Spielablauf & Kampfsystem

Test Michael Stadler

Wir erinnern uns ins Jahr 2004 zurück als eine neue Marke aus dem Hause Luxoflux unter tatkräftiger Unterstützung von Publisher Activision dem Platzhirsch in Sachen Open-World ein Schnippchen schlagen wollte. Mit True Crime: Streets of L.A. und dem Nachfolger True Crime: New York City, welcher ein Jahr später in die Läden kam, sollte der Grand Theft Auto-Serie ordentlich eingeheizt werden. Dabei verstand sich das Gameplay in True Crime mehr darauf den Schwerpunkt der Inszenierung auf spektakuläre Shoot-Outs samt Bullet-Time und ordentliche Martial Arts-Einlagen zu legen und sich damit vom Klassenprimus abzugrenzen. Nachdem Activision vor zwei Jahren das dritte Projekt True Crime: Hong Kong auf Eis legte schnappte sich Square Enix die Rechte am Asia-GTA und führte es fortan unter dem Namen "Sleeping Dogs" weiter gen Release. Was United Front Games und das Square Studio in London aus dem Titel gemacht haben, kann die Welt noch diese Woche erleben und schon heute bei uns lesen.

Sleeping Dogs (5) Quelle: Square Enix Sleeping Dogs (5) GTA Hong Kong

Sleeping Dogs (13) Quelle: Square Enix Sleeping Dogs (13) Im Hinblick auf den Spielablauf erfindet Sleeping Dogs das Rad keineswegs neu und fügt sich den Standards des Genres was jedoch mitnichten nachteilig auszulegen ist. Auf der Minikarte unseres HUDs werden aktuelle Aufträge mit kleinen Logos angezeigt zu denen wir uns schleunigst begeben sollten wenn wir die Handlung vorantreiben möchten. Zwar können wir jederzeit zu Fuß die Stadt unsicher machen, doch die Erfahrung aus anderen Open-World-Titeln zeigt, dass ein mehr oder minder legal angeeignetes Vehikel für die Fortbewegung deutlich effektiver ist. Per Knopfdruck wechselt das gewünschte Fahrzeug oder Zweirad binnen Sekunden den Besitzer.

Obgleich die Hauptmissionen aus Aufgaben der Polizei und Aufträgen der Triaden bestehen ist die Geschichte der Sun On Yee als Haupthandlung anzusehen. Während die Missionen für die örtliche Polizei meist in abgeschlossenen Fällen, welche etwa drei bis vier zusammenhängende Missionen umfassen, abgehandelt werden, finden wir auf Seiten des organisierten Verbrechens eine große, sukzessiv steigernde Handlung.

Sleeping Dogs (22) Sleeping Dogs (22) Aber auch Abseits der gravierenden Handlungsstränge bietet Hong Kong genügend Nebenbeschäftigungen. So können wir uns in illegalen Straßenrennen mit anderen Fahrern messen, Wetten im Hahnenkampf abschließen, in einer Art Fight Club mitmischen, für einen Sun On Yee-Kollegen Autos klauen, Gefälligkeiten für die Bürger Hong Kongs erledigen, Drogenrazzien durchführen oder uns im örtlichen Massage-Salon "erleichtern" lassen. Praktisch: Per Druck auf den linken Analogstick können wir die Missionen der Minikarte durchwechseln und werden sofort per Navigation zum Ziel geleitet. Lohn all dieser Haupt- und Nebenbeschäftigungen sind XP-Punkte, welche von uns in Aufbesserungen für Shen investiert werden können. Während uns die Gefälligkeiten für Hong Kongs Bewohner einen guten Ruf auf der Straße verschaffen und wir so nach und nach zu diversen Dingen wie einem eigenen Autolieferanten auf Abruf kommen werden wir in den Hauptmissionen zweierlei beurteilt. Richten wir in den Missionen nicht mehr Schaden an als notwendig und verschonen unschuldige Passanten indem wir nicht blindlinks auf verfeindete Bandenmitglieder in der Menge schießen bekommen wir ordentlich Cop-Punkte. Für rabiatere Aktionen wie beispielsweise Kopfschüsse bekommen wir weniger Cop-Punkte, dafür umso mehr Triaden-Punkte. Mit diesen Punkten erkaufen wir uns dann Stück für Stück neue Kampfmanöver und Schadensboni auf Seiten der Triaden und lernen die Kunst des spurenlosen Autoknackens sowie der schnellen Entwaffnung auf der Seite der Polizei.

Sleeping Dogs (24) Sleeping Dogs (24) Damit wären wir auch schon bei der Art und Weise, wie in Shen in Hong Kong den täglichen Herausforderungen nachkommt. Im Fokus stehen anders als in GTA Auseinandersetzungen mit Arm und Bein in waschechten Martial Arts Kämpfen. Dazu haben sich die Entwickler ein Beispiel am Freeflow-Kampfsystem der Batman-Reihe genommen. Mit einer Angriffstaste, einer Grifftaste und einer Kontertaste geben wir den Schergen ordentlich Saures. Durch die Mixtur von kurzen Tastenanschlägen und längerem Druck auf die Schlagtaste lassen wir Fäuste und Füße dorthin fliegen, wo es für den Gegner am meisten wehtut. Da wir uns jedoch stets mehr als nur einem einzigen Opponenten gegenüber sehen kommt der Kontertaste eine entscheidende Bedeutung zu. Wie wir es schon aus Batman kennen, fangen Gegner bei drohendem Angriff an rot aufzuleuchten, was uns die Zeit gibt auf die Kontertaste zu drücken, die Attacke abzuwehren und unsererseits zu einer Schlagkombo anzusetzen. Widersacher mit eiserner Deckung können wir kurzerhand am Kragen packen und schmerzhaft mit der Umgebung bekannt machen. Neben Tischkanten und Hauswänden für normale Angriffe werden uns im Clinch Orte für spezielle Manöver rot eingefärbt welche zu einem Spezialmanöver ausgenutzt werden können. So treten wir das kriminelle Fußvolk in Telefonzellen, lassen Automotoren oder Sicherheitsgitter auf Kollisionskurs mit dem Brustkorb gehen und schrecken auch vor spitzen Gegenständen auf dem Boden nicht zurück.

Sleeping Dogs (26) Sleeping Dogs (26) Die Gewaltdarstellung ist dabei völlig unverblümt und wird zumindest in den Faustkämpfen mit entsprechend ordentlich roter Lebensbrühe begossen. Knochenbrüche, blutverschmierte Gesichter und schmerzvolle Schreie sind in jedem Kampf die Basis der Verhandlung. Ab und an reichen jedoch die natürlichen Argumentationsverstärker nicht mehr aus und Shen muss zur bleiernen Variante greifen. In den Shoot-Outs wird Sleeping Dogs zum duck and cover-Shooter á la Gears of War. Besonders cool: Springen wir hinter einer Deckung hervor und zielen gleichzeitig verlangsamt sich das Spielgeschehen und wir haben für den Moment genügen Zeit die Feinde ordentlich zu befeuern. Wie es sich gehört dürfen auch ordentliche Verfolgungsjagden mit allerlei Fahrzeugen und Schießprügeln nicht fehlen. Diese nehmen im Spielverlauf immer mehr zu und werden so fester Bestandteil des Dreigespanns der Spielelemente. Insgesamt ergibt sich so ein netter Cocktail aus Action und Geschicklich- bzw. Fingerfertigkeit der durchaus über die komplette Spielzeit zu begeistern weiß. Sammelwütige können sich damit beschäftigen Gesundheitsschreine, Jade-Statuen, sowie zu hackende Kameras und mit Geld angefüllte Safes zu suchen und sich so mit neuen Moves, mehr Gesundheit oder Geld zu versorgen.

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