Wer braucht schon futuristische Waffen an seinem Auto um eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen?
Wenn Geschwindigkeit allein nicht ausreicht, dann mach die Stadt zu deiner Waffe! So steht es im Handbuch zu Split/Second Velocity und das darf man durchaus ernst nehmen. Denn für die gewaltigste aller je ausgestrahlten TV Sendungen hat man eine komplette Stadt präpariert, alleine zu dem Zweck zerstört zu werden. Denn jeder der bis zu maximal acht Fahrer auf den wahnwitzigen Strecken wurde mit einem Funkauslöser ausgestattet, der es erlaubt neben den Pisten angebrachte Sprengsätze ebenso zur Explosion zu bringen, wie ganze Häuser, Brücken und Industrieanlagen in sich zusammenfallen zu lassen. Diese Zerstörungen sind so massiv, dass sich dadurch der Streckenverlauf ändert. Ging es die Runde davor noch über eine Brücke, fährt man in der nächsten darunter oder gleich daneben. Derweil ist das Spektakel kaum in Worte zu fassen, spätestens wenn ihr einen Jumbo Jet direkt auf euch zustürzen seht, wisst ihr was ich damit meine.
Split/Second: Velocity
Wie es sich für eine vernünftige TV-Sendung gehört, wird sie in mehreren Staffeln ausgestrahlt. Diese insgesamt 12 Staffeln halten jeweils mehrere Herausforderungen bereit, denn nicht immer geht es darum als erster der acht Fahrer durchs Ziel zu schießen. Beim Helikopterangriff beispielsweise ist man ganz alleine auf der Strecke und muss den vom Helikopter abgefeuerten Raketen ausweichen und dabei auch noch innerhalb der vorgegebenen Zeit ins Ziel kommen. Wo die Raketen einschlagen werden wird uns zwar angezeigt, trotzdem ist es kein Leichtes innerhalb von Sekundenbruchteilen den einzig fahrbaren Weg zu erkennen. Ähnlich verhält es sich beim Überholen, denn in dieser Variante befinden sich eine ganze Anzahl überladener LKWs auf der Strecke die permanent explosive Fässer verlieren, welche bei einem Treffer unseren Flitzer in seine Einzelteile zerlegen.
Split/Second: Velocity
Meist jedoch haben wir es mit den ganz normalen Rennen zu tun, insofern man im Falle von Split/Second noch von "normal" sprechen kann. Das Besondere an dem Rennspiel nämlich sind die eben schon erwähnten Explosivstoffe. Statt die Fahrzeuge selbst mit Waffen auszustatten haben die Entwickler die ganze Stadt mit TNT gespickt. Das Recht dieses zu zünden muss man sich aber erst durch besonders spektakuläres Fahren erarbeiten. Dazu befindet sich an der Rückseite unseres Boliden eine 3-Segment-Anzeige die wir durch Driften, Windschattenfahren und möglichst weite Sprünge aufladen. Ist das erste Segment gefüllt, können wir die kleinen Ladungen direkt neben der Strecke zünden, immer dann wenn über einem Gegnerfahrzeug das entsprechende Icon aufleuchtet. Bei zwei gefüllten Segmenten können wir die großen Explosionen auslösen, wohingegen es erst mit dem dritten Segment möglich ist den Streckenverlauf an den dafür vorgesehenen Stellen zu ändern. Genau das sind die ganz besonderen Momente in Split/Second Velocity, wenn ganze Häuser oder Türme auf die Strecke krachen und nur eine kleine Furt frei lassen die befahrbar bleibt. Allerdings ist auch genau das einer der Knackpunkte am Spiel, denn so spektakulär diese Streckenumbauten auch sind, sie verlaufen doch immer gleich, werden mit der Zeit also berechenbar. Irgendwann weiß man einfach, dass die Spitze des Turms immer zuerst links aufschlägt oder die Furt durch das Stadthaus in der Mitte durch führt. Besonders online bemerkt man so recht schnell, wer die Strecken schon kennt und wer nicht.
Split/Second: Velocity
Trotzdem muss man dem Spiel lassen, dass die Präsentation des gesamten Spektakels wirklich herrlich ausgefallen ist. Das beginnt schon mit den jeweiligen Intros zu den verschiedenen Spielvarianten, welche wie eine TV-Show aufgemacht sind und so wirken als würden sie mit einer Handkamera aufgenommen. Einzig mit den Flimmer- und Blitzeffekten in den Menüs hat man es etwas übertrieben, je größer der verwendete Screen ist desto schlimmer ist dieser Effekt. Sehr schön dagegen wieder, dass die Rennen praktisch ohne Ladezeit sofort starten.
Split/Second: Velocity
An die Steuerung der Gefährte muss man sich erst einmal gewöhnen, denn das Fahrverhalten dieser würde ich als eine Mischung aus Ridge Racer und Burnout beschreiben. Praktisch jede engere Kurve muss man driften um unbeschadet durchzukommen und bis die Autos in Schwung kommen, dauert es einige Meter. Dann aber ist der Geschwindigkeitseindruck wirklich herrlich und es ist schon erstaunlich zu was die verwendete Engine in der Lage ist. Da sieht man vor lauter Staub und Trümmern kaum mehr etwas, während die Autos um uns herumfliegen und sich die Strecke eben selbst umbaut, doch die Framerate bleibt stabil und das Spiel immer angenehm flüssig. Einzig bei der PS3 konnten wir ganz geringe Framerate-Einbrüche feststellen, die aber nicht auftauchten wenn die Explosionen wieder einmal überhand nahmen, sondern nur dann, wenn sich viele Fahrzeuge direkt vor uns befanden. Dieser Einbruch ist aber nicht schlimm und hält sich sehr in Grenzen.
