Inversion im Gamezone-Test: Aus dem Schwerkraft-Feature hätte man deutlich mehr herausholen können

Test Michael Sosinka

Wenn man einen Third-Person-Shooter mit einem Deckungssystem auf den Markt bringt, der dann auch noch auf einer neuen Marke basiert, dann muss er wirkliche interessante Features bieten, die die Spieler aus den Socken hauen. Inversion hat tatsächlich ein besonderes Alleinstellungsmerkmal, die Schwerkraft. Aber ob das reicht?

Inversion fängt extrem gewöhnlich an. Eine unbekannte Armee, deren Design ein wenig an die Soldaten aus Gears of War erinnert, greift die Menschheit an. Keiner weiß woher sie kommen oder warum sie Kinder entführen und die Erwachsenen versklaven bzw. töten. Sind es Aliens, Wesen aus einer anderen Dimension oder lebten sie vorher unter der Erde (nein, kleiner Spaß)? Jedenfalls will man nach den ersten 1-2 Stunden fast gar nicht mehr weiterspielen. Man geht in Deckung, ballert auf recht durchschaubare Feinde, nutzt die typischen Waffen und denkt ständig an ein Gears of War, nur in etwas schlechter. Hinzu kommt noch, dass die Story so gar nicht mitreißen will und einfach nur lahm inszeniert ist, und zwar in furchtbar hölzernen Cutscenes in Ingame-Grafik. Die zwei Polizisten, deren Rolle man übernimmt, sind gnadenlos austauschbare Protagonisten. Der eine sucht seine Tochter, der andere zieht einfach mit.

Inversion (15) Quelle: Namco Bandai Inversion (15) Und so quält man sich ein wenig durch, bis man irgendwann den Gravlink bekommt, mit dem man die Schwerkraft manipulieren kann. So ist es möglich, Gegner aus der Deckung zu heben, um sie abzuknallen, oder gleich die Deckung nach oben schweben zu lassen. Gegner können aber auch mit dem Gravlink gepackt werden, um sie gegen ihre Kollegen zu schleudern. Die Lutadores, so der Name der mysteriösen Feinde, sind prima Wurfgeschoss, wobei man die Kollegen optional zu sich ziehen kann, um ihnen einen Finishing-Move zu verpassen. Und dann kann man die Schwerkraft verstärken, und alles und jeden zu Boden drücken, was auch ein netter Einfall ist. Irgendwann wird der Gravlink derart verbessert, dass man auch Autos gegen seine Opponenten schleudern kann. Nach einigen Stunden kommt Inversion also etwas in Fahrt, weswegen man kaum noch mit den Waffen ballern möchte und stattdessen Gegenstände und Feinde umher schleudert. Subjektiv betrachtet haben die Ballermänner ohnehin nur sehr wenig Durchschlagskraft, oder die Lutadores verkraften einfach zu viel.

Inversion (20) Quelle: Namco Bandai Inversion (20) Ab und zu gibt es Bossfight zu bestreiten, die teils recht knifflig ausfallen und den überlegten Einsatz des Gravlinks erfordern. Manchmal sind diese Kämpfe aber auch etwas unfair und frustreich gestaltet, während die automatischen Speicherpunkte ebenfalls nicht immer optimal gesetzt wurden. Ab und zu benutzt man den Gravlink sogar für kleinere Physikrätsel, die aber viel zu selten und simpel ausfallen. Hier wurde viel Potential verschenkt, was die eintönige Ballerei aufgelockert hätte. Doch nicht nur der Gravlink sorgt für eine manipulierte Schwerkraft, an dafür vorgesehenen Stellen laufen wir plötzlich an Wänden und Decken entlang, während die Gegner zum Beispiel von der Seite oder von Oben angreifen und dadurch ziemlich verrückte Situationen und Perspektiven entstehen. Im Großen und Ganzen ist die Physikengine aber nicht so ausgefeilt wie bei einem Portal 2, doch sie leistet sich zumindest keine größeren Patzer. Nett ist zum Beispiel, dass einige Deckungen vom Gegner zerschossen werden können, was uns durchaus in Bedrängnis bringen kann. An anderer Stelle fliegt man selbst von einem anvisierten Trümmerteil zum nächsten, aber auch hier nur in dafür vorgesehenen Abschnitten und ohne eine Chance, von den vorgegebenen Flugbahnen abzuweichen.

Inversion (18) Quelle: Namco Bandai Inversion (18) Wenn es um die Grafik geht, dann sieht Inversion nach einem typischen Unreal Engine 3-Spiel aus. An vielen Stellen fehlt die Eigenständigkeit und die Charaktere sind hölzern animiert bzw. wenig detailliert dargestellt. Doch dann sieht man auch coole Gravitationseffekte, wie umher schwebende Trümmer oder sogar ganze Häuser, was ziemlich nett wirkt. Aber im Großen und Ganzen hat Inversion diesen Einheitslook, der nicht wirklich attraktiv ist und von matschigen Texturen dominiert wird. Die Steuerung funktioniert ganz gut, doch dafür konnten sich die Entwickler an 100 ähnlichen Spielen orientieren. Der Soundtrack ist nichts Besonderes, die englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln ist OK, viel mehr kann man dazu nicht schreiben.

Inversion erscheint offiziell nicht in Deutschland, wohl wegen der Gewalt. Häufig werden blutige Fleischklumpen produziert und ein paar Finisher sehen auch übel aus, doch eigentlich sind hier schon ganz andere Spiele erschienen und haben dennoch eine USK-Freigabe erhalten. Jedenfalls ist die Kampagne in ca. 8-10 Stunden durchgespielt. Wahlweise darf man sie mit einem Kollegen im Koop-Modus angehen. Die Versus-Online-Modi für bis zu 12 Spieler sind auf den ersten Blick Standardware und setzen sich aus bekannten Varianten wie Team-Deathmatch, Horde usw. zusammen. Aber dafür kommen die Grav-Spielereien natürlich auch hier zum Einsatz, was ein durchaus interessantes Element in die Matches bringt. Auch wenn hier und da die Gravitation umgekehrt wird, ein "Muss" ist der Multiplayer nicht und wird wohl recht schnell entvölkert sein.

Meinung

Wertung zu Inversion (X360)

Wertung:

6.5 /10
Pro & Contra
ganz nette Gravitationsspielchenteils ungewöhnliche Perspektivengute Steuerung
Beim Gravlink wird sehr viel Potential verschwendetweitestgehend sehr gewöhnliches Gameplay ohne Highlightssehr schwache Story und langweilige Charaktereunspektakuläre UE3-Optik
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