WRC 3 FIA World Rally Championship im Gamezone-Test: Scharf links über Kuppe auf den Genre-Thron?
TestAuch der dritte Teil von WRC kommt wieder von den Entwicklern bei Milestone, denen wir unter anderem auch SBK X zu verdanken haben, lediglich der Publisher F&F ist inzwischen ausgestiegen. Dessen Aufgabe wurde nun von Namco Bandai übernommen. Doch was uns Spieler wirklich interessiert ist, ob es der Titel nun endlich geschafft hat aus der Mittelmäßigkeit hervorzutreten. Denn gute Ansätze gibt es genug. Der Umfang ist enorm und die Features können sich sehen lassen. Neben einem komplett neuen Karrieremodus bietet uns der Titel alle offiziellen Fahrer und Teams der 2012er Saison, einen HotSeat-Modus für bis zu vier Spieler und einen Online-Modus für bis zu 16 Fahrer gleichzeitig, der neben einzelnen Etappen und Rallys auch ganze Meisterschaften parat hält. Verhilft all das in der Summe WRC3 auf den Genre-Thron? Wir haben es für euch gecheckt.
Quelle: Milestone
WRC 3 FIA World Rally Championship (4)
In einem Chat mit einem richtigen Rallyefahrer, das war zu Zeiten als Colin McRae noch aktuell war, sagte dieser einmal zu mir: "Wer nicht weiß was an 'Rechts 6 über Sprung in Haarnadel links' lustig ist, der ist kein Rallyefahrer. Zur Erklärung: Wenn man im sechsten Gang rechts herum über eine Kuppe springt und dann eine Haarnadelkurve nach links meistern soll, kann man einfach nur noch lachen, bevor man in der Leitplanke einschlägt oder den Absprung macht. Genau diesen Eindruck, an den Lippen des Beifahrers zu hängen während die Piste lebendig zu werden scheint, wie ein Biest das gezähmt werden möchte, suche ich seitdem in allen Rallyespielen. Es gab sie auch schon, wie einige Teile von Colin McRae aus dem Hause Codemasters oder das legendäre Richard Burns Rally von Warthog, doch viele andere Rallyegames verdienen diese Bezeichnung gar nicht, sind viel zu Arcade-lastig und lassen das erhoffte Rallye-Feeling einfach nicht aufkommen. Auch die vorhergehenden WRC-Titel aus dem Hause Milestone schafften das nicht, doch muss man der Serie lassen, dass sie sich entwickelt. Auch der dritte Teil nun hat einige Verbesserungen aufzuweisen, weswegen ich mich frohen Mutes an den Test machte.
Quelle: Milestone
WRC 3 FIA World Rally Championship (6)
Doch der erste Eindruck war ernüchternd. Gleich zu Beginn der "komplett neu gestalteten Karriere", genannt Road to Glory, muss man ans Steuer eines Citroën C2 R2 und hat eine Stage in Portugal vor sich. Während man auf den ersten Blick erkennt, dass sich an der Grafik einiges getan hat, auch wenn die Autos immer noch etwas polygonarm wirken, ist es die Lenkung die einen ab der ersten Kurve an der Physik zweifeln lässt. Nicht nur, dass sie mehr als direkt ausgefallen ist, womit man ja noch leben könnte, ist es viel mehr der Umstand, dass sie beim Auslenken wieder sprunghaft in die Geradeaus-Stellung zurückspringt, der einen verzweifeln lässt. So gut kann man keine Kurve anfahren, am Ende macht das Fahrzeug unweigerlich einen Sprung in die Gegenrichtung. Doch dann erinnerte ich mich, schon die beiden Vorgänger litten unter dem selben Effekt, dass die kleineren Fahrzeuge viel schwerer zu beherrschen waren als die großen. Genau so ist es auch bei WRC3. Kaum hat man ein paar Stages hinter sich und kommt endlich an die vernünftigeren Fahrzeuge, bessert sich auch das Fahr- und besonders das Lenkverhalten rapide. Ab da fängt dann WRC3 an Spaß zu machen.
Road to Glory
Quelle: Milestone
WRC 3 FIA World Rally Championship (7)
Denn die Road to Glory ist wirklich motivierend aufgebaut und bietet einen enormen Umfang. Sind es Anfangs noch einzelne Stages die man bezwingen muss, folgen schon bald ganze Serien davon, Special-Stages und diverse andere Herausforderungen. Als Belohnung werden pro Herausforderung bis zu drei Sternchen für den Skill und bis zu zehn für die erreichte Platzierung ausgeschüttet. Mit diesen wiederum werden die neuen Rallys zugänglich und allerlei Belohnungen freigeschaltet, wie neue Autos, Tuning-Kits, Sponsoren und Vinyls. Da man die Tuning-Kits und neuen Autos immer nur für die Klassen erhält, in denen man die ersten Herausforderungen bereits geschafft hat, motiviert einen das natürlich auch bereits gefahrene Events mit einem getunten oder anderen Auto zu wiederholen. Den Schwierigkeitsgrad darf man als recht ausgeglichen bezeichnen. Auf mittlerer Stufe bekommt man nichts geschenkt, mit etwas Konzentration aber erreicht man die vorderen Plätze, wohingegen leicht wirklich leicht ist und schwer wahrlich nur etwas für Profis. Dabei sind mir auch keine Ausreißer nach Oben oder Unten aufgefallen.
WRC Experience
Quelle: Milestone
WRC 3 FIA World Rally Championship (8)
Neben der Road to Glory wartet auf den Spieler auch noch die ebenfalls sehr umfangreich ausgefallene WRC Experience, die man sogar mit bis zu vier Spielern im Hot-Seat-Modus spielen kann, was heutzutage schon recht selten geworden ist. Neben Einzeletappen und Einzelrallys können wir uns dort auch an die komplette Meisterschaft in den Klassen WRC, Class 3 und Class 2 machen. Die sind dann auch genau so aufgemacht wie man es schon von vielen anderen Rallyespielen her kennt. Es gilt also mehrere Stages hintereinander zu bestehen, zwischen ihnen kann das Fahrzeug repariert werden, wozu uns natürlich nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht, und am Ende wartet dann eine Herausforderung in Form der Special-Stages auf uns. Doch so umfangreich und durchaus motivierend auch dieser Modus gestaltet wurde, fällt einem doch genau hier besonders auf, wie altbacken die Präsentation ausgefallen ist. Während in anderen Rennspielen schon längst versucht wird auch das Drumherum eines solchen Events zu visualisieren, gibt es in WRC3 nur trockene Menüs zum wegklicken. Da stellt das Replay nach einer Stage noch das einzige Highlight dar, aber nicht einmal das lässt sich abspeichern. Die Schäden am Fahrzeug werden per schnöder Balken angezeigt und die Zeiten der anderen Fahrer in einer schmucklosen Liste. Da kommt wirklich nicht das Gefühl auf, als würde man gerade an einer spannenden Meisterschaft mit vielen anderen Teams teilnehmen.
