Ron Gilbert ist wieder da: Der Vater des Adventure-Genres bringt am 23. Januar 2013 nach über zehn Jahren mit Nebenrollen in der Branche sein erstes großes Spiel raus. Wir haben das skurrile Multi-Character-Adventure The Cave gespielt und verraten euch im Test, was hinter der Fassade steckt.
The Cave erscheint für Xbox 360, Playstation 3 und Steam (PC, Mac, Linux) und kostet knapp 13€. Gamezone hat vorab die Xbox 360 Version testen können.
Ron Gilbert ist unter Spielern bekannt wie ein bunter Hund. Von ihm stammen Gaming-Klassiker wie Zak McKracken, Monkey Island und Maniac Mansion. Im Prinzip ist er der Vater des Point-and-Click-Adventures. Seine SCUMM-Engine machte das Genre groß und für Entwickler zugänglich, einige der lustigsten Geschichten der Videospielgeschichte wurden seitdem mithilfe dieser Basis erzählt. Nach langen Jahren der Abwesenheit, Gilbert arbeitete lange Zeit an Spielen für Kinder und zuletzt am eher erfolglosen Action-Adventure DeathSpank, bringt der Spiele-Veteran sein erstes eigenes Projekt in die Download-Stores auf PC, Playstation 3 und Xbox 360.
Quelle: Double Fine
Ron Gilberts Download-Adventure The Cave im Test. (11)
The Cave spielt in einer namensgebenden, magischen Höhle. Sie fungiert gleichzeitig als interaktiver Spielort und Erzähler der Handlung – ja, es ist eine sprechende Höhle! In ihrem Inneren sind sieben Charaktere gefangen, aber nur drei kann der Spieler auf seine Reise mitnehmen. Im ersten Level gilt es also, die coolsten rauszusuchen. Jeder der sieben hat einzigartige Fähigkeiten. Der Ritter in seiner Rüstung kann sich durch einen Schild vor Schaden bewahren, die verrückte Wissenschaftlerin hacken, die Abenteurerin eine Peitsche knallen. Jeder von ihnen hat einen einzigartigen Move, der den Verlauf des Spiels verändern wird. Denn jeder Spielcharakter hat eine eigene Stage, die sich nur mithilfe seiner Spezialfertigkeiten lösen lässt. Das heißt: Wer das Spiel im zweiten Durchlauf spielt, bekommt mit drei neuen Charakteren ein fast vollkommen neues Spiel präsentiert. Nur einige Zwischenlevel sind "free for all".
Quelle: Double Fine
Ron Gilberts Download-Adventure The Cave im Test. (9)
Zu Beginn kommt The Cave mit relativ dünner Story-Decke aus. Man erfährt nicht viel über die handelnden Figuren, nur ein kurzer Background wird erzählt. Den Rest muss man im Spiel herausfinden. An den Wänden finden sich Höhlenmalereien, die in Comic-Strips erzählen, was die Helden getan haben, bevor sie in der Höhle landeten. Ein kleiner Spoiler sei an dieser Stelle erlaubt: Sie haben alle etwas auf dem Kerbholz und sind in der Höhle auf der Suche nach etwas. Nach was die Spielfiguren suchen, erfährt man erst im Verlauf der Geschichte und zunehmend sollte einem Sorge bereiten, was man dafür nicht alles aufopfern muss – The Cave überspielt diesen moralischen Aspekt aber immer wieder durch Witz und Chuzpe, nur um einem am Ende doch unter die Nase zu reiben, was für ein böser Kerl man doch ist.
Jump'n'Run-Adventure? Nicht wirklich…
Quelle: Double Fine
Ron Gilberts Download-Adventure The Cave im Test. (13)
Als The Cave angekündigt wurde, gab es viele Diskussionen, vor allem um das Genre des Spiels. War das noch ein Adventure oder ist schon mehr ein Jump'n'Run? Heute können wir letzteres ausschließen. In The Cave stecken zwar Plattformen und Sprungeinlagen, aber spielentscheidend ist nicht das Timing, sondern Köpfchen. Der Spieler löst Rätsel in den Höhlen, um dem Besucherpfad zu folgen. Wenn der Weg etwa von einem Geröllhaufen versperrt wird, muss man Dynamit finden oder einen riesigen Dino aufschrecken. Die Lösungen sind meist ganz easy, bereiten im Detail dann aber doch einiges Kopfzerbrechen. So manches Rätsel ist dementsprechend auch mit langwierigem Suchen verbunden. Besonders das Level des Zeitreisenden ist uns im Hinblick auf den Schwierigkeitsgrad aufgefallen: Durch drei Zeitzonen (Zukunft, Gegenwart, Dino-Vergangenheit) hinweg muss man seine Figuren an verschiedenen Enden der Karte platzieren, um das Rätsel zu knacken. Das war vielleicht eine Arbeit herauszufinden, welche Figur wo und wann zu stehen hat … Im Allgemeinen aber bleiben die Rätsel schaffbar und amüsant, meist ist der erste Lösungsgedanke der richtige. Kompliziert wird es dann in der Ausführung.
Quelle: Double Fine
Ron Gilberts Download-Adventure The Cave im Test. (14)
Leider auch, weil das mit langen Laufwegen verbunden ist – eine der wenigen Downsides von The Cave. Auf manch einer Karte hat vielleicht schnell herausgefunden, wo der Hase langläuft, muss dann aber Ewigkeiten an der Ausführung feilen, weil man die Karte mehrmals mit allen Charakteren in verschiedene Richtung durchlaufen muss. Hier müssen wir auch den "Jump'n'Run-Charakter" von The Cave kritisieren. Ron Gilberts Absicht, das hat er uns im Interview erzählt, war nie ein Geschicklichkeitsspiel, er wollte die Wege zwischen den Rätseln nur amüsanter machen. Doch irgendwann entwickelt sich das Gehüpfe zur Qual: Wer den Level zum X-ten Mal auf der Suche nach einer Lösung durchqueren muss, ist irgendwann genervt von den Hindernissen – die Laufwege sind dafür einfach viel zu lang und strecken die Spielzeit dadurch enorm in die Länge.
Vereinfachtes Inventar gegen Item-Messies
Auf ein Inventar, wie man es aus vielen LucasArts-Adventures kennt, verzichten die Mache komplett. Ron Gilbert hat uns das so erklärt: "Mir ging es total auf die Nerven, wie man in solchen Spielen immer Zeug aufhebt, ins Inventar packt und dann einmal und nie wieder benötigt." Stattdessen können die Spielfiguren einige Objekte aufheben und mitführen – aber immer nur eins gleichzeitig. Auf der einen Seite verlängern sich dadurch zwar die Laufwege (weil zwei Gegenstände von zwei Charakteren abgeholt werden müssen), gleichzeitig verhindert man aber das Item-Messietum. Toll, denn so muss man nicht die Karotte aus dem ersten Level bis zum Ende des Spiels mit sich rumschleppen und immer wieder hoffnungsvoll probieren, sie doch irgendwo zur Anwendung zu bringen…
Ein Koop-Abenteuer
Quelle: SEGA
Ron Gilberts Download-Adventure The Cave im Test. (1)
The Cave ist wegen seinen drei Figuren natürlich perfekt geeignet für kooperatives Spielen. Dementsprechend können auch bis zu drei Mann gleichzeitig ran. Das ist toll, weil so die teils lästigen Laufwege entfallen, gleichzeitig mangelt es dem Spiel aber vor allem an Einem: Splitscreen! Auf dem Schirm wird nämlich jeweils nur ein Charakter angezeigt (außer sie stehen alle zusammen), wenn ein anderer Spieler will, dass die Kamera zu ihm schwenkt, muss er das D-Pad drücken. Damit verliert natürlich Spieler 1 seinen Bildausschnitt, es kann immer nur einer aktiv etwas tun. Durch diesen fixen Blickwinkel werden sich Spieler manchmal langweilen: Wenn ein Spieler in "seinem Charakter-Level" ist, wird er deutlich mehr zu tun haben, als die zwei anderen. Die müssen dann manchmal minutenlang warten, bis es auch für sie etwas zu tun gibt. Das ödet schnell mal an. Wer darüber hinwegschauen kann und gerne zusammen knobelt, wird trotzdem seinen Spaß haben. Koop gibt es nämlich eh nur lokal und nicht online – irgendwie wird man sich vorm Fernseher schon einig werden.
Das Besondere an The Cave sind die vielen offenen und versteckten Witze, Hommagen an Film- und Gamesbranche und die Detailverliebtheit. Kleines Beispiel: Wenn man im Zeitreisender-Level genau darauf achtet, sieht man in der Zukunft die Skelette der in der Vergangenheit abgestellten Spielfiguren. Auf den ersten Blick fallen sie einem vielleicht gar nicht auf, aber spätestens wenn die sprechende Höhle einen Witz über die tragische Geschichte der zwei Leichen reißt, weiß man: "Oops, die hab ich da "vergessen"."
