Syberia im Gamezone-Test

Test Peter Grubmair

Mit "Syberia" findet eins der besonderen Adventures seinen Weg auf die PS2.

Mit klassischen Point&Klick Adventures verhält es sich wie mit Rotfüchsen im bayerischen Wald. Sie sind hübsch aber selten. Eines dieser seltenen Exemplare erreichte uns nun in der Form des Adventures "Syberia", welches vom ersten Augenblick an mit einer unglaublich hübschen Grafik aufwartet. Dabei benutzt das Game die allseits bekannte Technik aus bereits fertigen Hintergründen in die man die bewegten Objekte und Personen hineinprojiziert. So kann eine Detailflut geboten werden wie sie in einer 3D-Umgebung (noch) nicht möglich ist. Getragen allerdings wird das Spiel von der Story des französischen Autors Benoit Sokal, welcher es schafft den Spieler vom ersten Augenblick an in der Geschichte zu versinken welche schöner kaum mehr erzählt werden kann. Stück für Stück entfernt man sich aus der real bekannten Welt und versinkt im Universum des Autors, voller Automaten (nenne sie nicht Roboter!) und Geheimnisse um eine seltsame Spielzeugfabrik.

Wir schlüpfen in die Rolle der jungen Rechtsanwältin Kate Walker, welche sich in einem kleinen französischen Dorf um eine Erbangelegenheit kümmern soll. Dort nämlich starb die Fabrikantin der ortsansässigen Spielwarenfabrik, welche sich auf die Fertigung sogenannter Automaten spezialisiert hat. Diese Automaten, allesamt der menschlichen Gestalt nachempfunden, bevölkern das gesamte Dorf. Vor dem Hotel in das sich Kate eincheckt wartet ein Automat der die Gäste begrüßt, das Haus des Notars der aufzusuchen ist wird von einem Leseautomat bewacht der nur geladenen Besuch einlässt, und sogar auf dem Friedhof begegnen uns die menschlichen Automaten.
Im Gespräch mit jenem Notar erfährt Kate, dass die Erbangelegenheit doch etwas komplizierter wird, da es anscheinend noch einen Bruder der Verstorbenen gibt, welcher sich ausgerechnet in Sibirien aufhält. So zieht sich die Story über insgesamt vier Schauplätze hin wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Von dem mechanischen Dorf Syberia über Barrockstadt, Komkolzgrad bis hin nach Aralbad führt uns die Geschichte.

Das Gameplay zu "Syberia" bietet nichts Neues und das ist auch gut so. Es handelt sich um ein astreines Klick&Point Adventure ohne jegliche Allüren, gemacht um in der Story zu versinken und sich voll auf das Geschehen zu konzentrieren. Keinen Augenblick vergeudet man mit der Suche nach der richtigen Taste oder auskundschaften der Steuerung, alles funktioniert so wie man es erwartet. Freilich darf man ob der grafischen Pracht nicht die etwas leichten Rätsel unerwähnt lassen, die den eingefleischten Adventure-Freak wohl kaum fordern dürften. Trotzdem sind sie alle logisch und mit dem normalen Menschenverstand zu lösen.

Die Grafik präsentiert sich, wie bereits erwähnt, von ihrer besten Seite. Dank der verwendeten Technik ist das Spiel ein Augenschmaus ohne zuviel Rechenpower zu fordern. Trotz der verwendeten statischen Hintergründe gibt es viel Bewegung im Bild. Vögel sitzen auf dem Sims und fliegen aufgeregt weg wenn wir uns nähern, im Fluss unter der Brücke spiegelt sich der Himmel im Wasser und beim Gewitter bekommen wir einen nassen Boden mit Pfützen und Lachen gezeigt wie selten in einem Videospiel. Die Charaktere sind genauso detailliert wie die Umwelt und ebenso gut animiert. Einzig die Animationen hat man nicht immer ganz sauber in die Umgebung eingebettet, so dass unruhige Stellen im Bild entstehen. Dazu gesellen sich auf der PS2 immer wieder auftauchende, leichte Nachladeruckler, die nicht ganz ins ansonsten perfekte Bild passen.

Die Soundkulisse hingegen zeigt keine Schwächen und weiß dank der real eingesetzten Umweltgeräusche und der stimmungsvollen Musik zu begeistern. Wie in einem gut inszenierten Film bewegen wir uns manchmal in unheimlicher Stille, auf dem Friedhof zum Beispiel, nur unterbrochen vom entfernten Zirpen einer Grille, werden aber dann von irgendwelchen lauten Maschinengeräuschen in Verbindung mit der einsetzenden Musik fast aus dem Sessel gehoben, weil wir es wagten den falschen Hebel zu drücken.

Die Steuerung funktioniert vom ersten Augenblick an so wie wir es erwarten. In der Nähe von benutzbaren Objekten erscheint ein entsprchendes Symbol, dessen Aktion man einfach per X-Taste auslösen kann. Ebenso spricht man Passanten an oder öffnet Türen und sammelt Gegenstände. Immer erreichbar liegt auf der Kreis-Taste das Inventory, und die Dreiecks-Taste schließlich dient um ausgewählte Orte oder Menüs wieder zu verlassen.

Meinung

Wertung zu Syberia (PS2)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Tolle Grafiktoller Soundeingängige Steuerung und eine wunderbar erzählte Geschichte
Für Freaks etwas zu leichte Rätsel
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