The Elder Scrolls 4: Shivering Isles im Gamezone-Test

Test Superjojo

Ein solides Add-on, dass das Spiel sinnvoll um abwechslungsstarke Inhalte aufpeppt.

Gibt es eigentlich eine ländliche Thematik, die in einem Rollenspiel noch nicht bemüht wurde? Wälder, Wüsten, schneebedeckte Berge, futuristische Großstädte, fremde Planeten oder gar der Grund eines Ozeans - wer sich auskennt in der Welt der Rollenspiele, der hat seine Stiefel schon in fast jedes denkbare Szenario gesteckt. Umso erfreulich ist es daher, dass die Schöpfer des Rollenspielepos Oblivion sich für ihr zweites Add-on etwas besonderes haben einfallen lassen: Den Recken verschlägt es diesmal nämlich auf die "zitternden Inseln", ein bizarres Reich des Wahnsinns, in dem der Spieler neben skurrilen Landschaften auch die zwischen Demenz und Manie gefangenen Eilandbewohner kennen lernt - ein wahnsinniger Spaß?

Willkommen im Reich des Wahnsinns

The Elder Scrolls 4: Shivering Isles The Elder Scrolls 4: Shivering Isles Etliche Helden haben im Lauf der Videospielgeschichte bereits Portale durchquert, um in neue Welten vorzustoßen - doch selten fanden sie auf der anderen Seite einen derart krassen Kontrast zu ihrer gewohnten Umgebung: Während eifrige Oblivionzocker die Welt des Hautspiels zwar als bildgewaltig, dennoch aber rollenspieltechnisch konventionell erleben durften, betreten wir hier durch die Fratze eines Steingötzen eine wunderbar sinistre Welt des Irrsinns: Die zitternden Inseln (Woher der Plural im Namen kommt ist mir nicht klar, denn man bewegt sich auf einer großen Insel). Diese ist in zwei Teile zerrissen: Mania mit der Hauptstadt New Seoth im Nordosten und Dementia mit The Fringe im Südwesten.

The Elder Scrolls 4: Shivering Isles The Elder Scrolls 4: Shivering Isles Doch die Ankunft auf der Insel ist keinesfalls eine freundliche und deutet den morbiden Charme der neuen alles in allem etwa 20 Stunden langen Quest bereits an: Nach eurer Ankunft im Randland der Insel könnt ihr eure Erkundung erst beginnen, nachdem ihr einen athletischen, axtschwingenden Riesen bezwungen habt, in dessen Eingeweiden ihr den Schlüssel findet, welcher euch das Tor zur freien Erkundung der Insel öffnet. Wer sich jetzt darauf gefreut hat, die neue Landschaft sofort zu Pferd zu erschließen, wird bereits mit einer beiden einzigen Änderungen der Spielmechanik durch die Entwickler konfrontiert: Reittiere jeder Art bleiben draußen! Dies dient wohl dem Zweck, die nicht allzu große neue Spielwelt nicht innerhalb weniger Minuten komplett durchkraxelt zu haben.

The Elder Scrolls 4: Shivering Isles The Elder Scrolls 4: Shivering Isles Deshalb muss man seine eigenen Füße bemühen, was aber schon sehr bald nicht mehr juckt, da die prächtige Fauna optisch mit dicken Muskeln spielt: Während sich der nördliche Teil durch kunterbunte, schrille Erscheinungen hervortut, gelangt man weiter südwärts immer mehr in die Arme düsterer, außerirdisch wirkender Lebensformen: Riesige, abstruse Pilze, verdorrte Bäume und die von den Farben grau und violett geprägten Wälder entführen den Spieler in eine Welt, wie man sie nur aus wenigen Rollenspielen kennt.

The Elder Scrolls 4: Shivering Isles The Elder Scrolls 4: Shivering Isles Dazu passen auch die neuen Kreaturen: Baumwesen, die euch mit Psychoeffekten paralysieren wollen oder giftige Amphibienwesen, welche sich im Regen automatisch regenerieren stellen sich euch in den Weg und verschaffen Abwechslung von den bekannten daedrischen Störenfrieden. Charaktere allzu niedriger Stufe sollten deshalb nicht unbedingt sofort auf die Insel reisen, sondern erstmal im stufenorientierten Hauptspiel aufleveln, damit sie den erbarmungslosen neuen Wesen gewachsen sind.

Wenn der Himmel runter fällt...

The Elder Scrolls 4: Shivering Isles The Elder Scrolls 4: Shivering Isles Genug des ökologischen Wahnsinns, nun zu den Einwohnern dieser paranoiden Welt. Es ist wohl keine größere Überraschung, dass diese sich, regiert durch Sheogorath, Herr der Insel und "Prinz des Wahnsinns" in einer geistig etwas desolaten Lage befinden. Dementsprechend krank sind auch größtenteils die Quests, wobei sich die der Manie und die der Demenz folgendermaßen unterscheiden: Während ihr in der Welt der Manischen oft lautlos und geschickt vorgehen müsst, lebt ihr in der Welt der Demenz eure blutrünstigsten Gelüste aus. Die Quests haben hierbei im Vergleich zum Hautspiel angenehm an Entscheidungsfreiheit gewonnen, so lässt sich vieles auf mehrere Weise abschließen und man hat mehr Möglichkeiten, auf die Aufgaben zu reagieren. Doch oft ist gar nicht so klar, worum es überhaupt geht: Nicht immer wird der Wunsch so eindeutig geäußert wie bei dem Verrückten, der euch bittet, ihn vom Dach zu stoßen. Oftmals ist die Aufgabenstellung ebenso skurril wie verzwickt, wie hilft man beispielsweise jemandem, der ständig das Gefühl hat, ihm könne jederzeit der Himmel auf den Kopf fallen? Passend dazu sind auch die Belohnung oft nicht von dieser Welt: Ein gehäuteter Hund oder Pfeile aus Gebeinen gehöre zu den gebräuchlichen Geschenken im Reich Sheogoraths.

The Elder Scrolls 4: Shivering Isles The Elder Scrolls 4: Shivering Isles Doch was sollen wir überhaupt hier? Wir wissen jetzt, dass sich in dieser dekadenten Welt des Wahnsinns, deren Landstriche bezeichnenderweise Namen wie "Hills of suicid" tragen, eine Menge verrücktes Getier herumkreucht und fleucht, doch wieso nehmen wir das auf uns? Die Antwort ist einfach: Der Prinz des Wahnsinns höchstpersönlich benötigt unsere Hilfe. Damit wird dem Spieler endlich mal die Möglichkeit geboten, in einer Fantasywelt nicht dem Guten und Gerechten zu dienen, sondern das Chaos zu nähren - dessen Feind ist logischerweise die Ordnung, deren Gott seit Jahrtausenden die Domäne von Sheogorath zu zerstören sucht. Dem sollt ihr nun durch eure Unterstützung entgegenwirken, indem ihr den Tempel des Fürsten in der Hauptstadt der Insel, New Seoth, betretet und dort euren Auftrag erhaltet, mit welchem ihr die Insel des Wahnsinns ein für alle Mal schützt.

Bewährte Stärken, leidige Schwächen

The Elder Scrolls 4: Shivering Isles The Elder Scrolls 4: Shivering Isles Mein letzter Blick in diesem Review soll sich nun auf das Fundament des Add-ons richten. Grafisch hat sich nichts verändert, die neuen optischen Eindrücke erfreuen sich der altbekannten, epochalen Wirkung und reißen den Spieler in der neuen, bizarren Welt mit. Dasselbe gilt für die architektonischen Novitäten der Städte oder die Modelle der neuen Kreaturen, beide sind gewohnter, solider Bethesda-Qualität und geben keinen Grund zur Klage. Auf akustischem Sektor ist auch alles beim Alten, man bekommt dieselben Sprecher und Melodien auf die Ohren wie auf der Hauptinsel. Auch im Bereich der Lokalisierung ist alles "wie gewohnt", denn das alte Oblivion-Leiden der mangelhaften Übersetzungen tritt auch hier wieder mehr oder minder auf und gibt aufgrund diverser Übersetzeraussetzer ab und zu Grund zur böse Miene zum ansonsten guten Spiel. Auch gameplaytechnisch hat sich kaum etwas verändert, mal abgesehen von den wegrationalisierten Pferden und dem Survivalgewölbe anstelle eines Kerkers ist absolut alles genau wie im Hauptspiel: Keine neuen Talente, keine frischen Fähigkeiten, keine weiteren Rassen, Klassen oder sonst etwas. Lediglich einige neue Ausrüstungsstücke und Zauber zieren in "Shivering Isles" euer Inventar. Hinsichtlich spielerischer Bugs macht das Erweiterungspack hingegen einen Schritt vor und zwei zurück: Während der mitgelieferte Patch 1.2 auf der DVD zwar viele Fehler in der Hauptspielwelt, in welche man übrigens jederzeit nach Belieben zurückkehren kann, behebt, wird ein folgenschwerer ID-Bug eingebaut, durch den nach etwa 100-150 Spielstunden Objekte der Spielwelt einfach verschwinden, da es zu einer Überlagerungen von ID-Verteilungen für die Objekte kommt. Somit verschwinden Charaktere und Ausrüstungsgegenstände, bis euer Spielstand schrottreif ist. Eine Lösung zu diesem Problem gibt es mittlerweile, doch die ließ ärgerlich lange auf sich warten und passt leider perfekt ins fehlergeplagte Bild von Oblivion.

Meinung

Wertung zu The Elder Scrolls 4: Shivering Isles (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Fantasievollesabwechslungsreiches Spielkonzeptgroßartigesoftmals düsteres Naturdesignintelligenteatmosphärisch starke Quests und CharaktereOriginelle Storyline im Auftrag des WahnsinnsNeuerungen im Bereich der Ausrüstung und Zauber
Keine Weiterentwicklung des Gameplayfundamentsabermals kleinere Übersetzungsfehlermassiver Bug in der VerkaufsversionKeine neuen Sprecher oder Soundtracks
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