WRC: FIA World Rally Championship im Gamezone-Test

Test Michael Sosinka

Endlich wieder ein offizielles WRC Rally-Game, welches aber noch Spielraum nach oben lässt.

Das letzte Rallygame mit der offiziellen WRC Lizenz liegt nun schon ganze fünf Jahre zurück, während derer wir zwar durchaus einige gute Rallyspiele geboten bekamen, eine richtige Simulation aber, die uns echte Lizenzen, Fahrer und Autos bot, gab es nicht, für die aktuelle Konsolengeneration sowieso nicht. Genau diese Lücke schließt nun WRC: FIA World Rally Chamionship des italienischen Studios Milestone, denn Colin McRae DiRT ist vom Rallysport bekanntlich recht weit weg.

Umfassendes Lizenzpaket

WRC: FIA World Rally Championship WRC: FIA World Rally Championship Der Rallysport unterschied sich schon immer von allen anderen Motorsportarten auf vier Rädern. Wo man normalerweise gegen mehrere Gegner gleichzeitig antritt um um den ersten Platz zu kämpfen, hat man es bei einer Rally nur mit einem Gegner zu tun, der Piste. Während in anderen Motorsportarten auf abgesteckten Rundstrecken alles unternommen wird um die Sicherheit für die Fahrer zu erhöhen, Auslaufzonen eingerichtet und dicke Wälle aus Gummi aufgestellt werden, legt man es beim Rallysport auf das Gefahrenmoment regelrecht an. Direkt an der Straßenkante aufgestellte Steinblöcke gehören ebenso zur Herausforderung der sich ein Rallyefahrer stellen muss wie tödliche Abhänge oder meterhohe Sprünge. Und so wie die Piste der Feind des Fahrers ist den es zu bezwingen gilt, so ist sein Beifahrer der einzige Freund den er hat. Er ist es, der ihn, im wahrsten Sinne des Wortes, mit überlebenswichtigen Informationen versorgt, und das genau in der Sekunde in der er diese braucht. Wer nicht versteht was das witzige an der Aussage "Sechs links über Sprung in Haarnadel rechts" ist, der hat noch nie den Nervenkitzel erlebt den man verspürt, wenn man mit 380 PS unter der Haube versucht ein kaum 1.000 Kilo schweres HiTec-Fahrzeug mit Höchstgeschwindigkeit durch einen Wald zu jagen, wo schon wenige Zentimeter abseits der Piste das Ableben bedeuten können.

WRC: FIA World Rally Championship WRC: FIA World Rally Championship Genau diesen Nervenkitzel versprechen uns die italienischen Milestone Studios mit WRC: FIA World Racing Championship. Der Titel bietet uns die vier WRC-Lizenzen J-WRC, P-WRC, S-WRC und WRC, durch die man sich in der vorhandenen Karriere quasi von unten nach oben durcharbeitet. Auf den ersten Blick ist das Lizenzpaket als vollständig zu bezeichnen, denn es bietet uns alle Orte, Autos, Fahrer, Beifahrer und Klassen der WRC. Interessantes Detail hierbei ist, dass die Beifahrer in fünf Sprachen lokalisiert wurden, wir uns also darauf verlassen können einen deutschsprachigen Beifahrer bzw. eine deutschsprachige Beifahrerin an unserer Seite zu haben. Auf 550 virtuellen Kilometern gilt es 13 Rallys, darunter Portugal, Deutschland, Japan oder Frankreich zu bewältigen. Maximal geht eine Rally über sechs Etappen mit durchschnittlich jeweils sieben Kilometern, die in vier bis fünf Minuten durchfahren sind. In den echten Rallys werden weitaus mehr Spezialprüfungen gefahren. Demnach wurden die Abschnitte auch nicht 1:1 nachgebaut, auch wenn es viele charakteristische Merkmale der realen Vorbilder zu bewundern gibt.

Simulation oder doch Arcade?

WRC: FIA World Rally Championship WRC: FIA World Rally Championship WRC ist keinesfalls ein reines Arcade-Spiel wie DiRT. Von der staubigen Steinwüste über die matschigen Untergründe bis hin zu Schnee und Eis gibt es alles, was dem Fahrer das Leben schwer macht. Die Fahrphysik ist gut genug, damit man die verschiedenen Auswirkungen der Untergründe und Kräfte, die auf das Fahrzeug einwirken, sofort spürt. So ganz konsequent ist die Physik-Engine jedoch nicht. Zum einen hat man nicht richtig das Gefühl, sich in den Dreck hinein zu wühlen, zum anderen prallen die Fahrzeuge völlig unrealistisch von Steinen und Begrenzungen ab. Selbst die kleinsten Hindernisse, die man mit einem Rallywagen normalerweise umpflügen würde, sind teils unüberwindbare Mauern. Immerhin prallt man nicht von jedem kleinen Busch ab. Dennoch, WRC ist herausfordernd. Obwohl sich das Spiel irgendwo zwischen Simulation und Arcade bewegt, muss man zu 100 Prozent konzentriert sein, um eine Stage heil zu überstehen. Eine Rückspul-Funktion gibt es nicht.

WRC: FIA World Rally Championship WRC: FIA World Rally Championship Vor jeder Etappe verändern wir anhand von neun Schiebereglern die Einstellungen des Fahrzeugs, darunter Bodenfreiheit, Differenzial oder die Bremsbalance. Simulationsfreaks wird das zu wenig sein, zumal die Änderungen oft nicht genügend Wirkung zeigen. Ein weiteres Problem ist, dass man sein Setting nicht vorher ausprobieren darf. Dies geschieht erst in den Wettbewerben selbst. Ein weiterer negativer Umstand ist, dass die Reifen automatisch gewählt werden. Einen Einfluss hat man als Spieler darauf nicht. Zudem ist es nicht ersichtlich, aus welchen Untergründen eine Etappe besteht, was die Einstellung des Wagens deutlich erschwert. Eigene Setups können natürlich gespeichert werden, während Anfänger auf vorgegebene Einstellungen zurückgreifen können und damit ebenfalls gut fahren. WRC ist wahrlich keine Hardcore-Simulation wie Richard Burns Rally und bietet uns allerlei Fahrhilfen an. Ein fast stufenlos einstellbares Antiblockiersystem, ein elektronisches Stabilitätsprogramm sowie die vielleicht unbeliebteste Fahrhilfe, die automatische Bremse, man hat reichlich Auswahl zur Verfügung. Im Endeffekt können sich Anfänger das Spiel so einstellen, dass es relativ nah an ein DiRT herankommt. Nichtsdestotrotz muss man sich mit stets ausbrechenden Wagen und anspruchsvollen Drifts auseinander setzen. Wer gute Zeiten auf den Matsch knallen will, braucht viel Übung. Mit wahlweise manueller Schaltung ist das dann noch schwieriger zu bewerkstelligen.

Nicht ganz stimmig

WRC: FIA World Rally Championship WRC: FIA World Rally Championship Wie aber bereits erwähnt, ist WRC an vielen Punkten inkonsequent. Klar, man fährt gegen die Uhr, doch normalerweise kommt es vor, dass man in der Realität dennoch auf andere und langsamere Fahrzeuge trifft. Die ist bei diesem Spiel nicht der Fall. Auch das Schadensmodell ist wenig überzeugend. Zwar kann man Aufhängung, Motor und Co. schrotten, die Auswirkungen von diversen Begegnungen mit Bäumen und Leitplanken zeigen sich jedoch viel zu spät. Übrigens können Neulinge das Schadensmodell auf ein Minimum schrauben. Mit wechselnden Bedingungen muss man sich ebenfalls nicht auseinander setzen. Wenn eine Strecke nass ist, dann bleibt sie auch für alle Zeiten nass. Zwischen den Etappen hat man eine Stunde Zeit, die Karre wieder auf Vordermann zu bringen.

WRC: FIA World Rally Championship WRC: FIA World Rally Championship Und da ein Rallyfahrer eine Strecke normalerweise nicht auswendig lernen kann, sagt uns ein Beifahrer an, welche Kurven wir zu erwarten haben. Dies funktioniert wunderbar, doch irgendwann hört man darauf kaum noch. Die Etappen sind kurz genug, damit man sich schnell einprägt, an welchen Stellen die größten Gefahren lauern. Am übersichtlichsten ist WRC aus der Verfolgerperspektive. Die Cockpitansicht gibt das Rally- und Geschwindigkeitsgefühl zwar am besten wieder, ist aber auch recht unübersichtlich und beengt ausgefallen. Was die Bedienung angeht, stellt sich ein Gamepad oder auch ein Lenkrad als idealer Begleiter dar, da man so das Gas besser dosieren kann. Überraschenderweise kann man jedoch auch mit der Tastatur gute Ergebnisse erzielen.

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