Bioshock Infinite in der Vorschau: Geniale Story trifft auf Steampunk - das bessere Dishonored?

Special Sandro Odak

Wir haben knapp drei Stunden lang Bioshock Infinite anspielen dürfen und sind begeistert von der dichten Atmosphäre des Steampunk-Shooters. Das bunte Treiben in Columbia und die mysteriöse Story im Fokus der Handlung sind aber nicht alles: Hinter den Kulissen thematisiert 2K Games auch Tabus wie Rassenhass und kranken Patriotismus.

Unsere Demo beginnt gleichzeitig mysteriös wie nostalgisch. Der neue Hauptcharakter Booker DeWitt, Privatdetektiv und ehemaliger Geheimagent, sitzt zusammen mit einem tuschelnden Agenten-Pärchen in einem Boot. Die beiden rudern und sprechen darüber, dass DeWitt keinen Finger krumm macht. Da will ich schon jedes Mal einwerfen: "Ich kann euch hören!" Am Steg eines winzigen Fleckchen Lands lassen sie DeWitt raus - auf diesem winzigen Felsen mitten im Meer steht nur ein Leuchtturm. Was für ein toller Start! 2007 ging es in Bioshock nämlich fast genauso los. Damals war der Protagonist Jack mit einem Flugzeug abgestürzt und konnte sich zu einem ähnlichen Leuchtturm retten. Jack stieg damals in eine Tauchkugel und entglitt in die Unterwasser-Stadt Rapture, Booker klettert heuer auf die Spitze und wird per Rakete in eine Wolkenstadt katapultiert.

Die ganze Stadt Columbia ist mit Propaganda-Postern vollgeklebt - hier regiert eine Gruppe ultrareligiöser Rassisten. Quelle: 2K Games Die ganze Stadt Columbia ist mit Propaganda-Postern vollgeklebt - hier regiert eine Gruppe ultrareligiöser Rassisten. Die Stadt über den Wolken ist Columbia. Sie war das Prunkstück der Vereinigten Staaten von Amerika und für deren Bewohner ein Beweis ihrer Überlegenheit. Doch als die Regierung die Stadt zum Boxerkrieg 1900 nach China entsendet und man auf Zivilisten schießen muss, wird vielen Städtern klar: Columbia ist kein Hort der Freiheit und Werte. Es ist einfach eine fliegende Festung. Aus Protest verließ Columbia die USA, verschwand in den Wolken und ward von der Bodenbevölkerung nie wieder gesehen. Hier hin schickt uns ein mysteriöser Auftraggeber aus New York. Wir sollen die junge Elizabeth retten, die besondere Fähigkeiten hat und seit ihrer Kindheit gefangen gehalten wird.

Viel erfahren wir über diesen Auftrag zu Beginn nicht, dafür erhalten wir aber immer wieder Erinnerungen. Noch im Leuchtturm sitzt eine gefolterte, gefesselte Leiche mit einem Schild um den Hals, das uns an unsere Schuldigkeit erinnert. Nach dem Aufstieg ins Himmelreich präsentiert sich Columbia von seiner freundlichen Seite. Wir landen in einem wasserdurchfluteten Taufpalast, treffen Kultanhänger und machen schon bald Bekanntschaft mit dem Grund für das komische Verhalten: Nach der Loslösung von den Vereinigten Staaten entbrannte in Columbia ein Bürgerkrieg. Zwei Fraktionen haben sich gebildet: Die Gründer rund um den gottgleich verehrten Propheten Comstock sind Nationalisten und stehen Vox Populi gegenüber, die für einen Rechtsstaat eintreten.

Kümmern muss das den Spieler nicht. Denn gerade in der ersten halben Stunde zeigt sich Columbia von all seiner Fluffigkeit. Gebäude schweben wie auf Wolken durch die Luft, die Stadt zeigt sich von einer neo-klassizistischen, viktorianischen Seite. Erst langsam erahnt man, dass die Leute hier nicht alle Tassen im Schrank haben, etwa als eine Zugbrücke herabgelassen wird, damit Comstocks Propaganda-Luftschiffchen Jesus-ähnliche Bilder vom Führer zeigen und positive Geschichten durch die Gegend plärren.

Einmalige Kulisse, ungeheuer atmosphärisch

Der Taufpalast im Ankunftsbereich von Columbia. Quelle: 2K Games Der Taufpalast im Ankunftsbereich von Columbia. Dem Zauber dieser Stadt kann man sich kaum entziehen. Kerzen beleuchten in unserem Ankunftstempel sanft die wasserdurchfluteten Flure, engelsgleiche Choräle wehen durch die Gänge. Gerade am PC, an dem wir spielen, sieht das unfassbar toll aus und wie man es von Bioshock kennt, legen die Macher viel Wert auf kleine Details. In seitlich eingelassenen Kapellen finden wir Zitate des Propheten Comstock, im Stadtbild verteilt sind überall Propagandaplakate, die einen auf das vorbereiten was passiert. Nur angegriffen werden wir nicht. Stattdessen belauschen wir Gespräche von Einwohnern, können aufgestellte Kino(propaganda)filme sehen und an Schießbuden den Teufel besiegen. Das verschafft uns einen tollen Einblick in diese Gesellschaft, die nur wenige Minuten darauf ihre hässliche Fratze zeigt.

Auf dem Jahrmarkt gibt es eine Tombola, und wie es der Zufall will, zieht Booker den Hauptpreis. Er darf als erster mit einem Baseball nach einem gefesselten, gemischten Pärchen werfen - ein Schwarzer und ein Weißer? Anders als Dishonored ist nicht die Außenfassade dreckig, grau und krank, sondern die Gedankenwelt dahinter. Schwarze, Ausländer und Iren sind unerwünschte Untermenschen, die Vereinigten Staaten ein rechtloses Konstrukt, mit dem man nichts mehr zu tun Ein Angriff aus der Luft mit dem Greifhaken führt zum sofortigen Tod - und ist unheimlich blutig, bestimmte Upgrades vorausgesetzt. Quelle: 2K Games Ein Angriff aus der Luft mit dem Greifhaken führt zum sofortigen Tod - und ist unheimlich blutig, bestimmte Upgrades vorausgesetzt. haben will. Nur was der Führer, Vordenker und Prophet Comstock sagt, kann richtig sein! Für die rassistischen Founders-Gläubigen ist die Vereinigung zweier Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben ein Affront, der bestraft werden muss. Wir können wählen: Werfen wir nach den beiden oder schleudern wir den Ball zurück zum Aufhetzer - aber egal, welche Wahl man trifft, man wird immer als "Fremder" enttarnt. Ein Mal trägt DeWitt an der Hand, die Narbe ergibt die Buchstaben AD - das Zeichen des Falschen Schäfers! Und plötzlich ist die Hölle los.

Polizisten schießen auf uns, wollen uns mit dem Knüppel erschlagen. Der falsche Schäfer, eine von Comstocks Teufels-Prophezeiungen, sind so wie es aussieht wir und den Teufel mag in dieser gottesfürchtigen Umgebung niemand gut leiden! Die darauffolgenden Kampfsequenzen sind solide Actionkost. Mit einem mechanischen Greifhaken können wir martialische Nahkampfangriffe ausführen, in der rechten Hand kann man zwischen zwei Waffen wählen. Klingt soweit so bekannt, jedoch ist die Tastenbeldung auf Tastatur und Gamepad etwas anders als man es gewohnt ist. Gezielt wird nicht per linkem Trigger, sondern mit Druck auf den rechten Stick. Mit dem Trigger werden stattdessen die Zauberfertigkeiten Vigor ausgewählt und abgefeuert.

  1. Seite 1 Bioshock Infinite Vorschau: Nostalgischer Start | Kulisse und Atmosphäre
  2. Seite 2 Bioshock Infinite Vorschau: Vigor-Zauber | Die Stadt Columbia | Story
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