Stellaris im Test mit Video-Review: Paradox' fantastisches Weltraum-Debüt hat ein großes Problem - die Performance
Test 44,99 €
Gelingt Paradox mit dem Weltraum-Strategiespiel Stellaris nach Crusader Kings 2 und Europa Universalis 4 der nächste große Streich? Erfahrt es im Test von PC Games mit ausführlichem Video-Review! Update: Jetzt mit angepasster Wertung nach Patch 1.0.2. Update 2: Jetzt auch mit Wertung für die Konsolenfassung.
Borg, Klingonen, kleine grüne Männchen, Sektoiden oder Centauri? Alles nicht das Richtige! Für den Stellaris-Test (jetzt kaufen 49,99 € / 44,99 € ) von PC Games haben wir eine wahrlich Furcht erregende Rasse von Außerirdischen geschaffen: die Fliegenpilze!
Unsere wegen ihrer roten Hüte liebevoll "Redcaps" genannten Pilzwesen leben in einer hochgradig militaristischen Gesellschaft, die noch dazu sehr viel Wert auf materielle Güter legt. Glaube, Nächstenliebe oder Pazifismus? Alles Humbug! Uns geht es in Stellaris schließlich darum, ein möglichst großes Sternenreich zu erobern. Wir wollen den Pilzbefall unserer glorreichen Repcap-Union in alle Winkel der Galaxis ausbreiten und dabei möglichst auch noch ein gutes Geschäft machen. Andere raumfahrende Rassen werden unterjocht und durch die Knute unserer überlegenen Militärmacht in das Vasallentum gezwungen, bevor sie schließlich nach einer mehrjährigen Integrationsphase in die Gesellschaft integriert werden - samt ihrer Sternensysteme, Schiffsflotten und Rohstoffe, selbstverständlich.
Doch die Pilzköpfe der Redcap Confederations sind keine Unmensch... äh, -fungi. Sklaverei und Völkermord? Nicht mit den Fliegenpilzen! Möglich wäre es aber, denn selbst solche verabscheuungswürdigen Praktiken sind bei Stellaris nur einen Klick entfernt, wie unser Test belegt. Das Weltraum-Strategiespiel von Paradox gibt euch haufenweise Optionen an die Hand. Was ihr daraus macht, ist eure Entscheidung. Das Ergebnis ist theoretisch eines der besten 4X-Spiele seit Master of Orion 2. Wäre da nicht dieses kleine Problem mit der Technik ...
Update: Ganz am Ende des Artikels beziehen wir die Änderungen durch den Patch 1.0.2 in unsere aktualisierte Stellaris-Wertung ein.
Update 2 (22.02.2019): Ebenfalls am Ende des Artikels gehen wir auf die Umsetzung für PS4 und Xbox One ein.
Auf dieser Seite
Quelle: PC Games
In Stellaris sind riesige Galaxien möglich - mit Spiralarmen oder ohne.
Stellaris im Test: Mach mal Pause
Quelle: PC Games
In jeder Partie gibt es eine Art Mini-Kampagne, bei der ihr im Rahmen eines Tutorials Jagd auf Abtrünnige macht.
Auch wenn die Aufmachung an ein Rundenstrategie-Spiel erinnert: Stellaris läuft in Echtzeit ab. Wie man das von Paradox-Spielen à la Hearts of Iron gewohnt ist, lässt sich der Spielverlauf jederzeit pausieren, um Befehle zu erteilen. Zu Anfang betrifft das vor allem den Ausbau der eigenen Heimatwelt, die Erforschung von Nachbarplaneten und die Kolonisation weiterer Himmelskörper. Denn in Stellaris gibt es anders als bei Europa Universalis 4 keinen historischen Kontext und damit auch keine bestehenden Sternenreiche: Der Spieler startet stets mit einer mickrigen Anfangsflotte und muss sein Imperium nach und nach ausweiten. Wie ihr das anstellt, liegt komplett bei euch. Allerdings gibt es eine kleine Quest-Reihe zur Einführung und ein Tutorial erklärt einige (aber nicht alle) Mechaniken im Detail.
Das erlaubt eine weitaus sanftere Lernkurve als in den meisten anderen, für ihre Unzugänglichkeit berüchtigten Paradox-Spielen. Stellaris ist vergleichsweise einsteigerfreundlich, die Menüs sind meist übersichtlich. Nur zuweilen versteckt Paradox wichtige Informationen hinter Unterpunkten; der Komfort leidet. Erst recht, wenn ihr euch immer weiter in der Galaxie ausbreitet, denn es fehlen Automatikfunktionen. So gerät etwa der Bau großer Flotten zur Fleißaufgabe, bei der ihr von Planet zu Planet springt. Das Gleiche gilt für das Ausheben von Invasionsarmeen, mit deren Bodentruppen ihr fremde Planeten besetzt. Und schließlich müsst ihr auch nach vielen Spielstunden immer noch manuell Forschungs- und Konstruktionsschiffe zu neuen Systemen beordern, wo sie Planeten katalogisieren oder Bergbau- und Forschungsstationen errichten.
Immerhin nutzt Stellaris ein cleveres Sektorensystem. Denn je nach Entwicklungsstufe eures Reiches dürft ihr nur eine bestimmte Anzahl von Planeten selbst kontrollieren. Wer sich darüber hinwegsetzt, wird mit massiven Produktionsmali bestraft. Also teilt man seine beständig wachsende Einflussphäre ausgehend von besiedelten Planeten in Sektoren auf. Die lassen sich anschließend ebenso wie einzelne Kolonien unter die Kontrolle eines KI-gesteuerten Gouverneurs stellen. Der Staatsbeamte kümmert sich fortan um den Bau neuer Gebäude; als Spieler kann man seinem Vertreter Vorgaben machen wie "Erwirtschafte möglichst viele Credits" oder "Sorge dafür, dass genug Rohstoffe für den Aufbau des Militärs verfügbar ist". Das klappt gut und nimmt einem viel Mikromanagement ab.
Simpler als man denkt
Quelle: PC Games
Der Baumodus auf Planeten ist unkompliziert und nicht allzu komplex.
Wer noch keine Sektoren eingerichtet hat, platziert Gebäude von Hand auf Planeten. Je nach Größe der Welt steht dafüreine bestimmte Anzahl rechteckiger Flächen zur Verfügung. Auf denen können sich zu Beginn sogenannte Blocker befinden: Vulkane, dichter Dschungel oder wilde Tiere. Die gilt es erst unter Zeit- und Geldaufwand zu beseitigen, die nötigen Technologien dafür wollen erforscht werden. Anschließend errichtet ihr Kraftwerke, Erzminen, Hydrofarmen für die Nahrungsmittelversorgung oder eine Reihe von Gebäuden, welche die Zufriedenheit der Bevölkerung steigern. Die Liste an Einrichtungen ist kurz, Stellaris ist kein Aufbaustrategie-Spiel. Dafür könnt ihr viele Gebäude mehrmals verbessern.
Fast jedes Feld besitzt einen Rohstoffwert, der sich bei der Konstruktion des dazugehörigen Gebäudes in einem Plus der entsprechenden Ressource (Energie-Credits, Mineralien, Nahrung sowie drei unterschiedliche Forschungspunkte) niederschlägt. Baut ihr ein gegenteiliges Bauwerk, verfällt der Bonus für immer. In jedem Fall benötigt ihr für den Betrieb der Gebäude aber eine Bevölkerungseinheit, die auf demselben Feld steht. Nachwuchs entsteht bei einer positiven Nahrungsbilanz und benötigt Zeit. Alternativ lassen sich auch Roboter bauen, die bei der Arbeit helfen. Zudem gibt es eingeschränkte Kombi-Effekte bei ähnlichen Gebäuden, die auf angrenzenden Feldern stehen. Trotzdem: Sonderlich komplex ist der Siedlungsbau nicht und wiederholt sich noch dazu nach einer Weile. Daher gibt man diese Verantwortung gerne an die Sektoren-Gouverneure ab.
Quelle: PC Games
Euer Imperium teilt ihr in Stellaris in Sektoren auf, denen Gouverneure vorstehen. Das erspart euch lästiges Mikromanagement.
Auch sonst fehlt manch einem Strategie-Experten die ein oder andere Komplexitätsstufe in Stellaris. So gibt's zum Release etwa keine Spionage und kein Handelssystem - diese und weitere Features werden Paradox-typisch wohl mit den bereits geplanten DLCs oder kostenlosen Inhalts-Patches nachträglich in Stellaris eingebaut. Auch im Vergleich mit früheren Paradox-Spielen gibt's so einiges, was man vermisst.
So existieren zwar Anführer, die wir auf verantwortungsvolle Posten in Flottenführung, Forschung oder Kolonieverwaltung setzen. Und diese Damen, Herren und geschlechterneutralen Wesen sammeln auch Erfahrung und erhalten spezielle Charaktermerkmale. Allerdings lässt sich mit ihnen viel zu wenig anstellen, es gibt keine spannenden Entscheidungen im Zusammenhang mit den Anführern. So werden sie bei ihrem Tod dann auch kaum von uns betrauert, stattdessen heuern wir einfach Ersatz an. Schade, hier wäre mehr drin gewesen!
Im Test: Der Wiederspielwert von Stellaris
Quelle: PC Games
Die grafische Darstellung von Stellaris ist schick. Auf Sternen sieht man etwa sogar Sonnenflecken.
Aber das soll nicht heißen, dass Stellaris arm an Inhalten wäre. Im Gegenteil. Es ist riesig und von epischer Breite. Das beginnt schon ganz am Anfang einer Endlospartie, dem einzigen Spielmodus von Paradox' Weltraum-Strategiespiel. Denn da erstellt ihr zunächst einmal eure Rasse. Hier gibt es unzählige Optionen - weit mehr etwa als im rundenbasierten Early-Access-Konkurrenten Master of Orion. Ihr könnt Säugetiere (darunter auch Menschen), Echsenwesen, mehrköpfige Hydras (!), riesige Krötenungeheuer, bunte Papageien oder eben muffige Pilze spielen. Aus sechs teils arg schrägen Phänotypen und einem gigantischen Fundus an einzigartigen Portraits klickt ihr euch eure Lieblingsrasse zusammen, wählt anschließend noch wichtige Attribute für Ethik und Politik.
So könnt ihr etwa aggressive Insekten auf die Galaxis loslassen - oder euch als pazifistische, streng gläubige Paradiesvögel um das Seelenheil der Nachbarn sorgen. Jede Einstellung lässt sich dabei noch ins Fatalistische steigern, was für größere Boni und Mali sorgt. Dazu gibt's noch viele Eigenschaften wie "Schnelle Lerner" (beschleunigt Forschung) oder "Dekadent" (gibt ein Minus auf die Wirtschaftsproduktion ohne Sklavenarbeit). Wer nicht alleine spielen will, kann im Multiplayer-Modus ein Universum mit 32 menschlichen Teilnehmern erstellen. Name, Heimatwelt, Lieblingsklima und Aussehen der Raumschiffe festgelegt und schon geht der Spaß los. Alternativ wählt ihr eine Zufallsrasse.
Einmal zusammengewürfelte Völker lassen sich speichern und in späteren Partien erneut einsetzen - entweder als eigene Untertanen oder als computergesteuerte Widersacher. Geniales Detail im umfangreichen Völkerbaukasten: Ihr wählt sogar aus, welche Fortbewegungsmethode euer neues Imperium bevorzugt - klassischer Warp-Antrieb, Hyperraumsprung (geht nur entlang etablierter Routen) oder Wurmloch-Antrieb (nur an zuvor gebauten Stationen möglich).
Quelle: PC Games
Die Präsentation von Stellaris ist knochentrocken. Das Strategiespiel entfaltet seine Faszination vorrangig über (auf Wunsch deutsche) Texte.
Quelle: PC Games
In Stellaris forscht ihr in drei Feldern parallel. Welche Technologien als Forschungsziele zur Verfügung stehen, entscheidet teilweise der Zufall.
Die zahllosen Optionen zu Spielbeginn zeigen schon: Stellaris ist darauf ausgelegt, mehrmals gespielt zu werden. Im Test funktionierte das auch ganz hervorragend, weil die unterschiedlichen Rassen und ihre 15 Führungsstile (Theokratie, Demokratie, Diktatur, etc.) den Spielverlauf subtil verändern. Dazu kommt noch die Forschung, bei der eine gute Portion Zufall zum schnellen Streben nach den begehrtesten Technologien dazukommt. Denn statt strikt den Ästen eines linear aufgebauten Forschungsbaums zu folgen, erhaltet ihr in drei Disziplinen einen Strauß bunt gemischter Forschungsprojekte angeboten, die Stellaris wie aus einem Kartenstapel zieht. Zwar gibt's immer noch Abhängigkeiten wie "Erst rote Laser erforschen, dann blaue Laser", aber dank Zufallssystem kann man manchmal recht früh eine sehr fortschrittliche Technologie angeboten bekommen - die dann aber aus Balancing-Gründen wiederum viel Forschungszeit benötigt. Die Prise Zufall tut dem System ingesamt gut, der technische Fortschritt gestaltet sich dadurch stets anders.
Stellaris hat uns im Test immer wieder mit coolen Möglichkeiten überrascht, die kein anderes 4X-Spiel bietet. So lassen sich ganze Völker versklaven oder zwangsumsiedeln. Rücksichtslose Tyrannen können sogar ethnische Säuberungen anordnen. Wer die Geheimnisse der Genetik per Forschung entschlüsselt, darf nicht nur an seiner eigenen Rasse herumdoktern und ihr weitere Boni verleihen. Nein, man kann auch bezwungene Völker verändern, um sie fügsamer zu machen und so die Chance für eine Rebellion zu verringern. Und wenn wir schon dabei sind: Wie wäre es mit einer im Labor gezüchteten Horde von Xenomorphs? Diese (scheinbar) willenlosen Tötunsmaschinen lassen sich anstelle eigener Soldaten auf die Gegner hetzen. Jedenfalls solange, bis etwas schief läuft und sich die einstigen Dienerkreaturen gegen ihre Herren erheben.
Endlos Endgame-Abwechslung
Habt ihr erst einmal eure Grenzen erweitert und eine schlagkräftige Flotte aufgebaut, macht sich bei den meisten 4X-Spielen langsam aber sicher Langeweile breit. Denn das Endgame verläuft gerade bei Weltraum-Strategiespielen doch immer nahezu gleich. Nach und nach wird ein jeder Konkurrent niedergemacht, ohne dass sich an der Methode großartig ändert. Hier setzt Paradox mit Stellaris an, indem es überraschende Ereignisse in die Endphase einer Partie einbaut. So registrierten die wisenschaftlichen Messgeräte unseres Fliegenpilz-Imperiums nach gut zehn Stunden einer Partie plötzlich eine mysteriöse Energiewelle. Kurze Zeit später öffnete sich mitten im Territorium eines unserer Vasallenstaaten ein Portal in eine andere Dimension. Daraus quollen hunderte kampfstarker Raumschiffe hervor, die sogleich eine Schneise der Verwüstung in diesen Teil der Galaxie schlugen. Alleine hatten wir gegen diese Übermacht keine Chance, die ganze Galaxie musste sich gegen die Invasoren verbünden.
Quelle: PC Games
Genial: Ihr könnt das Erbgut eurer eigenen Rasse und aller anderen Völker in eurem Einzugsbreich manipulieren.
Weitere Endgame-Herausforderungen umfassen Jahrtausende alte Imperien, die sich zwar nicht mehr ausbreiten, aber technologisch weit überlegen sind und verschnupft auf Grenzkonflikte reagieren. Dazu kommen mögliche Roboterrevolten oder das Auflehnen unterjochter Völker. Um andere Rassen in eurem Reich zu managen, müsst ihr auf das Fraktionssystem zugreifen. Durch den Einsatz der wichtigen, nur langsam regenerierenden Ressource Einfluss könnt ihr Unabhänigkeitsbewegungen bremsen, Anführer bestechen oder sie besser in die restliche Bevölkerung eingliedern. Wer nicht aufpasst, riskiert, dass sich Planeten vom Imperium abspalten. Das passiert öfter, als man glaubt, denn der kostbare Einfluss wird auch für die Ausweitung der eigenen Grenzen per Außenposten-Konstruktion und das Verbünden mit kampfstarken Nachbar-Nationen benötigt.
Quelle: PC Games
Das Diplomatiemenü bietet wenige, aber gut integrierte Optionen. Die KI-Widersacher verhalten sich realistisch.
Neben der Bündnisoption steht euch auch die Möglichkeit offen, eine Föderation à la Star Trek zu gründen - komplett mit eigens designter Sternenflotte und periodisch wechselndem Vorsitz. Allerdings fanden wir das im Test von Stellaris nur selten nützlich, denn solange wir nicht die Kontrolle haben, können wir keine Kriegserklärungen abgeben. Kriege funktionieren wie in Europa Universalis 4: Zu Konfliktbeginn legt ihr für euch und eure Verbündeten Kriegsziele fest, etwa die Annektion bestimmter Planeten oder die Knechtschaft des unterlegenen Reiches. Anschließend erhaltet ihr für jedes gewonnene Gefecht und jede besetzte Welt Kriegspunkte, mit denen ihr schließlich den Verlierern eure zu Beginn festgelegten Friedenskonditionen aufzwingt. Nachverhandeln erlaubt.
Quelle: PC Games
Die Raumschlachten werden schnell unübersichtlich, aber im Grunde geht es eh nur um die Zahlenwerte. Eingreifen dürft ihr nicht.
Aus Kämpfen hält sich Stellaris lieber raus!
Das Kampfsystem des neuen Paradox-Strategiespiels ist so simpel, wie es nur sein kann: Derjenige mit der größeren respektive stärkeren Flotte siegt! Nach dem Erteilen des Angriffsbefehls ist für euch nichts mehr zu tun, ihr könnt einer Armada lediglich den Rückzug befehlen. Taktiksche Winkelzüge sind nicht möglich. Ihr müsst darauf vertrauen, dass euer Erfahrung sammelnder Flottenadmiral das Schiff im wahrsten Sinne des Wortes schon schaukelt.
Quelle: PC Games
Im Schiffs-Designer rüstet ihr Korvetten, Kreuzer & Co. aus - unter anderem mit Jägern, Bombern und Laserstrahlern.
Wer will, kann im Schiffseditor mit dem Design seiner Kampfpötte viel Zeit verbringen. Theoretisch ist das sogar von Nutzen, denn Stellaris unterscheidet zwischen Panzerung und Schilden - manche Plasmawaffen oder Torpedos ignorieren Energiebarrieren völlig. Tatsächlich haben wir uns im Test aber vorrangig um den verursachten Schaden gekümmert und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die eingebauten Energiezellen genug Saft für Waffen und Ausrüstung liefern. Mit dieser Strategie sind wir zumindest auf dem normalen der drei Schwierigkeitsgrade (plus Ironman-Modus mit nur einem Spielstand) gut gefahren. Wer will, kann das periodische Aufrüstung der Flotte sogar einer Automatikfunktion überlassen, die einen ordentlichen Job macht.
Auf Wunsch zu Beginn an mehrere KI-Sternenreiche verliehene Startboni erlauben Profis wie Anfängern, Stellaris an die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten anzupassen. Die künstliche Intelligenz der Computerherrscher ist in jedem Fall überdurchschnittlich. Gegner entscheiden sich für Angriffe auf schlecht geschützte Systeme und Verbündete oder Vasallen folgen eurer Flotte im Angriffsfall, sodass ihr konzentrierte Manöver mit der vollen Macht eures Bündnisses ausführen könnt.
Abseits der gewaltsamen Expansion bietet Stellaris leider keine weiteren Siegbedingungen. Die diplomatischen Optionen dienen nur dazu, Bündnisse für den Kriegsfall zu schmieden oder Ressourcen, Kartenkennisse und Planetensysteme mit anderen Nationen zu tauschen. Immerhin verhält sich der Computergegner auch bei der Diplomatie nachvollziehbar und bezieht die militärische Stärke des Verhandlungspartners in seine Überlegungen mit ein.
Quelle: PC Games
Bodentruppen werden in Stellaris mit wehrlosen Transportschiffen zu Planeten gekarrt, wo sie die Verteidiger niederringen.
So ist es dann auch das reinste Vergnügen, mit den anderen Völkern zu interagieren, die eigenen Grenzen auszuweiten und sich technisch stetig weiter zu entwickeln. Beim Stellaris-Spielen entsteht ein wunderbarer Fluss aus Ereignissen und Entscheidungsmöglichkeiten. Ständig gibt es etwas zu tun: Planeten wollen besiedelt, Revolten niedergeschlagen, unbekannte Sternensysteme erforscht werden. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug. Und wäre hier Schluss mit unserem Stellaris-Test, könnten wir jetzt die Wertung drunterschreiben und alle 4X-Spieler zum Kauf aufrufen, denn dann hätte Paradox das derzeit beste Weltraum-Strategiespiel abgeliefert. Aber dummerweise ist da noch das leidige Thema Performance, das in einem Test von Stellaris nicht fehlen darf ...
Stolperstein Technik
Unsere Testversion von Stellaris hat die Versionsnummer v1.0.0 (9b5a). Sie ist allem Anschein nach fertig. Allerdings besteht weiterhin die Chance, dass Paradox Interactive zeitgleich oder kurz nach Release zusätzliche Patches veröffentlicht. Die sind - nach aktuellem Stand - durchaus nötig. Zum einen gibt es da eine Reihe von störenden, aber nicht spielentscheidenden Bugs. So kam es in einer Partie vor, dass bei jedem erkundeten Planeten fälschlicherweise dasselbe Event-Pop-up auftauchte, egal wie viele Systeme wir ansteuerten. Das war auch jedoch der größte Logikfehler, den wir bemerkt haben. Schwerer wiegen die Performance-Probleme.
Stellaris ruckelt. Sowohl auf einem Core i5 4690 mit 3,5 GHz, 8 GB RAM und Geforce GTX 970 wie auf einem Core i7 4790 mit 3,6 GHz, 16 GB RAM und einer Geforce GTX 980. Das Fiese daran: Die Performance bricht erst nach einigen Spielstunden ein. Anfangs lief Stellaris auf unseren Test-Rechnern wie geschmiert mit Framerates bis zu 144 Bildern pro Sekunde. Doch nach und nach nahm die Häufigkeit der kleinen Performance-Einbrüche beim Zoomen ins Gefecht oder beim Scrollen über die Galaxie immer stärker zu. Je mehr andere Reiche wir aufdeckten, je mehr Raumschiffe durch das virtuelle All gondelten und je mehr Planeten besiedelt wurden, umso auffälliger wurden die Ruckler.Schließlich kam es sogar zu reproduzierbaren Nachladepausen von zwei, drei Sekunden. In dem Fall hielt das komplette Spiel an, selbst wenn wir die Zeitberechnung auf die schnellste Stufe stellten. Wir konnten zwar noch die Maus bewegen und den Bildausschnitt verschieben - alle getätigten Klicks wurden aber erst nach einigen Sekunden registriert und alle in Bewegung befindlichen Raumschiffe standen für die Dauer der Zwangspause reglos im All. Selbst wenn sie sich mitten im Kampf befanden!
Ganz offensichtlich kann es die verwendete Clausewitz-Engine nicht mit der Vielzahl an zu berechnenden Einheiten und Objekten aufnehmen. Manche Spieler von Europa Universalis 4 beklagen bis heute ähnliche Performance-Probleme; dort kommt dieselbe Grafik-Engine zum Einsatz. Fies: Da Stellaris bis auf Auflösung und Multi-Sampling-Level keinerlei Grafikoptionen bietet (ebenso wenig Anpassungen fürs Tastatur-Layout), lässt sich im Menü auch nicht an der Leistungsschraube drehen. Details reduzieren für ein flüssigeres Spielerlebnis? Geht nicht!
Quelle: PC Games
Gerade bei der Detailansicht der Kämpfe ruckelt Stellaris gewaltig.
Das einzig halbwegs probate Mittel zur Leistungssteigerung auf Rechnern, die nicht von einem eingebauten Atomkraftwerk gepowert werden: Beim Spielstart eine kleine Galaxisgröße mit wenigen Computer-Imperien auswählen. Allerdings traten bei uns bereits auf der mittleren Größe nach rund zehn Spielstunden die erwähnten Mängel auf!
Update vom 13.05.2016: Stellaris hat seit unserem ursprünglichen Test zwei Patches mit den Versionsnummern 1.0.1 und 1.0.2 veröffentlicht. Der Hotfix kümmert sich um mehrere Ruckler-Ursachen, und bringt hauptsächlich im Early- und Mid-Game Linderung. Die Endgame-Hänger bleiben bestehen, insgesamt ist aber eine Verbesserung bemerkbar. Um die Hänger komplett zu vermeiden, empfiehlt es sich, maximal auf der zweithöchsten Geschwindigkeitsstufe zu spielen. Zudem scheint das Problem bei weitem nicht alle Spieler zu betreffen, auf Steam gibt es etwa kaum Klagen über die Performance. Daher ziehen wir vorerst nur noch fünf Punkte von unserer eigentlich finalen Wertung ab.
Stellaris kostet 40 Euro für Windows, Linux und Mac OS. Es erfordert zwingend Steam als DRM-Plattform, unabhängig wo ihr den Key kauft. Am 27. Mai 2016 erscheint zudem eine Retail-Version über Publisher Deep Silver.
Couch-Imperator (Konsolenupdate)
Update vom 22.02.2019: Fast drei Jahre nach der PC-Fassung bringt Paradox sein komplexes Strategiespiel jetzt auch für PS4 und Xbox One auf den Markt. Mit Hilfe der Portierungsspezialisten von Tantalus Media wagt sich Paradox Development Studio mit einem seiner Grand-Strategy-Spiele also erstmals raus aus der PC-Nische auf die Konsolen. Die Umsetzung basiert auf dem Basisspiel in der Version 1.7. In den kommenden Monaten wollen die Entwickler nach und nach auch die DLCs und noch fehlenden Inhaltsupdates veröffentlichen. Ziel ist, dass die Versionen sich irgendwann angeglichen haben.
Quelle: PC Games
Das Register auf der rechten Seite wird mit anwachsendem Reich sehr schnell ziemlich voll, was an der Übersicht nagt.
Inhaltlich bleibt alles beim alten. Für die Konsolenumsetzung haben sich die Entwickler nur der Steuerung und des Interface angenommen. Das ist ihnen aber ausgesprochen gut gelungen. Mit der sinnvollen Ausnutzung der Möglichkeiten eines Gamepad überzeugt das Spiel mit einer effektiven Bedienbarkeit. Zu Beginn muss man sich jedoch erst einmal daran gewöhnen, dass in allen Menüs grundsätzlich nur per D-Pad navigiert wird. Das liegt daran, dass die beiden Analogsticks jederzeit für die Bewegungen der Kamera im dreidimensionalen Raum reserviert sind.
Das Interface haben die Entwickler in vier Elemente aufgeteilt, die jeweils auf einer Seite des Bildschirms platziert sind. Diese werden ebenfalls mit dem D-Pad angesteuert. Am wichtigsten sind dabei vor allem die Hauptmenü-Leiste am linken Bildrand sowie das Register auf der rechten Seite. Ersteres erlaubt Zugriff auf alle wichtigen Spielbereiche wie Forschung, Diplomatie und Schiffsdesigner, während das Register den Schnellzugriff auf Planeten, Flotten und Fraktionen gibt. Hier werden allerdings auch die Nachteile der Konsolenfassung deutlich. Durch die allgemein vergrößerte Darstellung von UI-Elementen, damit diese auch bei üblicher Entfernung des Fernsehers noch gut zu erkennen sind, leidet die Übersicht recht schnell. Im Register kommt man schon nach der Kolonisierung weniger Planeten nicht mehr um regelmäßiges Scrollen herum.
Stellaris-Test: Wertung & Fazit
Meinung
Meinungskasten zur Konsolenversion:
