Am Donnerstag kommt Resident Evil: Retribution in die Kinos. Wir haben den fünften Teil um Protagonistin Alice schon vor einigen Tagen gesehen und sind nur wenig angetan. Wo bleibt die Vergeltung in "Retribution"?
Der vierte Teil von Resident Evil endete ziemlich abrupt mit einem Cliffhanger: Alice und ihre befreundeten Überlebenden sind auf dem Riesentanker Arcadia, wo sie auf Rettung vor der Zombieseuche hoffen. Doch am Ende war alles ein Trick: Auf dem Tanker wartet Oberbösewicht Wesker, der Alice ihre Kräfte raubt. Und als wäre das nicht genug, greift kurz danach eine ganze Armada von Umbrella-Soldaten mit futuristischen Gleitern an. Retribution beginnt genau da, wo der Vorgänger endet und erzählt die Geschichte nahtlos weiter.
Quelle: Constantin Film
Resident Evil: Retribution zeigt viele Szenarien aber nur wenig Inhalt.
Im Verlauf entwickelt sich der fünfte Teil der Serie in eine ganz andere Richtung, als die anderen Filme. Während Extinction noch ein Survival-Abenteuer, das mit dem Gedanken ans Ende der Zivilisation spielt und Afterlife fast ein Roadmovie war, steckt in Retribution sehr viel mehr Science-Fiction. Das zeigt sich nicht nur an der Rückkehr der Red Queen, auch das Setting, ein Unterwasser-Holo-Deck, wirkt schon recht futuristisch. Dazu treffen wir Charaktere wieder, die eigentlich schon tot sind. Rain (Michelle Rodriguez) und One (Colin Salmon) waren im Resident-Evil-Kanon gestorben, werden nun aber durch einen Kniff wiederbelebt: Klonen! Was bei Alice klappt, funktioniert auch mit anderen Charakteren. Rodriguez kommentiert das mit den Worten: "Ich bin wirklich froh, dass wir einen Regisseur haben, der so kreativ ist." Klonen und kreativ? Also bitte, noch unkreativer wäre nur gewesen, wenn Alice den Tod ihrer Kollegen geträumt hätte!
Ganz auf heile Welt macht Retribution aber auch nicht: Die neuerweckte Michelle Rodriguez wechselt die Seiten und ist, wie Jill Valentine (Sienna Guillory), von Umbrella gesteuert. Endlich erfahren wir auch, wer dahinter steckt und wie es funktioniert - große Überraschungen braucht man aber nicht erwarten, denn inhaltlich hält Retribution bis auf ein paar wenige Fakten den Ball flach.
Resident Evil im Trailer: Was bisher geschah
Ziemlich konstruiert
Quelle: Constantin Film
Las-Plagas-Zombies sind intelligent und greifen von Motorrädern und mit Knarren an.
Retribution ist, mehr noch als die anderen Filme der Serie, sehr actionorientiert. Im Prinzip geht der Film von einer Schießerei zur nächsten über, Dialoge sind überflüssig. Als absolutes Hirn-Aus-Kino okay, aber über die dummen Konstruktionen kann man einfach nicht hinwegsehen. Allein der Anfang ist schon bezeichnend: Alice sitzt in einem Folterknast, aus dem sie nie und nimmer entkommen könnte. Doch dann bricht der Umbrella-Computer für zwei Minuten zusammen und ein Loch tut sich in der Wand auf, durch das sie entschwinden kann - aber nicht bevor sie Kleidung anzieht, die in einem Fach liegt, ebenso in der Wand versteckt. Warum liegt da Kleidung?
Die konstruierten Umstände kommen zum traurigen Höhepunkt, als wir ein geheimes Umbrella-Testlabor finden. Dort schmeißt Regisseur Paul W.S. Anderson Alice und die Truppe rund um Leon S. Kennedy in mehrere Settings, sozusagen eine Reise durch die Höhepunkte der Welt. Die Intention ist klar: Die Filmmacher wollen so viele Szenarien und Zombiefantasien abdecken wie möglich. So treffen wir auf Las-Plagas-Untote mit Intelligenz, die Maschinengewehre nutzen und Motorräder fahren können, Majini-Zombies mit tentakelartigen Kinnbacken, riesige Über-Lickers und Executioners. Die Zeiten, in denen Zombies lahme Krücken waren, sind in Resident Evil lange vorbei.
Quelle: Constantin Film
Alice in der Umbrella-Schaltzentrale.
Richtig übel nehmen die Anderson, der nicht nur Regie führt, sondern auch die Drehbücher schreibt, die Verheizung von so vielen Charakteren in Nebenrollen: Wieso einen Leon S. Kennedy, One, Luther West und Barry Burton einführen, wenn sie nur als zweitklassige Schachfiguren gezeigt werden und nichts zum Film beitragen? Anderson sagt zwar, Fans wollten diese Charaktere wieder sehen, aber doch nicht so!
Am traurigsten ist aber, dass der Retribution allein betrachtet keine Aussage hat. Der Film bereitet den Zuschauer, ohne großen Erkenntnisgewinn, auf den sechsten und hoffentlich letzten Teil von Resident Evil vor. An Alice Situation hat sich, wenn man die Handlung vor dem Ende des vierten Films vergleicht, wenig getan - mit einem leicht anderen Verlauf von Afterlife, hätte man sich das ganze sinnlose Geballer von Retribution sparen und direkt zum Bosskampf gehen können. So hinterlässt Resident Evil: Retribution den bitteren Beigeschmack, dass Regie und Studio die Marke Resident Evil als Cashcow bis zur Unkenntlichkeit melken wollen und gar keine Geschichte erzählen. Retribution heißt auf deutsch Vergeltung. Aber die fehlt im ganzen Film. Schade, dabei konnte ich die letzten Teile ganz gut leiden.
