Wegen der Gitarre fühlt man sich an die Kindertage des Genres erinnert, der Karaokespaß überzeugt aber wie eh und je!
Anno 2004 traten die London Studios mit Singstar ihren Siegeszug an - den absoluten und unbestreitbaren König im Karaoke-Business. Über 1600 Songs tummeln sich im Onlineshop und jährlich landen weitere zusätzliche Disc-Ableger der Serie in den Händlerregalen. Der Hype mag abgeflacht sein, die nächste Party steht aber mit Sicherheit an und dort ist eine gesellige Runde am Mikrofon immer gern gesehen. Nun wagt Sony den nächsten Schritt und holt die Plastikgitarren ins Boot. Oje, ohwe - werden sich einige sicherlich denken. Singstar soll Singstar bleiben, den Rest kann man anderen Platzhirschen überlassen, oder etwa doch nicht?
Eigentlich werden Hits geschmettert und die Gesangstalente aus den Dusche geholt, nun baut man das volle Bühnenequipment mit bis zu zwei Gitarren und zwei Mikrofonen im Wohnzimmer auf, um für die nächste Mehrspielerparty ausgerüstet zu sein. Liegt die blutrote Singstar Edition der Gitarrengötter erst einmal im Laufwerk der Playstation 3, müssen sich die Nachbarn mit passenden Ohrstöpseln ausrüsten. Sieht man von der ungewohnten Erweiterung mal ab, sollte kein Innovationsfeuerwerk erwartet werden. Angefangen bei deutschen Superstars wie Die Toten Hosen, Ich & Ich und Tokio Hotel bis hin zu den internationalen Legenden wie Blur, David Bowie und Queen gibt es wieder 30 Hits aus mehreren Epochen und Jahrzehnten, welche vor allem die Stimmbänder belasten werden.
Singstar: Guitar
Aus spielerischer Sicht hat sich nicht wirklich was getan. Mit einem Spitzname oder dem PSN Useraccount trällert man zu den Songs, deren Texte auf dem Bildschirm zusammen mit passenden Notenlinien eingeblendet werden. Je genauer der Ton getroffen wird, desto mehr Punkte hagelt es. Was alleine zwar Spaß macht, lässt einen gewissen Reiz vermissen und wird erst in einer geselligen Runde zur unglaublichen Gaudi. In zahlreichen Mehrspielervarianten inklusive kooperativen Harmonie-Duetten, rivalisierenden Duellen oder der lustigen Partyvariante für bis zu acht Spieler wird gesungen und gelacht. Spätestens mit dem Einsatz der Kamera und den Replay-Videos wird es wirklich unterhaltsam, wenn auch bisweilen peinlich. Gelungene und witzige Videos werden der Community online zur Verfügung gestellt, die Beiträge anderer betrachtet und neue Titel aus dem umfangreichen Shop heruntergeladen. Mit dem Repertoire an einer schier unendlichen Auswahl an Songs dürfen PSP-Fetischisten Hand anlegen und eine Liste per Remote-Steuerung planen, während die Spieler die mittlerweile perfekte Sprachsteuerung in den Menüs genießen.
Singstar: Guitar
Mit Hits von Tina Turner und U2 kommt jeder Muffel auf den Geschmack guter alter Rockmusik, welche mit unter anderem 3 Doors Down oder Muse gelungen und neuzeitlich untermauert wird. Hier wird gerockt, bis die Fetzen fliegen. Die Songauswahl ist nicht nur abwechslungsreich, sondern auch mit einigen guten E-Gitarren Hymnen bestückt. Daher der beherzte Griff aller Bandspieler zur Gitarre, um mit den richtigen Riffs die gute Musik zu huldigen. Das Tutorial, sehr umfangreich und bestens für Anfänger geeignet, überspringend, wird sogleich der erste Song auserkoren. Befindet sich DLC in der Jukebox ohne passender Unterstützung, werden diese Titel zwar mittels Vorhängeschloss ausgeblendet, darüber hinweg scrollen muss man umständlicherweise aber dennoch.
Die Bühne rocken ....
Singstar: Guitar
In erwartungsvoller Hoffnung auf unnachahmliche Gitarrensolos kann man kaum die ersten Töne des erwählten Songs abwarten, wird aber unweigerlich von einer mehr als beängstigenden Optik abgeschreckt. Ein bläulicher Teppich von fünf Spuren breitet sich über das Hintergrundvideo aus, auf dem runde Symbole der unteren Spiellinie entgegen gleiten. Das Konzept wurde nahezu komplett bei der Konkurrenz ausgeborgt, grafisch aber mehr schlecht als recht in ein ansonsten für Singstar doch recht ausgeglichenes Design integriert. Absolut schlichte Symbolik und dazu ein vollkommen effektloses Spiel. Wird gar zu viert gespielt, müssen sich die bis zu zwei Gitarristen mit an den linken Rand gequetschten Spielflächen zufrieden geben.
