Steel Battalion - Heavy Armor wurde dank Kinect regelrecht gegen die Wand gefahren
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Eingefleischte Videospieler können sich noch an Steel Battalion – Line of Contact erinnern, welches damals mit einem wahrlich monströsen Controller ausgeliefert wurde. Mit Dutzend Schaltern und Hebeln sowie einer eigenen Pedalerie steuerte man damit die stählernen Kampfkolosse, was schon für ein ganz besonderes Spielerlebnis sorgte, auch wenn das Game durchaus seine Schwächen hatte und der Controller den kompletten Wohnzimmertisch belegte. Mit Steel Battalion – Heavy Armor wagt Capcom nun den Versuch auf solch einen Controller komplett zu verzichten und den Spieler stattdessen den kompletten Mech per Kinect bedienen zu lassen. Im Grunde eine gute Idee, direkt die Bedienelemente "anfassen" zu können, die in der Praxis aber nicht so funktionieren will wie es soll.
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Derweil macht schon die Bedienungsanleitung zum Titel stutzig. Da werden für Kinect relativ komplizierte Bewegungsabläufe beschrieben, mit denen man alles mögliche soll auslösen können. Monitore müssen herangezogen werden, Schutzklappen vor Schaltern muss man erst wegklappen bevor man die darunterliegende Taste drücken kann und mit den Armen muss man vor sich hin- und herwinken um mich seitlich im Vertikal Tank umsehen zu können. Mitunter muss man sogar aufstehen, beispielsweise um eine Granate zu werfen oder um das Fernglas benutzen zu können. Das lässt Übles Vermuten, schließlich kennt man Kinect inzwischen. Trotzdem überwog erst einmal die Vorfreude und ich sorgte für eine vernünftige Sitzposition und gute Beleuchtung, so dass mich der Sensor gut erfassen kann.
So vorbereitet erlebe ich die erste Szene von Steel Battalion, in der mir meine Kameraden vorgestellt werden, eine Truppe die jedes sich nur vorstellbare Klischee erfüllt. Der Afro-Amerikaner Parker plappert mehr als nötig und muss seinen Sätzen selbstverständlich immer unnötige Gefühlsäußerungen anhängen, wohingegen der Rainer getaufte Typ einfach unappetitlich daherkommt und immer schlecht gelaunt ist. Schon zu Beginn muss man ihn beim Urinieren zusehen und soll dann auch noch einen Apfel aus seiner ungewaschenen Hand auffangen. Damit will uns Steel Battalion wohl zeigen in welcher unerbittlichen Welt wir ab sofort leben, das kann gefallen wem es will. Wir selbst schlüpfen dabei in die Rolle eines aus dem Ruhestand zurückbeorderten Captains, der trotz seines Erfahrungsschatzes erst einmal lernen muss wie sich so ein Vertikal Tank bedient.
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Dabei macht man in den ersten Momenten des Tutorials durchaus positive Erfahrungen mit der Kinect-Steuerung, denn die benutzbaren Elemente befinden sich alle im Sichtfeld und es macht Sinn, gewisse Geräte erst zu sich heranziehen zu müssen, ums sie bedienen zu können, und Hebel genau dort anzufassen, wo sie sich auch befinden. Nur das mit dem Umsehen ist etwas seltsam gelöst, dafür nämlich muss man ausladende Wischbewegungen vor der eigenen Nase machen, und will man vernünftig aus dem winzigen Frontfenster schauen, muss man dazu beide Hände ausstrecken, wohlgemerkt während man den Controller noch in Händen hält. Denn die Steuerung des VT selbst erfolgt trotz Kinect noch über ihn.
Im Einsatz dann aber, zeigt uns Kinect wo das Problem an der Steuerung liegt. Dann nämlich, wenn wirklich alle Funktionen gleichzeitig zur Verfügung stehen und es auf schnelles Handeln ankommt, lässt sie uns mitunter grandios im Stich. Trotzdem verzichtet sie aber nicht darauf, uns während der Missionen auch noch zusätzliche Funktionen aufzubürden, wie das manuelle Nachladen der beiden Waffenarme, wenn unsere entsprechenden Begleiter das Zeitliche segneten. Gerne kommt es da zu hektischen Situationen, in denen wir nur schnell den Lüfter einschalten wollen um die giftigen Abgase aus dem Tank zu leiten, um dann endlich Nachladen zu können, was aber nicht mehr passiert, weil sich Kinect standhaft weigert die Bewegung korrekt zu erkennen. Zwar wird uns die virtuelle Hand angezeigt, sie scheint sich auch genau dort zu befinden wo sie hingehört, greift aber einfach den Griff nicht. Bis nach mehrmaliger Wiederholung die Funktion endlich ausgelöst wird, ist es dann auch schon zu spät und wir sterben im Kugelhagel. Das bedeutet auch meist die Mission zu wiederholen, den Checkpoints sind nur sehr rar gesät.
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Derweil hat Steel Battalion durchaus seine lichten Momente. Die Missionen sind im Grunde sehr abwechslungsreich gestaltet und die Schlachtfelder bieten das Potenzial für spannende Kämpfe. Dazu versteht es das Spiel auch in manchen Momenten richtig für Stimmung zu sorgen, wenn da nur die Gestenerkennung mitspielen würde. Dabei wird die Geduld des Spielers in den eingestreuten Quick Time Events dann komplett auf die Probe gestellt, wenn man zum Beispiel rechtzeitig zur Seite schauen muss um fliehende Kameraden festzuhalten, die durch die weggesprengte Wand des Tanks fliehen wollen, oder wir eine in den Tank hineingeworfene Granate schnellstens fassen und durch den Deckel am Boden wieder hinauswerfen müssen. In solchen Momenten gibt es keinen zweiten Versuch, alles muss auf Anhieb funktionieren, was es aber nur ungern tut.
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Das ist wirklich schade, denn wie schon erwähnt, es gibt wirklich gut inszenierte Stellen im Spiel und eigentlich schafft es der Titel schon, einen glauben zu lassen, dass man sich in einem Kampfkoloss befindet. Auch lässt uns Steel Battalion durchaus gewisse Freiheiten, auch wenn die Level sehr linear aufgebaut sind, bietet mal spannende Einsätze in denen wir Geduld beweisen müssen und lässt uns dann auch wieder nach Herzenslust herumballern. Mal liegen wir auf der Lauer und warten auf einen bestimmten Gegner, den es dann in Sekundenschnelle auszuschalten gilt, mal tasten wir uns mit unzureichendem Gerät ausgestattet durch ein Minenfeld und dann wieder stehen wir einer halben Arme an Panzern und VT's gegenüber. Dabei haben die Entwickler ein durchaus gelungenes Gleichgewicht geschaffen, aus Missionen in denen man seine geballte Kampfkraft voll ausspielen kann, und solchen, bei denen man sich jeden einzelnen Schuss gut überlegen sollte. Diesbezüglich zu bemängeln ist dann eher die Gegner KI, nicht selten stehen uns die Feinde absolut schutzlos gegenüber und scheinen nur darauf zu warten, abgeschossen zu werden. Sie machen dann gar keine Anstalten Deckung zu suchen oder auf unsere Aktionen zu reagieren, was mitunter etwas an der Atmosphäre nagt.
Auch grafisch und Sound-technisch kommt Steel Battalion angenehm 'rüber, auch wenn die Charaktere selbst unnatürlich glänzen und mitunter auch recht einfach animiert sind. Dafür wirken die Schlachtfelder wirklich cool und die Waffeneffekte können sich sehen lassen. Sprachausgabe gibt es allerdings nur im englischen Original, lediglich die Untertitel und die Menüs wurden ins Deutsche übersetzt. Sollte man also wirklich kein Wort Englisch verstehen, wird einem, besonders in den hektischen Sequenzen, wenn uns Kinect wieder einmal im Stich lässt, so manches entgehen. Besonders witzig ist dies, wenn wir angebrüllt werden endlich dies oder jenes zu tun, wir auch unser Bestes geben, die eingeblendeten Hände im Spiel aber nur hilflos herumwinken, während wir selbiges vor dem Screen tun.
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Wow, dass sollte viel öfter geschehen.
bei den meisten Spielen bietet es sich irgendwie an.