Knapp ein Jahr nach der Erstveröffentlichung von Tropico 5 für den Computer schickt Kalypso nun auch PS4-Diktatoren in die virtuelle Karibik, wo diese sich um den Häuserbau, eine florierende Wirtschaft, internationale Beziehungen oder lästige, freiheitsdenkende Bürger kümmern müssen. Dabei überzeugt der Bananenrepublik-Simulator vor allem durch die ordentliche Bedienung mittels Controller.
Volksaufstand aufgrund von Hunger und fehlender Gesundheitsversorgung? Armee aussenden! Andersdenkende Rebellen greifen die lukrative Goldmine an? Hinrichtung per Knopfdruck! Entwicklung vom traumhaften Eiland zu einem vom Smog bedeckten Industriegebiet? Klingt doch gut, solange die Kasse klingelt! Was sich zunächst nach einem Riesenspaß anhört, wird anderswo auf der Welt nicht gerne gesehen. Die Aufbausimulation Tropico 5, die vom bulgarischen Entwicklerstudio Haemimont Games entwickelt worden ist, wurde in Thailand im Laufe des vergangenen Jahres verboten, da es die nationale Sicherheit gefährden könnte.
Quelle: Kalypso Media
Die humurvollen Story-Elemente lockern die Wirtschaftssimulation auf.
Um für ein Aufatmen unter den besorgten Lesern zu sorgen: das liegt nicht am Spiel. Wie bereits die Vorgänger schlüpft der Spieler auch in Tropico 5 wieder in die Rolle eines Diktators beziehungsweise eines Diktatorenclans und nimmt sich dabei dank traditionell humorvoller und selbstironischer Inszenierung nicht allzu ernst. Schließlich liegt es immer noch am Spieler selbst, ob er seiner Bevölkerung eine Demokratie aufbürden möchte oder zu deren Sicherheit in Stresssituationen doch lieber die harte (Panzer- und Maschinengewehr-)Hand vorzieht. Der Hauptaspekt ist allerdings der Aufbau einer florierenden Wirtschaft, schließlich muss der beinahe asketisch anmaßende Lebensunterhalt der Fidels in aller Welt irgendwie bezahlt werden.
So werden Plantagen errichtet, Minen gebaut, Tiere gezüchtet und die Rohstoffe letztendlich via Schifffahrt für bare Münze in die weite Welt exportiert. Mit etwas Glück bleibt auch ein bisschen Mais für die einheimische Bevölkerung übrig. Im Laufe der Zeit werden neue Gebäude erforscht, mit denen die wichtigen Rohstoffe veredelt und zu noch mehr Geld gemacht werden können. Die dadurch entstehenden Produktionsketten sind vor allem in den ersten Spielstunden das Rückgrat der tropischen Wirtschaft, da nur durch deren Einnahmen neue Wohnhäuser, Bildungseinrichtungen oder Unterhaltungsgebäude finanziert werden können. Gerade mit Blick auf den Bergbau müssen dahingehend schnell Entscheidungen getroffen werden, ob etwa das Gold direkt für gutes Geld den Besitzer wechseln soll oder stattdessen Jahrzehnte später mit einer Schmuckindustrie noch mehr Profite erwirtschaftet werden sollen. Zwar lassen sich die endlichen Erz- und Ölbestände durch verschiedene Aktionen etwas erweitern, früher oder später muss bei Bedarf jedoch auf den teuren Import gesetzt werden. Andere Wirtschaftszweige wie im Bereich der Nahrungsproduktion sind da nachgiebiger, jedoch auch weitaus weniger rentabel.
Quelle: Kalypso Media
Ein Diktator muss auch mit großen Problemen klarkommen.
Die bereits angesprochene Bevölkerung kann jungen Diktatoren zwar das Leben schwer machen, ist aber für den Spielverlauf immens wichtig, da die Arbeitsstätten logischerweise nur mit ausreichend Personal effektiv produzieren können. Und auch wenn eigentlich genügend arbeitsfähige Einwohner in der Stadt leben, muss ebenfalls stets auf deren Bildungsniveau beachtet werden. Ein mit Analphabeten ausgestattetes Forschungslabor klingt zwar nach einer Menge Spaß, kann den eigentlichen Zweck letztlich natürlich nicht erfüllen. Andersherum weigern sich aufstrebende Uni-Absolventen - zumindest im Spiel - beharrlich, auch nur einen Schritt auf die Ananasplantage zu machen. Dieses Gleichgewicht zu halten ist einer der Hauptaufgaben, die es zu bewältigen gilt. Gebäude wie die Highschool erlauben es einer gewissen Anzahl an Einwohnern, einen Abschluss zu machen und nach höherem zu streben. Alternativ können (für viel Geld) auch Fachkräfte von außerhalb angeworben werden. Ist die Bevölkerung, sei es aufgrund von Massenarbeitslosigkeit oder fehlender Nahrung, nicht gut auf ihren 'Präsidente' zu sprechen, bilden sich rasch Rebellengruppen, die zunächst für Unheil und zerstörte Gebäude und später gar für das vorzeitige Ende des Spielstands sorgen können, wenn sie es auf den Palast abgesehen haben. Helfen Besänftigungsaktionen wie beispielsweise kostenlose Unterkünfte, mehr Essen auf dem Tisch oder die Durchführung einer Karnevalssaison nicht, muss mit Wachtürmen, Kasernen und Panzerbrigaden für Abhilfe geschaffen werden. Gerade in den ersten Sitzungen ist es nicht gerade einfach, alle Fraktionen (z.B. Religiöse, Umweltschützer, Kommunisten) unter einen Hut zu bekommen, sodass Angriffe von Rebellentruppen oder Wahlniederlagen keine Seltenheit sind. Hat man jedoch den Dreh erst einmal raus und weiß, welche Fraktion welche Bedürfnisse haben, brauchen sich die Diktatoren um das Inventar ihres Palastes kaum noch zu fürchten. Gleiches gilt für die Beziehungen zu den Auslandsmächten.
Tropico 5 bot für Kenner der Serie erstmals Zeitepochen, die den Bauherren unter uns zunächst den Wind aus den Segeln nehmen. Beim typischen Spielbeginn zur Kolonialzeit stehen nur eine Handvoll Gebäude im Portfolio bereit, durch Forschung kann dieses nach und nach erweitert werden. Erst nach den Weltkriegen und dem Kalten Krieg in der Neuzeit angekommen, stehen auch moderne Gebäude wie Appartementhochhäuser, Nachtclubs oder Bürogebäude zur Verfügung. Auch der (etwas zu kurz gekommene) Wirtschaftszweig des Tourismus folgt erst im Laufe des Spiels und gewährt nach und nach neue Unterkunfts- und Bespaßungsmöglichkeiten.
Quelle: Kalypso Media
Blick für Detail: So weit reinzoomen wird man im Spiel vermutlich selten - man will ja den Überblick bewahren.
Die knapp zehnstündige Kampagne ist durchaus unterhaltsam erzählt und führt den Spieler durch sämtliche Aspekte von Tropico 5. Meist müssen dabei eine gewisse Anzahl an Waren exportiert, bestimmte Gebäude gebaut oder Angriffe überlebt werden, wobei für Abwechslung gesorgt wird und keine Langeweile aufkommt. Schade ist, dass keine Missionsübersicht geboten wird, sodass man bei kaputtem Spielstand oder fehlendem Speichern schnell ganz von vorne anfangen darf. Abseits der Kampagne wird den Spielern leider nur eine einzige Mission geboten, dafür überzeugt der Sandkastenmodus mit einer Vielzahl an spielbaren Karten und einem Kartengenerator. Zudem dürfen auch auf der PlayStation Mehrspielerpartien, wahlweise im Koop oder gegeneinander, durchgeführt werden.
Dass (Aufbau-)Strategie auch ohne Maus & Tastatur Spaß machen kann, beweist Tropico 5 eindrucksvoll. Natürlich können die für das Genre sehr komfortablen Eingabehilfen nicht vergessen gemacht werden, dennoch stellt auch das Häusle bauen auf der Couch den Spieler vor keinerlei Probleme. Statt eines Punktzeigers hat Haemimont Games einen kreisrunden Cursor implementiert, der stets mehrere Interaktionsmöglichkeiten bietet. So drückt man X für die Gebäudeauswahl, Viereck für das Infofenster eines Einwohners oder Kreis für Aufträge und Missionen. Liegen beispielsweise zwei Gebäude im Auswahlradius, können diese per wiederholten Tastendruck durchgeschaltet werden. In den allermeisten Fällen und nach kurzer Eingewöhnungszeit klappt das Ganze problemlos. Auch das Navigieren in den Registerkarten der Informationsbildschirme funktioniert dank Schultertasten gut. Einzig im Hauptmenü und vor allem bei der Auswahl der Mehrspielerpartien sind nicht alle Funktionen selbsterklärend, was allerdings eher der Konzeption als der eigentlichen Steuerung geschuldet ist.
Quelle: Kalypso Media
Tropico 5 auf PS4 überzeugt durch gelungene Controller-Steuerung.
In Punkto Technik erhält der Spieler ordentliche Kost. Die grafische Darstellung ist gelungen, wenn auch nicht Genreprimus. Einwohner wuseln durch die Stadt, Lieferautos und Taxis brettern über die Straße und überall lächelt einem das tropische Inselflair ins Gesicht. Dennoch lassen die Details etwas zu wünschen übrig, beispielsweise im Bereich der Texturen und gerade hinsichtlich der Animationen von Produktionsstätten. Ebenso wäre es wünschenswert gewesen, ein wenig mehr Feedback über aktuelle Probleme zu erhalten. Zwar werden bei militärischen Angriffen und Exporten Infofenster gezeigt, jedoch nicht, wenn eine Produktion aufgrund von Arbeiter- oder Rohstoffmangel nicht mehr arbeitet. Gelungen sind sicherlich der nette Soundtrack und die sehr gute deutsche Synchronisation der Charaktere, die dem Präsidenten stets zur Seite stehen oder andere Länder darstellen sollen. Hinzu kommt die sehr stabile Performance des Spiels, die zu jeder Zeit für einen flüssigen Spielablauf und eine runde Navigation auf der Karte sorgt. Nervig ist lediglich ein Fehler, der hin und wieder dafür gesorgt hat, dass der Spielstand nicht abgespeichert werden konnte. Auch konnte die Diktatorenfamilie des Öfteren nicht abgespeichert werden und nur auf einem anderen Slot abgelegt werden, sodass die exakt gleichen Charaktere bei einem neuen Spiel mehrfach zur Auswahl stehen.
