The Bureau: XCOM Declassified im Test: Ordentlicher Third Person Shooter ohne grafische Highlights

Test Jonas Küßner

Fast zwanzig Jahre können Videospieler bereits im XCOM-Universum ihr Unwesen treiben. Ob Shooter- oder Strategie-Titel wie Enemy Unknown aus dem Vorjahr, vor allem waren diese stets taktisch geprägt. Mit XCOM wollte man zunächst einen anderen Weg gehen und die Fangemeinde in einem Ego-Shooter auf Gruselsafari schicken, bis man schließlich auf die Community gehört hat und mit The Bureau: XCOM Declassified nun einen Taktik-Third-Person-Shooter serviert.

Wir befinden uns am Anfang der 1960er Jahre. Kennedy nennt sich noch Präsident und der kalte Krieg ist auf seinem zwischenzeitlichen Höhepunkt. Klar, dass man auf Seiten der Amerikaner alles Menschenmögliche versucht, um der Sowjetunion einen Schritt voraus zu sein. Mittendrin ist der erfahrene aber angeschlagene Agent William Carter, der eine Box mit geheimnisvollem Inhalt behüten und ins Pentagon bringen soll. Als er von einer vermeintlichen Vorgesetzen angeschossen wird und diese einen Blick in die Truhe wirft, erscheinen merkwürdige, farbige Lichter. An viel mehr kann sich Carter nicht erinnern, wird er doch prompt ohnmächtig und wacht - mysteriös: ohne Schusswunde - in einer alptraumartigen Umgebung auf. Überall Leichen, Blutspuren und merkwürdige Wesen, die mit Laserpistolen auf Menschenjagd gehen. Was zunächst nach einem gewöhnlichen Tag klingt, wird schnell zum Überlebenskampf. Es geht darum, schnell Kontakt zu den Befehlshabern aufzunehmen und den Vorfall aufzuklären.

The Bureau: XCOM Declassified im Test (21) Quelle: Take 2 The Bureau: XCOM Declassified im Test (21) The Bureau: XCOM Declassified wirft den Spieler ohne großes Vorgeplänkel mitten auf das Schlachtfeld. Dabei kann die Neugier rund um das Geschehen geweckt werden, denn Antworten erhält Carter erst nach und nach. Dass es sich bei der einfallenden Invasion nicht um russische Streitkräfte handelt, wollen die hohen Tiere der nationalen Verteidigung zunächst nicht glauben. Doch nachdem immer größere Gebiete in den Vereinigten Staaten besetzt werden und befremdliche Gebäude aus der Erde emporwachsen, ist auch der größte Skeptiker überzeugt. Praktisch, dass man zuvor eine streng geheime Einheit, XCOM, ins Leben gerufen und in einer noch geheimeren Militärbasis untergebracht hat, von der aus die kommenden Missionen geplant werden. Es folgt eine Geschichte gefüllt mit militärischen Siegen und Rückschlägen, spannende Hintergründe bezüglich des Szenarios und einem sehr interessanten Story-Kniff zum Ende hin, der einem erzählerisch in dieser Art noch nicht allzu häufig begegnet ist.

XCOM Declassified ist ein Third-Person-Shooter, der mit allerlei taktischen Möglichkeiten daherkommt, die auch genutzt werden müssen. Denn der Spieler aka Agent Carter ist nicht alleine unterwegs, sondern hat auch stets zwei Gefolgsleute an seiner Seite, denen Befehle gegeben werden können. Missen möchte man die Kameraden so schnell nicht mehr, da man selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad keine Chance hat, in Rambo-Manier durch die Gegnerscharen zu pflügen. Zwar ist Nachschub in Form von Waffen und Munition häufig in der Umgebung zu finden, jedoch sind dazwischen meist gegnerische Einheiten, die ein schnelles Erreichen der Vorräte unmöglich machen. Also muss mit vorhandener Munition und den Teammitgliedern Taktiken entwickelt werden, wie man das Schlachtfeld in kurzer Zeit für sich gewinnen kann.

The Bureau: XCOM Declassified im Test (15) Quelle: Take 2 The Bureau: XCOM Declassified im Test (15) Einerseits ist dafür ein geschicktes Bewegen innerhalb der Areale notwendig, etwa um gegnerische Einheiten zu flankieren. Per Knopfdruck lässt sich die Zeit deutlich verlangsamen und die Kameraden lassen sich in diesem Strategie-Modus an beliebige Orte schicken, von wo aus sie Gegner unter Feuer nehmen sollen. Durch das Flankieren verschafft man sich Vorteile im Kampf, jedoch sollten die Manöver der Aliens stets im Blick des Spielers sein, um nicht selber auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Da die Kollegen leider des Öfteren blindlings ins Feuer laufen, können auch mehrere Aktionen nacheinander befehligt werden, sodass ihnen ein sicherer Weg vorgegeben werden kann.

Ebenso sind mehrmals suizidale Aktionen der ansonsten klug agierenden gegnerischen Einheiten aufgefallen. Etwas unschön ist die Tatsache, dass man fast ausschließlich geschönte Schlauch-Level vor sich hat. Oft wird einem ein weitreichendes Areal vorgegaukelt, letztlich ist es aber durch Zäune o.ä. abgegrenzt und beschränkt eine noch tiefergehende Bewegungsfreiheit. Dennoch gestalten sich die Kämpfe sehr abwechslungsreich und auch auf kleinerem Areal merkt der Spieler richtig, welche seiner Taktiken aufgehen und welche in der aktuellen Situation vielleicht nicht allzu gut funktionieren.

The Bureau: XCOM Declassified im Test (13) Quelle: Take 2 The Bureau: XCOM Declassified im Test (13) Carter und sein Team können sich jedoch nicht nur umherbewegen und auf alles schießen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Nach Kämpfen erhalten alle beteiligten Soldaten in RPG-Manier Erfahrungspunkte, die nach und nach für einen Levelaufstieg sorgen, sodass man Zugriff auf verschiedene Fähigkeiten hat, die fortan verwendet werden können. Dazu zählen etwa Drohnen, die das eigene Team heilen oder dem Gegner Schaden hinzufügen können, oder Geschütztürme, die für strategische Vorteile sorgen können. Da sich die Agenten in unterschiedliche Klassen wie Pioniere oder Scharfschützen aufteilen, hat auch jede Klasse unterschiedliche, entwickelbare Fähigkeiten. Beachtet werden muss zudem, dass sich verschiedene Fähigkeiten gegenseitig ausschließen. Auch Carter kann sich fortentwickeln und beispielsweise sich und seine Kameraden heilen, was ungemein wichtig ist, da die Verbündeten nicht unsterblich sind. Nach einer Portion feindlicher Treffer können sie sich auf dem Schlachtfeld nicht mehr bewegen und sterben nach einer bestimmten Zeit, hat man während des Kampfes keine Möglichkeit diese wiederzubeleben. So ein Permadeath kann im späteren Spielverlauf ganz schön wehtun, da nun ein gut ausgebildeter Agent mit hilfreichen Fähigkeiten durch ein weniger entwickeltes Greenhorn ersetzt werden muss.

Des Weiteren lassen sich die Kameraden nicht nur mit neuen Fähigkeiten ausstatten, es können auch Ausrüstung, Name und Kleidung angepasst werden. Neue Ausrüstung erhält der Spieler während der Missionen, so dass nicht nur auf menschliche Waffen zurückgegriffen werden kann, sondern die Aliens ebenfalls mit ihrer eigenen Technologie bekämpft werden können. Die beiden letzten Punkte sind für das Spiel an sich jedoch nicht weiter wichtig, auch weil man im Laufe der Missionen keinerlei Verbindung zu den Agenten aufbaut. Bis auf ein paar kurze Sätze ist überhaupt nichts von ihnen zu hören, in den Zwischensequenzen werden sie auch oft gar nicht erst eingeblendet.

The Bureau: XCOM Declassified im Test (6) Quelle: Take 2 The Bureau: XCOM Declassified im Test (6) Anders verhält es sich mit den Story-Charakteren, die man auf dem Schlachtfeld oder in der Basis trifft. Letztere dient als Aufenthaltsort zwischen den Missionen, so dass – anders als in vielen Genre-Vertretern – nicht ein Kampf an den nächsten gereiht wird, sondern die Geschichte auch zwischendrin weitererzählt wird. Das geschieht durch Gespräche mit den angesprochenen NPCs, durch welche man weitere Einzelheiten rund um die Story herausfinden kann. Dabei hat man hin und wieder eine Wahl zwischen verschiedenen Antworten, wobei sich diese außer der unmittelbaren Reaktion nicht deutlich bemerkbar machen. Nur zum Schluss hin ändert sich dies, was an dieser Stelle aus Gründen des Spoilerschutzes allerdings nicht groß thematisiert werden sollte.

Gewählt werden die abzuschließenden Missionen über eine Kommandozentrale im Hauptquartier, wobei zwischen kleineren und größeren Einsätzen unterschieden wird. Erstere sind optional und bieten als Nebenmissionen Boni wie neue Ausrüstung oder Agenten, sind allerdings nach 15 bis 30 Minuten abgewickelt. Anders verhält es sich bei Großeinsätzen, welche die Story-Missionen darstellen und deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Ferner stehen dem Spieler noch Einsätze zur Verfügung, die lediglich von PC-Kumpanen durchgeführt werden können, wodurch diese höhere Level erreichen und ebenfalls Boni zurückbringen können. Da man für jede dieser Missionen eine bestimmte Anzahl an Agenten benötigt, lassen sich nicht alle Aufträge erledigen, so dass man vor die Wahl gestellt wird, welche der verfügbaren Boni eher gebraucht werden. Insgesamt sollte man sich – je nach Können und Schwierigkeitsgrad – auf 10 bis 25 Stunden Spielzeit einstellen.

The Bureau: XCOM Declassified im Test (1) Quelle: Take 2 The Bureau: XCOM Declassified im Test (1) Die Präsentation von XCOM Declassified wirkt optisch recht schlicht, was vor allem an den mageren Texturen und simplen Grafikeffekten liegt. In dieser Hinsicht darf man auf jeden Fall kein Feuerwerk erwarten, einzelne Objekte wirken bei genauem Hinblick zum Teil sehr matschig. Die Areale kommen dahingegen jedoch liebevoll gestaltet daher und laden fast schon zum Entdecken ein, ob das jetzt Kleinigkeiten wie herumspringende Tiere, arbeitenden Wissenschaftlern oder detailliert platzierten Objekten innerhalb der Umgebung betrifft. Die stimmige Atmosphäre hält den Spieler, der durch herumliegende Texte, Bilder und Tonbandaufnahmen noch tiefer in die Geschichte eintauchen kann, an der Stange. Schön anzusehen sind die unterschiedlichen Schauplätze, die im Laufe der Missionen angetroffen werden. So führt es einen über Farmen, Kleinstädten, einen Universitätscampus oder einen Staudamm – auch non-terrestrische Gebiete und Orte können begutachtet werden.

Die deutsche Synchronisation ist ordentlich gelungen, allerdings vermisst man bei den Sprechern eine Portion Emotionen, gerade wenn etwas Unvorhersehbares passiert ist. Wer die englische Sprache beherrscht, sollte lieber auf die tolle Originalfassung zurückgreifen. Steuerbar ist das Spiel mithilfe von Maus und Tastatur oder einem Controller. Auch wenn ersteres gut von der Hand geht, wirkt die Steuerung mittels Controller intuitiver und durchdachter. Einzig die Kamera hat, vor allem beim Befehligen der KI-Kameraden, immer wieder mit Macken zu kämpfen, die zum Teil durchaus nervig sein können. Während beispielsweise einem NPC etwas befehligt wird, bleibt der Cursor oft hinter Vorsprüngen und Mauern hängen, obwohl sich der Bereich dahinter ebenfalls im Radius des Soldaten befindet.

Meinung

Wertung zu The Bureau: XCOM Declassified (PC)

Wertung:

7.8 /10

Wertung zu The Bureau: XCOM Declassified (X360)

Wertung:

7.8 /10

Wertung zu The Bureau: XCOM Declassified (PS3)

Wertung:

7.8 /10
Pro & Contra
Spannende und gut erzählte StoryTaktisches Vorgehen bei Kämpfen notwendig; Agenten-FeatureViele verschiedene FähigkeitenKommandostützpunkt als Basis des weiteren Vorgehens und als Story-Element gelungenSolide GrafikSehr unterschiedliche ArealeGute CharaktereAuffindbare Texte, Fotos und TonbändernUnterschiedliche Missionstypen
Hin- und wieder Wegfindungsprobleme der KIMatschige TexturenTeils nervige Kameraprobleme beim Erteilen von BefehlenSehr geradliniges Leveldesign
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