World Racing - Oder wie man ein Spiel in Grund und Boden fährt
Nur selten gerät einem ein Spiel in die Hände welches einen so kontinuierlichem Abwärtstrend quer durch die Systeme folgte wie World Racing, welches in der letzten Version auf dem Gamecube sogar seinen Zusatz "Mercedes Benz" verloren hat. Doch ist dies bei Weitem nicht das Einzige was man sich gespart hat, denn im direkten Vergleich mit der wirklich fahrbaren PC-Version und der noch erträglichen Xbox-Version hat sich der Gamecube nicht etwa auf PS2-Niveau eingependelt, deren Version schon grottenschlecht war, sondern liegt sogar noch um einiges Darunter. Genau genommen müsste man World Racing als Lehrstück anführen, was man alles an einem Rennspiel falsch machen kann, so dass garantiert kein einziger Spieler mehr Spaß daran findet. So ist es mehr als unerklärlich weswegen das gesamte Spiel mit dicken PAL-Balken versehen ist die noch dazu das Bild ein wenig quetschen, was wohl kaum am fehlenden Platz auf der Disk liegen kann. Während der Rennen stört das aber weniger, die immer auftretenden Ruckeleinlagen schon mehr, die völlig unmotiviert an den verschiedensten Stellen auftauchen. Derweil möchte man zweifeln, dass dies an der gezeigten Grafikpracht liegt, denn von den herrlich belebten Welten wie wir sie vom PC und der Xbox her kennen ist auf Gamecube nicht mehr viel übrig geblieben. Die Autos lassen jegliche Details vermissen, sehen aus als wären sie viel zu dick lackiert, was sie zwar extrem glänzen lässt, aber trotzdem so wirkt als wären die Autos aus Plastik. Ähnliches trifft auf die Umwelt zu, die zum einen wirkt als wäre sie nur extrem niedrig aufgelöst, was wohl auch an den heftig flimmernden Kanten und Treppenstufen überall liegt, und zum anderen viele der ehemals vorhandenen Details schlicht nicht mehr vorhanden sind. Zu allem Überfluss sehen auch die verwendeten Bodentexturen mehr als mies aus. An mancher Stelle meint man ein N64-Spiel vor sich zu haben. Ebenso hoch ist auch der Geschwindigkeitseindruck, der bei 200 km/h wirkt als würden wir den Wagen per pedes anschieben. Das in den anderen Versionen vorkommende Phänomen, dass die Computerfahrer in ihren Autos wesentlich höhere Endgeschwindigkeiten erreichen als es das Auto eigentlich zulassen würde, ist auch beim Gamecube vorhanden. So darf man sich nicht wundern von einem Geländewagen, dessen Spitzengeschwindigkeit irgendwo bei 180 km/h liegt, mit weit über 200 Sachen überholt zu werden.
Bevor wir aber das erste Rad auf den Asphalt setzen können zwingt uns Synetic die unübersichtlichsten Auswahlmenüs die mir je in einem Spiel begegnet sind abzuarbeiten. Ein Bildschirm voller Auswahlmöglichkeiten, blinkender Pfeilchen und bescheuert angeordneter Optionen, die noch dazu mit den unpassendsten Bezeichnungen überhaupt gekennzeichnet sind, lässt erst nach intensivstem Studium erkennen worum es überhaupt geht, wo das nächste Rennen stattfindet und warum man sich überhaupt durch zehn Punkte arbeiten muss wo man doch nur das nächste Rennen starten will und eh keine andere Strecke oder Fahrzeugklasse wählen darf.
Ebenso nicht mehr viel übrig ist von den verschiedenen Kamerapositionen geblieben, wovon uns die GC-Version nur noch magere drei Stück anbietet. Zwar fehlte auch schon der PS2 komplett die Innenansicht, auf dem Gamecube aber können wir nur noch zwischen zwei Verfolgerkameras und der auf der Stoßstange wählen. Selbst der Fahrer oder die Fahrerin im Auto bewegen sich nicht mehr und sitzen starr wie Schaufensterpuppen im Wagen.
Leider hat sich Synetic auch bei der Soundkulisse keine Mühe gegeben und präsentiert uns Motorgeräusche die sich anhören wie ein Heißluftföhn auf höchster Stufe. Allerdings macht dieses Geräusch kaum einen Unterschied auf welcher Drehzahl sich der Motor befindet, ebenso ist ein Schaltgeräusch praktisch nicht vorhanden, stattdessen säuseln die Motoren vor sich hin als wären sie als Frauenversteher auf die Welt gekommen. Nur nicht die Stimme erheben sonst könnte sich der Fahrer erschrecken und aus dem Traum von schnellen Autos mit richtigen Motoren gerissen werden.
