Sudden Strike 4 im Test: Gelungene Rückkehr oder altes Eisen? Jetzt mit Testvideo
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Ein RTS-Klassiker kommt zurück und stellt sich unserem Review: Mit dem vierten Serienteil will die Sudden Strike-Reihe den Spagat zwischen Rückkehr zu den Wurzeln und modernem Spielgefühl schaffen. Ob das klappt, haben wir im Test herausgefunden.
Ein einzelner amerikanischer Späher sitzt in einem verlassenen Haus in einem zugeschneiten Dorf in den Ardennen, als plötzlich dutzende deutsche Panzer durchs Dorf rumpeln. Mit seiner Einheit zieht er sich durch den Wald zu einer ersten kleinen Verteidigungsstellung zurück. Drei Panzerabwehrgeschütze halten den deutschen Panzertross für eine Weile auf, aber die Wehrmacht ist überlegen. Mit Transportfahrzeugen flüchten die Überlebenden zur alliierten Stellung im Süden, und die Vorbereitungen auf eine mörderische Abwehrschlacht beginnen ...
So beginnt eine der sieben Missionen auf Seite der alliierten Streitkräfte im neuen Strategiespiel Sudden Strike 4. Aber klingt das bloß spannend oder spielt es sich auch so? Und kann der vierte Ableger der Serie Fans und Neulinge gleichermaßen begeistern? Im Test gehen wir diesen Fragen auf den Grund.
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Mal wieder Zweiter Weltkrieg
Wir spielen in drei Kampagnen entweder die Alliierten, die sowjetischen Streitkräfte oder die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Vor jeder Mission (beispielsweise der Ardennenoffensive, dem Unternehmen Barbarossa oder der Schlacht um Stalingrad) bekommen wir einen schriftlichen Geschichtskurs zur jeweiligen Situation, dann dürfen wir uns einige passive Boni herauspicken (beispielsweise Medi-Kits für Infanterie oder Sandsackstellungen für Panzer) bevor es aufs Schlachtfeld geht.
Mal müssen wir ein paar Brücken sprengen, mal welche erobern. Dann wieder sind gegnerische Flakstellungen auszuschalten, damit die Luftwaffe ungestört operieren kann. Macht der Feind uns mit fetten Artilleriestellungen das Leben schwer? Der Job ist klar. Die stark gescripteten Missionen bestehen immer aus mehreren Teilen, etwa wenn der Feind sich zurückzieht, anstatt auf aussichtslosem Posten zu kämpfen oder wenn uns ein massiver Gegenangriff zum temporären Rückzug zwingt. Entwicklerstudio Kite Games hat beim Umfang (drei Kampagnen mit über 20 Missionen) und dem Missionsdesign gute Arbeit geleistet: Unsere Aufgaben sind vielfältig und spannend.
Quelle: PC Games
Anschleichen und flankieren: Kaum ist der Bunker im Sichtfeld der Infanterie aufgetaucht, nimmt unser Panzer das Bollwerk auseinander.
Der Geist der alten Sudden Strike-Spiele
Das Gameplay tut anfangs viel, um diese Spannung zu halten und orientiert sich dabei an früheren Serienteilen. Es gibt weiterhin keinen Basisbau, wir bekommen stattdessen eine bestimmte Anzahl Einheiten und (in der Regel) nach Erledigung von Missionszielen Verstärkung. Es geht also darum, mit möglichst geringen Verlusten die jeweiligen Ziele zu erreichen. Dafür ist einiges Mikromanagement nötig: Damit unsere Panzer etwas sehen, müssen wir Infanterie mitschicken, die sich in der Vegetation oder auf dem Boden robbend an den Feind heranschleicht.
Quelle: PC Games
Die KI hat viel zu oft ernste Aussetzer und kümmert sich lieber um ungefährliche Infanterie im Wald als um den Panzerjäger, der auf sie schießt.
Frontale Angriffe sind keine gute Idee. Rumpeln wir stur auf die feindliche Panzerabwehrstellung zu, bleibt von unserer Panzerflotte nur noch rauchendes Altmetall übrig. Klären wir hingegen langsam die Gegend mit Soldaten auf, pirschen uns durch Wälder und Felder heran, flankieren oder fallen dem Feind in den Rücken, dann gewinnen wir Scharmützel oft ohne nennenswerte Verluste. Einer Pak-Stellung mit ein paar MG-Schützen von hinten die Besatzung wegzuballern ist ungeheuer befriedigend, mit der eroberten Pak dann Feindpanzer zersemmeln ist die Kür. Das macht aber nicht nur Spaß, es ist oft notwendig, beispielsweise wenn wir nur mit Fußsoldaten gegen eine Panzer-starrende Übermacht antreten müssen.
Dann zählt jeder Mann: Der Offizier mit seiner größeren Sichtweite, der Scharfschütze für den ersten Schuss, der Mörsersoldat mit verheerendem Flächenbombardement und der Grenadier, der Panzerminen wegräumen kann. Darüber hinaus muss mit Ressourcen hausgehalten werden: Stundenlanges Artilleriegeballer auf eine vermutete Stellung geht nur, solange wir ein Versorgungsfahrzeug haben. Und wenn unser einziger Sanitäter gestorben ist, dann wird's richtig eng und jeder Verlust schmerzt doppelt. Immerhin: Verwundete Soldaten heilen - wie in der Serie üblich - automatisch, wir müssen "nur" aufpassen, dass sie nicht ganz den Löffel abgeben.
Quelle: PC Games
Wenn wir mit Bedacht vorgehen und die Schlachtbedingungen selbst wählen, haben wir keine Verluste zu beklagen.
Wenig Herausforderung
Sobald wir überlegt spielen und uns Zeit lassen, löst sich die Mikromanagement-Komplexität auf den doch recht kleinen Karten in ein relativ arcadiges Kriegsspiel auf. Wir lassen unsere Späher durch die Büsche auf Sichtweite heranrobben und erledigen mit Mörsern und Artillerie den Rest. Nur selten bewegt sich die KI aus dem Einschlagsbereich, zu selten gibt es einen Gegenangriff. Meistens lässt sie sich einfach zu Klump schießen. Auf diese Weise spielen wir viel öfter Moorhuhnschießen als es uns lieb wäre.
Quelle: PC Games
Wir verdienen uns Fleißsternchen, die wir vor Beginn einer Mission für passive Fertigkeiten (wie erhöhte Sichtweite für Panzer) ausgeben.
Wenn es trotzdem nochmal eng wird, liegt das daran, dass Truppen in bestimmten Situationen absurd viel aushalten. Beispiel: Wir besetzen ein Haus mit Truppen, feindliche Soldaten liegen davor auf offener Straße aber nur einer aus dem Haus schießt auf sie. Gleichzeitig knallen die Jungs von der Straße die Hausbesetzer einen nach dem anderen ab - das Balancing ist hier manchmal fragwürdig. Auch erhalten wir keine Meldung, wenn Einheiten außerhalb des Bildschirms unter Beschuss geraten. Während Sanitäter und Versorgungswagen innerhalb eines bestimmten Radius eigenständig agieren (was das Mikromanagement abmildert), gibt es immer wieder Aussetzer, wenn der Sani beispielsweise den schreienden Kollegen selbst nach manuellem Befehl gleichgültig abnippeln lässt. Auch die Steuerung hat Macken: Nicht nur, dass wir die verschiedenen Truppenmitglieder schwer voneinander unterscheiden können, oft reagieren Einheiten erst beim zweiten Mal auf einen Befehl. Besonders "schön": Unter Beschuss liegende Kollegen werfen sich zwar hin, verweigern dann aber gern mal den Gehorsam, wenn man ihnen das Aufstehen, gefolgt von schneller Flucht befiehlt.
Wer sich nicht auf die KI verlassen will, der spielt im Multiplayer gegen andere Spieler. Hier müssen wir Bahnhöfe und kleine Bootsanleger einnehmen, um Nachschub rekrutieren zu können (die Einheiten sind im Multiplayer limitiert) und duellieren uns dann mit unserem Gegner um Flaggenpunkte. Hier lässt sich wenigstens niemand widerstandslos abknallen, allerdings bieten die vier Multiplayerkarten auch nicht sonderlich viel Abwechslung.
Quelle: PC Games
Manchmal steht uns auch Luftunterstützung zur Verfügung: Aufklärer und Kampfflugzeuge setzen den feindlichen Truppen empfindlich zu.
Sehr schön anzuschauen
Trümmerteile und Leichen (!) fliegen herum, Geschosse prallen an Panzerungen ab und Gebäude explodieren in fetten Feuerbällen: Die grafische Präsentation ist sehr gut gelungen. Außerdem hat die Umgebung erheblichen Einfluss auf unsere Einheiten: Im Tiefschnee sind Infanterie und Panzer stark verlangsamt, auf Eis können Artilleriegranaten uns ein schnelles, nasses Grab besorgen. Panzer hinterlassen überall ihre Spuren und wenn so ein Stahleimer hochgeht, ist das ein spektakulärer Anblick. Darüber hinaus sind die Animationen der Soldaten fein detailliert, etwa wenn der Mörsersoldat die Granate abfeuert oder der Ingenieur an einem Panzer herumschweißt.
Metacritic bewertet das Spiel mit 70%.
