Need for Speed: Most Wanted im Gamezone-Test - Der Flegel unter den Arcade-Racern

Test Peter Grubmair

Es sind eigentlich immer die gleichen zwei Fragen, welche einem zum neuen Need for Speed: Most Wanted gestellt werden: Ist es besser als Forza Horizon und kommt es an Burnout Paradise heran? Während sich Playstation-Spieler die erste Frage schenken können, ist die zweite gar nicht so abwegig, schließlich steckt hinter dem aktuellen Ableger der Need for Speed-Reihe Criterion Games, die nicht nur einmal bewiesen, dass sie etwas von Rennspielen verstehen. Also, wie ist es denn nun? Kann der Hybrid aus Hot Pursuit und Burnout Paradise begeistern? Wir klären das in unserem Review.

Bei Need for Speed: Most Wanted handelt es sich um einen Open-World Arcade-Racer, angesiedelt in der Fantasiestadt Fairhaven, der auf den ersten Blick wirklich wie ein NfS Hot Pursuit-Klon wirkt. Doch nur auf den ersten Blick, denn das Spielgerüst ist ein komplett anderes. Zwar geht es immer noch um die 10 besten Streetracer die es zu besiegen gilt, doch warten auf uns keine wie auf der Schnur aufgereihten Events mehr, stattdessen dreht sich alles um die sogenannten Speedpoints, mit denen wir das Recht erringen gegen die dominierenden Rennfahrer antreten zu dürfen. Die Speedpoints gibt's aber nicht nur für absolvierte Rennen, sondern für alles Mögliche. Quer durch die Kurven driften, durch Plakatwände mit dem eigenen Konterfrei springen, sich mit hoher Geschwindigkeit von den Radarfallen blitzen lassen, alles füllt unser Speedpoint-Konto.

Need for Speed: Most Wanted (8) Quelle: play3 Need for Speed: Most Wanted (8) Auf einen Story-Mode hat Criterion dabei zum Glück komplett verzichtet. Es gibt keine Geschichte und es gibt keine Charaktere, es gibt ausschließlich die Autos die zählen. Die müssen auch nicht mehr mit barer Münze bezahlt werden, sondern stehen irgendwo in Fairhaven herum und können einfach benutzt werden, sobald man sie gefunden hat. Manche davon finden sich mitten unter den geparkten Autos auf der Straße, andere wiederum sind eher versteckt, in Fabrikhallen, Hinterhöfen und so weiter. Das ist eigentlich eine gar nicht so schlechte Idee, würde man damit nicht eine andere Gameplay-Mechanik tangieren. Denn jedes neu von uns in Besitz genommene Auto will einzeln aufgelevelt werden und verfügt über seine eigenen Herausforderungen. Das bedeutet in der Praxis also, dass man immer wieder aufs Neue gezwungen wird sich das Nitro, die besseren Reifen, Getriebe usw. zu verdienen, bis zum Ende des Spiels. Man erlebt also keinen immer besser werdenden Fuhrpark, sondern steigt permanent von schnellen Autos wieder zurück in langsamere.

Derweil hat das Wechselspiel mit den Autos auch seine Vorteile, nämlich wenn wir von der Polizei verfolgt werden. Das macht wirklich Spaß, mitten in der Verfolgungsjagd in ein anderes Auto umzusteigen um die Polizei zu verwirren. Ebenfalls witzig umgesetzt sind die Tankstellen, welche beim Durchfahren nicht nur unser Fahrzeug reparieren, es wird dabei auch gleich umlackiert, was ebenfalls zur Verwirrung der Polizei beitragen soll. Leider erschöpfen sich damit auch schon die Möglichkeiten der Polizei zu entkommen und schlussendlich beschränkt sich dann doch wieder alles auf wildes Hakenschlagen und den Versuch sich abzusetzen um außerhalb des Erfassungsbereichs zu kommen.

Need for Speed: Most Wanted (11) Quelle: play3 Need for Speed: Most Wanted (11) Es ist natürlich klar, Most Wanted ist ein reinrassiger Arcade-Racer, weswegen man kein simulationslastiges Fahrverhalten erwarten darf, was sicher auch kein Burnout Paradise-Fan tut. Der Titel legt es darauf an, dass man möglichst spektakulär durch die Kurven driftet, während man in den fast schon übertrieben aggressiven Motorsounds ertrinkt. Das und die gar nicht so anspruchslos agierenden Konkurrenten sind es die den erwarteten Spaß bei den Rennen aufkommen lassen. Da sich der Titel aber den Vergleich mit Burnout Paradise gefallen lassen muss, ist schlicht anzumerken, dass Most Wanted da nicht ganz mithalten kann. Die Zeitlupenwiederholungen nach den Crashes fallen bei weitem nicht so spektakulär aus wie im Vorbild, das unberechenbare Verhalten bei leichten Berührungen kann frustrieren und der permanente Versuch den Spieler möglichst maximal zu verwirren, ist einfach nur lästig. Es ist praktisch nicht möglich auch nur ein einziges Rennen wegen der erbrachten Fahrleistung auf Anhieb zu gewinnen, denn es scheint so, als wären viele Abzweigungen absichtlich so gebaut um den Spieler in die Irre zu leiten. Darum ist man gezwungen permanent das Radar zu beobachten, bis man den Streckenverlauf auswendig kennt und sich endlich auf die Straße und die Gegner selbst konzentrieren kann. Da aber gibt sich Most Wanted ebenfalls alle Mühe uns möglichst wenig sehen zu lassen. Permanent aufgewirbelter Staub, Dreck, Erde oder die Gischt der nassen Straße vernebeln uns die Sicht, dass man mitunter halbblind durch die Gegend rast. Dazu gesellt sich dann auch noch eine einbrechende Framerate, welche auf der Xbox sogar stärker auftritt als auf der PS3, was bei einem Titel wie diesem einfach unverzeihlich ist. Wenn es einen dann auch wieder einmal regelrecht in der Luft zerreißt, obwohl man einen Gegner nur leicht touchierte, kann schon mal Frust aufkommen. Das passiert auch gerne mal, weil die Lenkung der Boliden doch etwas schwammig ausgefallen ist, was ich persönlich aber als nicht so schlimm empfand wie manch anderer offensichtlich. Irgendwann hat man sich daran gewöhnt, dass man in Most Wanted viel mit Komplettausschlag lenkt und kommt dann eigentlich ganz gut damit zurecht.

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