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  • Vandell - Knight of the Tortured Souls: Kommerzialisierte Ein-Mann-Produktion - Leser-Test von Sly Boots

    Entwickler: Atmosphere Studios
    Publisher: dtp
    System: PC
    Genre: Adventure
    Sprache: Deutsch
    Altersfreigabe: 12
    Systemanforderungen:
    CPU: 350 MHz Pentium II oder besser / Windows 9x, ME, 2000, XP / 64 MB RAM / Grafikkarte 16 MB RAM DirectX 8.0 kompatibel / 180 MB Festplattenspeicher / 2-fach CD-Rom Laufwerk

    Einleitung:
    Was kann man eigentlich von einem "One-Man-Project" erwarten?
    Diese Frage stellte sich mir beim Test von Vandell - Knight of the Tortured Souls.
    Schließlich wurde dieses Spiel fast im Alleingang von Kiril Hristanow entworfen und programmiert.
    Lediglich die 3D-Animationen der Spielfiguren, sowie Sprachausgabe und Akustik wurden von anderen Personen umgesetzt.
    Sicherlich sollte man seine Erwartungen bei solch einem Projekt nicht allzu hoch ansetzen, der ein oder andere Bug, Logigbruch etc. wird sich schon ins Programm eingeschlichen haben (hat schließlich nur einer dran rumgebastelt), aber das ist in Ordnung, schließlich handelt es sich um ein kostenfreies Fanprojekt, nicht wahr!?
    Ähm, nein, Vandell wurde trotz seiner Indie-Herkunft als kommerzielles Produkt verkauft, der Preis lag wohl seinerzeit um die 30 Euronen.
    Diese Tatsache ändert die Sachlage natürlich komplett, denn ein Spiel das wie ein Hobbyprojekt zusammengestellt wurde und sich dementsprechend präsentiert, hat es freilich nicht leicht im Angesicht des fiesen Reviewers, der sich auf der Suche nach einem neuem "Das Spiel ist Scheiße"-Opfer befindet.
    Aber keine Sorge Kiril, Good ol' Sly macht keinen auf Irate Gamer oder AVGN und versucht die Sache stets aus einem fairen Blickwinkel zu betrachten.
    Außerdem konnte ich mein Exemplar (ca. sieben Jahre nach seinem Release) für wesentlich weniger Geld, als die gnadenlos überteuerten 30€ abgreifen.
    Daher entfällt bei mir zumindest dieser Kritikpunkt ...

    Story:
    Knight of the Tortured Souls - Ritter der gequälten Seelen ...
    Wer denkt, dass sich dieser traurige Titel auf den Helden des Spieles - Adam Vandell - bezieht, irrt sich.
    Es handelt sich um die Bezeichnung, die Vandell einer bestimmten Sorte von Serienkillern gegeben hat.
    Es ist jetzt schon einige Zeit her, seitdem Vandell Benjamin Jack - genannt der Mandarin - dingfest gemacht hat.
    Der Mandarin hatte es sich zur Aufgabe gemacht, blutige Selbstjustiz an Kinderschändern und -mördern zu üben.
    Nach seiner Inhaftierung durch Vandell wurde Jack letztendlich von den Behörden hingerichtet.
    Doch damit ist die Geschichte des Mandarins noch nicht zu Ende, eigentlich fängt sie gerade erst an, denn ein Trittbrettfahrer schickt sich an, die Arbeit seines getöteten Vorbildes weiterzuführen.
    Dies bedeutet für den anständigen Detective Adam Vandell gleich doppelten Ärger: Denn abseits von der Gefahr die sein Beruf mit sich bringt, hegt Adam insgeheim Sympathie für die "Ritter der gequälten Seelen".

    Verübeln kann man es unseren depressiven Polizisten nicht, schließlich hatte er kein leichtes Leben.
    Ein Vater der sich zu Tode soff, ein krimineller Halbbruder und seine ermordete Frau sind nicht gerade die besten Zutaten für eine glückliche Existenz.
    Auch die Mitgliedschaft in einer Söldnergruppe half ihm nicht über den traumatischen Verlust seiner Liebsten hinwegzukommen.
    Letztendlich landete er in "La Herida 5", einem futuristischen Moloch, welcher jedem Blade Runner zu Ehre gereichen würde.
    Dort schloss sich Adam dem örtlichen Polizei-Apparat an und ließ sich - in der Hoffnung den Mörder seiner Frau zu schnappen - zum Detective ausbilden.
    Als Cop bekam er ein sogenanntes GEQ-Implantat in sein Gehirn gepflanzt, das ihm erlaubt die Gedanken seiner Mitmenschen zu lesen - das ideale Werkzeug bei der Befragung von Zeugen.
    Dies alleine wird ihm aber nicht helfen den neuen Ritter dingfest zu machen, zumal die Dinge ganz anders sind, als es anfangs den Anschein hat - Vandell muss sich auf einen schwierigen Fall gefasst machen.

    Die Handlung weiß durchaus zu gefallen, auch wenn sie gerade zu dem Zeitpunkt endet, als es erst richtig interessant wird.
    Zwar wird die Geschichte um den Trittbrettfahrer abgeschlossen, jedoch ergibt sich mit der Auflösung des Hauptplots gleich ein neuer, wesentlich spannenderer Handlungsrahmen bzw. einige offene Fragen, mit denen der Spieler allerdings alleine zurückgelassen wird.
    Und nein, für ein Sequel hat es natürlich nicht gereicht.
    Dennoch bietet der Titel bezüglich Szenario, Atmosphäre, Charaktere und Handlungsrahmen ansprechende Kost für Fans düsterer Science-Fiction-Filme á la Blade Runner oder auch Freunde des Film Noir.

    Gameplay:
    Es handelt sich bei Vandell um ein typisches Point & Click Adventure.
    Die Spielwelt um La Herida 5 setzt sich aus acht Stadtbereichen mit insgesamt 18 Screens zusammen, in denen hauptsächlich typische Inventarrätsel gelöst werden wollen.
    Folglich suchen wir jeden Screen nach Gegenständen für unsere Itemleiste am unteren Bildschirmrand ab, kombinieren diese untereinander und versuchen den korrekten Verwendungszweck für diese herauszufinden.
    Per Druck auf die Leertaste schaltet die Itemleiste auf das Stadtteil-Auswahlmenü um - recht praktisch, um sich den Laufweg zum regulären Stadtteilausgang zu sparen, denn Adam ist recht langsam zu Fuß und kann auch nicht rennen.

    Ansonsten gestaltet sich die Steuerung aber gewohnt angenehm.
    Der Bildschirm wird hierbei mit einem Cursor abgesucht, der seine Farbe von weiß zu rot ändert, wenn an einer Stelle interagiert werden kann.
    Mit den beiden Maustasten können diese "roten" Bereiche dann aktiv (linke Taste) oder passiv (rechte Taste) untersucht und begutachtet werden - also nichts Neues im Adventure-Genre.
    Eine kleine Innovation gibt es dann aber doch.
    Wie im Storybereich bereits angesprochen verfügt Vandell über ein Implantat mit dem er die Gedanken seiner Mitmenschen lesen kann.
    Mit einem Doppelklick auf die Rechte Maustaste kann man diese Fähigkeit nun aktivieren und auf die NPC's anwenden, um zusätzliche Infos zu erhalten.

    Abgesehen davon spielt sich Vandell recht gewöhnlich, die Qualität der Rätsel ist aber leider recht durchwachsen ausgefallen.
    Während viele dieser Rätsel logisch nachvollziehbar sind, haben sich auch einige sehr wirre Konstruktionen eingeschlichen (Achtung Spoiler!).
    Da muss eine Kreditkarte an einer bestimmten Stelle scharf geschliffen werden, damit man etwas mit ihr zerschneiden kann (warum nicht einfach ein Messer für diese Aufgabe verwenden?) oder aber wir müssen die richtigen Parole für einen Türsteher herausfinden - und glaubt mir, der Ort wo man diese Parole findet ist dermaßen hanebüchen und unglaubwürdig, dass einem glatt die Kinnlade runterklappt!

    Diese Problematik ist natürlich ärgerlich genug, aber der Hauptkritikpunkt an Vandell ist die geradezu lachhaft geringe Spieldauer von ca. 3 Stunden.
    Wer weiß was er tut, kann das Spiel sogar in einem halben Stündchen abschließen.
    Und selbst diese halbe Stunde kommt auch nur deswegen zustande, weil sich Gespräche nicht abbrechen lassen und sich Adam - wie bereits gesagt - recht langsam fortbewegt.

    Obwohl ich den Titel jetzt nicht schlechter dastehen lassen möchte, als er ist (ich habe tatsächlich meinen Spaß mit dem Spiel gehabt!) muss ich mich an dieser Stelle auch noch über die Bugs beschweren.
    Dank dieser durfte ich das Game nämlich mehrmals komplett von Vorne beginnen.
    Dieser Umstand liegt auch im zweifelhaften Speichersystem begründet.
    Ähnlich wie in Hollow Earth speichert das Game den Spielfortschritt nämlich völlig automatisch, sobald man das laufende Spiel mit der Esc-Taste zum Hauptmenü verlässt - und das in einem einzigen Saveslot!
    Und dieser wird natürlich wertlos, sobald man einem Bug aufläuft ...

    Die Bugs äußerten sich in der Itemleiste, die wohl etwas unsauber programmiert wurde.
    Da kann es schon mal passieren, dass auf einmal ein Slot von zwei Items gleichzeitig belegt wird, oder dass ein Gegenstand nicht richtig "einrastet".
    Ja, richtig gelesen, man muss hier die Items eigenständig ins Inventar ziehen!
    Eigentlich kein Problem, nur leider kann es dabei zu diesen unschönen "Unfällen" kommen.
    Die Konsequenz hieraus ergibt sich im Verlust eines notwendigen Gegenstandes und der daraus resultierenden Sackgasse.
    Und da man keine zusätzlichen Spielstände anlegen darf, führt dieses Problem letztendlich zu einem ärgerlichen Neubeginn des Spieles.
    In Anbetracht dessen, dass wir es hier mit einem 30 Minuten Spiel zu tun haben wiegt dieser Mangel natürlich nicht ganz soo schwer ... Aber hey! Das wäre jetzt aber geschummelt aus einem großen Fehler einen kleinen zu machen, nur weil er durch einen anderen großen Fehler halbwegs kaschiert wird, oder nicht!?
    Verdammt! Ich halte jetzt besser mal meine Klappe, ich komme mir langsam vor wie einer dieser Youtube-Nörgler ...

    Ok ok, das war jetzt wirklich eine ganze Wagenladung an negativer Kritik!
    Ich wiederhole aber gerne noch mal, das Vandell trotz allem kein schlechtes Spiel ist.
    Das Gameplay ist unterm Strich recht solide und andere Adventures, die teils in den Himmel gelobt wurden, leiden ja auch unter einigen absurden Rätselkonstrukten.
    Außerdem bietet Vandell eine wirklich gelungene Atmosphäre, schicke 2D-Grafiken und ein wirklich stylisches Artdesign.
    Schön fand ich auch den Verzicht von unnötigen Aufsammel- und Laufanimationen, wenn es darum geht einen Gegenstand ins Inventar zu ziehen (dies geschieht sozusagen an Ort und Stelle, ohne großes Brimborium), eine Sache die von manchem als zusätzlicher Kritikpunkt ausgelegt wurde, aber in meinen Augen eine positive, da zeitsparende Angelegenheit ist.
    Außerdem ist es mir gelungen das Spiel ohne Komplettlösung zu meistern, ein Umstand der zugegebenermaßen auch im geringen Umfang der Spielwelt begründet liegt, aber immerhin!

    Grafik, Sound und Präsentation:
    Grafik: In grafischer Hinsicht sollte man nicht mit falschen Erwartungen an das Spiel herangehen.
    Es wird hier hauptsächlich mit Hand gezeichneten 2D-Hintergrundscreens gearbeitet.
    Diese sehen dafür aber wirklich schick aus und tragen eine ganze Menge zur düster/depressiven Stimmung der Spielwelt bei!
    Auch das von japanischen Animes/Mangas inspiriert wirkende Art/Charakterdesign wusste zu gefallen.
    Vor allem, da sich trotz der asiatischen Vorbilder ein eigener, unverbrauchter Stil erkennen lässt.
    Vandell basiert ja auch auf einem unveröffentlichten Comicbuch von Herrn Hristanow, und dies merkt man dem Spiel in optischer Hinsicht auch sofort an.
    Der Protagonist und ein Großteil der NPCs werden in annehmbarer 3D-Grafik dargestellt.
    Nichts weltbewegendes in diesem Segment der Grafik, der Zweck der Sache wird jedoch erfüllt.
    Die Auflösung beträgt 800x600 Pixel.

    Sound: Bezüglich des Soundtracks bekommt man das zu hören, was man von solch einem Szenario zu erwarten hat.
    Jeder Screen bzw. Stadtbereich bekam hierbei seinen individuellen und passenden Track bzw. Ambient-Stück spendiert.
    Alternativ gibt's auch ungemütliches Gewittergrollen oder Hundegebell im Hintergrund; nett gemacht.
    Als gelungen kann auch die Sprachausgabe bezeichnet werden, vor allem der Protagonist wurde hier gut belegt.
    Kurz gesagt gibt es in akustischer Hinsicht nicht wirklich etwas zu bemängeln.
    Man könnte kritisieren, dass die Sprachausgabe nicht durchgängig ist.
    Vertont wurden nur Gespräche mit NPCs sowie die Zwischensequenzen.
    Erläuterungen über untersuchte Objekte und dergleichen gibt es hingegen nur in Schriftform.
    Aber ganz ehrlich, ich habe in dieser Hinsicht nichts vermisst, also scheiß drauf.
    Und immerhin bedeutet dies auch, dass wir von hohlen Phrasen bei einer inkorrekten Itemkombination verschont bleiben.

    Präsentation: Unterm Strich kann die Gesamtpräsentation von Vandell nicht nur als gelungen bezeichnet werden, sie ist auch die größte Stärke der kleinen Indie-Produktion.
    La Herida 5 entpuppt sich als unangenehmer Dark-Future-Moloch, und der Protagonist ist ein desillusionierter und depressiver Detective wie aus dem Film Noir-Bilderbuch.
    Zugegeben, originell ist was anderes, allerdings erfüllen diese Zutaten durchaus ihren Zweck und machen Vandell somit zumindest für Fans dieser Szenarios zu einem interessanten Ableger.

    Fazit:
    Tjaaa, wie soll man Vandell nun bewerten?
    Es ist eine One-Man-Show, und als solche macht das Ding schon eine verdammt gute Figur!
    Andererseits wurde der Titel kommerziell für eine hohe Geldsumme verkauft und sorgte damals in Kombination mit dem sehr geringen Umfang für ein katastrophales Preis-Leistungs-Verhältnis.
    Aber mir fällt gerade ein, dass ich diesen Kritikpunkt nicht aufbauschen wollte, da er ja nicht mehr wirklich relevant ist ...
    Letztendlich reicht es trotz aller Mängel zu einer kleinen Empfehlung für Adventure-Fans mit Hang zum Film Noir und dystopischer Cyberpunk-Science-Fiction.
    Auch Freunde charmanter kleiner Indie-Produktionen dürfen ruhig einen Blick riskieren.

    Negative Aspekte:
    nur ein Saveslot / Bug in der Itemleiste / die beiden oben genannten Kritikpunkte führen in Kombination zu ärgerlichen Neuanfängen / Gespräche können nicht übersprungen werden / minimaler Umfang, Spieldauer von 30 Minuten – 3 Stunden

    Positive Aspekte:
    One-Man-Project / tolles Art-Design, hübsche 2D-Grafiken / gute Sprachausgabe und Sounduntermalung / nett umgesetzte Story und Spielwelt

    Infos zur Spielzeit:
    Sly Boots hat sich 2-10 Stunden mit diesem Spiel beschäftigt.

    Vandell - Knight of the Tortured Souls

    Spielspaß
    Gesamtwertung
    Wertung von: Sly Boots
    6.6
    Multiplayer
    -
    Grafik
    7/10
    Steuerung
    7/10
    Sound
    8/10
    Gameplay
    6/10
    GameZone
    Spielspaß-Wertung
    6.0/10
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • Vandell - Knight of the Tortured Souls
    Vandell - Knight of the Tortured Souls
    Publisher
    Blackstar Interactive GmbH (DE)
    Developer
    Atmosphere Studios
    Release
    08.2002

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Vandell - Knight of the Tortured Souls
Vandell - Knight of the Tortured Souls: Kommerzialisierte Ein-Mann-Produktion - Leser-Test von Sly Boots
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18.01.2011
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