Begleite die ruhmreiche Karriere der legendären Liverpooler Kultband mit einem stimmungsvollen Fan-Kompendium.
Der 9. September 2009 war für viele Fans der Liverpooler Kultband The Beatles ein Tag zum feiern. Neben der kompletten Sammlung aller Alben, die an diesem Tag als soundtechnisch völlig überarbeitete Fassungen wieder in den Handel kamen, stapeln sich nicht ganz unscheinbar die großen Rock Band Packungen in der Videospielecke. Passend zur Re-Release der Songs veröffentlichte Harmonix zusammen mit EA und Apple Corps eine ganz spezielle Episode ihrer ehrwürdigen Musikspielreihe, welche in einem ganz besonderen Maße die vier Jungs John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr der ersten Boy-Band der Welt die Ehre gibt. Aerosmith, AC/DC und Metallica machten es zwar vor, doch erst The Beatles werden dem Gedanken eines zusätzlichen Fan-Werkes wirklich gerecht.
The Beatles: Rock Band
Doch machen wir uns nichts vor. Auch "The Beatles: Rock Band" ist zunächst nichts anders als ein weiterer Ableger einer mittlerweile allseits bekannten Videospielreihe. Zudem stammend aus einem Genre, welches inzwischen leider völlig überflutet wird. In altbewährter Manier greift ihr zu den Plastikinstrumenten und einem griffbereiten Mikrofon, formt in eurem Wohnzimmer eine kleine Band und musiziert munter fröhlich vor euch hin. Die Gitarren stellen nach wie vor einen reinen Geschicklichkeitstest dar. Die Tastenkombinationen erinnern frappierend an die Grifftechniken echter Gitarristen, können aber über den Spielcharakter nicht überschatten. Das Schlagzeug wirkt aufgrund der Mechanik schon etwas fassbarer. Auch hier dürft ihr vorgegebene Notenfolgen nachspielen und drescht a la Ringo Starr auf euer Plastikinstrument ein. Besitzer des ION Edelsets kommen einem Schlagzeuger auf jeden Fall gefährlich nahe. Das einzig wirklich authentische Instrument, welches nicht nur als "Spielzeug" angesehen werden kann, ist das Mikrofon. Munter fröhlich werden die angezeigten Texte geträllert, während das Spiel die Stimmlage analysiert und für getroffene Töne entsprechende Wertungen vergibt. Rock Band bleibt Rock Band, daran rütteln auch die Liverpooler Kultmusiker nichts!
Vom Cavern Club bis zum Hausdach
Mittlerweile bietet auch die Konkurrenz dieselbe Spielmechanik und der Markt wird mit zahlreichen Ablegern geradezu überschwemmt. Auch wenn Harmonix ihre Updates zeitlich breit fächert, so tummeln sich hier ebenfalls schon ein paar Games in den Händlerregalen. Dieser Problematik ist sich auch der Entwickler bewusst und liefert mit "The Beatles: Rock Band", zumindest besehen auf dem zweiten Blick, ein völlig eigenständiges und kleines Kunstwerk ab. Was Aerosmith und Co. nur ansatzweise über die Bühne brachten, wird hier in vollen Zügen zelebriert.
Im Hauptspiel, der Story für Offline- wie auch Onlinespieler, durchlebt ihr den Werdegang der vier Jungs von ihren Anfängen im Cavern Club, über die legendären Konzerte in den USA und der ruhmreichen Ed-Sullivan TV-Show, bis hin zum Veranstaltung auf dem Hausdach der Apple Corps. Die Schauplätze sind originalgetreu nachempfunden und verzücken vor allem Fans mit zahlreichen Details angefangen bei den hysterischen und kreischenden Fans (die wohl von Konzert zu Konzert ziehen und sich immer vor die Kamera schmeißen), über die Bühnenbilder bis hin zu den Gestiken der Beatles. Denn zum ersten Mal in einem Rock Band Ableger stehen die Stars höchst persönlich auf der virtuellen Bühne. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr wirken zwar ein wenig wie Comicfiguren, die Charakterzüge der beliebten Pilzköpfe sind aber absolut unverkennbar. Zum Ende hin geht es aber weg von der Bühne und ab ins Abbey Road Studio, weil auch The Beatles sich damals aus der Öffentlichkeit zurückzogen und ihre Zeit seit Ende 1966 fast nur noch experimentell im Tonstudio verbrachten. In dieser Phase entstanden aber so einige Kultklassiker wie "Sgt Peppers Lonely Hearts Club Band", "Yellow Submarine", "Lucy In The Sky" oder "Hello, Goodbye".
Harmonix hält sich weitestgehend an die Historie. Nur ganz kleine Abweichungen sorgen bei ganz strengen Fans für Buhrufe, ansonsten gilt den Entwicklern ein großes Lob für die vor allem optische Detailteure auszusprechen. In enger Absprache mit den heute noch lebenden Bandmitgliedern und Familienmitgliedern sowie der Apple Corps schufen die Entwickler für die Studiozeit zusätzlich noch sehr gelungene Hintergrundvideos - jedes einzeln angepasst auf den jeweiligen Song, wie es auch bei den Konzerten geschieht.. Während vor und nach den Songs oftmals unveröffentlichtes Studiogeplapper der "Fab Four" die Fans verzückt, wechselt das Hintergrundbild vom Studio in eine Traumwelt, den so genannte "Dreamscapes". Diese stellen farbenfroh und extrem gelungen die Thematik des jeweiligen Songs zu Schau und zeigen zugleich auf, wie experimentell The Beatles letztendlich in ihrer Zeit waren. Auf einen ordentlichen Farbflash fast wie auf Drogen sollte man sich aber gefasst machen, vor allem auf den HD-Konsolen. Die Fassung für die Nintendo Wii musste technisch natürlich ordentlich Federn lassen, die Detailverliebtheit geht durch die geringere Grafikauflösung aber auch dort nicht verloren.
