Wargame: Airland Battle in der Vorschau: Flugzeuge, anständige Solo-Kampagne, entschlacktes User Interface - die Standalone-Erweiterung bügelt Probleme des Vorgängers aus

Special Sandro Odak

Nach dem Strategie-Erfolg Wargame: European Escalation arbeiten die Strategie-Experten von Eugene Systems an einer Standalone-Fortsetzung. Wargame: Airland Battle erweitert das Kalter-Krieg-Setting um satte 150 Flugzeuge und entschlackt das HUD. Wir haben überprüft ob das ausreicht, um Wargame für Neueinsteiger zugänglicher zu machen.

Alexis Le Dressay macht gerne Videospiele. Da trifft es sich, dass er Chef eines eigenen Studios ist. Eugen Systems heißt es und wurde durch Strategiespiele wie Act of War und R.U.S.E. bekannt. Was Alexis am meisten schätzt, ist Freiheit beim Spieldesign: "Ich möchte die Spiele machen, die mich interessieren, die ich selber spielen will. Keinen Mainstream, lieber knallharte Strategiespiele." Die Zeitepoche dafür hat der im Kalten Krieg gefunden. Der ist glücklicherweise nicht so ausgelutscht wie ein Weltkrieg und auch gar nicht so lange her. Und weil er "kalt" blieb, bleibt Spielraum für eigene Interpretationen. R.U.S.E. war damals nicht das Spiel, das Le Dressay wollte, vermutlich weil Ubisoft den Strategietitel für Konsolen und Massenmarkt stark casualisiert hat, mit Wargame ist den unabhängigen Entwicklern beim Publisher Focus dann doch der Hardcore-Durchbruch gelungen.

Wargame: Airland Battle in der Vorschau: Flugzeuge, Solokampagne und ein verbessertes User Interface (2) Quelle: Eugene Systems Wargame: Airland Battle in der Vorschau: Flugzeuge, Solokampagne und ein verbessertes User Interface (2) Wargame: Airland Battle ist der erste Nachfolger von European Escalation und selbstständig lauffähig. Die Nato kämpft zwischen 1975 und 1985 in Europa gegen den Warschauer Pakt, einen Fokus setzen die Macher auf Skandinavien. Neu in Airland Battle ist eine Kampagne mit Rahmengeschichte und Luftkämpfe. Wie der Vorgänger strotzt Airland Battle vor militärischen Details und ist ein fast schon ist im Umfang mehr Kriegssimulation als Strategiespiel. Obwohl die Macher das HUD für Neueinsteiger etwas entschlacken wollen, quillt es dennoch mit Informationen und Wahlmöglichkeiten über. Wie genau es die Macher von Wargame nehmen, kann man an den realistischen Details erahnen: Auf der rausgezoomten Übersichtskarte sind Einheiten mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Deshalb werden sie mit echten Nato-Symbolen gekennzeichnet – ein durchgestrichener Kreis im Quadrat ist beispielsweise ein gepanzertes Aufklärungsfahrzeug. Wegen der Vielzahl an Symbolen und dem hohen Detailgrad lohnt es sich, solche Kleinigkeiten im Kopf zu haben.

Zu sehr ins Detail jeder Einheit wird man nämlich nicht gehen können. In Airland Battle gibt es insgesamt über 750 verschiedene Truppentypen, jede davon hat ein Datenblatt mit dutzenden Werten wie Panzerung, Betankung, Munition und Co. Von außen betrachtet wirkt Wargame dadurch wie eine knallharte Simulation – Le Dressay verneint das aber stark. Wargame ist ein Echtzeitstrategiespiel, das den Krieg zwar sehr detailreich darstellen soll, aber trotzdem Spaß macht. Eine Online-Runde 1 vs. 1 soll daher auch im Schnitt etwa eine halbe Stunde dauern und sich nicht ewig in die Länge ziehen.

Im Vergleich zu European Escalation Ist vor allem die Einheitenzahl gestiegen. 350 neue Truppentypen gibt es nun, davon sind 150 Flugzeuge, die es in Airland Battle zum ersten Mal gibt. "Wir wollten das Element hinzufügen, das in Kriegen des 20. Jahrhunderts fast immer im Mittelpunkt stand: Jets."

"Spieler wollen keine Geschichte nachspielen. Sie wollen ihre eigene erleben!"

Wargame: Airland Battle in der Vorschau: Flugzeuge, Solokampagne und ein verbessertes User Interface (6) Quelle: Eugene Systems Wargame: Airland Battle in der Vorschau: Flugzeuge, Solokampagne und ein verbessertes User Interface (6) Realistische Strategiespiele, so Le Dressay, haben für gewöhnlich keine bombastische Story. Die meisten beschränken sich darauf, Geschehenes nachzuerzählen, den Spieler an die immer gleichen Schauplätze der Vergangenheit zurückzuwerfen. Damit soll Airland Battle brechen. "Wir wollen nicht, dass Spieler die Vergangenheit nacherleben. Sie sollen ihre eigene Geschichte formen du erleben." Als Beispiel kann man die Total-War-Serie betrachten. Darin wird der Spieler in ein historisches Setting gesetzt und kann den Wandel der Welt dann durch politische, kommerzielle und militärische Entscheidungen selbst bestimmen. Dieser Teil des "Metaspiels" wird sich in Airland Battle auf einer taktischen Übersichtskarte von Europa abspielen und erstmals können auch politische Entscheidungen getroffen werden.

Die dynamische Kampagne, in der am Ende entweder die NATO oder der Warschauer Pakt als Sieger hervorgehen kann, wird etwa 15 Stunden Gameplay bieten – das ist natürlich nur ein Bruchteil des Gesamtumfangs. Fans werden dutzende Spielstunden in einer Art Skirmish-Modus verbringen können und Online gegen echte Spieler antreten. Solo- und Multiplayer-Teil sollen etwa jeweils 50% des fertigen Spiels ausmachen.

Wargame: Airland Battle in der Vorschau: Flugzeuge, Solokampagne und ein verbessertes User Interface (12) Quelle: Eugene Systems Wargame: Airland Battle in der Vorschau: Flugzeuge, Solokampagne und ein verbessertes User Interface (12) Obwohl Eugen Systems am User Interface arbeitet, um es zu entschlacken und für Neulinge zugänglicher zu machen, wird man trotzdem mit Infos erschlagen. Allein beim Apache-Helikopter, den zeigt man uns beim Preview-Besuch, muss der Spieler Betankung und Munitionierung im Blick behalten. Um Kerosin zu sparen, kann man den Heli landen lassen, im Kampfmodus kann man "lautlos" fliegen, aus Deckungsgründen lautlos über dem Boden schweben oder hoch oben fliegen, um einen größeren Bereich einzusehen. Die Befehlspräzision ist überwältigend, immerhin muss man sich nicht nur um dieses eine Fahrzeug kümmern, sondern dutzende Einheiten gleichzeitig lenken, aber die Komplexität wird sich vermutlich trotzdem in vielen Anzeigen und Schaltflächen widerspiegeln. Ein wenig zugänglicher wird Airland Battle sicherlich, es bleibt trotzdem ein sehr komplexes Hardcore-Strategiespiel.

Wargame: Airland Battle erscheint vermutlich April oder Mai 2013 exklusiv für den PC. Von Konsolen hat Eugene vorerst anscheinend genug: "Der PC als Plattform ist wirklich toll. Die Leute werden immer zum Computer zurückkehren, weil Hardcore-Gamer eigentlich keine andere Wahl haben. Konsolen sind super, aber sie können nie das leisten, was der Computer kann."

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