Mit Little Big Planet ist nun endlich eine der beliebtesten Playstation-Marken auf der PS Vita angekommen. Ob die Handheld-Version ein Systemseller ist und hält, was sie verspricht, haben wir im Gamezone-Test erörtert.
Da ist es endlich: Little Big Planet PS Vita ist das erste Spiel für Sonys Handheld, das mich seit dem Launch im vergangenen Winter wirklich interessiert. Seit dem Launch ist Software-seitig aber auch nicht viel passiert. Gravity Rush ist interessant, aber wegen seiner sehr japanischen Ausrichtung eher Nischenware. WipeOut 2048 als Sci-Fi-Racer eher "speziell" und Resistance im Test sogar durchgefallen. Wird Little Big Planet die Plattform also retten? Wir waren uns im Preview relativ einig: Ja! Die Handheld-Version ist sogar so gut, dass die Konsolenfassung sich ruhig ein Stück von den Vita-Mechaniken abschneiden könnte.
Zur Hintergrundgeschichte: Unser Held Sackboy taucht auf einem fremden Planeten auf. Carnivalia war einst ein glücklicher und lustiger Ort, an dem ein Marionettenspieler der größte Entertainer weit und breit war. Doch irgendwann schlägt alles zum Bösen um: Der Strippenzieher flippt aus, als er mal ausgebuht wird und mutiert zum dunklen und mysteriösen Gegenspieler unseres breitmaschigen Helden. Er sammelt eine Armee von "Hohlen" um sich und nimmt die glücklichen Carnivalier gefangen – um sich an ihrem Glück zu laben!
Quelle: Sony
Der neue Kreativ-Modus ist sehr viel intuitiver zu bedienen, als auf der Playstation.
Natürlich bieten wir den Bewohnern des Planeten unsere Hilfe an und bekommen für den Kampf gegen die Hohlen eine Menge neuer Gameplay-Mechaniken spendiert, die sich an den neuen Steuerungsmöglichkeiten der PS Vita orientieren. Während wir durch die bunten Welten hüpfen, nutzen wir etwa den Touchscreen, um bewegliche Teile von Puzzles richtig zu positionieren oder um Sackboy an entlegene und versteckte Orte der Karte zu katapultieren. An anderer Stelle nutzt das System die Neigesteuerung und Bewegungssensoren der Playstation Vita. Endlich wird auch mal das hinten liegende Touchpad verwendet – fast schon eine Seltenheit. So können wir einen erst mal unüberwindbaren Abgrund bezwingen, indem wir mit dem hinteren Pad Trittbretter aus den Wänden im Spiel drücken. Sackboys Bewegungen durch den Level werden natürlich normal mit den Joysticks ausgeführt. Dabei muss man beachten, dass wir uns in einer "echten" 2,5D-Welt bewegen. Sie sieht zwar zweidimensional aus, hat aber mehrere Ebenen – man kann also auch mal danebenspringen.
Bis zu vier Sackboys auf einer Map
Online kann man mit bis zu drei weiteren Sackjungen spielen, wir haben jedoch lediglich die WLAN-Funktionalität überprüft. Es macht dabei keinen Unterschied, welche Levels man spielt: Die im Spiel enthalten Levels oder selbst kreierte Aufgaben. Das Gegenteil ist der Fall: In einigen Storymissionen gibt es alternative Wege und Belohnungen, die man nur erhalten kann, wenn man kooperativ spielt – etwa weil zwei Schalter gleichzeitig betätigt werden müssen. Bevor man einem anderen Spiel beitritt, wird immer gefragt, ob man dies wünscht und ob der Spielleiter zustimmt. Erst wenn beide eine Einwilligung geben, wird die Verbindung hergestellt. Das klappt ziemlich gut: Während unserem Test reißt nur einmal die Verbindung ab, weil wir so spät joinen, dass der Spielhost schon längst abgebrochen hat.
Etwas unübersichtlich finden wir den Mehrspieler-Part aber schon: Die von Spielern kreierten Karten sind nur kompliziert zu sortieren und oft erfährt man erst durch ein Pop-Up, dass diese Karte für mehrere Spieler verfügbar ist. Die Minimalität des Hauptmenüs – oder Spielhubs – ist hier zum ersten Mal kontraproduktiv. Manchmal wissen wir auch einfach nicht, was die Symbole bedeuten, auf die wir gerade klicken, eine Beschriftung haben sie nicht.
Kreativ-Modus für Hobbyarchitekten
Quelle: Sony
Unser Held Sackboy erlebt auf dem Planeten Carnivalia eine Menge neuer Abenteuer.
Natürlich bleibt Tarsier, der Entwickler der Handheld-Version, dem übergeordneten Gedanken "Erschaffen und mit der Welt teilen" treu: Im Kreativ-Modus können Spieler auf der PS Vita eigene Levels basteln. Dafür steht angeblich derselbe Editor zur Verfügung, den auch die Leveldesigner im Studio verwenden. Auf der Konsole wurden schon weit über 7 Millionen Levels erstellt, die User auf einem eigenen Kanal im Spiel veröffentlichen. Für die PS Vita wurde dieser bereits richtig geniale Editor noch verbessert. Er nutzt nun das Touchpad der Vita und ist so noch sehr viel intuitiver zu bedienen, als die Playstation 3 mit den Joysticks des Controllers. Die Macher verwenden Touch-Gesten, die wir von unseren Smartphones kennen und führen einen neuen Lasso-Modus ein, mit dem man einfach mit dem Finger um die Teile einer Karte fährt, die man markieren will. Analog zum Lasso-Tool aus Grafikprogrammen markiert das Spiel dann die relevanten Stellen und man kann sie verändern. Ohne große Kenntnisse der Materie funktioniert das echt gut, wer aber richtig verzahnte und komplizierte Levels erstellen will, braucht Übung und Zeit. Denn all die Elemente richtig zu positionieren und auszurichten, ist kleinste Detailarbeit!
Sollen es mal nicht direkt ganze Level sein, kann man auch Arcade-Spiele programmieren. Sie sind vom Umfang her beschränkt und haben ein eigenes Menü, wie man es von Apps kennt. Das tolle ist, dass sich diese Arcade-Apps inhaltlich und optisch stark vom Rest des Spiels unterscheiden. Zum einen, weil man die Vita für manche Games auf den Kopf drehen muss, zum anderen, weil Spieler Sticker mit Fotografien aus dem echten Leben einfließen lassen. Richtig zusammengesetzt, können Spieler daraus richtig geniale Gegenstände erstellen. Beim Test spielen wir beispielsweise eine moderne Interpretation von Tetris und eine Zuma-Version. Vor einigen Wochen schon hat Sony und Videomaterial aus einer Journey-Umsetzung für Little Big Planet PS Vita gezeigt. Angeblich befindet sich das Level bei einem Spieler noch in Entwicklung.
Grafik und Technik
Quelle: Sony
Solche Minispiele in App-Größe lassen sich mit dem Editor verwirklichen.
Optisch fällt Little Big Planet an vielen Stellen deutlich düsterer aus, als wir Sackboy aus den vergangenen Spielen kennen. Die Geschichte bleibt jedoch auf einem normalen Grusel-Level, Angst um seine Kinder muss man sich keine machen. Grafisch ist Little Big Planet PS Vita eine ziemliche Wucht. Auf dem kleinen Touchscreen der PS Vita sieht das Spiel knackscharf aus und Sackboys ultracoole Outfits kommen so gut wie an jeder Stelle zur Geltung. Besonders gefallen haben uns die Dekorationen in manchen Levels: Als wir an einer Gitarre vorbeigehen, können wir auf dem Touchscreen an den Saiten zupfen und eine Melodie vor uns hinschmettern, an anderer Stelle spielen wir im Hintergrund eines Levels Klavier. Solche Elemente tragen zwar selten zur Spielmechanik bei, sind aber Details, die uns ziemlich begeistern.
Und auch die Steuerung ist gelungen. An manchen Stellen wirkt der Einsatz von Neigetechnik und Backtouch erzwungen, aber größtenteils passen sich die beiden Steueroptionen ganz blendend ins Gameplay ein.
