Wir haben mehrere Tage lang TESO auf der Xbox One gespielt und berichten von unseren ersten Eindrücken, der Charaktererstellung und Ups sowie Downs.
Montag, 08.6.15. 22:57 Uhr. Wir sitzen vor der Xbox One, The Elder Scrolls Online im Laufwerk, komplett installiert und den 15 GB-Patch geladen – ready to rock. Schadenfroh grinst uns die Meldung an "Seid dabei wenn um Mitternacht die Server online gehen". 22:59 Uhr: Es lädt...
...und es ward Licht!
Also auf geht's. Flugs einen Charakter erstellen und ab dafür – tatsächlich, alles startet und wir gehören zu den ersten, die den Europaserver stürmen. Ungeachtet der Tatsache, dass um 4:30 Uhr bereits wieder der Wecker klingelt, haben wir uns die Nacht um die Ohren geschlagen (und den folgenden Tag). All das, um euch zeitnah zum Release unseren Ersteindruck präsentieren zu können. Es handelt sich hierbei nicht um das endgültige Review, dazu haben wir noch zu wenig gesehen. Viel eher wollen wir euch einen kurzen Einblick ins Spiel geben und damit dem einen oder anderen "Early Adopter" eine kleine Entscheidungshilfe an die Hand geben.
Es war einmal...
Wer zuletzt in Skyrim Drachen geplättet hat und sich nun fragt, was danach noch kommen soll, darf aufatmen. Dieser Frage entgeht Bethesda ganz geschickt, indem man einfach 200 Jahre in die Vergangenheit reist. Hier steht man dem Daedra-Prinz Molag Bal gegenüber. Der versucht, ähnlich wie in Oblivion, seine Welt mit unserer zu verschmelzen. Ehrensache, dass wir dem Gehörnten die krummen Ziegenbeine lang ziehen. Da liegt auch schon der größte Haken an der Hintergrundgeschichte: Wie üblich werdet ihr bereits zu Beginn eures Abenteuers (traditionell als Gefangener/Häftling) aus eurer Zelle befreit und sollt fortan als Erlöser" ganz allein die Ordnung wiederherstellen. Schön und gut, nur leider etwas suboptimal wenn direkt in eurem Umfeld noch weitere 21.243 "einzige Auserwählte" dem Weltenretten nachgehen.
Die Qual der Wahl
Quelle: buffed.de
Die Charaktererstellung ist umfangreich und langatmig.
Zugegeben, einen Preis für Kreativität gewinnt die Kapitelüberschrift garantiert nicht. Nichtsdestotrotz passt sie hier wie Arsch auf Eimer. Ein paar Zahlenspiele: Drei Allianzen, neun Rassen (eine zehnte Rasse gibt es exklusiv in der Imperial Edition oder als DLC). Dazu vier Klassen mit jeweils drei Skilltrees. Das reicht euch nicht? Kein Problem, dazu kann jede der sechs Waffenklassen und der drei Rüstungsklassen aufgelevelt werden. Wem dass noch nicht genügt, der kann auch die sechs verschiedenen Handwerke ausüben und aufleveln. Der Charaktereditor ist gewohnt detailliert, ganz wie von Morrowind/Skyrim und Co. gewohnt.
Wie in einem Rollenspiel üblich gibt es für das Erfüllen von Quests und das Erledigen von Gegnern Erfahrungspunkte. TESO geht dabei einen ähnlichen Weg wie z.B. The Witcher 3. So gibt es für das Farmen von Gegnern vergleichsweise wenige Erfahrungspunkte. Damit soll der Spieler angehalten werden nicht einfach stupide Mobs zu jagen, sondern viel eher Nebenaufgaben annehmen. Diese beinhalteten in unserer bisherigen Spielzeit auch die bekannten "töte X von Y"-Quests, allerdings waren diese immer in eine kleine Geschichte eingebunden. Damit erreicht Bethesda zwar nicht die Qualität von CD Projekt, aber hebt sich durchaus positiv von diversen anderen Free2Play-MMOs ab.
Habt ihr dann endlich einen Levelup verdient, bekommt ihr einen Attribut- und einen Fertigkeitspunkt. Erstgenannten investiert ihr in eines der drei Hauptattribute (Gesundheit, Stamina, Magicka). Mit den Fertigkeitspunkten, die man übrigens auch für das Einsammeln von seltenen Himmelsscherben bekommt, schaltet ihr neue aktive oder passive Fertigkeiten in einem der drei klassenspezifischen Skilltrees frei. Alternativ könnt ihr auch Fertigkeiten in den Waffenbäumen, Rüstungsbäumen oder Handwerksbäumen freischalten. Der Levelcap liegt aktuell bei Stufe 50, gefolgt von Veteranenrängen (vergleichbar mit Paragonrängen in Diablo 3). Für eure Waffen-, Rüstungs- und Klassenfertigkeiten gilt allerdings nicht mehr das bisherige, aus Skyrim bekannte, Elder-Scrolls-Prinzip "du bist was du tust" – dieses Mal wird eine einzelne Fertigkeit nicht gezielt durch wiederholten Einsatz aufgewertet. Stattdessen werden Fähigkeiten gesteigert, indem sie beim Sammeln von Erfahrung der Skill-Leiste liegen, d.h. auch Skills, die nicht verwendet werden, erhöhen sich solange sie sich in der Hotbar befinden. Klingt kompliziert? Ist es nicht wie das Beispiel zeigt. Ihr seid Templer und habt einen Heilzauber in der Hotbar. Blöderweise ist kein Verletzter weit und breit, dafür aber haufenweise Gegner. Jetzt müsst ihr keine Gegner heilen sondern könnt ganz normal mit Axt und Co. töten. Dabei leveln dann nicht nur eure Axt-Skills sondern auch der Heilzauber.
Quelle: Zenimax
Ein MMO auf Konsole: Erste Gehversuche.
Habt ihr eine der Klassenfertigkeiten durch fleißige Nutzung auf Stufe 10 gelevelt, dürft ihr die entsprechende Fertigkeit noch einmal modifizieren und euch für eine von zwei stärkeren Versionen entscheiden. So könnt ihr dann zum Beispiel wählen ob euer Feuerball z.B. einen Flächenschaden verursachen soll oder doch lieber eine zielsuchende Version? (fiktives Beispiel).
Wie üblich dürft ihr eure Rasse und Klasse frei kombinieren. Ein Elfenkrieger? Kein Problem. Orkmagier? Just do it. Allerdings bringt jede Rasse eine gewisse Prädestination mit sich auf Grund ihrer Klassenattribute. So bieten sich Hochelfen als Zauberklassen an, während der tumbe Ork mit schwerer Rüstung und Keule besser bedient ist.
Ein ganz großes Manko erwartet alle, die keine Day-1 Edition mehr bekommen und erst in einigen Monaten einsteigen wollen. In TESO ist es so, dass die Völker in den eingangs erwähnten drei Allianzen organisiert sind. Diese Allianzen sind sich spinnefeind. Für den Spieler heißt das unter Umständen: Du willst mit deinen Freunden im Aldmeri-Dominion spielen? Ok, dann stehen dir nur Hochelfen, Waldelfen oder Khajiit zur Verfügung. Du willst unbedingt einen Ork spielen? Dann mach das, aber du musst zwangsweise die entsprechende Allianz wählen. Nach derzeitigem Stand ist es nicht möglich, allianzübergreifende Gruppen zu bilden – im Gegenteil. Die Allianzen bekriegen sich im PvP um die Vorherrschaft im Kaiserreich. Und jetzt das große Aber: Wer den Explorer-Pack-DLC kauft, kann die Allianz wechseln! Der Erstauflage liegt er kostenlos bei, alle anderen müssen extra zahlen.
Von fluchenden Elfen, Orks im Stimmbruch und rappenden Echsenmenschen
Quelle: Bethesda Softworks
Dynamischer Sprachchat: Man hört nur Spieler, die in der Nähe sind.
Sicher kennt ihr alle den, bei MMOs allgegenwärtigen, Textchat. Dieser findet sich meist links unten und nimmt einen nicht unerheblichen Teil des linken Bildschirms ein. Oft findet man dort neben sporadischen Gruppensuchen haufenweise Werbung für Goldfarmer und andere MMO-Seuchen. TESO schlägt hier einen anderen Weg ein. Da die Tipperei mittels Pad oft umständlich ist, verzichtet man komplett auf einen Textchat (es gibt einen rudimentären Textchat mit Worten und Satzbausteinen die man zusammenbasteln kann, wie in den Souls-Spielen). Stattdessen gibt es in Tamriel einen Gebietssprach-Chat. Keine Angst, ihr hört hier keine 2000 Leute gleichzeitig. Das Spiel erkennt, wer in eurer Nähe ist und wie weit derjenige entfernt ist. So könnt ihr nur Spieler hören die sich in unmittelbarer Nähe befinden und je weiter ihr euch entfernt, desto leiser werden diese (einen separaten Gruppenchat gibt es auch, keine Sorge). Generell ist das ein tolles, weil realistisches System. Der Große Nachteil (oder Vorteil, je nach betrachtetem Aspekt) eines MMOs bzw. eines solchen Systems sind schlicht die anderen Nutzer. Wer einmal im Web nach "CoD-Kiddie" googelt, findet haufenweise (Negativ-)Beispiele für Verhalten in Spielchats. So kann es euch auch in TESOs Chatsystem passieren, dass ihr auf einmal einem Ork gegenübersteht, der euch in schrillstem Englisch und von Stimmbruch geplagt mitteilt, was er gerne mit eurer Mutter machen würde.
Mitunter entstehen dabei auch kuriose Szenarien: Wir standen auf einer Klippe, unter uns Sandstrand und Meeresbrandung, kurz nach Sonnenaufgang. Am Strand lieferte sich gerade ein Ork ein erbittertes, episches Gefecht mit einem Seemonster, dazu der von Elder Scrolls bekannte orchestrale Soundtrack – einfach ein epochales Fantasyszenario wie aus dem Bilderbuch.
Auf einmal hüpft ein Argonier neben uns auf die Klippe und aus dem Lautsprecher dröhnt HipHop und während der Ork erbittert um sein Leben kämpfte, lauschten wir 50 Cent und erfuhren, dass man ihn im Club findet, wo er diverse "Bitches bangte" und mit Schaumwein bespritzte. Atmosphäre ade, war nett mit dir.
Zum Glück kann man den Gebietschat auch verlassen und damit stumm schalten, in der Hoffnung dass im Laufe der Zeit eine Art Selektion stattfindet und solche Stimmungskiller und Chatterroristen irgendwann nach dem Durchspielen weiterziehen.
Quelle: Zenimax
Die Allianzen wechseln? Geht nicht, außer man kauft einen DLC.
Ein weiterer Stimmungskiller sind, auch wenn das bei einem MMO komisch klingen mag, die anderen Spieler. Zwar sind gewisse, Story-relevante Areale instanziert, wir würden uns allerdings wünschen, dass man die Instanzierung noch weiter ausdehnt. So kam es mehrmals vor, dass wir im Rahmen einer Nebenquest ein Item an uns nahmen, was einen Miniboss spawnen lies. Bevor wir nun aber reagieren konnten, wurde der von den herumlungernden Spielern zerhackstückelt. Das hat zwar keinen Einfluss auf den Erfolg unserer Quest, ist aber ein Stimmungsdämpfer. Ebenso konnten wir auch Schalter nicht aktivieren, weil die umstehenden Spieler dies ebenso versuchten und der Schalter mit einer Art "Cooldown" versehen war.
Technisch lief bei uns bislang trotzdem ales recht sauber, vereinzelt gab es kleine Lags. Diese beschränkten sich aber auf die großen Städte mit entsprechend hoher Spielerdichte.
...und sonst so?
Laut den Entwicklern soll das Crafting bei TESO eine größere Rolle spielen als bei anderen MMOs. So sollen gecraftete Items immer über bessere Stats verfügen als ihre gefundenen Gegenstücke. Leider konnten wir dies noch nicht persönlich verifizieren.
Ab Level 10 kann man eine Gilde gründen. Unabhängig davon kann man in bis zu fünf Gilden gleichzeitig Mitglied sein.
Es gibt ein Bankschließfach zum Einlagern von Gold und Items. Dieses kann gegen Kronen (und damit Echtgeld) erweitert werden. Das Bankfach ist für alle Charaktere eines Accounts verfügbar unabhängig davon ob diese in verschiedenen Allianzen sind. Die Banken sind also neutral im Krieg um den Kaiserthron.
Insgesamt stehen euch acht Charakterslots zur Verfügung. Damit ist genug Platz um in andere Klassen und Rassen reinzuschnuppern.
Wie ihr bereits lesen konntet, gibt es neben Gold noch die Währung "Kronen". Diese kann man nicht im Spiel verdienen und nur in einem speziellen Shop ausgeben. Die Kronen sind eben das Zugeständnis an das eingeführte F2P-Konzept. Man muss aber fairerweise sagen, dass, abgesehen vom Entdeckerpaket wenn man keine Day-1-Edition hat, der Shop nur nutzlosen Kram bietet. Momentan gibt es dort Reittiere, inaktive KI-Haustiere, Kostüme und Beschleuniger. Der Loot ist personalisiert. Ihr müsst also keine Angst vor Lootninjas haben, wenn ihr einen Beutegegenstand seht, dann seht den auch nur ihr und sonst keiner.
Einen kleinen Eindruck vom Gruppenspiel liefern wir euch nach dem Wochenende noch nach.
