Begebt euch auf die Reise nach Stilwater und erlebt ein völlig irrwitziges Abenteuer ohne jede Moralvorstellung.
Saints Row 2 (dt.)
Zeit sich mit den Gepflogenheiten und der Steuerung vertraut zu machen, auch wenn diese in der ersten Mission bereits grob erklärt wurde. PCler greifen wie üblich auf die Maus-Tastatur-Steuerung zurück. Während das Zielen mit der Maus präzise von der Hand geht, ist die digitale Steuerungseingabe mit der Tastatur ein wenig zu schwammig ausgefallen, vor allem bei der Fahrzeugsteuerung. Obwohl man die Tastatur frei belegen kann, kommt es dennoch immer mal wieder zu Verknotungen in der Hand. Auch merkt man gerade hier, dass Saints Row 2 für Konsolen entwickelt wurde. So stellt sich die Waffenauswahl als äußerst umständlich heraus, während man sogar noch den Analog-Stick des Xbox 360-Controllers zu sehen bekommt. Auch die Menüführung ist sehr unkomfortabel und unterstützt beispielsweise keine Maus. Optional lässt sich aber ein Gamepad anschließen und schon hat man das Spielgefühl der Konsolenversion.
Saints Row 2 (dt.)
Ein wirkliches Deckungssystem gibt es nicht. Man kann sich zwar hinter Säulen oder sonstigen Gegenständen verschanzen, doch zielt das Ganze weniger auf taktisches Vorgehen, als vielmehr auf reines Gemetzel ab. Und das hat es in sich, denn Gegner erledigt man gleich reihenweise, brutal und ohne Anflug von Gnade, zumal sich die Gegner auch schnappen und als menschliche Schutzschilde einsetzen kann. Ist die Energie einmal knapp, muss man nicht zwangsläufig einen Imbiss aufsuchen, um seine Kraftreserven aufzutanken. Es reicht, wenn man sich eine Zeitlang aus dem Kugelhagel zurückzieht, damit sich die Energieleiste erneut füllt. Eine Zoomfunktion erlaubt es zudem weiter entfernte Gegner genau aufs Korn zu nehmen, um ihnen das virtuelle Lebenslicht auszupusten. Im Großen und Ganzen kommt also der Eindruck eines schnellen Third Person Shooters auf, bei dem man hauptsächlich gute Reflexe benötigt.
Was Stilwater grafisch zu bieten hat...
Saints Row 2 (dt.)
...ist sicherlich angebracht, wenngleich auch nicht mit dem Detailreichtum des bekannten Konkurrenzprodukts zu vergleichen. Insgesamt wirken einige Areale und Abschnitte stellenweise etwas trist, bzw. blass und die Texturen zu matschig. Das macht sich natürlich auf dem PC noch stärker bemerkbar. Hinzu kommen noch Pop-Ups, die massiv bei schwächeren Rechnern auftreten, viele clipping-Fehler und Probleme in der Schattendarstellung, die wirklich keinen guten Eindruck hinterlassen. Lässt man Saints Row 2 mit den höchsten Details laufen, sieht das Spiel ein kleinen Tick besser aus als auf den Konsolen. Dafür braucht man jedoch ungemein viel Hardwarepower. Sogar die empfohlenen Voraussetzungen auf der Verpackung versprechen keinen flüssigen Spielablauf. Für die gebotene Grafik ist dies einfach zu viel verlangt. Volition hatte scheinbar nicht so viel Zeit für Optimierungsarbeiten. Das Gute an der Sache ist jedoch, dass sich das Spiel sehr gut skalieren lässt. Es gibt viele unterschiedliche Einstellungsmöglichkeiten, die den Titel sogar auf etwas betagteren Dual Core-Rechnern mit 2 Ghz (die Mindestanforderung) einigermaßen spielbar machen, natürlich mit der entsprechenden Grafik. Übrigens benötigt man für das Spiel einen Steam-Account. Ist dieser eingerichtet, darf man Saints Row 2 darauf beliebig oft installieren.
Auch die Gegner KI lässt stark zu wünschen übrig, denn manchmal stehen diese gerade mal ein paar Meter von uns entfernt, ohne uns zu registrieren. Unsere Verbündeten, welche sich uns hin und wieder anschließen indem sie zu uns stoßen oder wir sie auf der Straße anwerben, sind leider nicht gerade mit übermäßiger Intelligenz gesegnet und verfehlen diverse Ziele ein ums andere mal. Das führt dazu, dass diese manchmal stehen oder an Ecken hängenbleiben und uns nicht folgen. Also gilt es auf dem Fuß kehrt zu machen, zurück zu laufen und diese einzusammeln.
Quelle: GOG
Saints Row 2 (dt.)
Sicherlich sind diese Mängel nicht schön, aber dafür bedarf es keinerlei Ladezeiten, wenn man Geschäfte oder Areale betritt, so dass der Spielfluss in der riesigen Spielwelt stetig gewahrt ist. Die Physikeffekte sind ebenfalls schön anzusehen, doch ebenso übertrieben wie die komplette Geschichte und die Charaktere die sich in Stilwater bewegen. Schützt man einen Star vor lästigen Fans, kann man diese mit Leichtigkeit mehrere Meter durch die Luft in Objekte wie Vans oder DJ Pulte schmeißen, was natürlich gnadenlos unrealistisch ist, aber den Stil des Spiels in gewisser Weise unterstreicht. Auch wenn man sich mit dem obligatorischen Schrotgewehr durch die Gegend bewegt und seine Gegner damit niederstreckt, so fliegen diese manchmal mehrere Meter weit durch die Luft. Insgesamt muss man sich zwar erst etwas mit dem eher Comic-haften Stil des Spiels anfreunden, doch ist dieses geschehen, neigt man dazu selber ein Haus mit weißem Gartenzaun in Stilwater zu beziehen und sich dort etwas länger aufzuhalten. Zu tun gibt es ja auf jeden Fall genug und wenn erst einmal ein Drogenlabor in Flammen steht und der Rauch aus dem Gebäude dringt, während man im Sonnenuntergang davor steht, dann ist dies schon ein recht ansehnlicher Anblick. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass pure Grafikfetischisten nicht wirklich auf ihre Kosten kommen, doch sollte man dem Spiel abseits der grafischen Schwächen eine Chance geben, denn schließlich zählen ja wie im realen Leben die Inneren Werte und in Sachen Gameplay hat Saints Row 2, wie beschrieben, einiges zu bieten.
Irrwitzige Musikauswahl von Klassik über 80's bis hin zu Pop und Metal
Quelle: GOG
Saints Row 2 (dt.)
11 Radiosender sorgen dafür, dass euch auch während der Autofahrten nie langweilig wird und ihr mit dem passenden Soundtrack dem baldigen Ende der Ultor-Corporation entgegen rast. Dabei schnappt sich der verhasste Konzern während des Spiels sogar einige Radiostationen und benennt diese kurzerhand um oder ändert deren Programm. Insgesamt gibt es über 170 verschiedene Songs die aber nicht allesamt von Anfang an zur Verfügung stehen. Einige Songs können in Plattenläden erworben werden, andere werden frei geschaltet indem man genügend CD's gesammelt hat, die über die Stadt verstreut herumliegen. Dabei bietet sich einem eine recht unterhaltsame Mischung verschiedenster Stilrichtungen, angefangen über Hip-Hop, Reggea, Dancehall und klassischer Musik, bis hin zu Hits der Achtziger, Pop, Funk, Weltmusik und Metal. Während sich Tracks wie "Ganja Smuggling" von Eek-a-Mouse oder "Sucker MCs" von Run DMC dazu eignen um relaxed durch die Stadt zu cruisen, tritt man bei Helmets "Unsung" oder "Woman" von Wolfmother gerne auf das Gaspedal des Wagens. Bei Spielern des älteren Semesters hingegen werden Jugenderinnerungen mit Songs wie "Take on Me" von A-ha oder "Don't you (forget about me)" von den Simple Minds geweckt, während jüngere Spieler mit Songs von den Plain White T's versorgt werden. Im Hinblick auf den Sound sei noch erwähnt, dass die angeheuerten Synchronsprecher ihren Job zu meistern wissen und den verschiedenen Personen auf teils charmante, teils ruppige Art und Weise ihre Stimme leihen.
Zusammen Schaden anzurichten macht eben doppelt Spaß
Saints Row 2 (dt.)
Durchaus vorbildlich ist der kooperative Spielmodus, welches einem Freund jederzeit erlaubt in das Spielgeschehen einzusteigen, um hilfreich zur Seite zu stehen. Dabei gibt es keine Regeln, wie sich der zweite Spieler zu verhalten hat, doch sollte man sich natürlich immer absprechen. Übertreibt man es mit der Gewalt, hat man nämlich schneller die Cops auf den Fersen als einem lieb sein kann. Gemeine Ganoven verziehen sich dann und lassen ihren Kollegen mit diesen zurück, so dass man seinem Freund mit solchen Aktionen durchaus eins auswischen kann. Man kann somit aber auch ein Ablenkungsmanöver starten indem der eine die Polizei ablenkt, während der andere diverse Wände mit dem Saints Logo besprüht und somit Gebiete markiert um nur ein Beispiel zu nennen.
