Mit Fable: The Journey versucht Microsoft erneut neben Tanzspielen und Minigames ein etwas "ernsteres" Projekt für Kinect zu veröffentlichen, das vielleicht den einen oder anderen Fable-Fan anlocken könnte. Wir haben für euch herausgefunden, ob sich der Kinect-Ausflug der bekannten Marke auch lohnt.
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Fable: The Journes im Test: Kinect enttäuscht zu oft (9)
Du läufst wie ein Pferd
Im Grunde genommen erzählt Fable: The Journey die Geschichte eines jungen Mannes und seines Pferdes, die von ihrer Karawane getrennt werden und nun eine gefährliche Reise antreten müssen. Nach der ersten Spielstunde habe ich mir wirklich gedacht, "man, geht das Spiel auch irgendwann mal los?", denn man ist zunächst nur damit beschäftigt, mit den Zügeln in der Hand und dem Hintern auf der Kutsche gemächlich durch Albion zu tuckern. Ich muss zugeben, dass das durchaus seinen Reiz hatte, weil ich so die wirklich sehr stimmungsvolle und malerische Landschaft genießen konnte. Ab und zu ein paar Steinen ausweichen, das war's auch schon. Danach begann das Tutorial für die "Zu Fuß"-Abschnitte, in denen man Blitze oder Feuerbälle verballert und Gegenstände oder Gegner mit Jedi-Kräften bewegt bzw. wirft. Und ich dachte mir "joah, eigentlich funktioniert Kinect ganz gut", auch wenn natürlich nicht jeder Zauber ins Schwarze getroffen hat. Und so kämpfte und reiste ich durch die ersten 3-4 Stunden.
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Fable: The Journes im Test: Kinect enttäuscht zu oft (4)
Aber spätestens wenn die Gegner zahlreicher werden, nervt Kinect tierisch. Obwohl ich jedes Mal möglichst genau versucht habe, die Steuerung zu kalibrieren, in einem guten Abstand zum TV saß (ja, man kann bzw. soll es im Sitzen spielen, hurra), und es auch ziemlich hell im Raum war, lag die Trefferquote bestenfalls bei 30 Prozent. Aber vielleicht braucht Kinect ja auch noch eine ideale Luftfeuchtigkeit, eine Temperatur von genau 22,5 Grad und gutes Zureden, ich weiß es nicht. Das Spiel ist keinesfalls schwer, eigentlich ziemlich leicht, doch die üblich schlechte Erkennung von Bewegungen hat dazu geführt, dass die Angriffe überall gelandet sind, nur nicht beim Gegner. Dadurch entsteht eine unnötige Hektik und wenn ich einen Controller in der Hand gehabt hätte, hätte ich ihn wahrscheinlich geworfen, auf mein Poster von Bill Gates. Es ist einfach frustrierend, wenn man nochmals am Checkpoint starten muss, obwohl man nicht selbst Schuld war, sondern Kinect. Ja, ich hab Kinect beim Testen schon häufiger übelst beschimpft. Immerhin kann man die abgefeuerten Zauber nachträglich in ihrer Flugbahn beeinflussen, um sie auf Gegner zu lenken. Aber im Eifer des Gefechts ist auch das nicht unbedingt einfach geraten. Dennoch entschärft diese Funktion die ungenaue Erkennung der Bewegungen ein wenig. Irgendwie kämpft man sich durch die Stolpersteine, die Kinect einem in den Weg wirft, doch irgendwann macht es keinen Spaß mehr. Der Arm schmerzt und der Gegner lacht sich ins Fäustchen, weil eine Salve Blitze wieder danebengegangen ist.
Theoretisch ist die Nutzung von Kinect recht nett gedacht, da man die Zügel nun mal so hält, wie man es auch in Wirklichkeit machen würde und auch das Schleudern der Zaubersprüche ist so, wie man es sich vorstellt. Das Problem ist aber, dass man theoretisch zielen müsste. Die Steuerung der Kutsche funktioniert da schon etwas besser, auch wenn man in rasanten Jagdszenen beim Ausweichen der Hindernisse gerne etwas herumeiert, aber das lasse ich durchgehen, passt schon. Und wofür wird Kinect noch verwendet? Man verbringt recht viel Zeit damit, sein Pferd zu pflegen. Es wird gestriegelt, geheilt usw. Leser der Wendy gehen dabei steil. Ich fand das eher langweilig. Ohnehin hat Fable: The Journey so seine Phasen, in denen irgendwie gar nichts passieren will und man sich eigentlich einen Kaffee machen könnte, doch dann hält Kinect das Spiel an und meckert, dass man sich wieder hinsetzen sollte.
Auf Schienen
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Fable: The Journes im Test: Kinect enttäuscht zu oft (8)
Während man in den vorherigen Fable-Spielen noch allerlei verschiedene Dinge anstellen und die Welt erforschen konnte, ist Fable: The Journey ein On-Rails-Pferde-Zauber-Actionspiel. Man hat im Prinzip Null Entscheidungsfreiheit und wird wie auf Schienen durch die Welt geleitet, so gerne man sie auch erforschen würde. Auf dem Pferd kann man sich natürlich innerhalb des gegebenen Pfades nach rechts und links bewegen sowie abbremsen und beschleunigen, das war es aber auch schon fast. OK, manchmal gibt es eine Weggabelung und man muss sich zwischen zwei Routen entscheiden. Umdrehen und zurück fahren ist aber nicht drin, es geht immer strikt nach vorne.
An bestimmten Stellen kann mal alternativ tatsächlich anhalten und optional ein Gebiet zu Fuß erforschen. Diese kurzen Auftritte sind aber wie die richtigen Quests nur darauf beschränkt, Zaubersprüche in Richtung der Feinde zu werfen, während uns das Spiel automatisch durch die Dungeons führt. Man kann den Weg nicht beeinflussen. Das höchste der Gefühle: Wer den Körper nach links oder rechts lehnt, darf zum Beispiel Geschossen ausweichen. Spielerischer Anspruch sieht anders aus, denn selbst die seltenen Rätsel sind schnell gemeistert. Ab und zu tritt auch ein Bossgegner auf, bei dem es ein klein wenig taktischer zugehen kann. Letztendlich scheitert es aber höchstens an der miesen Bewegungserkennung.
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Fable: The Journes im Test: Kinect enttäuscht zu oft (3)
Da man Erfahrungspunkte sammelt, darf man auch in neue Talente investieren. So erhöht man Mana- oder Lebensenergie von Pferd bzw. Mensch oder kauft durchschlagkräftigere Zaubersprüche. Doch selbst hier lässt uns das Spiel extrem wenig Raum, um einen individuellen Helden zu erstellen. Aber sei's drum, Fable: The Journey ist nun mal ein Musterbeispiel für ein extrem lineares Spiel, durch das man irgendwie geschleust wird. Immerhin stimmt die Spielzeit, denn ca. 10 Stunden wird man schon unterwegs sein. Dafür fehlen die Multiplayer-Modi. Technisch basiert Fable: The Journey auf der Unreal Engine 3, die eine sehr stimmungsvolle Optik auf den Bildschirm zaubert, in die man sich glatt verlieben könnte. Für ein Fantasy-Spiel hat Fable: The Journey die ideale Grafik, was auch für den Sound gilt. Die 5.1-Abmischung ist sehr gut gelungen, der Soundtrack sorgt für Atmosphäre und die deutsche Sprachausgabe ist weitestgehend in Ordnung. Jedenfalls werden die verschiedenen und meist ziemlich sympathischen Charaktere sehr gut eingefangen. Bei der Technik, ausgenommen die Steuerung, macht das Spiel im Prinzip alles richtig.
