James Bond kehrt zurück: 50 Jahre geistert der britische Top-Agent nun schon über die Leinwand. Skyfall ist sein 23stes Abenteuer und der dritte Teil mit Daniel Craig - das Ende einer modernisierten Prolog-Trilogie. Wir haben uns den Agententhriller angesehen.
Daniel Craig muss schon seit Beginn seines Bond-Daseins Kritik einstecken – in Skyfall sogar besonders viel. Im 23sten Film der Bond-Serie greift der britische Geheimagent nämlich zeitweilig nicht zum charakteristischen Wodka Martini ("Geschüttelt, nicht gerührt."), sondern zur Pulle Heineken. Wer den Film sieht, wird etwas überrascht sein: Ausgerechnet als der Agent verletzt, zerbrechlich und arbeitslos rumgammelt, greift er zum Bier. Ob sich der Getränkehersteller mit diesem Bild einen Gefallen getan hat…
Quelle: Sony
MI6-Chefin M wird von Judi Dench brillant verkörpert
Aber auch wenn Skyfall mit 34 Millionen Euro am meisten Geld durch Produktplatzierung (Sony, Heineken, Svarowski) jemals eingenommen hat, eigentlich geht es eher um Bond und nicht um die Produkte die er trägt, fährt und trinkt. Und auf dieser Seite überrascht der Film mit einem Mix aus klassischen Elementen der Serie und neuem Esprit. Zur Abwechslung steht nämlich nicht James selbst im Vordergrund der Geschichte, stattdessen dreht sich alles um MI6-Leiterin M (Judi Dench, absolut fantastisch!). Nachdem sie nicht nur ein paar MI6-Männer und die Namensliste aller in Terrororganisationen eingeschleuster Undercover-Agenten verliert, sondern auch Doppel-Null-Killer James Bond totgesagt ist, bekommt die First Lady des Geheimdienstes schweren Gegenwind aus der Politik. Vor einem Untersuchungsausschuss soll sie aussagen, kurzzeitig wird sogar über ihre Pensionierung gesprochen. Die Aussage: Die alte Frau passt nicht mehr zu einem modernen Nachrichtendienst. Es geht heute um Beschaffung und Auswertung von Daten – nicht um Einsätze rund um den Globus von Mitarbeitern mit der Lizenz zum Töten.
Auch Bond wird im Laufe des Films als antiquiertes Anhängsel aus einer längst vergessenen Vergangenheit betitelt. Und doch zeigt er, dass der MI6 alte Haudegen wie ihn braucht. Nachdem fast alle Bücher von Ian Fleming verfilmt sind, stellt sich MGM und Columbia demonstrativ vor Bond und verjüngt die Serie Knall auf Fall mit Skyfall.
Quelle: Sony
Bond und Silva in einer homosexuell gefärbten Szene: Bonds Frage, wie Silva auf die Idee komme er wäre sein erster Mann, sorgt unter Fans für Aufsehen
Kontrastprogramm gibt es durch Bonds Agentenkollegin Eve (Naomi Harris): Sie schießt ihn bei einem Einsatz in Istanbul an, danach verschlägt es sie in den Innendienst. Ihre Rolle könnte wegweisend für zukünftige Filme sein. Harris spielt dabei aber nur eine von zwei Bond-Girl-Rollen – das fühlt sich komisch an, weil es von Anfang an bei den beiden eher platonisch knistert. Die eigentliche Agentenbraut ist Bérénice Marlohe. Sie ist aber kurioserweise nur etwa zehn Minuten im Film zu sehen, verbringt derweil eine heiße Nacht mit dem Topagenten und wird dann ziemlich rasch entsorgt. Ein besseres Schicksal erleben vielleicht nur wenige Bond-Girls, die Geschwindigkeit, in der Sévérine vorgestellt und kaltgemacht wird, ist aber ungewohnt.
Die Verjüngungskur macht auch vor anderen MI6-Institutionen nicht Halt. Das erste Mal bekommt Craig Unterstützung vom Quartiermeister Q. Früher war Q ein verschrobener alter Wissenschaftler. Der neue Q ist das exakte Gegenteil: Ben Whishaw spielt einen jungen Nerd, dem man sein androgynes Gehabe abnimmt. Selbstironisch geht Regisseur Sam Mendes mit ihm um. Als Bond seine Enttäuschung über seine dürftige Ausstattung (nur eine Pistole und ein Radiotransmitter) kundtut, witzelt Q: "Was haben sie erwartet? Explodierende Kugelschreiber?" Ein netter Seitenhieb in Richtung GoldenEye. Ohne den Hinweise, Bond möge das Gerät trotzdem unbeschadet zurückbringen, kommt aber kein Q aus – und genauso sicher kann sich das Publikum sein, dass James den Krempel irgendwann verliert.
Quelle: Sony
Javier Bardem in der Antagonistenrolle Raoul Silva: Der Psychopath will MI6-Chefin M töten
Einleitung und Hauptteil von Skyfall bleiben leider lange Zeit relativ flach erzählt und erst zum Ende hin wird die Geschichte richtig interessant. Oft ist die Action aber etwas zu over the top und die Handlung dahinter nicht wirklich erklärt. Wie überlebt Bond seinen Scheintod? Wie trifft er Sévérine zum ersten Mal und was passiert da? Wieso lässt er sich von Oberbösewicht Raoul Silva (Javier Bardem) entführen? Die Fragen treten aber in den Hintergrund, wenn man die eigentlich handelnden Charaktere betrachtet: Bösewicht Silva und MI6-Chefin M. Beide brillieren in ihren Rollen, die eine als alternde Grande in der Sicherheitspolitik ihres Landes und der andere als verrücktgewordener Irrer, den es nach Rache dürstet. Den Soziopath nimmt man Javier Bardem sofort ab, für eine ähnliche Rolle in No Country for Old Men hat der spanische Schauspieler sogar schon den Oscar erhalten.
Wenn man mal von den erzählerischen Schwächen absieht, muss sich Skyfall aber vor allem eine Kritik gefallen lassen: Der Film ist an vielen Stellen einfach grundlos in die Länge gezogen. Das schmälert das Gesamterlebnis und die vielen tollen Szenen. Eines bleibt aber: Ein spektakuläres Ende. Das letzte Drittel ist voller Action, Explosionen und einer weiteren Hommage an Bonds Vergangenheit: den Aston Martin DB5, mit Schleudersitz-Ausstattung und Maschinengewehren in den Scheinwerfern. Was für ein Spaß!
