Saboteur: Das Open-World-Action-Spiel zur französischen Widerstandsbewegung im Flashback

Special Christian Dörre
Wie ihr in Missionsgebiete gelangt, bleibt ganz euch überlassen.
Quelle: PC Games

Nach der Ankündigung von Call of Duty: WW2 kehrt der Zweite Weltkrieg als Setting für ein Videospiel zurück. Da sich offenbar viele Spieler auf das WW2-Revival freuen, möchten wir euch in diesem Flashback-Special ein fast vergessenes Spiel mit dieser Thematik vorstellen, dem damals kein kommerzieller Erfolg vergönnt war.

Warum Saboteur ein kommerzieller Flop war und somit zur Schließung von Pandemic führte, lässt sich nicht so leicht beantworten. Schließlich bemühte sich der Titel mit einigen GTA-Elementen in seiner offenen Spielwelt um Abwechslung, setzte sich mit seinem Look wohltuend von anderen Genre-Vertretern ab und sogar die damals (Release: Dezember 2009) noch nicht ausgelutschte Assassin's Creed-Reihe wurde in vielerlei Hinsicht kopiert.

Allerdings war zu dieser Zeit auch schon länger kein richtig gutes Pandemic-Spiel mehr erschienen, die Grafik war trotz des schönen Art-Stils ziemlich veraltet und als Setting diente das von Nazis besetzte Paris Anfang der 1940er-Jahre. Der Zweite Weltkrieg als Schauplatz war 2009 bei Spielern verpönt, denn schon viel zu lange und viel zu oft hatten einen diverse Shooter der Wehrmacht in den Allerwertesten treten lassen. Nun, nach der Ankündigung von Call of Duty: WW2, wo viele Spieler es anscheinend gar nicht mehr erwarten können, den Nazis die Runen vom Revers zu schießen, graben wir Saboteur wieder aus und schauen, ob der ambitionierte Titel zu Unrecht abgestraft wurde.
Protagonist Sean Devlin darf sich auch die Uniformen ausgeschalteter Gegner überstreifen und so unbemerkt das Gebiet infiltrieren. Quelle: PC Games Protagonist Sean Devlin darf sich auch die Uniformen ausgeschalteter Gegner überstreifen und so unbemerkt das Gebiet infiltrieren.

Vive la résistance

In Pandemics Open-World-Spiel übernehmen wir die Rolle des irischen Mechanikers und Rennfahrers Sean Devlin, der eigentlich nur den Grand Prix von Saarbrücken gewinnen möchte und klar vom echten Widerstandskämpfer William Grover-Williams inspiriert wurde. Nazi-Fiesling Kurt Dierker bringt jedoch Seans besten Freund um und zwingt Devlin zur Flucht nach Frankreich.

In einem spielbaren Rückblick erfahren wir, warum aus dem Rennfahrer Sean Devlin ein Widerstandskämpfer wurde. Quelle: PC Games In einem spielbaren Rückblick erfahren wir, warum aus dem Rennfahrer Sean Devlin ein Widerstandskämpfer wurde. Dort schließt sich unser Protagonist der Résistance an, rettet alliierte Kriegsgefangene, jagt Waffenfabriken in die Luft und sabotiert die Besatzer aus Nazi-Deutschland, so gut es geht. Schließlich kreuzt der britische Geheimdienst seinen Weg und er erfährt, dass Dierker ebenfalls in Paris ist. Seans Chance auf Rache scheint zum Greifen nah.

Die Prämisse von Saboteur ist durchaus spannend und bietet viel Potenzial, doch die Charaktere sind arg klischeehaft und deren Dialoge oftmals zum Fremdschämen. Auch die ungewollt komische deutsche Vertonung trägt dazu bei, dass der Titel eher charmanter Trash als ernstes Drama ist.

Die inneren Werte zählen

Technisch war Saboteur schon beim Release altbacken, es sieht teilweise eher aus wie ein PS2-Spiel, zudem macht sich starkes Tearing bemerkbar. Trotzdem macht der Titel auch heute noch Spaß, denn obwohl viele Gameplay-Elemente ein wenig halbgar sind, bemüht sich Saboteur stets um einen abwechslungsreichen Spielablauf und setzt seine Highlights zum richtigen Zeitpunkt. So sehr die Steuerung manchmal hakelt und die Mission andauernd von nervigen Ladezeiten unterbrochen wird, es ist einfach richtig cool, wenn man Dierker auf einem explodierenden Zeppelin hinterherjagt.

Die Schusswechsel sorgen immer wieder für Abwechslung im Schleich-Alltag. Quelle: PC Games Die Schusswechsel sorgen immer wieder für Abwechslung im Schleich-Alltag. In den normalen Missionen wird euch meistens die Wahl gelassen, wie ihr sie angeht. Wer gerne ballernd mit dem Sturmgewehr in eine Nazi-Basis läuft, muss eben mit mehr Gegenwehr rechnen als der Schleicher, der hinterrücks Feinde erledigt, sich deren Uniform überstreift und unerkannt das Gebiet infiltriert, wo er meist einen deutschen Offizier ermorden oder Sprengstoff deponieren soll. Sowohl bei den Schießereien als auch auf dem Stealth-Weg stellt sich die Gegner-KI allerdings ziemlich bescheuert an, sodass man auf dem normalen Schwierigkeitsgrad vor keinerlei Probleme gestellt wird.

Neben den Infiltrationen streut Saboteur aber auch immer wieder Renn- und Flucht-Abschnitte sowie kleinere Sniper-Szenen ein. Zudem darf man auf sämtliche Gebäude klettern und kann sich so seinen eigenen Weg suchen, die Missionen zu bewältigen. Das Kraxeln ist allerdings arg fummelig und sorgt zuweilen für das Ableben der Spielfigur.

Richtig cool ist aber immer noch die Entscheidung, das besetzte Paris in Schwarz-Weiß darzustellen, während befreite Gebiete wieder in allen Farben erstrahlen.

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