Deck 13 ist bekannt dafür, totgeglaubten Genres noch einmal Leben einzuhauchen. Bei Venetica klappt das aber nur bedingt.
Das deutsche Studio Deck 13 ist eigentlich dafür bekannt, statt dem ewig gleichen Mist tolle Spiele abzuliefern, die auch gerne mal als Beispiel herangezogen werden, um zu zeigen, dass ein totgeglaubtes Genre (namentlich: Adventures) noch weit vom Exitus entfernt ist. Mit Venetica haben sich die Jungs und Mädels aus Frankfurt aber übernommen: Das Spiel wirkt unfertig, technisch wie von gestern und dazu auch noch spielerisch zu einfältig. Dabei hätte man die Ideen so toll umsetzen können!
Venetica
Die junge Scarlett ist frisch verliebt und hat eigentlich ganz andere Dinge im Kopf als solch düstere Themen wie Rache oder den Tod. Warum sollte sie auch, sie lebt im 16. Jahrhundert in einem Bergdorf in der Nähe Venedigs, genießt einen herrlichen Blick über die fantastische Stadt und führt, bis auf die ganz normalen Probleme die junge Mädchen eben haben, ein unbeschwertes Leben. Dieses unbeschwerte Leben soll schlagartig enden als ihr Dorf von finsteren Schergen überfallen wird, die ganz offensichtlich jemanden suchen und dabei nicht zimperlich vorgehen. Sie schlachten sich regelrecht durch das Dorf und als sie auf Scarlett treffen scheint auch ihr Schicksal besiegelt. Doch todesmutig wirft sich ihr Verlobter Benedict vor sie und fängt die tödliche Lanze, die eigentlich ihr galt, ab. So stirbt er in ihren Armen noch bevor sie ihre Liebe offiziell machen können.
Venetica
Der Verlust entfacht in Scarlett tiefe Wut. Sie zieht aus, um ihre große Liebe zu rächen. Anfangs, so scheint es, läuft es damit auch richtig gut, bis das schmächtige, kleine Ding erfährt, dass sie die Tochter des Todes ist... "Vom Tod? Hä?" wird man sich nun vielleicht fragen? Ja, Scarlett ist in der Tat mit der Verkörperlichung des Todes verwandt, der komischerweise ein wenig aussieht, als hätte er einen kiloschweren Rüssel im Gesicht hängen. Ein wenig erinnert die Geschichte an einen Pratchett-Roman aus der Scheibenwelt-Reihe, aus ihrer Inspirationsquelle machen aber auch die Entwickler keinen Hehl. Vom Tod in das Drumherum eingeweiht erfahren wir, dass ein Größenwahnsinniger nicht nur alle irdische Macht an sich reißen will, sondern auch nach der Überirdischen im Totenreich trachtet. Nur Scarlett, als Pendlerin zwischen der realen und der Totenwelt, kann die Verschwörung aufdecken und die sogenannten Untoten Fünf niederstrecken...
Sehr konsequent vergeigt
Venetica
Die Story klingt zu Beginn relativ interessant. Mehr als "interessant klingen" vermag Deck 13 mit Venetica aber nicht, selten hat man auf dem Markt ein Spiel gesehen, das so konsequent all seine guten Ideen fallen lässt und sie schlecht oder gleich gar nicht umsetzt. So lernt Scarlett sehr schnell in die "andere Welt" einzutauchen, in die ihr normale Menschen nicht folgen können. Bis auf das man sich mit diesem kleinen Zaubertrick an Feinde anpirschen oder aber um sie herum schleichen kann, ist der Kniff nur selten so in die Geschichte und das Gameplay implementiert, dass es eine sinnvolle Erweiterung darstellt. Auch findet man in der Schattenwelt der Toten häufiger geheimnisvolle Nexus-Portale, die sich aber als langweilige Räumchen herausstellen, in denen fast immerzu eine Kiste "versteckt" ist. Dass der Loot nicht der Rede oder gar den Aufwand wert ist, zwei mal Ladebildschirme zu sehen und insgesamt fast drei Minuten Lebenszeit für so ein langweiliges Portal zu vergeuden, merkt man nach spätestens dem dritten Mal ...
