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  • Rhiannon: Geister der Vergangenheit - Premium Edition - Auf den Spuren der Vergangenheit - Leser-Test von BigJim

    Mit dem in Deutschland Anfang 2009 veröffentlichten First-Person-Adventure Rhiannon: Der Fluch der vier Zweige gelang den Independant-Entwicklern der Arberth Studios seinerzeit ein erster Achtungserfolg. Die französische Seite Planète Adventure kürte den Titel sogar zum "Adventurespiel des Jahres 2009". Hierzulande wurde Rhiannon ebenfalls positiv aufgenommen. Allerdings gab es auch Kritik: Am mangelnden Bedienkomfort, wegen fehlender Hinweise und dem - dadurch bedingt - sehr zähen Gameplay. Mit Rhiannon: Geister der Vergangenheit hat Daedalic-Tochter Prime Games in diesen Tagen eine Neufassung, die sogenannte Premium Edition, auf den Markt gebracht, welche die wesentlichen Mängel der ursprünglichen Version konsequent anzugehen verspricht und das Mystery-Adventure damit einer breiteren Zielgruppe zugänglich machen möchte.

    Ein neues Eigenheim bringt nicht nur Freude. Die Erfahrung macht gerade Familie Sullivan. Kürzlich hat das Ehepaar Malcom und Jennifer Sullivan ein altes restauriertes Anwesen inmitten der abgelegenen Wälder in Wales bezogen, um sich dort, gemeinsam mit ihrer 15jährigen Tochter Rhiannon und umgeben von beschaulichem Grün, fernab der Großstadt niederzulassen. Es kommt, wie es bekanntlich immer in so abgelegenen Gegenden kommen muss: Dort geht es nicht mit rechten Dingen zu. Es spukt! Vor allem Rhiannon beschleicht das ungute Gefühl, dass die Familie ständig beobachtet wird, irgendwer oder irgendwas durchs Anwesen pirscht und sich Schreckliches auf Ty Pryderi, so der Name des von der Familie Sullivan erworbenen Hofes, ankündigt. Das Mädchen wird von nächtlichen Alpträumen heimgesucht. Und es scheint, als würden sich unsichtbare Hände an ihren Hals legen, um ihr die Luft abzudrehen. Bei aller Liebe zum walisischen Landleben reift bei den Sullivans schnell der Entschluss, dass Ty Pryderi wohl doch nicht der ideale Ort für ihre Tochter ist. Sie beschließen daher, das Anwesen vorübergehend zu verlassen, um dem Mädchen weitere Seelenqualen zu ersparen. Ganz von ihrem Eigenheim trennen will sich die Familie jedoch nicht. Die Sullivans bitten deshalb ihren alten Bekannten Chris während ihrer Abwesenheit den Landhof stellvertretend für sie zu verwalten. Schließlich müssen die abschließenden Bau- bzw. Restaurationsarbeiten kontrolliert werden. Und vielleicht - so hofft die Familie - bekommt bei der Gelegenheit ja er, Chris, Genaueres über die Hintergründe der unheimlichen Vorfälle heraus.

    Es versteht sich von selbst, dass wir besagter "Chris" sind. Womit der Spieler in den darauffolgenden ca. fünfzehn Stunden die Chance erhält, Ty Pryderi eingehend zu erforschen. Das Anwesen besteht aus mehreren Nebengebäuden sowie angrenzenden Lokalitäten (z.B. einem kleinen Friedhof). Auffallend ist, dass sich Rhiannon: Geister der Vergangenheit nicht ganz so düster präsentiert wie diverse Genre-Kollegen, da wir den Hof der Familie Sullivan für gewöhnlich am Tage oder in den frühen Abendstunden durchsuchen, während vergleichbare Titel wie Scratches fast ausschließlich nachts, also in der Dunkelheit spielten, was die gruselige Atmosphäre dort besonders unterstrich. Rhiannon präsentiert sich daher nicht ganz so furchteinflößend und verzichtet auf kleinere Schockeffekte, wie sie in Scratches und Barrow Hill - obschon auch da nur äußerst selten - eingesetzt wurden. Rhiannon: Geister der Vergangenheit lebt vielmehr von seiner interessanten Story und einer Stimmung, die zwar nicht besonders schauerlich, aber trotzdem recht unheimlich ausfällt. Denn gespenstisch geht es - ungeachtet des im Grunde genommen sehr gemächlichen Spielverlaufs - natürlich auch in Rhiannon zu. Das wird uns schon bald nach der Ankunft auf dem Gelände von Ty Pryderi klar. Der Küchenstuhl rückt wie von Geisterhand gesteuert auf und ab, unheimliche Geräusche und Stimmen dringen an unser Ohr, und im Treppenhaus taucht plötzlich eine ominöse Wolke auf. Nachher gelangen wir auch in einen unterirdischen Schacht und einen Geheimraum. Allzu sensible Gemüter dürfen an dieser Stelle beruhig sein: Chris ist nicht sterblich. Das nimmt etwas von dem Druck, ohne dass die Spannung zu sehr darunter leiden würde. Dass auch wir selbst recht schnell mit übersinnlichen Vorgängen auf dem Sullivan-Besitz konfrontiert werden, wirft natürlich zahlreiche Fragen auf: Was hat es mit all den Symbolen und den Hinweisen auf Zweigen zu tun, die sich auf dem Gutshof finden? Droht den Inhabern von Ty Pryderi ernsthafte Gefahr für Leib und Leben? Und was hat es mit der Vergangenheit des Anwesens auf sich, um welches sich offenbar ganze Mythen und Legenden in und um Wales ranken?

    Um dem Geheimnis des Anwesens näher zu kommen, müssen wir dessen einzelne Bereiche sorgfältig durchsuchen, was sich erfreulicherweise aufgrund der in der Premium Edition enthaltenen Features jetzt merklich einfacher gestaltet als noch in der 2009 veröffentlichten Ursprungsversion. Denn die hier behandelte Neufassung verfügt neben einer Einführung über eine interaktive Karte, welche die Orientierung erleichtert. Außerdem lassen sich per Hauptmenü nun endlich Hinweise (optional) zuschalten. Die Spurensuche führt uns durch zahlreiche Innenräume (Küche, Wohnzimmer, Abstellkammern, Flure usw.), eine Scheune, in den weitläufigen Hofgarten etc. und - gegen Ende des Adventures - auf die bereits erwähnte Grabstätte. Zu Beginn des Spiels geht es hauptsächlich darum, bestimmte Gegenstände zu finden (beispielsweise den Haustürschlüssel unter der Blumenvase oder die Taschenlampe im Regal eines Schrankes). Dem schließen sich kleinere Rätseleinlagen an. So müssen wir u.a. einen Safe oder das Schloss einer Scheune knacken (Zahlenkombination), mit Hilfe eines Computers keltische Zeichen identifizieren und richtig anordnen, oder eine Hecke entfernen (zuvor müssen wir selbstverständlich die dazugehörige Heckenschneidemaschine finden und betriebsbereit machen), die den Zugang zu einem Eingang verdeckt. Relativ große Bedeutung kommt dem Sichten von schriftlichen Aufzeichnungen zu. Davon gibt es jede Menge auf dem Anwesen. So wühlen wir uns häufig durch Aktenordner, Tagebucheintragungen, Zeitschriften, Geschichtsbücher, E-Mals und sonstige Dokumente. Der Leseaufwand ist entsprechend groß. Mitunter muss der Spieler außerdem bestimmte Objekte labortechnisch untersuchen. Meist erwarten uns einfachere, zum Teil aber auch ziemlich anspruchsvolle Mini-Puzzles, Musik-, Sprach- und Kombinationsrätsel.

    In Rhiannon erleben wir die Umgebungswelt aus der Ego-Perspektive. Dies hat den Vorteil, dass wir unseren Charakter selbst nicht von Außen betrachten können, sondern der Spieler vielmehr das ungute Gefühl hat, von anderen (bösen Geistern) betrachtet (sprich: beobachtet) zu werden. Genretypisch können wir via Maus bzw. Cursor durch Ty Pryderi lustwandeln, wobei man sich einfach von einem Bildschirmausschnitt zum andern klickt. Der Mauszeiger verändert sich, sobald der Spieler etwas aufnehmen oder benutzen kann. Praktisch: Nur Objekte, die wir in der jeweiligen Situation wirklich brauchen, lassen sich an Ort und Stelle aufnehmen. Das erspart uns ein unnötiges Ausprobieren (weil so automatisch die Anwendungsmöglichkeiten von Objekten auf ein überschaubares Maß reduziert werden) und sorgt für eine gewisse Übersichtlichkeit im Inventar, wobei sich die Items in einer Symbolleiste am oberen Bildschirmrand aufrufen lassen, indem wir den Cursor dorthin bewegen. In grafischer Hinsicht offenbart sich Rhiannon: Geister der Vergangenheit als ausgesprochen schlicht. Ähnlich wie in Scratches oder Barrow Hill wirkt die Spielwelt statisch, was damit zusammenhängt, dass auf Animationen - abgesehen von den wenigen Sequenzen und ein paar anderen Ausnahmen - weitgehend verzichtet wurde. Dennoch wollen wir dem Titel solche Dinge nicht allzu übel nehmen, weil das sterile Drumherum beim Spieler gleichzeitig eine Atmosphäre von Leblosigkeit und Kälte entstehen lässt und die biedere Optik irgendwie zur Darstellung des gespenstischen Sullivan-Anwesens passt. Sparsam, wenn auch nicht unbedingt minimalistisch, gingen die Entwickler auch in Sachen Akustik vor. Musikalisch erwarten uns - abhängig von der jeweiligen Situation - bombastischer Orgelwirbel, dann wieder leisere sphärische oder heftige elektronische Klänge. Von wenigen Ausnahmen (Telefonnachrichten, gelegentliche Geisterstimmen) abgesehen gibt es praktisch keine Sprecher, da Ty Pryderi zum Zeitpunkt unserer Nachforschungen ja quasi menschenleer ist, es an weiteren Figuren bzw. Nebencharakteren also fehlt. Der positive Aspekt: Dadurch setzt sich im Spieler aber auch die Gewissheit fest, verlassen und völlig auf sich allein gestellt zu sein: In einem einsamen Landhaus, irgendwo inmitten der dichten und entlegenen Wälder von Wales - und allein mit den Geistern der Vergangenheit.

    Fassen wir zusammen: Dem Ziel, Rhiannon einer größeren Zielgruppe von (Adventure-)Spielern zugänglich zu machen, kann die Premium Edition sicher nur bedingt gerecht werden. Denn der typische Black Mirror-Spieler dürfte auch mit dieser überarbeiteten Neuauflage wenig bis nichts anfangen können. Vielmehr besteht für Ottonormal-Spieler die Gefahr, früher oder später gelangweilt - im ungünstigsten Fall laut schnarchend - vor dem PC zu versinken. Rhiannon versucht sich etwas abseits herkömmlicher und (kommerziell) ausgetretener Pfade, ist eindeutig mehr was für Experten am Rande des Geschehens - und wird wohl auch nur unter solchen seine Anhänger bzw. Käufer finden. Wer allerdings Wert auf eine interessante Story, logisch aufgebaute, anspruchsvolle Rätsel legt und vielleicht einen Fimmel für keltische Mythologien u.ä. hat, der wird durch dieses 1st-Person-Adventure gut unterhalten. Bedenkt man dann noch, dass hinter dem Point&Click-Adventure der Arberth Studios ein sehr kleines Entwickler-Team steckt, dann verdient die Umsetzung des nur mit geringen finanziellen Mitteln ausgestattete Projekts vollen Respekt.

    Negative Aspekte:
    Keine Nebencharaktere; Grafik relativ statisch (kaum Animationen); bedächtiger Spielverlauf/vergleichsweise wenig Grusel-Flair.

    Positive Aspekte:
    Interessante Story; Rätseldesign (logische und anspruchsvolle Rätsel); gute Atmosphäre; Features der Premium Edition (optionale Hinweise usw.); akzeptable Spielzeit (ca. 15 Stunden).

    Infos zur Spielzeit:
    BigJim hat sich 10-20 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Rhiannon: Geister der Vergangenheit - Premium Edition

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: BigJim
    7.0
    Multiplayer
    -
    Grafik
    6/10
    Steuerung
    7/10
    Sound
    7/10
    Gameplay
    8/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
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Rhiannon: Geister der Vergangenheit - Premium Edition
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03.10.2010
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