Voodoo Vince: Fühl' seinen Schmerz im Gamezone-Test

Test Peter Grubmair

Voodoo Vince tut sich selbst weh um Gegner zu besiegen, was für ein ganz eigenes Gameplay sorgt.

Mein Schmerz ist dein Schmerz...

Madame Charmaine ist in Schwierigkeiten. Als Voodoo-Hohepriesterin und Inhaberin des besten Voodoo-Shops in Port-au-Prince ist sie vor allem wegen ihres superwirksamen Zombiepulvers weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Auf dieses Pulver eben hat es auch ihr Widersacher Kosmo abgesehen, ein kleiner Wichtigtuer, der, seit er in der siebten Klasse sitzen geblieben ist, nicht mehr viel dazugelernt hat. So kommt es, dass er seine unterwürfigen Helfer in Madame Charmaines Voodoo-Shop schickt um das wertvolle Pulver zu besorgen. Doch wie zu erwarten geht alles schief und der Diebstahl entwickelt sich zur Katastrophe. Die tollpatschigen Einbrecher verschütten das Pulver im ganzen Laden und schaffen es gerade noch sich Madame Charmaine zu schnappen. Dabei entgeht ihnen vollkommen, dass auch Voodoo Vince, die drittliebste Voodoo-Puppe Charmaines, eine kräftige Portion des Zauberpulvers abbekommt, woraufhin er zum Leben erweckt wird. In ihrer Not nimmt Madame Charmaine telepatischen Kontakt mit dem kleinen Voodoo Vince auf und geleitet ihn fortan bei ihrer Rettung, die spektakulärer sein wird als es sich der kleine Voodoo Vince in seinen wildesten Träumen vorzustellen wagte. Und die können ziemlich hart sein, denn wir dürfen nicht vergessen, Voodoo Vince ist eine Voodoo-Puppe, und wir wissen ja alle was man mit so eine Puppe alles anstellen kann.

Bei "Voodoo Vince", entwickelt von Beep Industries und vertrieben von den Microsoft Game-Studios, handelt es sich im Grunde um ein ganz normales Jump'n Run, mit dem entscheidendem Unterschied allerdings, dass man im Spiel die gesamte Bandbreite der Fähigkeiten einer Voodoo-Puppe ausnutzen kann und muss. Achtet man in ähnlichen Spielen vorrangig auf das Wohlergehen des Spielcharakters, setzt man das Leben von Voodoo Vince in diesem Game ganz gezielt aufs Spiel. Anhand der zur Verfügung stehenden Voodookräfte nämlich kann man der kleinen Stoffpuppe diverse Gemeinheiten antun, welche sich unmittelbar auf die in der Nähe befindlichen Gegner auswirken. Ganz klassisch kann man sich z.B. eine Handvoll Nadeln durch den Körper jagen, sich etwas fantasievoller im Mixer zerstückeln oder gleich von einem Amboss erschlagen lassen. Daraufhin zerplatzen die Gegner und hinterlassen eine Anzahl bunter Kugeln, welche wir geflissentlich einsammeln um so wieder neue Power für den nächsten Voodoo-Zauber zu erhalten. Größerer Gegner hingegen entledigt man sich indem man ganz besonders martialische Todesarten sucht, wie ein Riesensprung in einen Haufen Spieße, oder man lässt sich gleich das ganze Haus auf den Kopf fallen. Daneben gibt es die Jump'n Run typischen Aufgaben zu erledigen, wie das möglichst komplette Leerräumen der Level, damit wir auch an alle verschiedenen Voodoo-Zauber und den Bonusdingen zu kommen, welche erst freigeschaltet werden wenn wir alle Items einer bestimmten Art gesammelt haben. Dabei ist es ganz angenehm, dass wir jeden Level jederzeit wieder betreten können, wozu wir aber nicht die oft weit entfernten Ein- und Ausgänge benützen müssen, sondern die praktische Trambahn nehmen können. In allen Leveln nämlich gibt es meist mehrere Trambahnstationen, die eine direkte Verbindung zu allen anderen bereits freigeschalteten Leveln darstellt.

Das Leveldesign selbst glänzt wegen seiner raffinierten Aufgaben die zu erledigen sind. Ein stures Durchlaufen dieser führt meist nicht zum Ziel, stattdessen will die Situation gut analysiert und das gebotene Rätsel erst erkannt und dann selbstverständlich auch gelöst werden. In der recht bald vorkommenden Kleinstadt z.B. gibt es verschiedene Ladengeschäfte, welche allesamt andere Öffnungszeiten haben. Um nun die gestellte Aufgabe zu erledigen muss man die Rathausuhr auf die gewünschte Zeit stellen und kann sodann den jeweiligen Laden aufsuchen. Im Verlauf des Spiels werden die gestellten Aufgaben immer komplizierter und verlangen mitunter schon den mehrmaligen Anlauf bis man die gestellte Aufgabe erkannt hat. An solchen Stellen würde man sich oft eine genauere Instruierung wünschen, denn es ist nicht immer ganz klar was es als nächstes zu erledigen gibt. Besonders der Level im Haus der Dolly-Puppe mit ihren drehbaren Stockwerken wird so manchen Spieler in den Wahnsinn treiben. Generell muss man nämlich anmerken, dass sich das Leveldesign den ein oder anderen unschönen Ausrutscher erlaubt, der eigentlich in einem modernen Jump'n Run nichts mehr verloren hat. So z.B. schon ziemlich zu Beginn, wo sich die Designer einen See ausgedacht haben, auf welchem Baumstämme, Regentonnen und Holzkisten in bester Frogger-Manier kreuz und quer über das Nass schwimmen, während manche munter unter die Wasseroberfläche tauchen und wieder aufschwimmen. Ähnliches trifft auf den Level mit dem ruhelosen Butler zu, welcher uns durch einen riesigen und bodenlosen Raum führt, den wir nur auf seinen schnell verblassenden Fußspuren durchqueren können. Ein Schritt daneben genügt um sein virtuelles Leben auszuhauchen. Es gibt wohl kaum Spieler denen es Spaß macht über solche konstruierten Gemeinheiten ihre Spielzeit zu verplempern bis sie endlich die Ausgeburten des Designer überwunden haben. Fairerweise muss man aber sagen, dass diese Levelschwächen nur Ausnahmen darstellen, meist kommt man ganz gut durch das Spiel.

Die Steuerung von Voodoo-Vince gestaltet sich sehr einfach und die Puppe gibt sich alle Mühe genau das auszuführen was der Spieler verlangt. Trotzdem fällt einem vom ersten Augenblick an die Ähnlichkeit zu einem gewissen dicken Klempner auf, denn Voodoo beherrscht nicht nur den bekannten Doppelsprung, auch die Stampfattacke gehört in sein Bewegungsrepertoire. Die Schwebefähigkeit von Voodoo-Vince hingegen erinnert stark an Raymans rotierende Ohren, denn wie dieser kann man Voodoo-Vince langsam nach unten schweben lassen. Das wichtigste Feature freilich ist die Voodoo-Attacke, welche ausgelöst wird indem wir beide Schultertasten gleichzeitig drücken, vorausgesetzt wir haben genug bunte Kugeln eingesammelt. Haben wir das nicht, kann sich Voodoo-Vince noch mit den blanken Fäusten wehren, was zwar nicht sehr effektiv ist, trotzdem besser als gar nichts.
Die zwischen den Hauptleveln angeordneten Minigames steuern sich meist noch einfacher, wie der Flug mit dem gasbetriebenen Flugzeug oder das Zielen mit diversen Kanonen oder Armbrüsten, mit welchen sich Voodoo vorzüglich selbst durch die Gegend katapultiert.

Die gebotene Grafik zeigt uns viele obskure Gegenden die allesamt gut in die scheingruselige Umwelt der Geschichte passen, glänzt aber vor allem mit einem herrlichen Vince, der eine Mimik besitzt wie es dem Hauptcharakter eines Jump'n Run' gebührt und bis auf die letzte Naht aussieht wie eben eine Voodoo-Puppe auszusehen hat. So verdient schon alleine sein Gang mit den viel zu kurzen Beinen einen Preis, aber auch die Spielereien die Vince bei Langeweile mit seinem Auge aufführt wissen zu gefallen. Doch auch die anderen Bewohner der Welt sind meist herrlich detailliert und animiert. Dies trifft zwar ebenfalls auf die Level zu, allerdings sind viele recht dunkel gehalten, was nicht hätte sein müssen. Das dürften auch die Entwickler selbst gemerkt haben, denn das Intro-Video, welches immer gezeigt wird wenn kein Spiel läuft, ist deutlich aufgehellt und zeigt so manchen Level wesentlich heller als er im Spiel selbst dann ist.
Technisch entspricht die Grafik gehobenerem Standard, Special-Effect's werden gezielt aber nicht zu oft eingesetzt, wie z.B. Spiegelungen in den Pfützen oder die Verformung der Umwelt beim Einsatz des Voodoo-Zaubers. Von einem Xbox exklusiven Spiel allerdings hätten wir etwas mehr erwartet, auch wenn die technische Umsetzung mit einem einwandfreiem 60 Herz Mode aufwartet, dafür hat man sich eine Anpassung für 16:9 Fernseher gespart.

Die Soundkulisse beschallt uns neben den gut gemachten englischen Synchronstimmen mit viel jazzigen Tönen die hervorragend für eine entsprechend pseudogruselige Atmosphäre sorgen, die eine angenehme Abwechslung im Einerlei der Jump'n Run Vertonung darstellt. Jedes Areale besitzt selbstverständlich seinen eigenen Sound und ist so schon an der Musik zu erkennen. Besonders lustig in diesem Zusammenhang ist das Minigame vor der Jazzkneipe, wo man mit einem toten Musiker ein Duett zu blasen hat.

Meinung

Wertung zu Voodoo Vince: Fühl' seinen Schmerz (XB)

Wertung:

7.7 /10
Pro & Contra
Gelungener Hauptcharakterwitziges Voodoo-Featureanspruchsvolles Leveldesign60 Herz Mode
Zwei bis drei unausgereifte Stellen im Leveldesignzu viele dunkle Areale mit wenig SichtAufgaben nicht immer ganz klarmit max. 10 Stunden Spielzeit nicht unbedingt das längste Spielvergnügen
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