The Ball beweist Eier: Wenn auch nicht ganz ein neues 'Portal', gibt’s trotzdem eine Menge unterhalsam-alternative Rätsel-Action.
Haltet Euch fest: In 'The Ball' geht's um eine große Kugel. Eine große altertümliche Apparatur von Riesenkugel genauer gesagt, den man mittels eines speziellen Hammerwerkzeugs an sich heranziehen oder von sich weg stossen kann - ähnlich wie mit einem starken Magneten. Mit dieser Kugel löst ihr, ähnlich wie in Valves Vorzeige-Knobler 'Portal', aus der Ego-Perspektive Umgebungsrätsel in einer hübschen 3D-Kulisse auf Basis der bewährten Unreal-Engine.
The Ball
Ihr verkörpert einen Archäologen zu Beginn des zweiten Weltkriegs irgendwo in Mexiko. Beim abseilen in einen alten Tempel an den Hängen eines erloschenen Vulkans versagt die Kranvorrichtung, und ihr findet Euch mit brummendem Schädel und keiner Aussicht auf kurzfristige Rettung aus dieser misslichen Lage auf dem Höhlenboden wieder. Ganz der unerschrockene Forschertyp, den ihr verkörpert, macht ihr Euch auf, die gigantische unterirdische Anlage weiter zu erforschen. Je tiefer ihr mittels Eures Ball-Werkzeugs in die antiken Tiefen einer längst erloschenen Zivilisation vordringt, um so mehr eröffnet sich Euch eine Hintergrundgeschichte um unheimliche Mysterien der frühen Menschheit.
The Ball
'The Ball', programmiert vom winzig kleinen Entwicklerstudio Teotl, war ursprünglich eine Mod für die Unreal-Engine. Diese räumte bereits im Rahmen des "Make something Unreal"-Wettbewerbs der Unreal-Masterminds von Epic etliche Preise ab, und kommt nun auch in einer Retail-Version nach Deutschland. Steam, wo 'The Ball' schon länger online zum Kauf bereit steht, wird auch von der Ladenversion als DRM-Maßnahme vorausgesetzt. Neben der Spiele-CD findet sich in der Verpackung neben dem Anleitungsheft mit dem nötigen Steamcode auch eine Audio-CD mit dem Spielesoundtrack, sowie eine Grußpostkarte der Entwickler aus Mexiko - eine nette Idee, um den Mehrwert der Retailversion zum reinen Steam-Download zu erhöhen.
The Ball
Anfangs sind die Puzzles, Physik- und Schalterrätsel, mit deren Lösung man sich in die Tiefen knobelt, relativ einfach angelegt. In Bezug auf das Gameplay schwebt das große Vorbild Portal stets im Raum, ohne aber ganz dessen Knobelqualitäten zu erreichen. Ab und an darf man sich an ein paar Gegnern abreagieren und nervigen Affen oder frechen Mumien seine Kugel hinterherwerfen - leider ist 'The Ball' als Waffe für schnelle Kämpfe relativ ungeeignet und so wirken die Balgereien eher lästig, als spannend. Die Anzahl der Gegner, die einem im Laufe des Games vor die Kugel geworfen werden, hält sich aber in Grenzen. Besonders die späteren, vernetzten Rätsel, und die Möglichkeit, seinen 'Ball' aufzurüsten, machen durchaus eine Menge Spaß. Man muss sein Hirn schon anstrengen, um mit der Vielzahl verschiedenster Rätselideen der Entwickler mitzuhalten.
The Ball
Die Hintergrundgeschichte um die merkwürdige Technologie des alten Volkes, das für das unterirdische Labyrinth und nicht zuletzt das Kugelwerkzeug verantwortlich ist, wirkt ein wenig aufgesetzt. Wegen der grandios gestalteten, stimmungsvollen Grafik, die dank flexibel einstellbarer Engine auch auf schwächeren PCs gut läuft, spielen die Schwächen der Story kaum eine Rolle. Man fühlt sich wie Indiana Jones persönlich und lässt sich vom von der Umgebung geschickt angestachelten Forscherdrang immer tiefer in die Tempelanlage hinunterführen. Wie das winzige Entwicklerteam von Teotl diese tolle Kulisse hingezaubert hat, spricht für die Leidenschaft, die sie in ihr Produkt gesteckt haben. Die Sounduntermalung mit Umgebungsgeräuschen ist sehr stimmungsvoll, der eigentliche Soundtrack ist auch hörenswert.
Wer sich durch den eben beschriebenen Storymode gerätselt hat, möchte sich vielleicht auch im ebenfalls mitgelieferten Skirmish, dem sogenannten Survival Mode, versuchen. Hier geht es um Kämpfe gegen Horden von Gegnern. Richtige Begeisterung für diese Zugabe zum Hauptspiel kommt leider wegen den bereits angemerkten Schwächen des "Kampfsystems" mit Hammer und Kugel eigentlich nicht auf.
