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  • Reprobates - Insel der Verdammten: Insel der (Alp-)Träume - Leser-Test von BigJim

    Seit Black Mirror: Der dunkle Spiegel der Seele (2004) und Nibiru: Der Bote der Götter (2005) sind die Entwickler aus dem Hause Future Games eine Art Garant für solide gemachte Point&Click-Adventures. Zugegebenermaßen ist die Tendenz fallend, denn Nibiru war in den Augen vieler Genre-Fans schon schwächer als das Vorgänger-Produkt. Und auch Reprobates: Insel der Verdammten, also das dritte Rätselabenteuer der tschechischen Entwicklerschmiede, konnte nach allgemeiner Auffassung nicht an den Glanz früherer (Black Mirror-)Zeiten anknüpfen. Dennoch: Reprobates scheint eine interessante Story zu bieten. Geht es doch diesmal um "Nahtoderfahrungen", also um Erlebnisse hart an der Schwelle zum Jenseits. Klingt spannend. Und gruselig. Ist es aber leider nicht. Jedenfalls nicht in gewünschtem Maße. Aber beginnen wir der Reihe nach.

    In Reprobates: Insel der Verdammten übernehmen wir die Rolle des 23-jährigen Technikers Adam Raichl. Der macht sich eines frühen Morgens mit seinem Wagen auf den Weg zur Arbeit. Die Dunkelheit der zurückliegenden Nacht ist noch nicht ganz vorüber, rockige Musik ertönt aus dem Autoradio. Gerade ist Adam im Begriff eine Kreuzung zu überqueren, als von der linken Hauptstraße kommend urplötzlich ein schwerer Tank-LKW angebraust. Ein Frontalzusammenprall scheint unvermeidbar, einschließlich Tankexplosion und allem, was sich jetzt in Bruchteilen einer Sekunde ankündigt. "Das war's!", dürfte sich unser Mann in diesem Augenblick wohl gedacht haben. Aber: War's das wirklich schon?

    Offenbar nicht. Denn kurz nach dieser Nah-Toderfahrung findet sich Adam auf einer mysteriösen Insel wieder. Nur: Was genau ist das für ein Ort? Wie ist er hierher gekommen? Und was hat es mit dem Glockenturm auf sich, der auf einer Anhöhe des geheimnisvollen Eilands thront und dessen Erklingen die anderen Inselbewohner auf unerklärliche Weise einschlafen und mitunter für immer verschwinden lässt? Jedenfalls steht fest: Auf der Insel gibt es noch andere Menschen, die alle ähnliche Nahtoderfahrungen gemacht haben. Sie werden offenbar hier gefangen gehalten. Adams bzw. des Spielers Aufgabe besteht nun darin herauszufinden, was es mit der Insel, ihren Gefangenen und deren "Kidnappern" wirklich auf sich hat - und wie man ihr entfliehen kann.

    So interessant die Handlung beginnt, so schnell verläuft sie sich auch wieder. Neueren Adventures wird - oft sicher nicht zu ganz zu Unrecht - vorgeworfen, sie seien zu kurz. Bei Reprobates ist das genaue Gegenteil der Fall. Der Titel ist zu lang. Die gut 15-20 Spielstunden, die wir bis zum Lüften des ominösen Insel-Abenteuers benötigen, ziehen sich wie ein Kaugummi. Das hat in erster Linie mit den zahlreichen Gesprächen zu tun. Wie bereits erwähnt, leben auf der Insel noch andere knapp dem Tode Entkommene, die zudem aus unterschiedlichen Jahrzehnten kommen (von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts). Die Betreffenden hausen in Wohncontainern, die Adam nach und nach abklappern muss. Dabei bleiben die Figuren für gewöhnlich äußerst blass und der Nutzen der Dialoge nicht selten fraglich. Ein Teil der dort erworbenen Informationen ist nämlich schlicht belang- und für den weiteren Spielverlauf somit wertlos. Ein Weniger an Gequatsche hätte hier eine gewisse Straffung im Spielverlauf und damit ein Mehr an Spielspaß bewirken können.

    Räumlich wird uns etwas mehr Abwechselung geboten. Klar verbringen wir den Großteil unserer Zeit auf der Insel; das Eiland bietet aber einige Ufer, Strände, Klippen, Hügel, die es erst einmal zu erkunden gilt. Spätere Abschnitte führen uns in einen Dschungel, einen Krater oder ein Hangar. Genretypisch steuern wir unseren Helden in klassischer Point&Click-Manier aus der Verfolgerperspektive. Ausgänge (Richtung "Exit") lassen sich sichtbar machen, Objekte leider nicht, was dazu zwingt, die Gegend gründlich zu durchsuchen, damit wichtige Gegenstände nicht übersehen werden. In diesem Punkt hängt Reprobates also bereits vor Jahren eingeführten und seither eigentlich gängigen (Komfort-)Standards hinterher. Immerhin ist das Inventar halbwegs überschaubar. Positiv: Objekte können per Mausklick untersucht werden.

    Was das Rätseldesign betrifft, zeigt sich das Insel-Adventure im Prinzip einsteigerfreundlich. Da die Anzahl der Gegenstände, mit denen der Spieler interagieren kann, meist begrenzt ist, wissen Freunde des Genres meist sehr schnell, was zu tun ist. So müssen wir zum Beispiel trockenes Gras mit Feuer anwenden, um einen (eingeklemmten) Baumstamm wegzubrennen, einen Gürtel als Flaschenzug benutzen, mit einem Backstein ein Fenster einschlagen, um so in einen Wohnwagen einzudringen, oder die fast schon obligatorischen Zahlenschlösser- bzw. Tresorknacker-Aktionen durchführen. Dann gibt es noch Klettereinlagen und andere kleinere Geschicklichkeitsspiele. Alles schon x-fach dagewesen. Aber gut, das Rad lässt sich eben nicht immer neu erfinden.

    Sogar Nervenkitzel kommt gelegentlich auf. Eher selten, aber wenn, dann recht atmosphärisch. Dafür sorgen die gekonnt in Szene gesetzten Zwischensequenzen. Adam wird nämlich von Zeit zu Zeit von Alpträumen heimgesucht, übrigens ein Schicksal, das er mit den anderen Inselgefangenen teilt. Dann entsteht für kurze Augenblicke tatsächlich so etwas wie Gänsehaut. Realität und Fiktion vermischen sich, und es sind wohl in erster Linie diese Situationen, die den Spieler neugierig machen und dazu veranlassen (könnten), Reprobates trotz aller Hänger bis zum Ende durchzuzocken. Schließlich wird man hin und wieder mit einigen ziemlich schauerlichen Orten und Tatsachen konfrontiert. Adams Nachforschungen führen ihn unter anderem in ein Labor, eine Leichenhalle und einen Sezierraum. Und wie es sich für einen richtigen Mystery-Thriller gehört, gibt es auch einen Erhängten (mehr sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten). Und doch: Solche Spielabschnitte sind in Reprobates viel zu selten. Jedenfalls gelingt es dem Titel nicht, eine durchgehend Spannung aufzubauen. Dies war in Black Mirror bekanntlich anders und dort wesentlich besser gelöst.

    Etwas ärgerlich ist der Umstand, dass sich Reprobates in Sachen Musikuntermalung und Soundeffekte stark zurückhält. Zumindest musikalisch hätte man etwas mehr erwarten können, denn in der Hinsicht dringt wenig bis nichts an unsere Ohren. Die Synchronstimmen sind größtenteils akzeptabel, wobei die Sprecher einzelne Sätze manchmal falsch betonen. Einen erkennbaren Zugewinn gibt es hingegen bei der Grafik zu verzeichnen. In Reprobates findet eine Weiterentwicklung der Nibiru-Engine Anwendung. Dies äußert sich u.a. in realistischeren Gesichts-Animationen und 3D-Charakteren, die einfach detaillierter aussehen als noch bei den beiden Vorgänger-Adventures von Future Games. Im Meereswind schwankende Palmen und fliegende Möwen lassen eine lebendige Spielwelt entstehen. Für heutige Verhältnisse erscheint die Optik zwar nicht so überragend; zu bedenken ist aber, dass Reprobates 2007, also vor vier Jahren, auf den Markt kam. Und für damalige Verhältnisse ist das Dargebotene schon ganz in Ordnung, wobei der Titel aufgrund vorgenannter Schwächen einen insgesamt, sagen wir, eher "mäßigen" Eindruck hinterlässt. Eine eindeutige Kaufempfehlung wollen und können wir daher nicht aussprechen. Wer etwas mehr für sein Geld will, greift besser zu Overclocked. Das ist der Titel eines anderen Point&Click-Adventures aus dem Jahre 2007, welches mittlerweile ebenfalls sehr günstig (ca. 10 €) zu erwerben ist.

    Negative Aspekte:
    Gestreckter Spielverlauf (zähes Gameplay).

    Positive Aspekte:
    Ansehnliche Grafik; interessante Story.

    Infos zur Spielzeit:
    BigJim hat sich 10-20 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Reprobates - Insel der Verdammten

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: BigJim
    7.0
    Multiplayer
    -
    Grafik
    8/10
    Steuerung
    7/10
    Sound
    7/10
    Gameplay
    6/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Reprobates - Insel der Verdammten
    Reprobates - Insel der Verdammten
    Publisher
    dtp
    Developer
    Future Games (CZ)
    Release
    14.09.2007

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1010820
Reprobates - Insel der Verdammten
Reprobates - Insel der Verdammten: Insel der (Alp-)Träume - Leser-Test von BigJim
http://www.gamezone.de/Reprobates-Insel-der-Verdammten-Spiel-29872/Lesertests/Reprobates-Insel-der-Verdammten-Insel-der-Alp-Traeume-Leser-Test-von-BigJim-1010820/
14.08.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2007/01/1169045179626.jpg
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