Madden NFL 13 im Gamezone-Test: Kann es sich vom sehr guten Vorgänger abheben?

Test Thomas Pfnür

Uns hatte in der Gamezone-Redaktion noch nicht mal die Testversion von Madden NFL 13 erreicht, da konnte Electronic Arts schon einen enormen Erfolg um die Football-Franchise vermelden. Fast 1 Mio. Mal wanderte das Spiel allein am ersten Verkaufstag über die amerikanischen Ladentheken. Einer massiven Werbekampagne, dem praktisch zeitgleichen Auftakt der neuen NFL-Saison und diversen durchaus positiven Vorabberichten über den Titel selbst sei der Dank des Publishers sicher.

Solche Verkaufszahlen werden in Deutschland und Europa für EA natürlich ein Traum bleiben, nichtsdestotrotz kann die Madden-NFL-Reihe auch außerhalb der Staaten mit einer durchaus sehenswerten Fangemeinde aufwarten. Und ob sich die beim aktuellen Madden NFL 13 auf ein neues Spielerlebnis freuen dürfen, soll der folgende Test zeigen.

Neues Pass-System, neue Verteidigungs-KI und neue Physik-Engine

Alles neu macht der Herbst? Liest man die Werbetexte zum neuen Madden NFL 13 könnte man das zumindest meinen und ziemlich schnell den Eindruck gewinnen, ein komplett neues Spiel, vor allem aber ein komplett neues Spielgefühl, würde einen nach dem Einlegen der DVD bzw. BluRay erwarten. Tatsache ist aber dann doch, dass sich vieles, wenn nicht sogar das Meiste, so anfühlt und vor allem auch so spielt, wie bereits im Vorgänger.

Trotzdem gibt es natürlich Änderungen, die sich mehr oder weniger auf das Gameplay auswirken. Da wäre zum Beispiel das neue Pass-System. Auf neudeutsch heißt das Ganze dann Total Control Passing. Gemeint ist damit, dass nun mehr Komponenten dafür verantwortlich sind, wie und ob ein Wurf des Quaterbacks auch wirklich das gewollte Ziel erreicht. So kann nach dem Snap, der Ballübergabe des Centers an den QB, von euch nicht nur direkt Einfluss darauf genommen werden, welchen Laufweg ein Receiver einschlagen soll, sondern sogar der gesamte Spielzug abgebrochen und etwa durch einen schnellen Pass ersetzt werden - beispielsweise dann, wenn ein Blitz die Offensive Line durchbricht und somit ein Sack droht.

Madden NFL 13 Screenshot 3 Madden NFL 13 Screenshot 3 Erstmals wird in einem Ableger der Madden NFL-Reihe die sogenannte Spieleraufmerksamkeit berücksichtigt, d. h. Receiver, Tide End und Co. sind nur dann anspielbar, wenn sie einen Punkt ihres Laufwegs erreicht haben, ab dem sie einen Pass auch wirklich erwarten. Steht also beispielsweise ein langer Hail Mary Pass an, dann wird ein Receiver kaum in den ersten fünf Yards mit einem Wurf des Quaterbacks rechnen und sein Buttonsymbol ist somit inaktiv. Je länger einem die Mitspieler also die gegnerische Defensive vom Leibe halten, umso mehr Passoptionen ergeben sich. Eine Prise Realismus die hier ins Gameplay aufgenommen wurde.

Deutlich unauffällig gibt sich da die Änderung an der Verteidigungs-KI, die aufgrund des neuen Features "Read & React" noch effektiver auf die Spielsituationen reagieren soll. Soll deshalb, weil im Spiel selbst praktisch kaum eine Veränderung des Defensivverhaltens zu bemerken ist. Verteidiger verbergen jetzt zwar ihre Deckungsart, d. h. ob jetzt Zone oder Man-to-Man gespielt wird, ist nicht mehr so ersichtlich, spielerisch wirkt sich das aber kaum aus.

Welch ein Wind wurde im Vorfeld um die neue Infinity-Engine gemacht. Kein Spielzug sollte im Ablauf mehr dem anderen gleichen. Masse, Geschwindigkeit und Dynamik sollten nun besonders berücksichtigt werden und somit jede Spielsituation unvorhersehbarer machen. Tacklings sollten noch lange nicht das Ende des Laufes eines Running Backs bedeuten - frei nach dem Motto: Stolpern ja, Fallen, warum denn? Physikbasierte Animationen sollten nun endlich komplett Einzug in die Madden NFL-Reihe halten. Und tatsächlich, optisch ist das Ganze auch eine Neuerung, aber eben nur optisch. Spielerisch hat es bei weitem nicht solche Auswirkungen, wie uns so manch EA-Offizieller da erzählen will. Fakt ist nun mal, dass Tackles bereits letztes Jahr nicht das Ende bedeuteten, Berührungen also durchaus eingesteckt und der Lauf erfolgreich weitergeführt werden konnte. Es sieht in Madden NFL 13 halt etwas spektakulärer und realistischer aus, wenn Spieler aneinandergeraten, aber spielen tut es sich deshalb nicht wirklich großartig anders.

KI mit Aussetzern, Gameflow für Anfänger und Kinect ja, aber Move nein

Madden NFL 13 Screenshot 5 Madden NFL 13 Screenshot 5 Warum mit keinem Wort auf der deutschen Verpackung der Xbox360-Version erwähnt wird, dass es eine Kinect-Unterstützung gibt? Ob es daran liegt, dass nicht die Bewegungs-, sondern nur die Sprachsteuerung integrierte wurde? Wir wissen es nicht. Tatsache ist aber, dass man in Madden NFL 13 erstmals Kommandos verbal via Kinect-Mikro ans Spiel übermitteln kann. Vorausgesetzt man spricht die englischen Football-Fachausdrücke korrekt aus, funktioniert das Ganze dann auch wirklich sehr gut. Audibles, also Spielzugänderungen an der Line of Scrimmage, sind so sogar schneller durchgeführt, als über die normale Controllerbedienung. Für uns eindeutig eine Bereicherung des Gameplays, die durchaus eine Erwähnung auf dem Cover von Madden NFL 13 verdient hätte. Übrigens, PS3-User müssen auf dieses Feature, wohl aufgrund fehlender Zusatzhardware, komplett verzichten.

Gameflow, die automatische Spielzugauswahl, ist auch im aktuellen Ableger wieder an Board, leider in etwas abgespeckter Form. Wurden letztes Jahr die einzelnen Playcalls noch optisch dargestellt, bekommt man heuer nur noch den Namen des Spielzuges angezeigt. Ohne das nötige Fachwissen, und Gameflow spricht eigentlich genau die Neulinge bzw. Gelegenheitsspieler ohne den gewissen Tiefgang an, weiß man somit nie, welche Formation nun gespielt wird. Gut allerdings, dass man gewisse Vorgaben machen kann. Wollt ihr lieber laufen oder passen? Soll eure Verteidigung lieber konservativ oder doch aggressiv zu Werke gehen? Oder wollt ihr einfach den Gameplan eines NFL-Coaches durchspielen? Gameflow wählt nach euren Vorlieben den entsprechenden Spielzug aus. Da sage noch einer, American Football ist ja so kompliziert.

Kompliziert mag American Football nicht (mehr) sein, aber nervig, zumindest dann, wenn in Madden NFL 13 die KI weniger durch Intelligenz, sondern mehr durch Dummheit glänzt. Es soll jetzt kein falscher Eindruck entstehen, innerhalb der aktuellen Footballumsetzung von EA Sports bewegt sich die KI größtenteils auf einen enorm hohen Niveau, trotzdem sieht man leider auch immer mal wieder Aussetzer der CPU-gesteuerten Spieler, welche man so von der Madden NFL-Reihe irgendwie gar nicht gewohnt war. Beispiele gefällig? Receiver bricht seinen Laufweg einfach ab, weshalb der folgende Pass ins Leere geht. Oder Running Back nützt nicht den freien Raum, sondern macht stattdessen eine Ausweichbewegung genau in eine Gegneransammlung. Oder unbedrängter Quaterback findet keinen Receiver, nutzt aber nicht den freien Raum zum eigenen Lauf, sondern wirft stattdessen ins Aus. Alles nur vereinzelt auftretende Beispiele, sicher, ärgerlich und unnötig sind diese Bugs aber trotzdem.

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