Hu! Ha! Blizzard hauen uns karatemäßig mit Mists of Pandoria die vierte Erweiterung ihres mit zehn Millionen Spielern immer noch sehr erfolgreichen Onlinerollenspiels um die Ohren. Die Protagonisten des neuen Add Ons, die namensgebenden Pandaren, erinnern frappierend an einen uns allen bekannten Gamezone-Redakteur: Groß, stattlich genährt, haarig, süße Blinzelaugen und ein knuddeliges Bärengesicht. So haben wir nach erster Sichtung des Titels erst mal eine ganze Weile nachgedacht, ob wir Blizzard wegen Plagiats verklagen wollen. Allerdings fiel uns weiter auf: Der Warcraft-Pandar kann zusätzlich zum simplen süß sein noch Kung Fu kämpfen, der gemeinte Redakteur nach wie vor nur faul auf der Redaktionspalme herumhängen und Bambus kauen. Also rechnen wir uns vor Gericht wenig Chancen aus und machen uns für Euch an ein Review.
Die Einführung des neuen Addons ging diesmal reibungslos über die Bühne - keine ungeplanten Auszeiten, keine fiesen tonnenschweren Notfallpatches. Wenn wir uns recht erinnern, haben wir beim Start der Vorgänger-Erweiterung Cataclysm weitaus mehr geflucht. Die Streaming-Technologie des Warcraft-Clients funktioniert wunderbar, und lässt uns nach wenigen Minuten Download bereits einen Charakter anlegen. Wie klicken uns natürlich gleich einen Odak, pardon, einen Pandaren, und ordnen fix die ebenfalls neu hinzugekommene Charakterklasse "Mönch" zu. Flugs beginnen wir unser neues Abenteuer auf einer schwimmenden Insel, die von einer gigantischen Schildkröte durch das Meer getragen wird - wohl ein nicht unbedingt dezenter Tribut an Terry Pratchetts Scheibenwelt. Die leicht weiterentwickelte Grafikengine bietet uns hübschestes Warcraft-Artwork - ein quietschbuntes Disney-Asien eröffnet sich vor unseren Augen. Die grafische Qualität und die Detailverliebtheit zieht sich übrigens auf hoher Qualität nicht nur durch das Startgebiet, sondern durch alle neu hinzugekommenen Zonen (immerhin ein riesiger Kontinent bestehend aus sieben großen Arealen). Man merkt, dass die Entwickler von Blizzard ihren Spaß hatten und den mit Cataclysm hinzugekommenen Instancing-Fu leidlich ausnutzen, um dem Spieler eine interessante Heldenrolle zukommen zu lassen - statt ihn als nur einer von vielen Wolfspelzsammlern (kleiner MMoRPG-Insiderwitz) agieren zu lassen. Sehr löblich.
Quelle: Blizzard
World of Warcraft: Mists of Pandaria im Gamezone-Test (8)
Als uns allerdings zeitgleich auch das nervige Geruckle der Grafik in die Augen sprang, als wir es wagten, die Grafikeffekte ein klein wenig hochzuschrauben: Da überkamen uns schon Ideen, was Blizzard wohl im Hintergrund des Spiels mit unserer CPU anstellen könnte. Außer der Darstellung von Azeroth. Die Grafikengine ist nun mal trotz aller Updates nach acht Jahren dezent veraltet - warum ruckelt das dann so unschön? Müsste es nicht extra flott sein - vor allen Dingen im Vergleich zu vielen wesentlich besser aussehenden Onlinerollenspielen wie Knights of the Old Republic oder Guild Wars 2, die bei gleicher Hardware-Power viel mehr Frames die Sekunde bieten. Die Vermutung liegt nahe, dass im PC-Hintergrund Proteine gefaltet oder Raketenflugbahnen berechnet werden. Oder Diablo 3 Server gehostet. Oder Blizzard sollte die Engine einfach echt mal grundsätzlich überholen, noch bevor der WoW-Nachfolger Titan erscheint.
Quelle: Blizzard
World of Warcraft: Mists of Pandaria im Gamezone-Test (3)
Zurück in die Spielwelt: Wir beginnen mit unsere Mönchsausbildung unter Leitung des ortsansässigen Karatemeisters, questen uns quer durch die Startinsel und treffen am Ende des Einsteigergebiets die altbekannten Kollegen von der Horde wie von der Allianz, die zufällig auf Schildkröten-Island Schiffbruch erlitten haben. Die beiden Parteien sind übrigens mal wieder richtig schlecht aufeinander zu sprechen und im Begriff, ordentlich Warcraft zu betreiben. Bald werden wir uns entscheiden müssen, ob wir lieber Knuddelpanda der bösen Horde oder der lieben Allianz werden wollen.
Anschließend heißt es dann, sich Richtung dem neuen Maximallevel (90) durch die altbekannten Levelgebiete zu schlagen, um mit Level 85 wieder nach Panda-Country zurückzukehren, um den neuen Highlevel-Content genießen zu dürfen. Zu Fuß übrigens, für eine ganze Weile. Apropos genießen: Ein einziger Genuss ist tatsächlich der Soundtrack und die Audiokulisse in Pandaland - bei unserer nächsten Reise an den thailändischen Palmenstrand wollen wir nur noch eine CD mit diesen Stücken hören! Das ist für uns ab sofort original asiatische Musik, wie wir sie uns als Langnasen schon immer vorgestellt haben.
Ach, das gute alte World-of-Warcraft-Gameplay. Questgeber mit Ausrufezeichen über dem Kopf anklicken, entweder einen Fetch- (hole mir fünf Wolfspelze) oder Kill-Auftrag (töte fünf Wolfspelzwölfe) notieren, erfüllen, Quest abgeben, Erfahrungspunkte und Belohnung kassieren. Wenn man Glück hat, sind die Quests nett innerhalb der Möglichkeiten der Spielengine eingebettet und etwas Abwechslung kommt ins Spiel. Wenn man zum Beispiel einen Wassergeist belustigen soll, und für ihn auf Sprudelfontainen herumturnt, die einen über die Startinsel schießen. In 80% aller Questvorfälle präsentiert Blizzard aber den Oldschool-Questallerlei mit den guten alten Wolfspelzen. Und den Wolfspelzwölfen.
Quelle: Blizzard
World of Warcraft: Mists of Pandaria im Gamezone-Test (7)
Das abarbeiten dieser Aufgaben (und man muss es wirklich 'arbeiten' nennen) macht noch beschränkt Spaß, aber im Jahr 2012 muss sich auch das altehrwürdige World of Warcraft gegen einen Newcomer wie Guild Wars 2 behaupten - und schafft es ehrlich gesagt nicht mehr ganz, hier mitzuhalten. Leute, es ist soweit - die PvE-Spielmechanik von WoW ist veraltet, oder weniger gemein ausgedrückt, für Spieler der alten Schule konserviert worden.
Zurück zu unserem Pandaren: Als Mönch hat er von uns eine sehr flexible Berufsklasse spendiert bekommen. Sowohl zum Damage Dealer (Schadensausteiler), Heiler als auch zum Tank (Gimli-Verschnitt) ist er zu gebrauchen, wenn man ihn im neuen Skillsystem richtig anpasst. Das alte Skillsystem wurde offensichtlich eines dunklen Nachts von einer Horde brünftiger Diablo 3 Entwickler überfallen, missbraucht und umprogrammiert: Die verästelten Talentbäume wurden weggeworfen, Punkte werden nun nach 15 Levels freigeschaltet und können direkt eingetragen werden. Manche werden's lieben, manche werden's hassen.
Was gibt's noch Neues? Neun Dungeons und drei fette Raids wurden hinzugefügt, um die Hardcore-MMOler, die World of Warcraft mittlerweile tragen, beschäftigt zu halten. In einer Art Highscore-Rennen können Bestzeiten für das lösen einer Instanz aufgestellt werden. Und für die Nicht-so-Hardcore-Fraktion gibt es merkwürdige kleine Haustiere zu sammeln, die man in bester Pokemon-Manier gegeneinander kämpfen lassen kann. Süß, oder so.
