Tiger Woods PGA Tour 14 im Test: Die Golfsimulation bietet nur wenig Neues

Test Thomas Pfnür

Tiger Woods ist nicht mehr allein. Zum einen hat er wohl eine neue Lebensabschnittspartnerin mit Lindsey Vonn gefunden, zum anderen muss er sich nun mit zwei Golfern den arg begrenzten Platz auf dem aktuellen Cover der Golfsimulation von EA Sports teilen. Warum wir das jetzt überhaupt erwähnen? Tja, Neuerungen in Tiger Woods PGA Tour 14 zu finden, ist einfach schwer, sehr schwer.

Auf dem Platz... sucht man das Neue

Das leidige Thema der fehlenden Weiterentwicklungen bei einem jährlichen Veröffentlichungszyklus wird wohl durch keine andere Spielereihe so deutlich in den Fokus gerückt, wie durch Tiger Woods PGA Tour. Schon seit einigen Jahren hadern die Fachjournalisten und vor allem auch die Spieler selbst über die extrem marginalen Unterschiede zwischen den einzelnen Ausgaben. Stimmiges Gameplay mit teils richtig tiefgehenden Steuerungselementen, realistische Effekte, die durch eine schöne Optik unterstrichen werden und ein für Golffans passender Umfang sind schon seit Jahren die Eckpunkte eines Tiger Woods PGA Tour. Schon seit vielen Jahren. Und genau hier ist der Knackpunkt. Wohl aus Angst ein erfolgreiches Packet zu zerstören, setzen die Entwickler alle 12 Monate nur auf sehr kleine Änderungen, was zur Folge hat, dass die Sportspielereihe mittlerweile erheblichen Staub ansetzt hat. Technisch, spielerisch und auch inhaltlich.

Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (2) Quelle: EA Sports Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (2) Auf diesen "Stillstand", wenn man es böse ausdrücken will, setzt auch Tiger Woods PGA Tour 14. Gerade in punkto Gameplay muss man schon sehr genau suchen, um überhaupt etwas zu finden, was man als Neu bezeichnen kann. Ein Schwierigkeitsgrad namens Simulation, der euch nun ohne irgendwelche Schwung-/Puttanzeigen auf den Court lässt, ein leicht geänderter Ablauf bei der Einstellung der Schlagstärke, die Entfernung des sehr hilfreichen Caddys, sowie die Möglichkeit seinem selbst erstellen Spieler einen bestimmten Schwungstil zuzuweisen, sind bezüglich der Gameplayänderungen schon das einzig Erwähnenswerte.

Schade, denn es hat beim Vorgänger durchaus den einen oder anderen Kritikpunkt gegeben, den man bearbeiten bzw. verbessern hätte können. Beispielsweise die Kinect-Steuerung auf der Xbox360. Nach wie vor ist die Bewegungserkennung auf dieser Plattform zu ungenau und immer noch kann man den Sinn einer Sprachbefehlssteuerung nur in Englisch kaum nachvollziehen. Die PS3-Version bzw. die Move-Steuerung macht hier einiges, um nicht zu sagen alles, besser. Trotzdem vermisst man als Fan der Bewegungssteuerung auch bei der Sony-Konsole diese Komplexität, welche uns mit der vor zwei Jahren erschienen Wii-Version noch vermittelt wurde. An dieses besondere Spielgefühl anno 2011 kommt leider keine der aktuellen Versionen auch nur annähernd heran.

Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (3) Quelle: EA Sports Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (3) Trotz aller Kritik bietet Tiger Woods PGA Tour 14 insgesamt aber nach wie vor ein absolut stimmiges Gameplay. Ein Gameplay, das durch die passend integrierte Schwungsteuerung über die beiden Sticks eben auch wieder diese tiefgehenden Bedienelemente enthält. Erfreulich ist auch, dass das fordernde und motivierende Entwicklungssystem beibehalten wurde und ihr weiterhin die Möglichkeit habt, euren Golfer über erspielte Coins in den bekannten sechs Bereichen, von Schwungstärke bis Puttgenauigkeit, punktuell zu verbessern. Ebenfalls wieder vorhanden, und zwar unverändert, sind die Pins. Mit diesem Bonussystem könnt ihr gezielt für jede Runde bestimmte Leistungen eures Golfers bzw. eurer Ausrüstung verbessern. Die Anzahl der verfügbaren Pins ist dabei natürlich beschränkt, so dass ihr es euch vor dem ersten Abschlag genau überlegen müsst, ob und wie ihr selbige einsetzen wollt.

Greife nach dem Grand Slam...

Inhaltlich kann man Tiger Woods PGA Tour 14 nur bedingt kritisieren. EA-typisch punktet der Titel nicht zuletzt durch sein enormes Lizenzpaket. Ganze 20 Originalmeisterschaftskurse wurden auf den Datenträger gepresst und damit nochmals fünf mehr als beim Vorgänger. Natürlich findet ihr darunter wieder den idyllischen August National Golf Club, den meist bei Regen zu bespielenden Old Course von St. Andrews und den berühmten, da praktisch in jedem virtuellen Golfspiel vorhandenen Pebble Beach. Nach und nach erscheinende, kostenpflichtige DLCs werden die Kursmenge natürlich noch entsprechend erhöhen. Erstmals bietet euch übrigens ein Golfspiel die Möglichkeit den Grand Slam zu gewinnen. D. h. alle vier Major-Turnier - das Masters, die US Open, die Open Championship und die PGA Championship - wurden in das Spiel integriert und können nachgespielt werden. Und nicht genug der Zahlen. Mehr als 30 männliche und weibliche Originalgolfer, sowie die ein oder andere nichtsportliche Berühmtheit, stehen euch als Gegner oder als Spielfigur zur Verfügung. Wie gesagt, Kritik ist hier eher unangebracht.

Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (6) Quelle: EA Sports Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (6) Kritik hätte da schon eher der Bereich Spielvarianten verdient. So findet ihr unter den Modi auch im aktuellen Tiger Woods PGA Tour 14 vor allem wieder die üblichen Verdächtigen. Ein schnelles Spiel über Quick Play starten oder sich doch lieber in der zeitintensiven Karriere verlieren? An einem Turnier via PSN bzw. Xbox Live teilnehmen oder doch lieber einen Country Club gründen? Alles kein Problem. Aber auch alles wie gehabt und bereits hinlänglich aus den diversen Vorgängern bekannt. Änderungen, Verbesserungen oder gar Erweiterungen muss man schon, eine Parallele zum Gameplay, sehr genau suchen. Beispiel Karrieremodus. Déjà-vus ohne Ende. Immer noch kann man relativ frei seinen ganz speziellen Golfer / seine ganze spezielle Golferin erstellen. Immer noch startet man mit selbigen / selbiger in der US- oder in der britischen Amateurliga bzw. versucht seine ersten Sporen rund um den Globus zu verdienen. Und immer noch setzen sich die unzähligen Events aus einem "Training", welches mehr eine Art Herausforderung ist, und dem eigentlich gewählten Turnier zusammen. Einzig, dass ihr nun als weiblicher Golfer auch in der neu lizenzierten LPGA Tour antreten könnt und dass ihr eurem Golfer den schon mal erwähnten besonderen Swing Style - setzt sich unter anderem aus solchen Komponenten, wie kräftiger oder gefühlvoller Schlagtyp, Links- oder Rechtshänder usw. zusammen - zuweisen müsst, kann als Neu bezeichnet werden. Das eigentliche Spielgefühl der Karriere wird dadurch aber kaum verändert. Wer sich über Monate mit der Entwicklung seines Golfers beschäftigen will und wer mit einer ziemlich trockenen Präsentation leben kann, ist bei diesem Modus aber trotzdem nach wie vor bestens aufgehoben.

Und Online? Auch hier hat sich nicht wirklich viel getan. Die wieder eingeführten Country Clubs können nun bis zu 100 Mitglieder aufnehmen. Unkompliziertes Chatten, Durchführen ganzer Turniere und die Verwaltung aller Statistiken gehören mittlerweile einfach zum Standardrepertoire dieser Spielvariante - ergo, Neues oder gar Innovatives Fehlanzeige. Über die sogenannten Connected Tournaments können erstmals 24 Spieler zeitgleich an einem Onlineturnier teilnehmen. Angezeigt werden hierbei dann nur die Flugkurven bzw. Ballpositionen der anderen Teilnehmer, was unnötige Längen innerhalb des Spiels vermeidet. Ingame-Statistiken während des ganzen Events halten euch immer auf den Laufenden und zeigen euch, ob ihr mit den anderen Spielern mithalten könnt. Nett, ja sehr nett, aber der große Jubel will bei uns deshalb trotzdem nicht ausbrechen.

...und besiege die Legenden

Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (7) Quelle: EA Sports Tiger Woods PGA Tour 14 im Test (7) Vor zwei Jahren hieß er Tiger at the Masters. Vor einem Jahr nannten ihn die Entwickler Tiger Legacy Challenge. In Tiger Woods PGA Tour 14 schimpft sich der Herausforderungsmodus nun Legends of the Majors. Aufgabenstellungen und Ziele haben sich hierbei über die Jahre praktisch nicht geändert - nur die Szenarien, und natürlich die Namen, wurden immer wieder auf eine neue Thematik umgestellt. Im aktuellen Ableger geht es nun darum Herausforderungen nach dem bekannten Schema, wie etwa "Runde mit 2 unter Par beenden" oder "Ball mit einen Schlag einlochen", innerhalb der langen Zeitgeschichte der Sportart Golf erfolgreich zu bestreiten. Unterteilt in Epochen müsst ihr dem bekannten Spielprinzip folgend Event für Event durch die entsprechenden Erfolge freischalten. Besonderheit hierbei, dass sich sowohl Optik als auch Ausrüstung bzw. Bekleidung der aufgerufenen Zeit anpassen. So werdet ihr beispielsweise ins Jahr 1873 zurückversetzt. Event: The Open Championship. Ort: Ein bewölktes St. Andrews. Im matten Schwarz-Weiß-Braun steht ein Golfer am Abschlag. Seine Knickerbocker wehen leicht im Wind. Immer mal wieder auftretende Bildfehler zeugen vom Alter des hier vorliegenden Materials. Ihr schwingt den Play Club und merkt sofort die Ballphysik unterscheidet sich. Alles ist schwerfälliger, irgendwie starrer. Schon jetzt ist klar, ein Birdie an diesem Loch wird ganz, ganz schwer. Zeitsprung. Das Jahr 1991. Ein sonniger Tag. Farbfernsehen mit leichter Überzeichnung zeigt uns die PGA Championship aus Carmel, Indiana. Im Crocked Stick Golf Club steht ein mit rotem Sweatshirt gekleideter Spieler auf dem Green. Der Putt ist schwierig, sehr schwierig sogar, aber er muss euch gelingen. Ein Par ist Pflicht, sonst.... Legends of the Majors kann durchaus begeistern, häufig fehlt aber leider der nötige Feinschliff und meist auch die wirklich fordernde Tiefe. Warum werden die Epochen, die Events, die Spielabschnitte nicht mit schönen Zwischensequenzen, vielleicht auch mit alten Bildern oder Filmen, begleitet? Warum sind die einzelnen Aufgaben vom Anspruch so extrem unterschiedlich? Und warum wurden nicht mal neue Herausforderungen abseits des hinlänglich bekannten erdacht bzw. integriert? Wirklich schade, Legends of the Majors hätte enormes Potential, das leider nur kaum ausgeschöpft wird. So bleibt ein kurzweiliger Herausforderungsmodus, der uns die ein oder andere vergnügliche Spielstunde beschert, mehr aber auch schon nicht.

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