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  • Red Dead Redemption - Red Dead Redemption: Rockstars Hommage an den Wilden Westen

    Welcher kleine Junge hat in seiner Kindheit nicht wenigstens einmal davon geträumt Cowboy zu sein. Angespornt durch Serien wie Bonanza, Unsere kleine Farm oder Filme wie Django, Die glorreichen Sieben oder Young Guns hatten viele kleine Jungs (und auch das eine oder andere Mädchen) sicher den Traum einsam mit ihrem treuen Pferd durch die Prärie zu reiten, Herden über die Steppen zu treiben oder auch eine zünftige Saloon-Rauferei vom Zaun zu brechen. Da es in der Realität selten zur Verwirklichung dieser Kinderträume kommt gibt uns Rockstar nun die Chance in die virtuelle Haut eines Cowboys zu schlüpfen. Sein Name: John Marston. Seine Aufgabe: Vergeltung

    Soweit klingt das alles nach einem typischen Klischee für ungefähr 70% aller Westernfilme. Rockstar wäre aber nicht Rockstar wenn sie sich damit zufrieden geben würden. Davon aber später mehr. Das Spiel steckt uns also in die Haut von John Marston, einem ehemaligen Outlaw der von Mitgliedern seiner ehemaligen Bande hintergangen und niedergeschossen wurde. Nun erhält er die Chance eben diese aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen. Die ersten Missionen dienen hierbei als Tutorial und führen uns an die Steuerung Marstons heran. Diese ist recht genretypisch und stellt den Spieler vor keine großen Herausforderungen. Einzig das Deckungssystem fühlt sich dann und wann ein wenig hakelig an, aber das ist nichts was ein geübter Spieler nicht in den Griff bekommt. Eine kleine Besonderheit ist die sogenannte Dead Eye Fähigkeit. Hier wird simuliert, dass Marston ja ein Revolverheld ist und besser mit dem Colt umgehen kann als seine Mitmenschen. Um dies zu verdeutlichen wurden eben die sogenannte Dead Eye Time eingeführt. Der Spieler kann hier, zeitlich begrenzt, in eine Art Bullettime schalten um so die Zeit zu verlangsamen. In der ersten Stufe wird nur die Zeit gebremst, in den weiteren Ausbaustufen, 2 Stück jeweils abhängig vom Fortschritt in der Handlung, wird die Bullettime noch "verbessert". So muss man z.B. den Cursor nur noch über die Gegner bewegen während das Spiel automatisch die Zielpunkte setzt und nach Ablauf des Timers automatisch feuert.

    Im Laufe der Handlung reitet, ballert und prügelt sich Marston so von einem ehemaligen Bandenmitglied zum anderen.

    Wie üblich im Sandbox-Genre bietet sich dem Spieler neben der Hauptmission auch eine ganze Bandbreite an Nebentätigkeiten. Angefangen vom Zureiten wilder Mustangs, Einfangen von gesuchten Verbrecher (ganz klassisch via Steckbrief: Tot oder Lebend), über Poker, Hufeisenwerfen und vieles mehr.

    Klingt bislang alles nach 08/15? Warum sollte ich meine wertvolle Freizeit denn mit Red Dead Redemption vergeuden, einem GTA im Wild West Setting?

    Gute Fragen. Sicher könnte man Read Dead Redemption auf die Summe seiner Einzelteile herunterbrechen und entsprechend bewerten. Damit würde man aber einen Fehler begehen.

    Was also ist Red Dead Redemption wenn nicht nur ein weiteres Open World Spiel in einem, zugegebenermaßen, recht ungewöhnlichen Setting? Hoch zu Pferd, den Colt im Anschlag....so stellt man sich einen Cowboy vor. Hoch zu Pferd, den Colt im Anschlag....so stellt man sich einen Cowboy vor. Quelle: rockstargames.com

    Read Dead Redemption ist, nach der bescheidenen Meinung dieses Schreibers, ein Meisterwerk. Es erzählt die Geschichte vom Ende der Welt. Nicht wie ihr jetzt denkt, typisch Weltuntergang und Aliens, nein es erzählt vom Ende der Welt eines Mannes…John Marston.

    Seine Welt, oder besser seine Weltordnung, gehen unter. Red Dead Redemption erzählt vom Ende eines Zeitalters, einer großen Ära in der amerikanischen Geschichte. Das Ende der "Wild West"-Zeit und der Beginn des Industriezeitalters. Das Ende von Cowboys auf Pferden in kleinen windschiefen Bretterdörfern mitten in der Prärie und der Beginn der Neuzeit. Eisenbahn, Dampfmaschinen, Großstädte. Die Welt verändert sich langsam und schleichend aber nichts desto Trotz wirken Männer wie John Marston auf einmal wie Dinosaurier. Relikte in einer modernen Zeit die keinen Platz mehr hat für Lagerfeuerromantik. Sonneruntergang über dem Rio Grande. Sonneruntergang über dem Rio Grande. Quelle: rockstargames.com

    Gleichwohl erzählt das Spiel aber auch von Freiheit. Dem letzten Rest Freiheit wo Männer noch auf Pferden reiten, am Lagerfeuer Kaffee kochen und das erlegte Karnickel häuten. Dieser Gegensatz wird bereits zu Beginn des Spiels recht deutlich als der Spieler das erste Mal auf Marston trifft. Richtig fremdartig wirkt er in der Großstadt in seinen zerlumpten Klamotten. Um ihn herum Leute in feinen Anzügen, naserümpfend und mit gehörigem Sicherheitsabstand zum verdreckten Cowboy. Umso überwältigender ist dann das Gefühl von Freiheit wenn man zum ersten Mal auf einem Pferd durch die weite Steppe reitet. Fast möchte befreit aufatmen und ist selbst heilfroh aus dem Großstadttrubel zu entkommen. Raus in die Freiheit...Luft zum Atmen und nur der Horizont ist die Grenze. *sing* Poor lonesome cowboy.... *sing* Poor lonesome cowboy.... Quelle: rockstargames.com Red Dead Redemption schafft es wie kaum ein anderes Spiel dieses Freiheitsgefühl in Bilder zu packen. Der erste Ausritt, der erste Sonnenuntergang über den Bergen der erste Regenguss mit Gewitter. Beinah jedes Landschaftsbild könnte als Werbeplakat in einem Reisebüro hängen. Rockstar hat hier eine lebendige, atemberaubende Welt geschaffen. Dabei spielt es keine Rolle ob man in der trockenen Steppe durch vor Klapperschlangen bevölkertes, verdörrtes Grad reitet oder in dichten Wäldern auf der Jagd nach Bären ist. Die Wüste lebt. Auf kein anderes Spiel trifft dieser Satz so zu wie auf Red Dead Redemption. Man ertappt sich als Spieler hier immer wieder dabei auf dem Weg von Mission zu Mission nicht den direkten Weg zu nehmen (oder gar die Schnellreiseoption) sonder man reitet oft einfach drauf los, orientiert sich an natürlichen Wegmarken wie Bergen oder Canyons und nimmt auch gerne mal einen Umweg in Kauf nur um diese grandiose Landschaft zu bestaunen die hier auf den Screen gezaubert wird. Selbst etwas so vermeintlich Banales wie das eigene Pferd schafft es hier Begeisterung zu wecken. Noch in keinem anderen Spiel waren diese Tiere so detailliert modelliert. Man wird sich beim ersten Ausritt auch ertappen wie man fasziniert minutenlang auf einen Pferdepo schaut einfach weil er so fantastisch echt wirkt. Jeder Muskel der Tiere zeichnet sich in Bewegung unter dem Fell ab. Ich bin sicher, hätte Barbies Ponyhof so detaillierte Pferdemodelle wäre es ein Topseller. Einsamer Ritt in den Sonnenuntergang Einsamer Ritt in den Sonnenuntergang Quelle: rockstargames.com

    Ebenso kann es passieren das man einfach nur minutenlang mit dem Pferd an einem Berghang steht und beobachtet wie die Schatten der Wolken über die Steppe gleiten.

    Das absolute Highlight sind die Unwetter. Tiefehängende, schwere dunkle Wolken ziehen in der Ferne auf die sich zügig nähern. Erste Blitze zucken, von weitem hört man schon den Donner grollen. Dann setzt der Regen ein. Erst noch langsam aber nur um sich wenig später sturzbachartig über Marston auszuschütten. Pfützen bilden sich und dünne Rinnsale suchen ihren Weg durch zerklüftete Landschaften. Die Wasseroberfläche des Rio Grande wird aufgewühlt von Millionen Einschlägen kleiner Wassertropfen und mitten in diesem Szenario ein einsamer Mann, den Kragen hochgeschlagen auf einem nass glänzenden schwarzen Pferd. Instinktiv zuckt man mit den Schultern wenn der Donner durch die Landschaft rollt.
    Tiefhängende Regenwolken, nasses Fell unter dem sich die Muskelpakete abzeichnen....ein Bild von einem Mustang. Tiefhängende Regenwolken, nasses Fell unter dem sich die Muskelpakete abzeichnen....ein Bild von einem Mustang. Quelle: rockstargames.com
    Gleichwohl steht dieses Szenario auch sinnbildlich für Marstons Mission. Ein Mann allein gegen die Übermacht der Banditen. Sicher man trifft dann und wann auf Verbündete, manche werden sogar zu Freunden doch die ganze Zeit beschleicht einem das Gefühl "das kann doch nicht gut enden".

    Neben der Umwelt also solche hat sich Rockstar auch sehr viel Mühe gegeben mit den Charakteren. Klar werden hier einige Klischees bedient (Stichwort: fahrende Wunderheiler) aber Rockstar hat es geschafft jeder dieser Figuren Leben einzuhauchen. Ob es nun die fürsorgliche Farmerstochter, der schmierige mexikanische Soldat oder der liebenswerte Trunkenbold sind. Alle Figuren regen beim Spieler Emotionen an. Während man über die einen lachen und schmunzeln kann so wird man die anderen bald abgrundtief verachten. Allerdings macht Rockstar hier nicht den Fehler nur schwarz und weiß zu zeichnen. Jede Figur handelt, aus ihrer Sicht, nachvollziehbar und oft genug bewegt sich auch Marston, nicht ganz der gewohnt strahlende Held, in Grauzonen.
    Sonne bricht durch die Wolkendecke...ein Anblick der zum Verweilen einlädt. Sonne bricht durch die Wolkendecke...ein Anblick der zum Verweilen einlädt. Quelle: rockstargames.com

    Ist Red Dead Redemption also ein gutes Spiel? Ja ist es und es ist mehr als das…mehr als die Summe seiner Einzelteile aus Grafik, Handlung, Gameplay und Sound. Red Dead Redemption ist ein Abgesang auf Mythos Wilder Westen, gespielte Geschichte, ja sogar Spiel gewordenes Drama. John Marston ist mehr als nur eine Hauptfigur die man kurz nach dem Durchspielen oft schon wieder vergessen hat. Er ist ein Mann der sich an der Rache verschrieben hat und damit dem Untergang geweiht ist. Ebenso wie die Zeit der Cowboys dem Untergang geweiht ist und Platz machen muss für etwas Neues. Großes Kino, große Emotionen…schlicht ein Meisterstück.

  • Red Dead Redemption

    Red Dead Redemption

    Publisher
    Rockstar Games
    Developer
    Rockstar Games
    Release
    07.07.2011
    Leserwertung
     
    Meine Wertung

    Es gibt 5 Kommentare zum Artikel

    Von Mersadion
    Vielen Dank für die Blumen :)
    Schau dir doch auch mal meinen Beitrag zu Prototype 2 an.
    Von Marco A
    Wieder mal ein sehr gut geschriebener Text. - Und der Star des Spiels ist wirklich die Atmosphäre und die Landschaft.
    Von Mersadion
    Darum hab ich auch versucht gar nicht groß auf die Handlung einzugehen. Der Star des Spiels ist in meinen Augen eben die Spielwelt gefolgt von den skurrilen Charakteren.

    Es freut mich übrigens das ich für meine Artikel bislang nahezu nur positives Feedback bekommen habe. Ich freu mich über noch mehr (also Feedback..egal ob positiv oder negativ)

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Red Dead Redemption
Red Dead Redemption: Rockstars Hommage an den Wilden Westen
Welcher kleine Junge hat in seiner Kindheit nicht wenigstens einmal davon geträumt Cowboy zu sein. Angespornt durch Serien wie Bonanza, Unsere kleine Farm oder Filme wie Django, Die glorreichen Sieben oder Young Guns hatten viele kleine Jungs (und auch das eine oder andere Mädchen) sicher den Traum einsam mit ihrem treuen Pferd durch die Prärie zu reiten, Herden über die Steppen zu treiben oder auch eine zünftige Saloon-Rauferei vom Zaun zu brechen. Da es in der Realität selten zur Verwirklichung dieser Kinderträume kommt gibt uns Rockstar nun die Chance in die virtuelle Haut eines Cowboys zu schlüpfen. Sein Name: John Marston. Seine Aufgabe: Vergeltung
http://www.gamezone.de/Red-Dead-Redemption-Spiel-29668/Lesertests/Red-Dead-Redemption-Rockstars-Hommage-an-den-Wilden-Westen-1027786/
02.10.2012
http://www.gamezone.de/screenshots/thumb/2012/10/rdr_landscape.jpg
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