Gamezone - Die Community von Spielern für Spieler!

Rocksmith (X360)

Release:
27.09.2012
Genre:
k.A.
Publisher:
Ubisoft

Rocksmith im Test: Wir überprüfen, ob man wirklich Gitarre spielen lernt

15.10.2012 10:52 Uhr
|
34°
|
Ja, ja, das durften sich viele Spieler in den vergangenen Jahren anhören: Plastikklampfen gehören ins Kinderzimmer und können schon gar nicht das Gefühl einer Gitarre vermitteln, welche am Lagerfeuer genüsslich gezupft oder auf der Bühne geschrubbelt wird. Und dennoch wurde Guitar Hero zum absoluten Überraschungserfolg und sorgte für eine unglaubliche Flutwelle an Musikspielen. Zuletzt kränkelte das Genre am ewigen Aufguss etablierter Reihen sowie sinnlosen Spin-Offs, doch totgesagte leben bekanntlich länger.

Rocksmith im Gamezone-Test (8) Rocksmith im Gamezone-Test (8) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Denn Rocksmith steht seit einigen Wochen in den Händlerregalen und versorgt das Gerne mit frischem Wind. Die mindestens 80 Steine dafür schlagen ein ordentliches Loch ins Portemonnaie, das muss man durchaus erwähnen, doch Software plus beigelegtem Anschlusskabel sind nahezu jeden Cent wert, sofern man über einige Mankos hinweg sehen kann. Das knarrende Plastikzeugs vergangener Tage könnt ihr übrigens ruhig im Keller weiter verstauben lassen und die schwere, echte E-Gitarre heraus kramen. Ob nun das Schnäppchen aus einem Versandhaus, oder eine legendäre original Jackon, eine schicke Fender oder ähnliches Bühnenwerkzeug, jegliche handelsübliche Gitarre oder Bass lässt sich über das speziell für Rocksmith gefertigte Kabel an die Konsole anschließen. Dieses wandelt das Tonsignal um und liefert der Software somit den nötigen Input zur Beurteilung des Könnens. Ja. ihr müsst eine echte Gitarre mit sechs bzw. den Bass mit fünf Saiten schultern und sämtliche Kniffs erlernen, um mit Nirvana, Lynyrd Skynyrd, The Rolling Stones und vielen weiteren auf der Bühne zu bestehen.

Rocksmith im Gamezone-Test (2) Rocksmith im Gamezone-Test (2) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Manch einer wird nun ins Schwitzen kommen, aufgrund der teils schweren Klampfen, aber vermutlich vor allem aufgrund der nicht zu verachtenden Herausforderung. Rocksmith schmeißt uns mit einer Art Karriere zunächst ins kalte Wasser und wer bis dato nicht einmal Erfahrungen mit irgendwelchen Musikspielen gesammelt, geschweige denn eine Gitarre gezupft hat, tut sich zunächst schwer. Ist die Gitarre jedoch erstmals gestimmt (dank Unterstützung sofort erledigt) und die Skepsis gegenüber Rocksmith abgelegt, ist das System schnell durchschaut. Ein Replikat des Gitarrenhals auf dem Bildschirm verdeutlicht recht anschaulich, welcher Bund und welche Saite zu spielen ist, während die Noten ganz ähnlich Guitar Hero oder Rock Band auf die Spielfläche zufliegen. Farben und Ziffern, oder Notenbezeichnungen für Kenner, vereinfachen die Orientierung und sollten Markierungen auf der eigenen Gitarre fehlen, dürften die mitgelieferten Ziffernaufkleber das Manko beheben. Komplexere Techniken erfordern aber auch komplexere Darstellungen wie Piktogramme oder hinterher gezogene Linien. Schlussendlich ist eine Reizüberflutung micht auszuschließen. Die Entwickler haben aber stets versucht, jeglichen Move verständlich darzustellen. Das klappt nicht immer, klar, aber zumeist kann man nicht meckern.


Das Abenteuer beginnt aber eh noch recht recht gemächlich. Anfänglich werden nur einzelne Noten und Tonsprünge abverlangt und man gewöhnt sich an die Haltung der Finger und wie man einzelne Saiten zu bedienen hat. Es geht um das Lesen der Noten, als auch Rhythmusgefühl. Diverse zusätzliche Technikübungen führen uns in die Kunst des Gitarrenspiels ein und lehren wichtige Dinge wie das Notenspiel, Hammer-Ons, Griffe und Akkorde.Wurden mit etwas Übung einige Abschnitte fehlerfrei absolviert, wird noch innerhalb des Songs der Schwierigkeitsgrad langsam, aber stetig angehoben. Zum Schluss steht man im Wohnzimmer und schrubbelt sich den Wolf, um den Gitarrenlegenden alle Ehre zu machen. Bis dahin ist der Weg aber holprig, gar steinig und bisweilen vor allem für unerfahrene Spieler, aber auch Profis richtig nervenaufreibend.

Rocksmith im Gamezone-Test (3) Rocksmith im Gamezone-Test (3) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Denn diese Dynamik im Schwierigkeitsgrad ist sogleich Fluch als auch Segen für Rocksmith. Die Software passt sich dem Können an und vor allem Anfänger erfreuen sich aufgrund früher Erfolge und den durchwegs annehmbaren Klängen, welche sie ihrer Klampfe entlocken können. Die Freude währt aber nie lange. Das nächste Solo, der nächste schnelle Song, oder Technikwechsel sorgt für ein plötzliches Notenwirrwar, welches die Aufnahmefähigkeit überschreitet und extrem frustriert. Notgedrungen spielt man nicht weiter, bis sich die Notenflut beruhigt hat oder wandert in den Proberaum. Dort lässt sich der Schwierigkeitsgrad prinzipiell manipulieren, dennoch bleibt dieser auch hier weiterhin dynamisch und äußerst launisch. Profis wiederum kennen den einen oder anderen Song und wissen, was auf sie zukommt. Sie müssen aber zunächst gelangweilt mehrfach die Tonleitern abklappern, bis Rocksmith mit einem adäquaten Niveau samt ordentlicher Riffs und Akkorden aufwartet.

Das nervt, gewaltig, obwohl man den Entwicklern kaum einen Vorwurf machen kann. Denn die Dynamik an sich ist natürlich eine prima Idee, um jedem Spieler genau das zu geben, was seinem Können entspricht. Dennoch zweifeln wir ein wenig am optimalen Lernerfolg. Nicht nur deswegen wäre eine zusätzliche feste Wahl des Schwierigkeitsgrades wünschenswert gewesen. Es ist auch mehr als ärgerlich wenn man einen bestimmten Song einfach nur aus Spaß an der Freude und am herrlichen Klang der Gitarre und dem eigenen Spiel von sich geben möchte. Alsbald werden Techniken abverlangt, die man erstens noch studieren muss um sie beherrschen zu können und welche zweitens aufgrund gespielter Fehler den akustischen Bühnenauftritt versauen. Immerhin sind es Videospieler, die hier evtl. zu Rocksmith greifen und ab und an auch etwas Fun haben wollen und nicht nur den Gitarrenunterricht vor Augen haben. Für all diejenigen hat Ubisoft übrigens auch einige witzige Minispiele drauf gepackt, welche letztendlich verdeckt auch die Koordination fördern. Sie dienen daher nicht nur der Highscore Jagd, sondern bietet damit auch einen unbewussten Lerneffekt.

Es gibt aber auch zahlreiche kleine Dinge, die an und für sich gar nicht so gewichtig sind, im Ganzen aber doch die Stimmung trüben. Im Technik-Studio werden uns einzelne Übungen vorgegeben, die ein Anfänger auch brav angehen wird. Ärgerlich sind aber die langen Ladezeiten, beständigen Wiederholungen des Lehrers und die dazu viel zu kurzen Übungssequenzen. Kaum ist die Konzentration aufgebaut, wird das Training auch schon wieder unterbrochen und man muss den ganzen Vorspann in der Wiederholung nochmals über sich ergehen lassen. Das Geplapper kann man ja schnell per Taste wegdrücken, dafür müssen wir aber wie natürlich überall im Menü zum Controller greifen. Wir haben schließlich keine Plastikklampfe mehr um den Hals geschnallt, welche sämtliche Buttons ebenfalls bieten würde.

Rocksmith im Gamezone-Test (6) Rocksmith im Gamezone-Test (6) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Die Navigation ist ebenfalls ein klein wenig widerspenstig und birgt Fehler, die wir schon bei so manch anderem Genrevertreter beklagten. Ist der Auftritt absolviert und wird der nächste Song in der freien Songauswahl angestrebt, landet man unweigerlich am Anfang der Liste. Sämtliche Titel müssen abermals durchgenudelt werden, bis später gelistete Songs irgendwann doch endlich erreicht sind. Unverständlich auch, warum es keine Sound-Preview im Onlineshop gibt. Wer mit Interpret, Band und Titel nichts anfangen kann, muss Youtube bemühen. Intuitiv und durchdacht ist dies sicherlich nicht. Die Songauswahl auf der Disc fällt übrigens recht gemächlich aus. Die Entwickler legen mehr wert auf spielbare Songs, die eine gewisse Lernkurve haben. Deftiger Rock und Metal wird man daher eher missen und muss auf zukünftige Downloads hoffen, die leider mit etwa drei Euro pro Songs recht teuer ausfallen.

Der optimaler Sound wird erzielt, wie auch der Beipackzettel verdeutlicht, wenn möglichst auf digitalen Schnickschnack verzichtet wird. D. h. wenn möglich komplett auf digitalen Sound verzichten, denn jegliche Konvertierung frisst Zeit, welche sich in einem deutlich hörbaren Lag widerspiegelt. Die Gitarrenseite wird angespielt und erst nach wenigen Millisekunden, gefühlten Sekunden, ertönt der entsprechende Sound über die Anlage. Im Falle der Xbox 360 haben wir zum Beispiel selbst mit dem als optimal eingestuftem Audio-Adapter und einem optischen Kabel entsprechendes Phänomen vernommen und mussten auf eine altertümliche Cinch-Verbindung zurückgreifen. Ein Manko, was nicht den Entwicklern verschuldet ist und welches im digitalen Zeitalter leider üblich ist. Daher unser Rat: Wer sich Rocksmith zulegt, sollte auf Dolby Digital und Co. verzichten können.

Rocksmith im Gamezone-Test (7) Rocksmith im Gamezone-Test (7) [Quelle: Siehe Bildergalerie] Daher ein Lob, dass trotz solcher Schwierigkeiten die Technik gut umgesetzt ist. Nur wer ganz tief in die Gitarrentektonik blickt, wird auch so manchen Fehler in der Umsetzung finden, z. B. die eher gutmütige Auswertung. Unser Ohr ist ein wesentlich besserer Kritiker, welches Live der Performance lauscht. Da exakt unser Gitarrenspiel aus den Boxen dröhnt, kann man sich ein freudiges Lächeln bei einem gelungenen Gig nicht mehr verkneifen. Rocksmith macht auch aus diesem Grund einfach unglaublich viel Spaß. Jeder Gitarrenspieler, der im heimischen Keller einst ohne Band, ohne Hintergrund, auf sich allein gestellt die Kunst erlernt hat, kennt das Gefühl: Es ist einfach unglaublich herrlich, wenn man nicht alleine ist und ein ganzer Song gleichzeitig offeriert wird.

   
Alexander Winkel
Klasse Ansatz!
Hut ab Ubisoft! Mit Rocksmith und seiner beachtlichen Technik lässt sich so einiges bewerkstelligen. Wenn auch mit blutigen Händen, viel Schweiß und Mühe, hier werden durchaus kleine Rockstars geboren. Von Anfänger bis Profi – im Wohnzimmer fliegen die Fetzen und der Nachbarschaft wird ordentlich eingeheizt! Zumindest möchte man gerne einen solchen Lobgesang anstimmen, doch die Stimme kratzt, ja sie versagt uns dann sogar ein wenig. Denn viele, viele kleine Stolpersteine pflastern den holprigen Weg zur Showbühne und reizen des Spielers Nerven gewaltig. Designfehler in den Menüs, ewig nervige Belehrungen ohne Chance auf ein paar Stunden intensiven Trainings, schwammiger Schwierigkeitsgrad – dies sind nur einige wenige von vielen Schnitzern, über die sich das Entwicklungsteam mal so seine Gedanken machen sollte. Rocksmith hat aber definitiv deftiges Potenzial, welches ausbaufähig ist! Jedoch sollte das Werk eher als unterhaltsames Lehrprogramm statt Partyspiel betrachtet werden. Wer Guitar Hero und Co. hinter sich lassen möchte, muss zugreifen! Klasse Ansatz, etwas unausgegoren umgesetzt, aber eines Blickes wert!
   
Rocksmith (X360)
Singleplayer-Wertung

7,8 /10
Leserwertung
(0 Votes):
-
Multiplayer
Grafik
Sound
Steuerung
Gameplay
8/10
4/10
7/10
7/10
9/10
das Aus für Plastikklampfen, hier kommt die Zukunft der Musikspiele
das Spiel-Interface kann aber auf hohem Schwierigkeit auch ziemlich überfordernd sein
äußerst unterhaltsam wird das Spiel mit einer echten Gitarre offeriert
fehlende fest eingestellte Schwierigkeitsgrade rauben die Freude am freien Gitarrenspiel (da der Fluch der Dynamik unweigerlich zur Überforderung führt)
intuitiv und leicht zu erlernendes System, obwohl wir eine komplexe Gitarre in der Hand halten
Technik-Training ist absolut nervtötend aufgrund Ladepausen und dem wechselhaften Schwierigkeitsgrad
Für die Verwendung in unseren Foren:
Erfahrener Benutzer
Moderation
15.10.2012 10:52 Uhr
Jetzt ist eure Meinung gefragt: Hier könnt ihr euren Kommentar zum Artikel veröffentlichen und mit anderen Lesern darüber diskutieren.
Dein Kommentar
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
16.10.2012 05:52 Uhr
Zitat: (Original von perfect007;1814910)
Kann mich nur zu gut an ettliche Kommentare hier auf Gamezone erinnern, wo vor allem solche Leute über die Guitar Hero Spieler gelästert haben. Man soll sich nen anständigen Musiklehrer suchen als den Schrott zu spielen und zu glauben, man hätte eine Gitarre in der Hand…
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
16.10.2012 03:39 Uhr
Naja sagen wir mal, ein Lehrprogramm auf eine etwas spielerische Art.
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
15.10.2012 18:03 Uhr
Es gibt über Rocksmith geteilte Meinungen. Sowohl Anfänger als auch Profis sind begeistert wie auch enttäuscht. Zwei Kollegen mit wesentlich mehr Gitarren-Erfahrung als ich waren zumindest nicht enttäuscht und finden die Software gut, ich war auch recht begeistert, musste aber aufgrund einiger…

Verwandte Artikel

Neu
 - 
Diversen PC-Versionen von Rocksmith liegt kein Aktivierungscode bei, weswegen die Käufer erstmal den Kunden-Support bemühen müssen. mehr... [0 Kommentare]
Neu
 - 
Passend zum Release von Rocksmith zeigt uns Ubisoft heute den Launch-Trailer zu dem Musikspiel. Neben den bereits veröffentlichten Versionen für die Xbox 360 und die PlayStation 3 erscheint der Titel am 18. Oktober 2012 auch für den PC. mehr... [2 Kommentare]
Neu
 - 
In diesem Video zu Rocksmith werden die Verbesserungen der EU-Version des Titels erläutert. Dazu gehören zum Beispiel die Unterstützung von Bassgitarren sowie optimierte Audio-Einstellungen mit geringerer Latenz und besser dargestellter Noten. Das Spiel erscheint am 27. September 2012 für Xbox 360 und PlayStation 3 sowie am 18. Oktober 2012 für Windows PC. mehr... [2 Kommentare]
Neu
 - 
Ubisoft hat heute zwei neue Videos zu Rocksmith veröffentlicht, in denen gezeigt werden soll, dass Anfänger und Profis mit der Software etwas anfangen können. mehr... [1 Kommentar]
Neu
 - 
Rocksmith ist das erste Musikspiel welches mit einer echten Gitarre gespielt wird und keinem Plastzikspielzeug mit Knöpfen dran. Um den Fans zu zeigen wie das in der Praxis funktioniert, fuhr Ubisoft mit dem speziell dafür geschaffenen Tourbus durch Deutschland und ließ die Spieler selbst Hand anlegen. Ob sie der Titel überzeugen konnte, erfahrt ihr in diesem Video. mehr... [0 Kommentare]