Transroad USA: Auf Achse in Amerika - Wie gut ist die Wirtschaftssimulation aus Hamburg?
Test 17,99 €
Mit der Transocean-Reihe haben die Entwickler von Deck 13 Hamburg bereits Erfahrung in Wirtschaftssimulationen gesammelt. Nun sollen wir statt eine Reederei eine Spedition gründen und und unser Geld in den USA machen. Ob der Transport auf Asphaltstraßen mehr Spaß macht als die Seefahrt, verraten wir euch in unserem Transroad: USA-Test.
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Filme wie Convoy und TV-Serien wie Auf Achse haben es gezeigt: Das Leben eines LKW-Fahrers kann mitunter auch ziemlich aufregend sein. Jedoch liegen die medialen Höhepunkte der Brummifahrer auch schon einige Tage zurück - die beiden genannten Titel stammen zum Beispiel aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts. Abseits von trashigen US-Reality-Shows wie Ice Road Truckers oder Shipping Wars hatte die Zunft der LKW-Fahrer in den letzten Jahren relativ wenige namhafte TV-Auftritte. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass wir in Zeiten der globalen Marktwirtschaft und insbesondere der Internet-Versandhändler wie beispielsweise Amazon nicht mehr ohne Logistikunternehmen auskämen. Mit Transroad USA (jetzt kaufen 23,90 € / 17,99 € ) wollen die Jungs und Mädels von Deck 13 Hamburg uns in die Welt von Speditionen entführen. In der Kampagne übernehmen wir die Kontrolle über ein frisch gegründetes Logistikunternehmen und sollen unsere anfangs kleine LKW-Flotte aufbauen, neue Depots in den USA errichten, Kunden sowie Aufträge an Land ziehen und schlussendlich auf diese Weise reich werden. Wahlweise können wir uns aber auch für einen Sandkasten- sowie einen Questmodus entscheiden. Die Unterschiede sind hier aber für das Gameplay nur marginal. Entweder spielen wir Transroad USA auf ein bestimmtes Ziel hin mit zusätzlichen kleinen Quests und einigen wenigen Dialogen oder spielen ein Endlosspiel mit oder ohne Herausforderungen.
Transroad USA im Test: Ziemlich schwer
Dass die Führung eines Logistikunternehmens keine leichte Aufgabe ist, dürfte allgemein bekannt sein. Nicht nur, dass wir uns mit unseren LKWs herumschlagen müssen, ebenso gilt es, Lieferfristen einzuhalten, Angestellte anzuheuern, Marketing-Kampagnen durchzuführen, Kunden zufriedenzustellen und dabei stets die Finanzen im Auge zu behalten.
In Transroad USA müssen wir uns um all diese Dinge kümmern, bekommen es aber dabei obendrein mit einer wahren Flut von Bugs zu tun. Auch wenn die Entwickler die erste Verkaufsfassung nun schon einige Male nachgebessert haben, ist die Spielerfahrung schon durch die unglaublich schlechte Performance mitunter eine Zumutung. Trotz eines potenten Gaming-PCs haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Spiel im Schnitt mit 20 Bildern in der Sekunde läuft, manchmal sogar nur mit zehn. Die Entwickler selbst empfehlen bei Ladeproblemen und Performance-Einbrüchen im Fenstermodus und als Administrator zu spielen (dafür ist ein Rechstklick auf das Desktop-Icon vonnöten, anschließend "Als Administrator ausführen" auswählen). Eine wirkliche Verbesserung konnten wir dadurch aber nicht feststellen. Vielmehr hatten wir in der aktuellsten Fassung noch mit weiteren Abstürzen zu kämpfen und zudem wurden längst nicht alle Bugs aus der Welt geschafft.
Transroad USA im Test: Fast unmöglich
Aber gut, insgesamt kann man zum Anfang entsprechend feststellen, dass Transroad USA technisch noch viel Luft nach oben hat. Die Entwickler wollen uns offensichtlich eine knallharte Wirtschaftssimulation liefern, die sogar in den Händen von ausgewiesenen Genre-Experten zu einer Zitterpartie gerät. So erging es uns jedenfalls, als wir die ersten Stunden mit dem Spiel verbrachten und aufgrund der Miesen auf unserem Konto stets Insolvenz anmelden mussten. Das lag zum einen an der sehr unübersichtlichen Benutzeroberfläche, aber noch viel mehr an einem Designfehler, den wir gleich noch erläutern.
Quelle: PC Games
Insgesamt könnt ihr 37 Städte in Transroad USA ansteuern.
Wie erwähnt beginnen wir in der Kampagne lediglich mit einem Truck und bekommen in einem kurzem Tutorial die wichtigsten Dinge beigebracht. Um etwa Profite zu generieren, müssen wir Aufträge für unsere LKWs annehmen. Wir können eine Fülle von unterschiedlichen Waren zwischen insgesamt 37 amerikanischen Städten transportieren und bekommen je nach Ladung und Strecke eine gewisse Summe auf unser Konto überwiesen. Die Auftraggeber sind dabei beispielsweise Möbelhersteller, Restaurantketten, die Post oder auch städtische Unternehmen.
Die Transporter steuern wir aber nicht selbst, sondern weisen die Aufträge einem LKW unserer Flotte zu und schauen dann auf der Landkarte, wie die Sattelschlepper sich Richtung Ziel bewegen. Wir können auch wahlweise jederzeit in eine Verfolgerperspektive wechseln und so die altbackenen, uninspirierten und obendrein sehr ruckeligen 3D-Landschaften "genießen". Ob das aber jemand tatsächlich aus freien Stücken machen möchte, wagen wir an dieser Stelle stark zu bezweifeln.
Transroad USA im Test: Zum Scheitern verurteilt
Quelle: PC Games
Unsere LKWs fahren leer zurück. Es sei denn, wir finden passende Aufträge.
Bei anderen Genrevertretern wäre es nach der Anfangsphase üblich, dass man mit der Zeit anfängt, kleinere Gewinne zu generieren und sich dadurch weitere LKWs leisten kann. Nicht so in Transroad USA: Um tatsächlich profitabel zu arbeiten, muss man sich stattdessen um etwas kümmern, was das Spiel einem nicht gleich verrät. Die Aufträge, die wir im Spiel annehmen, gelten nämlich nur in eine Richtung. Wenn wir etwa Möbel aus Boston nach Chicago transportieren, tritt unser LKW die Reise zurück leer an. Es sei denn, wir nehmen auch einen Auftrag in Chicago an, der uns wieder zurück nach Boston führt. Wir hatten mit zunehmenden Spielstunden das Gefühl, dass die Entwickler diesen Umstand nicht wirklich bedacht haben. Denn es ist schlicht und einfach unmöglich, mehr als für eine Handvoll von Fahrzeugen solche Routen zu planen. Das liegt vor allem daran, dass wir im späteren Spielverlauf fast nur Aufträge bekommen, die mehrere Fahrten in eine Richtung erfordern. Während man sich glücklich schätzt, dass man ganze 100.000 Dollar für 50 Fahrten von Washington nach Charlotte einnimmt, wird man leicht depressiv bei dem Versuch, einen Kunden zu finden, der ähnlich viele Touren von Charlotte nach Washington bestellen möchte.
Transroad USA im Test: Ich geb' auf!
Wir konnten in unseren rund 30 Spielstunden jedenfalls keine Möglichkeit finden, unser Unternehmen auf Dauer profitabel zu halten. Das Spiel bietet uns zwar gelegentlich auch lukrativere Einnahmequellen als die Standardfahrten an - zum Beispiel Spezialaufträge. Doch die sind stets mit so hohen Vertragsstrafen verbunden, dass man sich das lieber zweimal überlegen sollte. Falls unser LKW etwa eine Panne hat, ist das Schicksal unserer Spedition schon besiegelt. Viel öfter ist es uns aber passiert, dass ein Bug dafür sorgte, dass wir einen Spezialauftrag nicht meistern konnten, weil unsere Lieferung angeblich nicht angekommen ist. Ähnlich sieht es auch in anderen Bereichen des Spiels aus. Wir können zum Beispiel unsere LKW-Flotte durch Kühl- und andere Anhänger aufrüsten. Doch müssen wir dafür Lizenzen erwerben und passende Fahrer anheuern, wofür uns stets das Geld fehlt, weil Bugs zuvor dafür gesorgt haben, dass wir die hohen Vertragsstrafen ableisten mussten und wir so arm wie eine Kirchenmaus waren.
Abgesehen von den starken Balancing- sowie Bug-Problemen hat Transworld USA im aktuellen Zusand nicht viel zu bieten. Grafisch ist es unterdurchschnittlich, durch die Performance-Schwierigkeiten wird es gar zu einer Zumutung. Dazu muss man sich mit einer unübersichtlichen Benutzeroberfläche abfinden und einer Kampagne, die kaum zum Weiterspielen motiviert. Wer auf eine gute Wirtschaftssimulation gehofft hat, wird hier in allen Belangen enttäuscht.
