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  • Scare: Im Reich der Toten - Leser-Test von BigJim

    Publisher rondomedia ist Computerspielern vor allem durch Videogames aus dem Niedrigpreissegment (German Truck Simulator, Geländewagen Simulator usw.) ein Begriff. Darüber hinaus hat sich das Haus unter anderem am (Deutschland-)Vertrieb von Point & Click-Adventures versucht. Manchmal sogar relativ erfolgreich. So brachten die Mönchengladbacher hierzulande z.B. den Grusel-Thriller Scratches (2006) oder das Rätsel-Abenteuer Cleopatra: Schicksal einer Königin (2008) auf den Markt. S.C.A.R.E. - nach offiziellen Angaben ein "Gänsehaut-Adventure vom Feinsten!" - erschien irgendwann dazwischen, 2007, kostete bei Verkaufsstart 19,99 € und war bzw. ist somit ebenfalls im Low Budget- Bereich angesiedelt.

    In S.C.A.R.E. übernehmen wir die Rolle von John. Oder besser gesagt von dem, was von ihm übrig geblieben ist. John ist nämlich von einem schweren LKW überfahren worden und folglich nicht mehr besonders gut erhalten. Wer aber womöglich glaubt, als Toter könne man sich ungestört ins Jenseits begeben, der irrt. Kurz vorm Übertritt ins "Paradies" werden wir bzw. John, den wir fortan aus der Ego-Perspektive steuern, von einem hässlichen Muskelprotz angequatscht. Der gibt sich als Angehöriger einer Geisterjäger-Organisation zu erkennen und hat auch gleich einen neuen Job für uns: John soll nämlich für die Organisation arbeiten. Hintergrund: In letzter Zeit sind merkwürdige Dinge geschehen. Obwohl immer mehr Menschen sterben, gelangen deren Seelen nicht ins Jenseits. Und wir sollen herausfinden, was an der Sache faul ist. Offenbar scheint eine alte Fabrik die Hauptursache dafür zu sein, dass der Übergang vom Dies- ins Jenseits nicht mehr so reibungslos funktioniert. Natürlich nimmt John, dessen Überreste nur noch von einem schwarzen Leichentuch zusammengehalten werden, den Auftrag an. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Der Muskelmann, der sich mit "Herr" anreden lässt, scheint fest entschlossen. Außerdem: Als Toter hat man nicht mehr viel zu verlieren. Und so machen wir uns mit Hilfe einer Seilbahn auf den Weg - hin zur ominösen Fabrik, Richtung S.C.A.R.E.-Omegasektor, dem Reich der Toten.

    S.C.A.R.E. ist ein ungewöhnliches Spiel. Grundsätzlich muss man sagen, dass sowohl die reißerische Verpackung als auch die Bezeichnung "Gänsehaut-Adventure" den Titel nicht richtig umschreiben. Gänsehaut werden geübte Adventure-Fans beim Durchspielen des Low Budget-Produkts nicht bekommen. Allein schon deshalb nicht, weil es sich bei S.C.A.R.E. im Prinzip nicht um ein Horror-Game, sondern eher um eine Art Grusel-Komödie handelt. Der schwarze Humor, der sich durch die komplette Spielzeit von ca. sechs, sieben Stunden zieht, wird spätestens dann deutlich, wenn John seine Kommentare von sich gibt ("Würde ich noch leben, könnte ich dieses Stromkabel nicht anfassen."). Und es gibt eine zweite Besonderheit: Anders als bei Point & Click-Adventures üblich, verzichtet S.C.A.R.E. auf ein Inventar zum Sammeln von Dokumenten und sonstigen Gegenständen. Alles, was wir benötigen, befindet sich innerhalb des jeweiligen Bildausschnitts - und wird dort umgehend an Ort und Stelle benutzt. Anstelle des Inventars sind nun bestimmte Fähigkeiten getreten, die vom Spieler nach und nach erworben werden, und die John sein Dasein als Toter etwas erleichtern sollen. S.C.A.R.E. gliedert sich in insgesamt acht Kapitel, wobei wir in jedem Kapitel eine neue Fähigkeit hinzulernen, als da sind: Telekinese, Drücken, Elektroschock, Geisterlicht, Geisterhauch, Lauschangriff, Schreckenslaut und Exorzismus. Je nachdem, welche Eigenschaft gerade angewandt werden muss, können wir sie per Mausklick bzw. alternativ via Tastendruck (F1 bis F8) aktivieren. Auf viele dieser Fähigkeiten ist John auch dringend angewiesen. Da er über keine Taschenlampe verfügt (und in seinem verstümmelten Zustand eine solche wahrscheinlich auch gar nicht festhalten könnte) bedient er sich z.B. des "Geisterlichts", um dunkle Bereiche der Fabrik zu erleuchten. Objekte lassen sich mit Hilfe der Telekinese durch den Raum bewegen; Fähikeiten wie "Lauschangriff" oder "Exorzismus" sind selbsterklärend, so dass sie hier nicht näher ausgeführt werden müssen. John selbst bekommen wir - da es sich um ein 1st-person-Adventure handelt - übrigens nur in den kurzen Zwischensequenzen zu sehen, wobei er keineswegs furchteinflößend wirkt, zumal sein entstelltes Äußeres stets vom Leichengewand verhüllt ist.

    Schauplatz in S.C.A.R.E. ist die vorgenannte Fabrik. Dort klicken wir uns durch diverse Büros, Lagerhallen, Korridore, Keller und Passagen, wobei die Örtlichkeiten meist ausreichend belichtet sind. Stockfinstere Spielabschnitte gibt es eigentlich nicht. Bestenfalls könnte man hier oder da von einer Art Halbdunkel sprechen. Das erleichtert zwar manchmal das Entdecken von Gegenständen und Ausgängen, sorgt aber leider auch dafür, dass die Szenerie nie wirklich bedrohlich erscheint, zumal sich die Hintergrundmusik (ein Mix aus sphärischen Klängen und langsameren Klassikstücken) häufig wiederholt und irgendwann nur noch wie in einer Endlosschleife vor sich hindudelt. Unterm Strich lässt sich am Sound aber nicht übermäßig viel aussetzen, denn John ist gut synchronisiert, ebenso die meisten anderen Charakteren, von denen uns ab und zu einige im S.C.A.R.E.-Omegasektor begegnen. Meist handelt es sich dabei ebenfalls um (Un-)Tote bzw. um Figuren, die dem Tode sehr nahe sind. Besonders witzig ist eine Situation, in der John ein Gespräch mit einem Mitarbeiter des Sektors führt. Der nämlich ist bei Johns Anblick dermaßen geschockt, dass er kurz darauf in einen tiefen Schacht stürzt - und danach tot ist.

    Die Rätsel und Minigames in S.C.A.R.E. folgen klassischen Mustern und sind durchaus anspruchsvoll. Bereits zu Beginn des Spiels müssen wir ein kniffliges Schalterrätsel lösen, um damit eine Seilbahn mit Energie zu versorgen. Dabei müssen wir Kippschalter in einer bestimmten Reihenfolge drücken - und zwar immer so, dass zeitgleich immer eine bestimmte Zahl von Armaturenlämpchen aufleuchtet. Auch später erwarten uns immer wieder Zahlen- und Kombinationsrätsel. Andere Aufgaben sind im Prinzip recht simpel, obwohl man nicht immer auf Anhieb weiß, was in welcher Reihenfolge zu tun ist. Beispielsweise müssen wir ein Gefäß mit Asbest ausfüllen, um von der Decke tropfende Säure aufzufangen. Die so gesammelte Säure lässt sich dann wiederum auf einen Stapel Gerümpel anwenden, hinter dem sich ein kleines Monster verbirgt, das plötzlich hervor schießt und mit voller Wucht durch eine Holztür rast, die nun ein größeres Loch hat, durch das wir hindurchschlüpfen können. An sich ein sehr einfacher Vorgang. Man muss nur drauf kommen, wie man ihn verursachen kann. Und das liegt nicht immer auf der Hand, zumal eine optionale Hilfefunktion o.ä. fehlt.

    Mag S.C.A.R.E. in Sachen Sound und Rätseldesign für einen Titel aus dem Niedrigpreissegment noch akzeptabel sein, so enttäuscht es doch in nahezu allen anderen Bereichen. Die Grafik ist wenig ansprechend, was nicht etwa mit der drögen Optik zu tun hat - denn die lassen wir bei einem Adventure dieser Preisklasse noch notgedrungen gelten -, sondern vielmehr mit der insgesamt schwachen Präsentation. Animationen (z.B. ein dampfendes Rohr oder Säuretropfen, die von der Decke plätschern) kommen extrem selten vor; selbst Zwischensequenzen und Bewegungsabläufe werden nur in Form von kurz wechselnden Standbildern dargestellt. Wüsste man es nicht besser, man könnte glauben, hier wären Hobby-Entwickler am Werke gewesen. Von den "exquisiten Grafiken", von denen in den offiziellen Herstellerangaben die Rede ist, nimmt der Spieler jedenfalls so gut wie nichts wahr. Dabei hat in der Vergangenheit doch schon Scratches bewiesen, dass man selbst mit einer bescheidenen Grafik und geringem technischen Aufwand (Grusel-)Stimmung erzeugen kann. Lediglich einige Lokalitäten (z.B. der Eingang eines Kellers) oder bestimmte Objekte in Nahaufnahme sehen halbwegs passabel aus. Die Darstellung der Dialoge in Sprechblasenform ist Geschmacksache und muss nicht unbedingt negativ zu werten sein, zumal uns dafür im Zweifelsfall immer noch die deutschen Synchronstimmen entschädigen.

    Ein Manko, ohne Frage: die Steuerung. Man muss sich von Bildschirmausschnitt zu Bildschirmausschnitt klicken, verfügt also über keinen 360°-Rundumblick. Weitaus schlimmer aber: Die teilweise verwinkelten und unübersichtlichen Räumlichkeiten führen zu viel Pixelhunting. Gleich zu Anfang des Spiels muss John z.B. den Schalter in einem Elektrokasten umlegen. Allerdings ist der Schaltschrank aus der Ego-Perspektive nur schlecht einzusehen, so dass man den darin enthaltenen Schalter (dieser muss umgelegt werden) kaum erkennen kann, wodurch es in einem späteren Spielabschnitt (bei der Inbetriebnahme eines Schaltpults) nicht weitergeht und man sich fragt, was man denn eigentlich falsch gemacht bzw. übersehen hat. Solche oder ähnliche Dinge führen immer wieder zu Frust, aber natürlich auch dazu, dass man längere Laufwege in Kauf nehmen muss, weil man bestimmte Orte womöglich (oder besser gesagt: sehr wahrscheinlich) mehrmals aufsuchen muss. Ein häufiges Hin und Her ist die Folge.

    Trotz aller Schwächen wollen wir S.C.A.R.E. nicht rundum ablehnen. Immerhin kostet der Titel mittlerweile weniger als 5 € und bietet neben ein paar fordernden Knobelaufgaben auch etwas schwarzen Humor und damit den ein oder anderen Lacher. Ausgesprochenen Grusel-Fans ist dieses Adventure aber nicht zu empfehlen.

    Negative Aspekte:
    Maue Grafik; unzureichende Steuerung; relativ kurze Spielzeit (6-7 Stunden).

    Positive Aspekte:
    Gute (deutsche) Synchronisation; fordernde Rätsel; Johns Geisterfähigkeiten; schwarzer Humor.

    Infos zur Spielzeit:
    BigJim hat sich 2-10 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Scare

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: BigJim
    5.0
    Multiplayer
    -
    Grafik
    5/10
    Steuerung
    4/10
    Sound
    7/10
    Gameplay
    6/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Scare
    Scare
    Publisher
    rondomedia GmbH
    Developer
    Ghost in the Sheet Team
    Release
    31.07.2007

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1010658
Scare
Scare: Im Reich der Toten - Leser-Test von BigJim
http://www.gamezone.de/Scare-Spiel-31712/Lesertests/Scare-Im-Reich-der-Toten-Leser-Test-von-BigJim-1010658/
16.03.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2007/07/ScareScreen02.jpg
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