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  • Sniper: Ghost Warrior - Aus dem Alltag eines Einzelkämpfers - Leser-Test von alpha_omega

    Der Beruf eines Scharfschützen ist sicherlich genauso hart, wie der Boden auf den die zumeist kriechenden Soldaten liegen, stundenlang im Gras, der Wüste oder anderen Krisengebieten verharren, stets in der Hoffnung, endlich ein Ziel vor die Linse zu bekommen und den alles entscheidenden Schuss abzugeben. In Videospielen haben Sniper ebenfalls hartes Brot zu kauen. Nicht selten wird man als dreckiger Camper beschimpft, wenn man sich in der äußersten Ecke der Map versteckt und wagt man sich dann doch einmal auf das Schlachtfeld und pustet die Gegner mittels Quickscope von der Matte, geht das gleiche Gejammer von vorne los. Einem Sniper somit ein komplettes Videospiel zu widmen, in dem man ihn mit seinen typischen Aufgaben wie schleichen, kriechen und den tückischen Eigenschaften von Ballistik zu vertraut machen, bei dem er wirklich auf alles, wie beispielsweise den Wind achten muss, ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Doch nichts desto trotz wagt es immer mal wieder ein Produzent, in unserem Falle die Jungs von City Interactive, den Beruf eines Scharfschützen virtuell mitzuverfolgen. Zuvor fielen das polnische Produktionsstudio speziell im PC-Sektor durch eher unterirdisch schwache Ego-Shooter auf und spendierte uns solch Gurken wie beispielsweise The Hell in Vietnam oder den WWII-Shooter "Wolfschanze", der nicht nur durch den falschen Schriftzug auf dem Cover für den einen oder anderen unfreiwilligen Lacher sorgte. Angetrieben von den vielen Flops der Vergangenheit erschien im Juni des vergangenen Jahres Sniper: Ghost Warrior für den PC, als auch für Microsofts Xbox360. Im April diesen Jahres durften dann endlich auch Playstation 3 Besitzer das Zielfernrohr justieren und durch das hohe Gras robben. Wie die Sniper-Jagd auf der PS3 abschnitt und welche Besonderheiten sie zur PC- und Xbox360-Variante beinhaltet, erfahrt ihr nun im folgenden Artikel.

    Fehlschuss mit Folgen

    Wie mittlerweile in jedem Ego-Shooter, so spendiert uns auch Sniper: Ghost Warrior, eine unkomplizierte, aber dafür auch recht einfallslose Story. Als Spezialeinheit Razor Six Four alias Sergeant Tyler Wells erhalten wir den Auftrag einen General namens Manuel Vasquez zu eliminieren, der auf der lateinamerikanischen Insel Isla Trueno mit seinen Truppen einen Putsch auf die Regierung verübte und nun mit diktatorischen Methoden die Einwohner des Staates in Schach hält. Selbstverständlich tut der gute Mann dies ehrenamtlich, das wahre Geld verdient er mit illegalen Drogen- und Waffengeschäften. Doch den Feind mitten im Visier, den Abzug am Finger und kurzem Atem anhalten, verfehlen wir unser Ziel direkt in der ersten Mission und es beginnt eine Katz und Mausjagd, die uns in den einen oder anderen kniffligen Auftrag beschert. Die Geschichte erinnert vom dramaturgischen Ablauf ein klein wenig an Modern Warfare (der Arm ist ab, den Rest macht der Blutsturz), und auch sonst bedient sich die Story eiskalt an den typischen Klischees eines tyrannischen Diktators.

    Die ungemein offen voraussehbaren Hauptstory endet zudem mit einem abrupten und nicht für möglich gehaltenen Finish. Ehrlich gesagt war ich völlig verdutzt, eigentlich fassungslos, hatte ich noch nie einen so schnellen Cut nach dem letzten entscheidenden Schuss erlebt. Doch wie ihr gerade vermutlich richtig erkannt habt, handelt es sich bei der Solokampagne, die exakt mit den selben chronologischen Ablauf versehen wurde wie bei der PC- und Xbox360-Version, um den Hauptteil, der im Gegensatz zu den beiden anderen Versionen noch mit zwei kleineren Abschnitten ergänzt wurde, die man allerdings in separaten Missionen absolviert. In den beiden Parts jagt man dann weitere Verbündete von Vasquez und so viel kann ich vorweg schon sagen, haben mir die Zusatz am besten gefallen, da diese nicht nur motivierender, sondern auch vielmehr auf einen Scharfschützen abgestimmt sind und die recht knappe Solokampagne von etwa vier bis fünf Spielstunden um die eine oder andere Stunde verlängern.

    Tarnen, schleichen, kriechen - und ein wenig Action

    Das Missionsdesign von Sniper: Ghost Warrior besteht zum größten Teil darin, möglichst unbemerkt von einem Punkt zum anderen zu gelangen, ohne dabei zu viel Aufmerksamkeit zu erregen und nur im äußersten Notfall zur Waffe zu greifen. Sehr oft sind wir dabei völlig auf uns allein gestellt, lediglich das HUD-System, welches uns Feinde anzeigt, ist unser ständiger Begleiter, ebenso wie unsere Pistole mit Schalldämpfer sowie das typische Equipment eines Snipers, bestehend aus Scharfschützengewehr, Wurfmesser, Medipacks und gelegentlich ein paar Granaten. Dies freut mit Sicherheit Spieler, die sich bereits mit Sam Fisher in Splinter Cell an zahlreichen Wachen und Alarmposten vorbei stahlen, Zocker die hingegen einen nervösen Finger haben, könnten allerdings recht schnell das Handtuch werfen, da der Schwierigkeitsgrad schon im normalen Modus recht ansprechend ist und jeden feindlichen Schuss mit dem Tode bestrafen kann. Als willkommenen Ausgleich zu den Solomissionen, in denen wir auch manchmal Schafschützenunterstützung von einer erhöhten Position aus geben, erhalten wir zudem teilweise Unterstützung, wie beispielsweise einem Beobachtungsposten oder einem anderen Sniper-Kollegen, mit dem wir dann wie bei Modern Warfare auf Kommando von Stellung zu Stellung sprinten und auf Befehl zeitgleich synchron zwei Wachen ausknipsen. Ebenso dienen wir manchmal auch als Aufklärer, in dem wir mit einem Fernglas die Ziele für unseren Partner markieren.

    Doch auch ein wenig Action bekommen wir aufgetischt, in Form von Bootsfahrten oder einer Flucht mit einem Militärfahrzeug, bei dem wir das Bord-MG bedienen. Alternativ kann man auch sein Scharfschützengewehr in den Dreck werfen und zu einem Sturmgewehr eines gefallenen Gegner greifen. Doch beraubt man sich damit selbst nicht nur seiner wichtigsten Fähigkeit, da das Snipern einen weitaus höheren Kugelschaden verursacht, sondern kann unser Akteur nicht wirklich mit anderen Waffen umgehen und kaum eine Salve abfeuern kann, ohne die Waffe zu verreißen. Zusätzlich bekommt man bei Kopftreffern mit dem Scharfschützengewehr eine spektakuläre Bullet-Cam zu sehen, die zudem nicht mit offen herumspritzenden Blut geizt und das auch in der deutschen Version, was doch sehr verwundert. Zwar unterstreicht die Kamerafahrt der Kugel aus dem Lauf den nicht ganz vorhandenen Realismus nochmals deutlich, auf der anderen Seite nimmt man diese Spielerei aber gerne mit, speziell dann, wenn der Headshot aus kaum für möglich gehaltener Position abgegeben wurde.

    Was man City Interactive somit zu Gute halten muss, ist die Tatsache, dass sie den eher trägen Alltag eines Snipers so abwechslungsreich wie möglich gestalten wollten, auch wenn speziell die actionhaltigen Abschnitte eher zwanghaft aufgesetzt wirken. Damit unser Held möglichst unbemerkt an den zahlreichen Milizen vorbei schleichen kann, bauten die Macher in die recht engen Dschungel-Levels zahlreiche Sträucher, Bäumer sowie hohes Gras ein. Die Flora, die zumeist an den Levelaußenseiten vorzufinden ist, bietet uns optimalen Sichtschutz, hat aber manchmal den Nachteil, dass man selbst den Feind vor lauter grün nicht sieht. Wobei wir auch gleich bei einem weiteren Kritikpunkt wären, denn bietet das eher kleinflächige Level-Design nur sehr selten taktische Möglichkeiten, den Gegner gekonnt zu umgehen. Gern hätte man sich raumgreifende Areale wie in einem Crysis oder auch Far Cry gewünscht, sodass man auch aus richtig großer Entfernung den entscheidenden Headshot hinter einem Hügel landen kann. Ebenso nervt das nicht ganz ausgefeilte Gelände, nicht selten hängt man zwischen Felsen fest und kann sich nicht befreien, weil der mitgelieferte Enterhaken mit Seil immer nur dann geworfen werden kann, wenn es das Skript vorsieht. Ein leider etwas verschenktes Spielelement.

    Realistische Ballistik vs. lächerliche Infanterie-Steuerung

    Ein weiteres etwas verschenktes Gameplay-Element, ist das manuelle Ausrechnen vom Eintreffen der Kugel, bei dem wir Windgeschwindigkeit, Entfernung oder auch die Nässe mit berücksichtigen müssen. Zwar wird im Trainingsprogramm auf all die Faktoren genauestens eingegangen, allerdings bekommen wir im leichten und normalen Schwierigkeitsgrad einen kleinen roten Punkt auf unseren optischen Zoom gezaubert, der ein vorbeischießen eigentlich fast unmöglich macht. Nur im schwersten Modus wird die Zielhilfe abgeschaltet, besser wäre es mit Sicherheit gewesen, den Spieler individuell entscheiden zu lassen, ob er dieses Feature im Optionsmenü aktivieren möchte. Generell wirft die Steuerung ein paar dunkle Schatten auf das zumeist von der Sonne angestrahlte Setting. Die Tatsache, dass man sämtliche Funktionen individuell auf den Controller abstimmen kann ist zwar eine prima Sache - aber wenn das Sprintverhalten, speziell auf den ersten paar Metern so extrem träge reagiert, das MG so brutal zappelt, dass man meinen könnte, ein kleines Kind bedient diese Waffe und kein erwachsener Mann, man mit einer eher leichten Pistole sich genauso schnell bewegt, wie mit einem weitaus schwereren und unhandlichen Scharfschützengewehr, man im Liegen sich genauso schnell um die eigene Achse drehen kann, wie im Stehen - so wird man den Eindruck irgendwie nicht los, dass die Macher von City Interactive allesamt Pazifisten sind oder zumindest Zivildienstleistende waren.

    Doch halt, wenigstens wusste man, dass man im Liegen ruhiger Zielen kann, was uns auch die Atemkontrolle verdeutlicht, die wir ebenso angezeigt bekommen wie den Aufmerksamkeitsstatus eines nahe entfernten Gegners. Was hingegen stimmt, ist die Kollisionsabfrage, allerdings nur im Solopart. Im Onlinemodus, der uns eine wirklich miese Trefferabfrage bietet, erhalten PS3-Spieler weiteres Zusatzmaterial wie zum Beispiel den Spielmodus Capture the Flag oder ein paar Zusatzgewehre. Dumm nur, dass die Server fast immer gähnend leer sind, aber sind wir mal ehrlich, wie sinnvoll ist es, einen Mehrspielerpart zu kreieren, der ausschließlich nur mit Sniper bestückt ist, die zudem mit der Tatsache bestraft werden, dass eine Kugel nicht zum virtuellen Tod eines Gegners führt.

    Schmucke Blender-Optik gerät ins Stocken

    Obwohl die typische 0815-Story alles andere als spektakulär inszeniert wird, gefällt die Präsentation vor allem des idyllischen Tropenparadies auf den ersten Blick. Doch bereits mit Verlauf der ersten Mission entpuppt sich die Grafik als klassischer Blender, speziell die Bodentexturen wirken arg matschig, was allerdings in den Nachtmissionen kaum auffällt. Die Waffenphysik kann sich soweit sehen lassen, die Kugeln durchschlagen dünne Materialien wie Holz, dies sie speziell dann wichtig, wenn wir Alarmposten im Wachturm ausschalten müssen. Ebenso leichte Mängel offenbart die KI, welche sich zwar vorbildlich verhält, wenn wir uns im Gebüsch oder hohen Gras verstecken, sich aber hin und wieder selbst im Weg und gegen Gegenstände läuft oder an diesen hängenbleibt.

    Der größte Kritikpunkt der insgesamt soliden Grafik sind die ständigen Nachladeaktionen, welche bei den Speicherpunkten ständig für einen kurzfristigen Freeze sorgen. Dieser Zustand nervt gewaltig, gefällt die Optik eigentlich durch ihre erfrischenden Locations die uns durch Dschungelgebiete, Ruinen, feindliche Lager oder auch angrenzende Stadtgebiete führen. Das Ruckeln an den Checkpoints wirkt sich zudem auf negativ auf die Soundkulisse aus, denn stockt nicht nur die Grafik, sondern auch gleichzeitig der Ton und anschließend passt das gesprochene auf dem Bildschirm nicht mehr mit dem aus dem Lautsprecher zusammen. Die deutsche Sprachausgabe ist hingegen gar nicht mal so schlecht, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Funksprüche unser Verbündeten kommen sehr gradlinig und mit dem nötigen Ernst der Lage bei Vernehmen an und auch der gut abgestimmte Soundtrack baut gekonnt Spannung auf.

    Fazit.
    Die beste Nachricht zuerst, Sniper: Ghost Warrior ist wohl mit Abstand der beste Ego-Shooter, den City Interactive bis dato kreiert hat. Dies bedeutet allerdings gleichzeitig nicht, dass wir es hier mit einem Videospiel der Spitzenklasse zu tun haben, davon ist der Titel immer noch meilenweit entfernt. Positiv sollte man auf alle Fälle erwähnen, dass man versucht hat möglichst jedes Einsatzfeld eines Scharfschützen mit einzubinden. Den unterschiedlichen Missionen, bestehend aus Tarneinsätzen, Schafschützenunterstützung bis hin zu den Abschnitten, wo wir nur als Aufklärer dienen, fehlt es allerdings am letzten Kick. Beim Schleichen wäre es sicherlich toll gewesen, wenn man noch mehr spielerischen Freiraum gewährt bekommen hätte und die Abschnitte, bei denen wir mit einer Verbündeten KI unterwegs sind, wären im kooperativen Zweispieler noch spannender ausgefallen. Den mitgelieferten Onlinepart kann man hingegen komplett links liegen lassen. Zu abwegig die Vorstellung, dass jeder Spieler nur darauf wartet im Gras liegend einen Headshot verpasst zu bekommen.

    Der eigentlich größte Pluspunkt, der auf der Rückseite des Covers auch ausführlich angepriesen wird, nämlich der Grad an Realismus, der uns Flugeigenschaften der Kugel mit berücksichtigen lassen soll, entpuppt sich eher als Seifenblase, die sofort platzt, wenn man feststellt, dass man die Zielhilfe nicht individuell ein- und ausschalten kann. Doch trotz des etwas wirren Mix aus gewollten Realismus und stellenweise überaus unrealistischen Bedienung, kann Sniper: Ghost Warrior, speziell in den Zusatzmissionen der PS3-Fassung durchaus spannend sein. Eine bedenkenlose Kaufempfehlung kann ich trotzdem nicht erteilen, speziell ungeduldigen Spielern kann ich eigentlich nur von dem Spiel abraten, da auch der Gebrauch von anderen Waffen wie Sturmwehren gründlich daneben gehen wird. All derer, die hingegen gerne durch hohes Gras kriechen und die ultimative Herausforderung suchen, welche im schwersten Modus wartet, nicht scheuen, sollten zumindest einen Blick in das Spiel werfen.

    Negative Aspekte:
    ...aber nur im schwersten Modus, wenig spielerischer Freiraum, sehr oft Schlauchlevels, unrealistisches Sprint- und Waffenverhalten (MG´s), matschige Bodentexturen, nervige Ladepausen bei Checkpoints, überflüssiger Onlinepart, kein Koop-Modus, 0815-Story

    Positive Aspekte:
    Trotz geringen Einsatzfeldes recht vielfältiges Missionsdesign, verstecken in Büschen und Gras, Soundtrack baut Spannung auf, ordentliche Sprecher, Berechnung von Wind und anderen Faktoren, fordern aber nie unfair, Bullet-Cam, realistische Ballistik...

    Infos zur Spielzeit:
    alpha_omega hat sich 2-10 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Sniper: Ghost Warrior

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: alpha_omega
    6.2
    Multiplayer
    -
    Grafik
    6/10
    Steuerung
    4/10
    Sound
    7/10
    Gameplay
    6/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    -
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Sniper: Ghost Warrior
    Sniper: Ghost Warrior
    Publisher
    City Interactive sp. z o.o. (PL)
    Developer
    City Interactive sp. z o.o. (PL)
    Release
    28.04.2011

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1011009
Sniper: Ghost Warrior
Sniper: Ghost Warrior - Aus dem Alltag eines Einzelkämpfers - Leser-Test von alpha_omega
http://www.gamezone.de/Sniper-Ghost-Warrior-Spiel-16233/Lesertests/Sniper-Ghost-Warrior-Aus-dem-Alltag-eines-Einzelkaempfers-Leser-Test-von-alpha-omega-1011009/
24.12.2011
http://www.gamezone.de/screenshots/medium/2011/04/Sniper_ghost_warrior_PS3_4.jpg
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