Diese Woche startet der letzte Teil der Twilight-Serie in den Kinos. Wir haben uns geweigert, glitzernden Vampiren anzuschauen und stattdessen einen echten Männerfilm gesehen: The Man with the Iron Fists. Neben Rapper RZA, der Regie führt, steht vor allem ein Name für trashige Actionkost: Gore-Legende Quentin Tarantino übernimmt die Produktion. Das kann doch gar nicht schief gehen, oder?
RZA. Was ist das nur für ein Name? War ich Hip Hop gegenüber vielleicht zu lange unaufgeschlossen, dass er mir nichts sagt? Egal, denn in The Man with the Iron Fists springt er mir schon im Vorspann mehrfach entgegen. Drehbuch? Von RZA. Regie? RZA. Hauptrolle? RZA. Wenn dieser Mann noch Catering und Kameraführung übernommen hätte, wären große Teile der chinesischen Filmlandschaft nun arbeitslos. Geschadet hat es Iron Fists nicht.
Worum geht's?
Quelle: Universal Pictures
The Man with the Iron Fists in der Filmkritik: Echtes Männerkino (3)
China im Mittelalter: Das Dorf Jungle Village kommt eigentlich nie zur Ruhe. Verschiedene Clans kämpfen immer wieder Fehden aus, Frieden kennt man im Dorf nicht. So bekämpfen sich Lions und Wolves, der Anführer der Löwen, Gold Lion, stirbt bei einem Verrat. Zwei rangniedere Offiziere trachten nach seinem Posten, um mithilfe der Bande eine Goldlieferung des Kaisers abzufangen und in die eigene Tasche zu stecken. Dorfschmied Thaddeus (gespielt von RZA) wird in den Konflikt reingezogen. Golden Lions Sohn Zen Yi (Rick Yune) will sich an den Attentätern rächen, gleichzeitig ist der englische Offizier Knife Jack (Russel Crowe) als Sondergesandter des Kaisers vor Ort. Er soll das Gold beschützen, falls die eigentliche Entourage versagt.
Durch Intrigen und Angriffe verschlägt es Zen Yi, Jack und den Schmied in den Untergrund, von wo aus sie die Pläne der neuen Lions durchkreuzen wollen. Die verschanzen sich und ihr Gold derweil in Madame Blossoms (Lucy Liu) Edelpuff und beschützen es mit zwei weiteren Kampfassen: Brass Bodys (Dave Batista) Körper besteht aus Metall und ist unkaputtbar, Poison Dagger ein gemeiner Killer aus dem Hinterhalt.
Klingt verwirrend, ist es auch. Denn RZA verpackt in seinen Debütstreifen einfach zu viele Plots. Da gibt es den Kampf zwischen Lions und Wolves, Zen Yis Rache für die Ermordung seines Vaters, den Gold-Diebstahl, Russel Crowes Charakter Knife Jack und die Liebesgeschichte des Dorfschmieds. Sie führen zwar alle zum selben Ende, nämlich einer Verflechtung ihrer Schicksale, Zeit für allzu tiefe Erklärungen bleibt aber nicht. Schade, ich hätte gern viel mehr vom verrückten Jack erfahren. Dafür hätten die Clanplots weichen können, die bis zum Schluss auch nicht aufgelöst werden und Nebensache bleiben.
Plot ist Nebensache, Action ist King
Quelle: Universal Pictures
The Man with the Iron Fists in der Filmkritik: Russel Crowe in der Rolle des verrückten Briten
Im Fokus von RZAs Erstlingswerk steht ohne Zweifel die actionlastige und trashig inszenierte Bildsprache. Protagonisten können einander im Zweikampf Arme ausreißen, einmal fliegt einem Gegner sogar ein Auge raus, so feste schlägt der Mann mit den Eisenfäusten zu! Diese blutige Tarantino-Linie zieht sich durch den ganzen Film durch und macht einfach nur Spaß. Die Inszenierung erinnert an völlig überspitzte Martial Arts Streifen aus längst vergangenen Tagen. Durch seine moderne Musikuntermalung, vor allem während der völlig abgedrehten Kämpfe dudelt thematisch eigentlich gar nicht passender Hip Hop, wirkt das ganze wie ein B-Movie-Trashfest, aber für wahre Männer wie mich macht das einen guten Film erst richtig aus.
Und wenn schon die musiklaische Untermalung nicht passt, muss man sich auch über manch einen Charakter wundern. Brass Body beispielsweise ist ein westlicher Typ, dessen Körper aus Messing ist. Das ergibt coole Fights, aber wie es zu der Metallwerdung erfährt man nicht. Und auch Russel Crowes sexsüchtiger Charakter Jack bleibt ein verschlossenes Buch. Macht aber nichts, denn gerade Crowe gefällt uns in seiner Rolle als durchgeknallter Brite gut und sorgt durch seine abgefahrenen Sex-Andeutungen im Puff immer wieder für Lacher.
Neben Crowe liefern die anderen Darsteller nur mäßige schauspielerische Leistung, dafür aber ganz großes Kung-Fu-Gehabe ab. Lucy Liu etwa bleibt als intrigante Puffmutter im Hintergrund, bis sie eine finale Kampfszene bekommt.
