White Knight Chronicles im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Zunächst pompös, dann ernüchternd. Das JRPG macht durchaus Laune, hat aber auch so seine Macken im Gepäck!

Als Fan japanischer Rollenspiele wurde man seinerzeit auf der Playstation 2 geradezu überhäuft, ja wenn nicht sogar regelrecht verwöhnt. Was die Entwickler auf dieser alten Kiste auch kurz vor der neuzeitlich HD-Generation alles zustande gebracht haben, wirkte wie ein Schlaraffenland - zumindest aus heutiger Sicht! Denn bis auf einige wenige Ausnahmen wie "Eternal Sonata" oder das auf der Xbox 360 beheimatete "Lost Odyssey" konnten nur wenige so genannte JRPGs wirklich überzeugen. Nun schickt sich Sony höchst persönlich an, diesen Missstand auf ihrem Blu-Ray Flaggschiff zu beseitigen und wirft mit "White Knight Chronicles" ein - man kann es nicht anders beschreiben - betagtes Rollenspielwerk von Level 5 ins Rennen. Ein Spiel der "Dragon Quest VIII" bzw. "Dark Chronicles" Macher? Da hegt man trotz der verspätenden West-Release von über einem Jahr fast gar Hoffnungen. Doch die Flamme ist klein, geradezu schwach und kann allzu schnell wieder verblassen ...

White Knight Chronicles White Knight Chronicles Voller Vorfreude wird die Disc ins Laufwerk geschoben, zuvorkommend die Installation sowie anschließend die Logos betrachtet und schlussendlich die schicke Eingangssequenz bestaunt, bevor es mit dem Spielstart in den umfangreichen Charaktereditor geht. Ähnlich "Oblivion" oder diverser MMORPGs gilt es ein virtuelles Ego zu basteln, welches nicht nur charismatische Züge aufweist, sondern individuell besehen auch richtig was her macht. Zugegeben, was uns Entwickler Level 5 an Werkzeuge zur Verfügung stellt, ist außerordentlich und gelungen. Doch wer seinen frisch gebackenen Charakter in späteren Gelegenheiten nicht auf Onlinetouren schickt, wird in den kommenden 20-40 Stunden kaum Früchte für seine mühevolle Arbeit ernten. Denn Held der Geschichte ist keinesfalls euer Avatar, sondern ein klischeehaftes Milchbubili, welcher als Depp vom Dienst Botengänge durchführt und auf klangvollen Namen Leonard hört. Er rettet heldenhaft Prinzessin Cisna und muss schlussendlich dennoch mit ansehen, wie seine bis dato nicht eingestandene Kindheitsliebe von einer mysteriösen Organisation bekannt als die "Magi" entführt wird. Die Turbulenzen während der Feierlichkeiten, das Ableben zweier Oberhäupter und somit die Gefahr eines erneut entflammenden Krieges und das Verschwinden der Thronerbin verheißt nichts Gutes für Balador und wie es - japanischen besehen typisch kitschige und allzu klischeehaft - üblich ist, fühlt sich dieser jugendliche Haudegen dazu berufen, das Schicksal der Welt in die Hand zu nehmen! Na das kann ja mal wieder was werden!

White Knight Chronicles White Knight Chronicles Wie die spannende Einleitung, welche zugegeben die schillernden und teils dezent schockierenden Ereignisse zu Beginn des Abenteuers nur spärlich reflektiert, so auch der weitere Storyverlauf. Den stummen und fast gar durchsichtigen, weil nicht sonderlich prägenden Avatar an seiner Seite, gesellen sich alsbald weitere "Second-Hand" Figuren aus dem RPG-Baukasten dem selbsternannten Helden hinzu. Da hätten wir den klassischen Quälgeist eines abgeschlagenen Mädchens namens Yulie, den in sich gekehrten und nachdenklichen Eldore, die ehemalige Gegnerin Kara und den nicht ganz bei Sinnen befindlichen Caesar. Allesamt weisen sie aber dieselben Charakteristiken auf: Über wenige eigenständige Züge mit humorvollen Einlagen und selten interessanten privaten Einblicken reichen sie nicht weit über ihre Persönlichkeit hinaus und verblassen in der unendlichen Schar schillernder Gestalten. Man könnte sie fast gar mit dem allgemeinen Fußvolk, auch NPC'ler genannt, verwechseln, welches in sämtlichen Städten des Kontinentes nichts als Smalltalk und belangloses Gelaber auf dem Kasten hat.

White Knight Chronicles White Knight Chronicles Die Geschichte ist prinzipiell auch in einem Satz zusammengefasst: Verliebter Held rennt einer Prinzessin hinterher, um sie aus den Klauen der bösen Buben zu befreien. Vage erinnere ich mich noch an einen pummeligen Klempner aus den 80ern bzw. spitzohrigen Kollegen - doch solch abstruse Gedanken wollen wir lieber beiseite lassen. Denn man muss den Entwicklern auch zugute halten, dass die Geschichte wesentlich mehr Tiefgang aufweist und den Spieler auch regelmäßig mit schicken Videosequenzen verwöhnt. Als ausgehungerter JRPG-Freak drückt man daher gerne alle vorhandene Augen zu und amüsiert sich über die herrlich komischen Helden oder erfreut sich an manch pompöser CGI-Sequenz. Denn Größenwahnsinn geht mit der stellenweise schlichten Welt einher. Wenn man zum ersten Mal eine riesige Metropole erbaut auf einem noch größeren Monster durch einen unbeschreiblichen Krater schwanken sieht, bekommt man durchaus eine Gänsehaut. "Shadow of Colossus" stand wohl Pate für solch exorbitante Szenen! Zudem weist das Drehbuch vor allem im späteren Verlauf einige durchaus nette Züge auf, welche wir an dieser Stelle nicht verraten.

Es kommt halt doch auf die Größe an

White Knight Chronicles White Knight Chronicles Mit einem flüchtigen Blick ist es aber leider nicht getan. Weder kommt die Story sofort in Fahrt, noch können die ersten Schritte in der ausladenden Welt wirklich beeindrucken. Die vorhandenen Vorzüge werden erst nach und nach ausgespielt, auch in technischer Hinsicht. Vom stattlich geprägten königlichen Wohnsitz, über zahlreiche Steppen und bisweilen gar üppig begrünten Ebenen, dunklen und unheimlichen Höhlen bzw. Stollen, bis hin zur staubtrockenen, aber sandigen Wüste und dem rauschenden Wasser wird durch die Bank weg erstaunliche Abwechslung für das Auge geboten. Doch trotz einer üppigen Flora und Fauna mit sich im seichten Wind wiegenden Gräsern und Büschen sowie herumfliegenden Insekten und Schmetterlingen, sowie dem Hitzeflimmern im Sandsturm, welches die Wüste gekonnt ins rechte Licht rückt, wirkt die Grafik stellenweise wie angestaubt. Zum Teil regelrecht spärliche und bisweilen detailarme Landstriche verhindern ein epischen Spielgefühl, trotz geradezu überschwänglich pompöser Aufmachung.

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