Adidas miCoach im Gamezone-Test: Adidas-Fitnessprogramm für Kinect und Move auf Herz und Nieren überprüft

Test Alexander Winkel

Nintendo machte Fitness-Sport im Wohnzimmer populär, mit Move und Kinect erreichten wir eine neue Evolutionsstufe und mit etwas Verzögerung begibt sich nun auch der deutsche Sportartikelhersteller adidas auf das hart umkämpfte Parkett. Zusammen mit 505 Games erschien vor einigen Wochen adidas miCoach für die Xbox 360 und Playstation 3 und wir haben uns reichlich Zeit für mehrwöchige Trainings genommen, um diesen Titel auf Herz und Nieren zu prüfen.

Wer nur einen flüchtigen Blick auf miCoach riskiert, wird sicherlich den ordentlichen Umfang von über 400 unterschiedlichen Übungen, individuelle Trainingspläne nach Sportart und vor allem der Reiz, von Spitzensportlern wie Basketball-Ikone Dwight Howard, Nationaltorhüter Manuel Neuer, Tennisprofis Andrea Petkovic oder Ana Ivanovic und vielen weiteren Athleten trainiert zu werden, gut heißen. Bis auf die anfänglich etwas längeren Ladezeiten und der doch recht schlichten Optik gibt sich miCoach ganz ordentlich und liefert genau das, was es verspricht: Von Aufwärmrunden über Dehnungen bis hin zum Muskeltraining wird der Körper ordentlich strapaziert und, dies natürlich nur auf längere Sicht, letztendlich auch ordentlich trainiert. Trotz einiger Erfahrung und durchaus vorhandener Kondition konnte uns das Training ins Schwitzen bringen, auch wenn man dies sicherlich in den letzten Tagen auch auf die Außentemperatur schieben könnte.

Adidas miCoach im Gamezone-Test: Adidas-Fitnessprogramm für Kinect und Move auf Herz und Nieren überprüft Neben dem Standard-Fitnesstraining sorgt miCoach vor allem durch speziell auf diverse Sportarten ausgelegte Programme für ein individuell angepasstes Workout. Wer in seiner Freizeit schon Fußball oder Tennis spielt, bekommt hier ein passendes Training vor und nach dem aktiven Sport – und genau darin besteht auch der Unterschied des adidas Produktes. Man möchte das Fitness-Studio oder die Turnhalle erst gar nicht ersetzen, sondern begleitend das Training zum Spitzensportler angehen. Neben den genannten Sportarten deckt der Titel auch Basketball und die hier eher weniger beliebten Disziplinen American Football oder Rugby ab. Da die miCoach Marke schon weit vor der nun veröffentlichten Software von adidas vermarktet wurden, speziell für Jogging-Begeisterte mit Herzfrequenzmesser, Pacer und weiteren tollen Produkten, darf das Lauftraining ebenfalls nicht fehlen. Mit miCoach für die Xbox 360 und Playstation 3 steigern wir somit bei nasskaltem Wetter unsere Kondition im heimischen Wohnzimmer oder gehen spezielle Muskelpartien an, die wir auf dem Rasen beim Kicken dann stark beanspruchen, bzw. ähnliche Situationen. Zwischendurch darf man aber auch in miCoach Highscores in kleinen sportlichen Minispielen aufstellen, welche letztendlich aber verbesserte Koordination und Reaktion des Spielers zum Ziel haben.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den meisten anderen Fitness-Produkten liegt im eigentlichen Trainingsaspekt. Während z. B. Your Shape wie ein Drill Instructor ein Stakkato an Übungen herunter rattert, soll der Spieler in adidas miCoach eher zum Spaß am Sport animiert werden. Wenn die Kraft nachlässt und man die Hanteln kurzzeitig weg legt, werden keine negativen Punkte vergeben oder gar das Training verurteilt! Vielmehr legt auch der Titel eine Pause ein und wartet auf eure Wiederkehr, oder, falls die körperliche Fitness schlicht einen Strich durch die Rechnung macht, auf den Abbruch. Das sorgt für mehr Spaß und weniger Frust, auch wenn die Entwickler leider einem wichtigen Aspekt zu wenig Beachtung schenkten: Die Auswertung der Körperbewegungen funktioniert meistens recht gut, doch hin und wieder auch gar nicht. Weder Move noch Kinect macht diesbezüglich eine perfekte Figur und der Mangel an kompetenter Kritik von unseren Spitzensportlern lässt nicht nur zu Wünschen übrig und degradiert diese zu passiven Figuren auf dem Bildschirm. Dies birgt auch die Gefahr von Verletzungen durch falsch angegangene Übungen. Diesbezüglich stellt man also wieder einmal fest, dass ein reeller Fitness-Trainer doch mehr Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen kann, auch wenn wir zugegebener maßen innerhalb unserer Trainingswochen absolut keine negativ auffallende Folgen hatten. Nach dem Interview auf der letztjährigen gamescom hätten wir aber doch etwas mehr Präzision erwartet, vor allem da ein namhafter Sportartikelhersteller Pate für das Produkt steht.

Adidas miCoach im Gamezone-Test: Adidas-Fitnessprogramm für Kinect und Move auf Herz und Nieren überprüft Die Marke adidas und vor allem miCoach birgt einen weiteren riesigen Vorteil: Die feste Verzahnung von "Spiel" und allen bisherigen miCoach Produkten! Leistungen und Ergebnisse innerhalb der Software können, ein Account auf der Webseite von miCoach vorausgesetzt, an das persönliche Profil übertragen und synchronisiert werden. Verbrauchte Kalorien, die Fitpunkte (so etwas wie ein Zähler für den virtuellen Größenvergleich) und weiteres wird fleißig in die Statistik übernommen und kann unter Freunden, aber auch über Social-Networks verglichen und verbreitet werden. Darüber hinaus kann man den kompletten Trainingsplan vom Computer aus überwachen oder gar überarbeiten und somit Trainingseinheiten verlegen oder neue Pläne anlegen, was mit Maus und Tastatur etwas komfortabler als an den Konsolen geschieht. Darüber hinaus kann laut Hersteller – wir hatten leider keine entsprechende Hardware für einen Test parat – zumindest die Playstation 3 den Herzfrequenzmesser erkennen und somit weitere Diagnosen in die Auswertung übernehmen. Letzteres ist für Jogger zum Beispiel wichtig, welche die Hardware mit ihrem iPhone und der dazu passenden miCoach App verbinden und dadurch auf körperliches Empfinden angepasste Instruktionen erhalten. Jeglicher Sport, jegliches Training, sei es nun an der Konsole oder draußen im Wald wird somit zentral zusammen geführt und verwaltet.

Was nun überaus genial klingt, ist leider aber auch etwas ernüchternd ausgefallen. Auf dem iPhone kann man z. B. weder den Trainingsplan einsehen, noch Änderungen daran vornehmen, obwohl ein Smartphone zu jeder Tageszeit parat liegt und man spontan den Fitnessplan dem eigenen Tagesablauf anpassen könnte. Diese App ist derzeit schlicht auf das Joggen ausgelegt und trackt die Strecke wie auch die körperliche Anstrengung. Auch werden nicht alle Statistiken aller Geräte zurück synchronisiert, so dass verbrauchte Kalorien in freier Natur zwar auf der Webseite aktualisiert sind, nicht aber auf der Xbox 360 oder Playstation 3 angezeigt werden. Die Vernetzung der Daten ist leider nur halbherzig durchgezogen und hätte viel mehr Potential als derzeit gegeben. Man kann nur hoffen, dass die Entwickler vor allem mit Updates der mobilen Apps nachziehen und die Kombination aus heimatlichem Vortraining und sportlicher Aktivität im Verein und in der freien Natur stärker ins Rampenlicht bringt.

Adidas miCoach im Gamezone-Test: Adidas-Fitnessprogramm für Kinect und Move auf Herz und Nieren überprüft Zum Schluss gilt noch zu erwähnen, dass beide Versionen sich ähnlich gut spielen lassen und sowohl Kinect als auch Move hin und wieder ihre Aussetzer haben. Völlig funktionslos zeigte sich die Sprachsteuerung unter Kinect, die weder auf deutsche, noch auf englische Befehle reagierte. Wirklich schade auch die Tatsache, dass die in der Anfangsphase der Entwicklung angekündigte "Real-Life-Awards" leider dem Rotstift zum Opfer fielen. Recht durchdachte Achievements und Trophäen gibt es natürlich schon, doch war seinerzeit noch angedacht, fleißige Sportler mit zum Beispiel einem Bonus im adidas Shop zu belohnen. Dies Idee wurde, wie uns nochmals bestätigt wurde, leider nicht mehr umgesetzt. Für miCoach spricht wiederum aber der Preis, der bei etwa 30-35 Euro liegt.

Meinung

Wertung zu Adidas Micoach (X360)

Wertung:

7.2 /10
Pro & Contra
über 400 Einzelübungen, aufgeteilt auf diverse sportliche Disziplinenpassendes Trainingsprogramm parallel zum aktiven Sportzahlreiche bekannte Athleten auch optisch gut integriertVerzahnung zwischen der Software und den zahlreichen weiteren miCoach Produkten, vor allem der Webseite mit ihrer Übersicht und der Möglichkeit, den Trainingsplan zu überarbeiten
nahezu keine Rückmeldung zur Fehlhaltung (ganz selten nur textlich auf dem Bildschirm)weder Kinect, noch Move ist in der Lage, alles wirklich haargenau zu erkennen und macht gelegentlich, wenn auch sehr selten, ganz grobe Fehlerdie Sportstars werden dank fehlender Rückmeldung zu rein passiven Trainern degradiertdie Verzahnung der miCoach Produkte ist eine absolut geniale Idee, letztendlich aber nur halbherzig ausgeführt und bedarf einer deutlichen Überarbeitung und Erweiterung vor allem im Bereich der mobilen Apps
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