Sleeping Dogs im Gamezone-Test: Ein verführerischer Kulturschock für westliche Spieler
Sleeping Dogs (2) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
What happens in Hong Kong...
In Sleeping Dogs schlüpfen wir in die Rolle von Wei Shen, einem Kind Hong Kongs, welcher mit seiner Familie als Jüngling die Heimat in Richtung Amerika verließ und nun als gestandener Polizist in die bunten Straßen der Millionenmetropole zurückkehrt. Da er Amerika nur noch mit dem Verlust seiner geliebten Familie in Verbindung bringt beschließt Shen undercover für die Polizei von Hong Kong zu arbeiten und der mächtigen Triadenfamilie Sun On Yee von innen heraus den Garaus zu machen. Soweit nun also das Grundgerüst der, wie es sich für ein Open-World-Spiel gehört, wendungsreichen Gesamtgeschichte rund um die kriminellen Machenschaften der Ganoven und Mafiosi in Fernost.
Sleeping Dogs (3) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Um Themen wie Zwangsprostitution, Drogenhandel, Hehlerei, illegale Straßenrennen oder Ehrenmorde möchte uns Sleeping Dogs keineswegs herumführen, sondern schickt uns schonungslos mitten in den Abyss der Kriminalität. In der locker auf zwanzig Spielstunden ausgelegten Handlung wird es Shen abverlangt den Spagat zwischen Loyalität zur Sun On Yee-Brüderschaft und den Regeln des Gesetzes zu vollführen was nicht selten zum Verschwimmen der ehemals für klar und absolut erachteten Richtlinien Shens führt. Während die Geschichte allerdings mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint, wirkt Wei Shen dagegen wie ein sehr austauschbarer Cop aus dem Regal "Erst an den Kragen, danach kommen die Fragen". Während wir uns bisher noch an jeden Charakter der GTA-Serie erinnern können, stehen die Chancen für Shen eher schlecht einen solchen Effekt auf die Spielerschaft bewirken zu können. Aus unserer Sicht fehlen dem Hauptprotagonisten schlichtweg die Ecken und Kanten welche ihn zu einem waschechten Charakterkopf machen. Wo Nico Bellic durch einen slavischen Akzent und Gastarbeiter-Attitüde mit Hang zum großen Wurf zu einer kultigen Identifikationsfigur wurde, wirken Shens Charakterzüge bedauerlicherweise zu durchgestylt, glattgebügelt und aufgezwungen.
Neon und Kulturschock
Sleeping Dogs (7) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Das Hong Kong in Sleeping Dogs ist dem realen Vorbild nachempfunden und beinhaltet die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt wie beispielsweise der Victoria Peak. Allerdings wird Shen nur auf eine komprimierte Version losgelassen, was wohl einzig und allein der Übersicht im Spielverlauf geschuldet ist. Jedoch vermag auch die "Miniaturausgabe" ordentlich Authentizität vermitteln. Dazu gehören natürlich ebenfalls die zwei Gesichter Hong Kongs. Während wir bei Tag sehr deutlich die Schere zwischen arm und reich vor Augen gehalten bekommen und binnen weniger Straßen zwischen Ghetto und Szenevierteln vom einen Kulturschock in den nächsten geschickt werden erwacht Shens Heimat bei Nacht erst wirklich zum Leben. Häuser werden dank Unmengen an Neonröhren in allen erdenklichen Farben und Formen zu bewohnbaren Werbeflächen und sind zumindest bis Sonnenaufgang rein optisch von Gesellschaftsunterschieden befreit. Hong Kong lebt von verwinkelter Straßenführung, zahlreichen Seitengassen, dem nicht nur am Anfang für westliche Spieler verwirrende Linksverkehr und nicht zuletzt einem ungeheuren Lebenstempo. Da eine Stadt ohne entsprechende Bevölkerungsdichte vollkommen sinnlos wäre haben die Entwicklerteams ganze Arbeit im Hinblick auf die tausenden "Füllcharaktere" in Sleeping Dogs geleistet. Dank zahlreicher Menschen die ihrem Alltag Tag ein Tag aus die Stirn bieten wirkt die Stadt angenehm lebendig und vermittelt einen sehr guten Eindruck vom Leben einer Stadt in der über sieben Millionen Bürger ihr Zuhause gefunden haben.
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