Der große PC-Evolutionszirkus wurde auf dem DS zu einem klassischen, aber ungewöhnlichen Rollenspiel umfunktioniert.
Mit den Sims erschuf Will Wright eine Art Lebenssimulation und stürzt sich nun in Spore thematisch auf eine Art abgewandelte Evolutionstheorie. Von der Ursuppe zur Weltbesiedelnden Rasse sozusagen. Als angekündigt wurde, dass man den Titel neben dem PC auch auf Nintendos DS veröffentlichen möchte, runzelten sicherlich einige Spieler die Stirn und fragten sich, wie das äußerst komplexe Spielprinzip auf den Handheld übertragen werden sollte. Gut, im Falle der Sims funktionierte dies ja auch, doch mussten hierbei einige gravierende "Verluste" in Kauf genommen werden. Ob diese Einbußen auch bei Spore zum Tragen kommen, erfahrt ihr im nachstehenden Review.
Von der Ursuppe in den Sternenhimmel
Spore: Wilde Kreaturen
Das wichtigste gleich vorab: Bei der DS Version zu Spore handelt es sich nicht um eine derart komplexe Angelegenheit wie bei dem entsprechenden PC-Gegenstück. Dafür wurde das Gameplay etwas komprimiert, so dass wir am Ende eine Art Action-Adventure-RPG Gemisch erhalten, welches nicht wirklich im Ozean beginnt, sondern unser Lebewesen direkt an den Strand des Lebens spült. Nach einer kurzen Einführung findet sich der Spieler also bereits zu Anfang an Land wieder und muss ein kurzes Tutorial durchlaufen. Diese Einführung macht zudem schnell klar, dass wir im Falle der DS-Version nicht den Umfang wie bei der PC-Variante geboten bekommen und dass es sich eher um eine Art lineares Adventure handelt.
Spore: Wilde Kreaturen
Man bekommt diverse Aufgaben gestellt, die es zu erfüllen gilt um in der Geschichte weiter voran zu kommen. Gebiete müssen erkundet, Körperteile und Fähigkeiten gesammelt und Gegner in Echtzeitkämpfen besiegt werden. Um all diese Gegebenheiten wurde eine kleine Geschichte gesponnen in der es gilt, seinen Wegbegleiter aus den Fängen eines mysteriösen Ufos zu befreien. Die Aufgabe besteht also erst einmal darin, dieses Ufo aufzuspüren und zu untersuchen, nachdem man erste Kontakte mit den Lebewesen des unbekannten Eilands geknüpft hat. Eine Sozialfunktion erlaubt es uns mit den Kreaturen zu kommunizieren. Sind diese freundlich gesinnt, so sprechen sie mit uns, möchten gekrault werden und freunden sich schlussendlich mit uns an. Handelt es sich um feindliche Wesen haben diese natürlich wenig für unsere Streicheleinheiten übrig und stürzen sich direkt in einen Kampf mit dem armen kleinen Sporeling. So schlägt man sich von Landstrich zu Landstrich und ist immer auf der Suche nach seinem Kollegen Oogie, bzw. auf der Jagd nach neuen Ufo-Teilen, mit deren Hilfe man die Verfolgung weiter aufnimmt.
Wo sind meine Körperteile?
Spore: Wilde Kreaturen
Auf unserer Entdeckungsreise stoßen wir immer wieder auf neue Körperbauteile, die wir im heimischen Nest montieren können. Dieses Nest dient als Rückzugs- und Respawnpunkt und erlaubt es uns, den Sporeling entsprechend zu tunen oder farblich zu gestalten. Augen, Arme, Beine, Körperrumpf oder Schwanz lassen sich beliebig austauschen und helfen dabei die jeweiligen Fähigkeiten zu verbessern. Somit steigt entweder der Angriff oder die Verteidigung unserer Kreatur, ähnlich wie bei anderen Rollenspielen, nur mit dem Unterschied, dass man bei anderen Genrevertretern nicht wirklich Körperteile, sondern Items auswechselt. Anderes Prinzip, gleicher Effekt! Diverse Charaktereigenschaften verleihen uns darüber hinaus zum einen Primär- zum anderen Sekundärfähigkeiten. Während der Stoffwechsel bestimmt, wie viele Energiepunkte man durch das Verzehren von Nahrung zurück gewinnt, wird mit den Sozialpunkten ermittelt, wie schnell man sich mit anderen Kreaturen anfreunden kann.
Auch gibt es sogenannte Biofähigkeiten, die spezielle Kräfte freisetzen. Somit kann man sich entweder selbst heilen oder erhält weitere Angriffe, mit denen die herumstreunenden Gegner schneller zu besiegen sind. Die Heilkräfte sind natürlich im Kampf besonders vorteilhaft, da man sich mitten im Gefecht nicht einfach ein paar Beeren oder ähnliches einverleiben kann. Je nach Gattung hat man natürlich andere Vorlieben in Bezug auf das, was auf dem Essenstisch landet. Pflanzenfressern wird von Fleisch schlecht, wohingegen die carnivoren Wesen nicht wirklich auf Früchte stehen.
Weitere Körperteile lassen sich zudem nicht nur finden, sondern im "Teile-Laden" auch käuflich erwerben. Hat man genügend Abzeichen-Punkte gesammelt kann man diese flugs ausgeben, um sich neue, bessere Extremitäten zuzulegen. Jeder Planet hält 10 Tokens bereit, die man einsammeln und später gewinnbringend verwerten kann. Meist kümmert man sich aber um die Körperteile, welche man in der Wildnis findet oder die man von besiegten Gegnern, sowie befreundeten Wesen erhält.
Spore: Wilde Kreaturen
Um seinen Sporeling noch individueller zu gestalten, kann man diesem einen farblichen Anstrich verpassen und die verschiedenen Körperteile mit Mustern und Farben versehen. Die Möglichkeiten der diversen Farbgestaltungen via Farbpalette sind nahezu unendlich und so sollte der geneigte Spieler die anfangs kleine, später größere Kreatur nach seinen eigenen Wünschen und in seinen Lieblingsfarben "bemalen" können. Mit Hilfe des Stylus kann man diese Änderungen bequem vornehmen, denn die Touchscreen-Unterstützung funktioniert nach einiger Einarbeitungszeit tadellos. Wer die zusammen gebastelten Kreationen mit seinen Freunden tauschen möchte, kann dies ohne weiteres mit Hilfe der "Zoo"-Funktion und der Wi-Fi Connection des DS tun. Eine Möglichkeit zusammen durch die Lande zu streifen oder gegeneinander zu kämpfen gibt es allerdings nicht.
Evolution ist kein Ponyhof
Spore: Wilde Kreaturen
Wie bereits erwähnt steuert man den Sporeling entweder mit dem Stylus oder nimmt die Tasten zur Hilfe. Kommt es zum Kampf wird das umliegende Areal eingegrenzt und man steht dem Gegner in einer Art Arena gegenüber. Mit schräg ausgeführten Bewegungen auf dem Touchscreen geht unser Charakter zum Angriff über und lehrt seine Gegner im besten Fall das Fürchten. Später muss man allerdings bemerken, dass nicht jeder Gegner identisch zu besiegen ist, weswegen es gilt ins Nest zurückzukehren, um etwas an seiner ganz persönlichen "Evolutionsstufe" zu schrauben um benötige Fähigkeiten hinzuzugewinnen. Ist der Feind besiegt erhält man hierbei, ebenso wie bei der Erfüllung bestimmter Missionsziele Erfahrungspunkte, die uns ebenfalls dazu verhelfen ein wenig besser dazustehen. In Bezug auf das Gameplay bekommt man also durchaus das klassische Rollenspiel-Prinzip geboten, doch wurde die Angelegenheit mit einer Masse an Körperteilen und der Stylus-Steuerung aufgepeppt. Positiv ist die Tatsache, dass man mehrere Spielstände zur Verfügung hat und auch seine eigens entworfenen Sporelinge jederzeit abspeichern kann.
