PES 2013 im Gamezone-Test - Die Fullcontrol bringt etwas mehr Realismus ins Gameplay

Test Thomas Pfnür

Die aktuelle Saison der Champions League ist aus deutscher Sicht mehr als erfolgreich gestartet. Siege für Schalke, Dortmund und Bayern - deutscher Fußballfan, was willst du mehr? Macht das nicht Lust, mal selbst sein Unwesen in der CL zu treiben, wenn auch nur virtuell? Was passt also besser, dass genau jetzt Pro Evolution Soccer 2013 erscheint, seines Zeichens das einzige aktuelle Fußballspiel mit der offiziellen Lizenz zur UEFA Champions League. Doch natürlich muss auch das Spielgefühl passen und ob sich da was zum Vorgänger getan hat, soll der folgende Test zeigen.

PES 2013 (6) Quelle: Konami PES 2013 (6) Fullcontrol, Player ID und Proactive AI

PES 2013 (1) Quelle: Konami PES 2013 (1) Theorie und Praxis – die zwei Säulen für den Tester, wenn er sich mit den Neuerungen eines Fortsetzungstitels auseinandersetzen darf. Was verspricht der Entwickler, was soll das Spiel eigentlich bieten und was können wir dann in der finalen Umsetzung davon wirklich fühlen, spüren oder sehen. Im aktuellen Beispiel Pro Evolution Soccer 2013 bedeutet dies aus Sicht des Gameplays, dass wir uns intensiv mit den Neuerungen PES Fullcontrol, Player ID und Proactive AI auseinandersetzen müssen. Bringen sie einen Fortschritt zum Vorgänger? Revolutionieren sie gar das Genre? Oder ist der Unterschied zu PES 2012 trotz voluminöser Bezeichnungen gar nicht so groß? Um gleich ein wenig von der Spannung wegzunehmen: Nein, der aktuelle Ableger der PES-Reihe stellt keine Innovation, keinen Umbruch und kein absolutes Highlight dar – von einer Revolution ist der Titel gar soweit entfernt, wie der berühmte Mond von der noch berühmteren Erde. Viel mehr wird euch weiter die solide Fußballkost des Vorjahres geboten, verbessert um ein paar Feinheiten, mehr aber auch schon nicht.

PES 2013 (4) Quelle: Konami PES 2013 (4) Aber gehen wir mal ins Detail und eben in den Vergleich Theorie mit Praxis. Theoretisch soll die neue PES Fullcontrol mehr Bewegungsfreiheit, dynamischere Ballkontrolle, manuelle Pässe / Schüsse, eine Verbesserung des Dribblings und angepasste Verteidigungsaktionen bieten. Praktisch bedeutet es allerdings, dass ihr davon nur ein paar Bereiche auch wirklich mitbekommt. Tatsächlich wird der Ball situationsabhängig besser angenommen und tatsächlich könnt ihr bestimmte weiterführende Aktionen, fast übergangslos, durchführen. Etwa, wenn man den Schwung eines Passes nutzt, um den Ball an einen Mitspieler weiterzuleiten oder am Verteidiger vorbeizuspielen. Auch Doppelpässe und Schüsse können nun komplett manuell gesteuert werden. Allerdings funktioniert beides nur sinnvoll, wenn man ein entsprechend intensives Training voranstellt, um somit das nötige Feingefühl dafür zu entwickeln, wie man den Controller für erfolgreiche Aktionen bedienen muss. Die Übungsarbeit lohnt sich aber, denn durch die Möglichkeit praktisch alle Ballaktionen manuell zu steuern, stellt sich wirklich wieder dieses "Keine Situation ist wie die andere"-Gefühl ein, welches man ja von jedem Pro Evolution Soccer Ableger schon fast automatisch erwartet, die letzten Jahre aber kaum mehr geboten bekam.

Während man also durchaus merkt, dass sich bestimmte Aktionen mit dem runden Leder geändert haben, kann man Veränderungen innerhalb der Verteidigung praktisch kaum feststellen. Das Zweikampfverhalten gibt sich immer noch etwas zurückhalten und auch die KI agiert wie im Vorjahr. Gerade bei letzterem bedeutet dies aber nicht wirklich etwas schlechtes, denn nach wie vor analysiert die CPU sämtliche Angriffssituationen stimmig und stellt Pass- bzw. Schusswege meist sehr gut zu. Weiterhin ein etwas zweischneidiges Schwert ist das programmgesteuerte Verhalten der Torhüter. Einerseits werden "Unhaltbare" aus den entferntesten Winkeln gefischt, andererseits landen Kullerbälle weiterhin viel zu häufig im Netz. Ein leidiges Thema, dass uns nun schon seit vielen Jahren verfolgt – allerdings, das sollte fairer Weise durchaus erwähnt werden, nicht nur bei PES.

PES 2013 (5) Quelle: Konami PES 2013 (5) Das bringt uns indirekt eigentlich gleich zum nächsten Punkt: Der Player ID. Theoretisch, um diesen Theorie-Praxis-Weg weiterzuschreiten, sollen dadurch sämtliche Fähigkeiten, Eigenschaften und Tricks bestimmter Fußballstars, egal ob Feldspieler oder Torwart, ins Spiel einfließen. Praktisch tun sie das auch und zwar komplett. Der "casus cnactus" daran ist nur, dass die Player ID-Spieler dadurch zu Überfußballern mutieren, die kaum mehr Fehler machen. Sicher ist es schön, wenn der Coverstar von PES Cristiano Ronaldo auch auf dem virtuellen Fußballfeld seine Allüren zur Schau stellt, aber muss er deshalb fast jede Aktion am Ball dann auch wirklich so perfekt beherrschen? Vor allem, warum wurde die Player ID nicht weitergedacht und auf mehr Spieler mit weniger Auswirkung übertragen, statt sie nur ein paar wenigen in einer viel zu hohen Präsenz zu spendieren? Nein, irgendwie kann uns das Ganze nicht wirklich begeistern – und besonders "Neu" ist diese Feature nun bestimmt auch nicht.

PES 2013 (7) Quelle: Konami PES 2013 (7) Bleibt noch Proactive AI. Theoretisch, ja wir bleiben beim bekannten Vergleichskonstrukt, handelt es sich bei diesem Feature um eine Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz und zwar des gesamten Mannschaftsverbundes. Soll heißen, Angriff und Verteidigung sollen nun besser auf bestimmte Spielsituation reagieren. Praktisch haben wir bezüglich der Verteidiguns-KI ja bereits festgestellt, dass hier die Änderungen zum Vorjahr kaum bis nicht festzustellen sind. Immer noch werden Passwege gut zugestellt, immer noch wird gut gepresst und immer noch werden Laufwege gut antizipiert. Anders die Angriffsaktionen, hier kann man tatsächlich merken, dass sich das ein oder andere Verhalten verbessert hat. Beispiel schnelles Umschalten. CPU-gesteuerte Spieler erfassen deutlich schneller, wenn sich durch einen Ballgewinn, eine Angriffschance ergibt. Tempo und Laufweg, alles ist irgendwie stimmiger als noch bei PES 2012.

Wie war das Eingangs: Theorie und Praxis – die zwei Säulen für den Tester. Die Theorie will uns sagen, dass man mit dem aktuellen Ableger der Pro Evolution Soccer Reihe ein komplett neues Spielgefühl bekommt, die Praxis zeigt aber, dass es nur wenige Änderungen gibt, die das Gameplay auch wirklich verändert haben. Über weite Strecken spielt sich PES 2013 wie PES 2012 – in einigen Bereichen sicher jetzt etwas realistischer und tiefgängiger, aber grundsätzlich sicher nicht komplett anders. So müsst ihr unter anderem immer noch damit leben, dass der Boost, also der Geschwindigkeitsschub per Tastendruck, viel zu übermächtig ist, Kopfbälle, gerade bei Abwehraktionen, teilweise unrealistisch weit fliegen und Schüsse, selbst wenn man die nicht-manuelle Variante wählt, aus der zweiten Reihe häufig in den oberen Zuschauerrängen landen. Dafür bleibt die Ballphysik über weite Strecke absolut genial. Aber auch das wird von PES-Veteranen bereits erwartet und ist nicht wirklich etwas Neues oder gar Überraschendes.

  1. Seite 1 Fullcontrol, Player ID und Proactive AI
  2. Seite 2 Die Welt des Fußballs & Fazit
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