommen. Vor zwei Jahren schaffte es so die UEFA Champions League ins Spiel. 2010 kommen wir nun in den Genuss der "Copa Santander Libertadores", der südamerikanischen Meisterschaft der Vereinsmannschaften, also einem Pendant der europäischen CL. Doch im Gegensatz zur Champions League wird euch hier Authentizität pur geboten. 38 Originalmannschaften aus Brasilien, Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela mit den entsprechenden Originalspielern, der Originalspielmodus, sowie eine absolut passende Präsentation. Mehr geht einfach nicht.
Pro Evolution Soccer 2011
Und beim Rest der integrierten Lizenz? Hier sieht es mal wieder ganz anders aus. Zwar können deutsche User einen verhaltenen Jubel anstimmen, denn mit den FC Bayern und Werder Bremen haben es heuer nach langer Abstinenz tatsächlich mal wieder zwei Bundesligamannschaften in eine Umsetzung von "PES" geschafft, trotzdem ist das natürlich immer noch enttäuschend wenig. Da kann auch nicht darüber hinwegtrösten, dass es die komplette italienische, spanische, holländische Liga und ein paar Mannschaften der Premier League originalgetreu ins finale Spiel geschafft haben. Nein, bezüglich der Lizenzen hechelt Konami und seine Fußballumsetzung nach wie vor der Konkurrenz Meilen hinterher - und daran, wenn wir jetzt schon mal unken, wird sich wohl auch so schnell nichts ändern.
"Nichts ändern" ist übrigens auch das Motto bei den restlichen Spielmodi. Wieder wählbar bzw. spielbar, und zwar nahezu in unveränderter Form, sind: Die spaßige Karriere namens "Champions Road", diverse vorgegebene, aber auch frei erstellbare Turniere bzw. Ligen, natürlich ein recht umfangreiches Training, ein Mehrspielermodus mit bis zu vier Personen und als Onlineableger das sogenannte "Nintendo WFC". Das war's. Und eins dürfte damit auch klar sein: Der Umfang ist sicher kein Kaufgrund für das neue "Pro Evolution Soccer 2011" (Wii).
