Assassin's Creed 3: Liberation für PS Vita im Test: Im Vergleich zum "echten" Assassin's Creed 3 eine Enttäuschung

Test Michael Sosinka

Mit Assassin's Creed 3: Liberation sollte die PS Vita endlich wieder einen "Must Have"-Titel bekommen, doch auch dieses Mal muss man leider bemerken, dass die mobile Version im Gegensatz zum "richtigen" Assassin's Creed 3 unter viel zu vielen Ungereimtheiten leidet, die leider eine gute Wertung verhindern.

Assassin's Creed 3: Liberation im Test (2) Quelle: Ubisoft Assassin's Creed 3: Liberation im Test (2) Hallo, ich bin Aveline

Assassin's Creed 3: Liberation findet in dem gleichen Zeitraum wie Assassin's Creed 3 statt, weswegen man sogar auf Connor trifft. Ansonsten übernehmen wir die Rolle von Aveline de Grandpré, die afrikanische und französische Wurzeln hat. Diese Grundlage hat viel Potential, um ihre Herkunft und Probleme zu ergründen, doch leider legt das Spiel nicht sehr viel Wert auf erzählerische Stärken. Man erfährt nur sehr oberflächlich von den Motiven der Frau, während die Missionen zwar von einer Handlung zusammengehalten werden, doch insgesamt ist die Story sehr enttäuschend und lückenhaft. Aveline verliert am Anfang ihre Mutter. In einer kurzen Sequenz versucht man sie noch als kleines Kind zu finden, doch dann ist man als erwachsene Frau unterwegs und nimmt das Ganze einfach so hin. In diesem Spiel hält Ubisoft offenbar nichts von einem Hauptcharakter, der sich weiter entwickelt. Zudem spielt Abstergo keine wichtige Rolle mehr, weswegen man zum Beispiel nicht erfährt, von wem Aveline überhaupt die Vorfahrin ist.

Während der Missionen ist man in New Orleans und dessen Umgebung unterwegs. Auch Mexiko wird besucht. Und so spaziert man durch den Stadtkern oder schaut sich am Hafen und Friedhof um. Wem das noch nicht reicht, springt in den Bäumen über die Sumpflandschaft hinweg und ärgert sich über Krokodile und lauernde Feinde. Die Größe der Spielwelt geht in Ordnung, auch wenn es vergleichsweise wenig zu entdecken gibt und Nebenaufträge sind auch eher selten, aber immerhin sind sie da. Assassin's Creed 3: Liberation konzentriert sich zu einem großen Teil auf die Story-Missionen. Was aber auffällt, ist der Umstand, dass man für die Einsätze oft sehr lange Wege zurücklegen muss. Auch das Beseitigen von Augenzeugen kann langwierig ausfallen. Da bekommt man fast den Eindruck einer Spielzeitstreckung vermittelt. Aber immerhin ist genügend Abwechslung gegeben und man kann in gewohnter Leichtigkeit über die Dächer sprinten und klettern, denn das funktioniert auch auf der PS Vita ganz ordentlich. Alles geht wie von selbst, was auch für das Kampfsystem gilt. Das ist ziemlich simpel und hat keinerlei Anspruch.

Kurze Missionen

A Assassin's Creed 3: Liberation im Test (1) Quelle: Ubisoft Assassin's Creed 3: Liberation im Test (1) veline macht in den Missionen das, was eine Assassine nun mal so tut, es gibt Mordaufträge zu erledigen. Hauptpersonen erzählen uns dabei, wie es weiter geht, während man ansonsten nach Kisten sucht, Leute verfolgt (selten so etwas Ödes gespielt) oder sich mit den Briten kloppt. Häufig muss man aber auch leise vorgehen, weswegen nicht immer Massenschlägereien notwendig sind. Für Missionen werden Gebiete der offenen Karte meistens abgesperrt. Und wo man sich noch vor einer Sekunde ohne Gefahr durch die Gegend bewegen konnte, lauert plötzlich der Feind. Das ist ein wenig unlogisch und nicht sehr clever gelöst. Da sich Aveline im Laufe der Zeit neue Ausrüstung und Waffen kaufen kann, gilt es Geld zu verdienen. Über den Betrieb ihres Vaters werden unter anderem Schiffe ausgesandt, um ein wenig zu handeln. Und so kommen mit der Zeit einige Münzen zusammen.

Die Missionen in Assassin's Creed 3: Liberation sind vielleicht nicht ganz so gut ausgearbeitet, wie bei den Konsolen-Versionen, doch ein besonderes Feature gibt es dann doch, denn Aveline darf in drei verschiedene Outfits schlüpfen. Die typische Assassinenkluft lässt Soldaten schnell zur Waffe greifen, als Sklavin kann man sich hingegen unbemerkter und schneller durch die Stadt bewegen, in Kämpfen ist man dafür aber weniger geschützt. Als feine Dame im schicken Kleid werden hingegen die NPCs betört, doch dafür ist man sehr langsam auf den Beinen und kann nicht mehr klettern. Die Outfits werden in Umkleidekammern bzw. Gebäuden gewechselt, die man auf der Karte verteilt findet. Jedoch müssen sie zuerst gekauft werden. Auch wenn dadurch spielerische Freiheiten vorgegaukelt werden, wie zum Beispiel bei Hitman: Absolution, ist das Outfit für eine Mission häufig vorgegeben. Das Spiel lässt uns fast nie die Wahl. Und so ist Assassin's Creed 3: Liberation erschreckend linear ausgefallen. Dafür wird man für die Kampagne mindestens 15 Stunden benötigen.

Berühr mich!

Assassin's Creed 3: Liberation im Test (3) Quelle: Ubisoft Assassin's Creed 3: Liberation im Test (3) Natürlich werden die Features der PS Vita genutzt, meist aber relativ zurückhalten. Der Waffenwechsel wird zum Beispiel über den Touchscreen durchgeführt, doch die Hauptsteuerung erfolgt über die Analog-Sticks und Buttons. Hier fühlen sich Konsolen-Spieler gleich heimisch. An einigen Stellen hätte ich mir aber gewünscht, dass die Entwickler auf die Vita-Funktionen verzichtet hätten, so wie beim Bestehlen von NPCs. Das geschieht umständlich über das rückwertige Touchpad. Auf den Konsolen geht das besser von der Hand. Ebenfalls auf den Konsolen besser umgesetzt, ist die Kamera-Steuerung, die in der Handheld-Version sehr unglücklich agiert, vor allem in Kämpfen.

Technisch macht Assassin's Creed 3: Liberation im Prinzip eine gute Figur. Die sehr große offene Spielwelt wurde gut eingefangen. Es gibt viele Details zu bewundern, die NPCs laufen in Hülle und Fülle durch die Straßen und die Sichtweite ist auch in Ordnung. Man muss dafür aber mit der einen oder anderen matschigen Textur, Pop-Ups und einigen Rucklern leben. Zwar läuft das Spiel nicht ganz sauber, aber insgesamt ist die Framerate noch erträglich. An der Optik eines Assassin's Creed 3 auf den Konsolen ist natürlich kein Vorbeikommen. Die Sounduntermalung ist solide, die deutsche Sprachausgabe gut, aber auch hier ist der Konsolen-Bruder deutlich besser in Form. Theoretisch hat das Spiel einen Multiplayer-Modus, bei dem ich mich aber frage, ob ihn denn überhaupt jemand mit Freude nutzen wird. Auf einer Weltkarte schickt man Assassinen und Templer durch die Gegend, um die Vorherrschaft zu gewinnen. Man sieht wirklich nur diese Online-Karte und es passiert sehr wenig. Die Ressourcen hätte man in den Singleplayer stecken müssen. Und mit Aveline hat das Ganze ebenfalls nichts zu tun.

Meinung

Wertung zu Assassin's Creed 3: Liberation (PSV)

Wertung:

7.2 /10
Pro & Contra
großes und offenes Spielgebietendlich eine weibliche Heldindrei verschiedene Outfitsviele Missionen und solider Umfangdas Klettern und Kämpfen geht gut von der Handeigentlich eine schicke Optikgute deutsche Synchroneue Ausrüstung und Waffen lassen sich kaufen.
zusammenhanglos erzählte GeschichteAveline bleibt als Charakter sehr blassMissionen reichen qualitativ nicht an die Konsolen-Versionen heranwirkt teils etwas unfertigerschreckend lineare Missionendie Idee mit den verschiedenen Outfits wurde nur unzureichend umgesetztoft viel LeerlaufTouchscreen-Features eher nervig als nützlichKamerasteuerung teilweise sehr unübersichtlichoberflächliches Kampfsystemhäufig zuckelt und ruckelt das Spielvöllig überflüssiger Multiplayer-Modus
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