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  • Turning Point: Fall of Liberty - Germans in New York - Leser-Test von BigJim

    Winston Churchill, der einstige englische Politiker und Regierungschef, gilt auch heute noch als einer der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Er war auch so ziemlich der Einzige, der sich während des Zweiten Weltkrieges von Anfang an erfolgreich Hitlers Aggressionspolitik widersetzen konnte. 1940 entschied er die Luftschlacht von England zu Gunsten seines Landes. Der deutschen Luftwaffe gelangt es trotz zahlenmäßiger Überlegenheit nicht, England in die Knie zu bomben. Ab da war jedem klar, dass Hitlers Armeen nicht unbesiegbar sind. Churchill selbst konnte auf eine stolze Karriere zurückblicken. Acht Jahre vor Ausbruch des Krieges arbeitete er als britischer Diplomat in New York. Im Dezember 1931 wurde er von einem Taxi angefahren. Seither musste Churchill für den Rest seines Lebens einen Gehstock benutzen. Aber imamerhin hatte er den Unfall überlebt. Der Ego-Shooter "Turning Point: Fall of Liberty" geht von anderen Voraussetzungen aus und stellt die Frage: Was wäre geschehen, wenn der Brite seinerzeit nicht überlebt hätte und England womöglich doch von den Nationalsozialisten erobert, Hitlers Siegeszug seinerzeit also nicht gestoppt worden wäre?

    In "Turning Point" schreiben wir das Jahr 1953. Hitler hat mittlerweile ganz Europa besetzt und strebt in seinem Siegeswahn nach Höherem: Die USA soll unterworfen werden. Hier beginnt das Spiel. Dabei schlüpfen wir in die Rolle des Bauarbeiters Dan Carson. Der werkelt eines schönen Tages friedlich auf einem Stahlgerüst vor sich hin, als Görings Luftwaffe den Angriff auf New York startet. Gleich die ersten deutschen Bomben treffen die Freiheitsstatue, das Symbol amerikanischer Unabhängigkeit und Freiheit. Atmosphärisch wird dies relativ gut in Szene gesetzt. Der Himmel wimmelt vor angreifenden Fliegern und bedrohlich wirkenden Zeppelinen. Eine ungewohnte Situation für die USA, die bisher (von gezielten Terror-Anschlägen und kleineren Sabotageaktionen abgesehen) noch nie angegriffen wurden. Auch der Spieler kommt in den ersten Minuten aus dem Staunen nicht mehr raus. Als Dan Carson versuchen wir, dem Inferno zu entkommen. Denn um uns herum ist die Hölle los. Die deutschen Flieger nehmen Carson mit ihren Bord-MGs unter Beschuß. Mehrere Wolkenkratzer werden schwer getroffen, gehen in Flammen auf oder brechen gar in sich zusammen. Es gelingt uns, die Baugerüste hinunter zu steigen, den schwindelerregenden Höhen zu entkommen. Einen luftgelandeten deutschen Fallschirmjäger schmeißen wir bei der Gelegenheit gleich vom Stahlträger. Natürlich nicht, ohne ihm zuvor seine Maschinenpistole abzunehmen. Denn immerhin ist "Turning Point: Fall of Liberty" ein Ego-Shooter.

    Doch was sehr vielversprechend anfängt, mündet schon nach spätestens 30 Minuten in durchschnittliche und routinierte Action-Kost. In den nächsten 4-5 Spielstunden lustwandeln wir in den Straßen- und Gebäudeschluchten von New York City, Washington DC und zuletzt in London, wo der eingangs erwähnte britische Premier seinen (Regierungs-)Sitz hat. Dan Carson kämpft dabei die meiste Zeit allein. Mitunter stehen uns allerdings auch befreundete Widerstandskämpfer zur Seite, die jedoch auf eigene Rechnung operieren. Denn steuern bzw. rumkommandieren lassen sich die Figuren nicht. Um das Geschehen etwas aufzulockern, haben die Entwickler stellenweise kleinere Zwischensequenzen eingebaut, z.B. wenn wir mit den anderen Rebellen unser weiteres Vorgehen absprechen, deutsche Truppen die Straßen durchqueren, Räume durchsuchen oder wir Zeuge einer Erschießung von wehrlosen Zivilisten durch Hitlers Soldaten werden. Etwas später müssen wir sogar noch den amerikanischen Präsidenten Stevenson umlegen, nachdem sich herausgestellt hat, dass dieser mit den Deutschen sympathisiert bzw. von diesen eingesetzt wurde. Das ist Verrat an den USA und wird von uns natürlich entsprechend bestraft.

    In "Turning Point: Fall of Liberty" wird vor allem geballert. Obwohl die optische Präsentation sehr grau gehalten ist und praktisch keinerlei Abwechselung bietet, sind die Missionen/Aufgaben etwas vielschichtiger. So müssen wir einen US-General namens Donnely aus dem Gefängnis befreien, ein Luftschiff (später auch ein Boot) mit dem Raketenwerfer zerstören, einen Zeppelin infiltrieren und zuletzt sogar den Abwurf einer Atombombe verhindern. Meist geht es aber darum, Straßenabschnitte zu halten, zu nehmen oder einfach nur von Punkt A zu B zu gelangen. Auch ein U-Bahn-Schacht gehört zu den Schauplätzen des Spiels. Dann gibt es noch einen dieser berühmt-berüchtigten Scharfschützen-Level (töte mit deinem Scharfschützen-Gewehr eine ganze Abteilung feindlicher Heckenschützen, bevor sie dich töten), das Eindringen in ein deutsches Versuchslabor und eine Szene, in der wir eine Panzerbrücke rechtzeitig hochheben müssen. Das war so oder so ähnlich eigentlich alles schon mal da. Einzig das ungewöhnliche Szenario und die deutschen Zeppeline, die gelegentlich über den Straßen schweben, bringen ein wenig Atmosphäre in die Sache. Mit zunehmendem Spielfortschritt - "Turning Point: Fall of Liberty" gliedert sich in drei Kapitel und enthält insgesamt 8 Einzelspieler-Missionen - lassen sich übrigens einige Extras (Bonuscodes, Artworks usw.) freischalten. Mitunter wird am Endes eines längeren Spielabschnittes auch eine Statistik eingeblendet, die Auskunft über Treffergenauigkeit, getötete Feinde usw. erteilt.

    Manchmal wird der offensichtliche Versuch unternommen, die an sich sehr kurze Spielzeit (kaum mehr als fünf Stunden im Singleplayer) künstlich zu strecken. So können wir beispielsweise Sprengsätze nicht einfach aktivieren, sondern müssen recht umständlich drei Drähte in der richtigen Reihenfolge an der Ladung verbinden, bevor wir damit Panzer oder schwere Türen in die Luft jagen können. Ärgerlich ist auch, dass aufgrund einer fehlenden Anzeige Feind-Beschuß schwer zu orten ist und die Gegner bei jeder Gelegenheit Handgranaten nach uns werfen, was dem Spieler jedoch in Form eines Symbols angedeutet wird, so dass immer noch ausreichend Zeit genug bleibt, im richtigen Augenblick die Kurve zu kratzen. Der Verwisch-Effekt, der sich nach einer Explosion einstellt, gehört übrigens zum Besten an der ganzen Grafik. Denn die Optik insgesamt liegt deutlich unter dem, was man von einem Titel des Jahres 2008 erwarten kann. Die schwammigen Texturen und die kantig wirkenden Gesichtszüge und Animationen der Spielfiguren fallen besonders störend auf. Vor sechs oder sieben Jahren hätte man mit so einer Grafik sicher gut leben können, aber heute?

    Wie bereits erwähnt, spielt "Turning Point" im Jahre 1953. Entsprechend sind einige Handfeuerwaffen jetzt etwas moderner. Beispielsweise steht für den Scharfschützenmodus ein Infrarotsichtgerät zur Verfügung. Auch der Raketenwerfer verfügt über eine bessere Zielvorrichtung, als dies bei Panzerfäusten des 2. Weltkrieges der Fall war. Sonst hält sich unsere Waffenausrüstung aber in Grenzen. Die Ausstattung beschränkt sich meist auf typische WW2-Objekte wie MP, Schnellfeuiergewehr oder Stielhandgranate. Im Rahmen von Barrikadenkämpfen können wir uns auch mal hinter ein stationäres Maschinengewehr klemmen. Das war's aber im Großen und Ganzen auch schon.

    Rein bedientechnisch gewöhnt man sich nur mühsam an die Steuerung des Spiels. Dan Carsons Klettereinlagen - der Bauarbeiter ist naturgemäß sportlich und hangelt sich gern an Häuserwänden oder an Seilen entlang - klappen in der PC-Version etwas besser. Immerhin sind Mauervorsprünge oder Stricke grafisch leicht hervorgehoben werden, so dass man immer weiß, wo man gerade klettern darf. Interessant - obschon nicht neu - sind die Nahkampfaktionen. Gegner lassen sich nicht einfach nur umhauen, in Öfen oder in Abgründe werfen, sondern auch nach einem gekonnten Handgriff als Schutzschild verwenden. Allerdings sind einige Spielszenen so hektisch, dass man davon oft keinen Gebrauch macht, sondern in den meisten Fällen lieber rohe Waffengewalt sprechen lässt. Da die Gegner-KI nicht besonders helle ausgefallen ist, werden wir mit Hitlers Soldaten meist auch leicht fertig. Und Fässer o.ä. Dinge, die sich zur Explosion bringen lassen, stehen überall herum. Das mit Abstand Beste an "Turning Point" ist der Sound. Alle Figuren sind gut synchronisiert, Waffen und Gerät (z.B. die Motoren der Zeppeline) klingen immerhin akzeptabel und der orchestrale Soundtrack von Michael Giacchino untermalt das Szenario vortrefflich.

    Unterm Strich hinterlässt "Turning Point: Fall of Liberty" einen eher faden Nachgeschmack, was zum Teil natürlich auch mit den hohen Erwartungen zu tun hat, die viele Spieler ursprünglich mit diesem Shooter verbunden haben. Aber technisch ist der Titel einfach zu schwach und auch zu kurz, um überzeugen zu können. Schade: die Idee war gut, aber die Umsetzung ist es leider nicht.

    Negative Aspekte:
    Maue (und rucklige) Grafik; dürftige KI, kurze Spielzeit; fummelige Steuerung.

    Positive Aspekte:
    Toller Soundtrack; interessantes Szenario (Angriff auf die USA).

    Infos zur Spielzeit:
    BigJim hat sich 2-10 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

  • Turning Point: Fall of Liberty
    Turning Point: Fall of Liberty
    Publisher
    Codemasters
    Developer
    Spark Unlimited
    Release
    14.03.2008
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Turning Point: Fall of Liberty
Turning Point: Fall of Liberty - Germans in New York - Leser-Test von BigJim
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26.06.2011
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