Mars: War Logs in der Vorschau: Kann ein Nachwuchsstudio bessere Sci-Fi-RPGs machen als Bioware?
SpecialVier Jahre werkelt Spiders Games nun schon am Sci-Fi-RPG Mars: War Logs. Wir haben das Endzeit-Abenteuer angespielt und verraten euch, ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat - immerhin war das Vorgängerprojekt Of Orcs and Men von Kritikern eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden.
Die Zukunft sieht für die Menschheit auf dem Mars nicht gerade rosig aus: Eine Katastrophe auf dem roten Planeten zerstört das letzte bisschen Atmosphäre, die Sonne brutzelt nun ohne Unterlass auf die Einwohner des Planeten. Die wichtigsten Ressourcen sind Wasser und Schatten – und sie werden von vier Großkonzernen kontrolliert, die damit über Leben und Tod entscheiden. Sie agieren wie Staaten, haben eigene Armeen, Gesetze und sind natürlich untereinander im Krieg. Wenn eine Region keine Abgaben mehr zahlen kann, können die Riesenunternehmen einfach den mechanischen Sonnenschild einfahren und die Siedlung ist dem Tod geweiht.
Quelle: Focus/Spiders Games
Mars: War Logs in der Anspiel-Vorschau (4)
Der Protagonist von Mars: War Logs ist ein typischer Antiheld: Roy landet im Knast einer dieser Konzern-Staaten und muss irgendwie entkommen. An seiner Seite sind dabei bis zu zwei NPC-Kollegen. Die sammelt man im Verlauf der Geschichte auf, kann sie aber anscheinend nur pro Kapitel akzeptieren oder ablehnen – der Aufbau einer "persistenten" Party wie in Dragon Age oder Mass Effect bleibt einem erspart. Schade, ein Freundschaftsystem hätte dem Action-RPG sicherlich nicht geschadet.
Einen Fokus legt Spiders auf Dialoge und Spielerentscheidungen. Anstatt immer zu kämpfen kann man sich durch verschiedene Gesprächstaktiken auch gewaltfrei zum Ziel bugsieren. Als wir im zweiten Spielakt etwa einer Wache über den Weg laufen, können wir ihr eine aggressive und höhnische Antwort entgegenbellen, oder kooperieren und einen gefälschten Ausweis vorzeigen. Wenn wir nett zu dem Soldaten waren, nimmt er uns die ID-Karte ab und lässt uns gehen. Die Auswahl an Optionen hat uns gut gefallen, fast alle Dialoge lassen sich auf verschiedene Arten führen. Es bleibt zu hoffen, dass der Verlauf der Geschichte dadurch auch spürbar verändert werden kann – und das Ende nicht nur durch ein paar extra abgefragte Werte bestimmt wird, wie in Mass Effect 3 oder auch Dishonored.
Ähnlich wie in The Witcher 2 hat man nach dem Ausbruch aus dem Marsgefängnis die Möglichkeit, sich zwei grundsätzlich verschiedenen Fraktionen anzuschließen: Den Rebellen oder dem Militär. Welche Wahl man trifft wird den Verlauf des restlichen Spiels maßgeblich prägen. Wir sind gespannt!
Echtzeit-Kampf mit Messer und Gabel
Quelle: Focus/Spiders Games
Mars: War Logs in der Anspiel-Vorschau (3)
Auf rundenbasierte Kämpfe wie in Dragon Age haben die Macher bewusst verzichtet. Stattdessen kämpft man in Echtzeit und das funktioniert schon ganz gut. Auf Knopfdruck geht man in Deckung, kann sich von Gegnern wegrollen und holt dann zum Gegenschlag aus. Da bei der Marskatastrophe ein Großteil moderner Technologie zerstört wurde, geht es oft in den Nahkampf. Bis auf eine Nietpistole (Hallo, Dead Space?) benutzt man fast nur Hieb- und Stichwaffen. Zu Beginn des Spiels muss noch am Boden aufgehobener Schrott als Waffe herhalten, später gibt es dann aber auch Messer und Kampfstäbe.
Wie in Assassin's Creed lässt sich die Umgebung nach Loot absuchen, gefundenen Schrott kann man zu Bomben und Fallen zusammenbauen. Gerade im Knast ist es schwer, an Waffen zu kommen. Hier können sich Spieler ein paar Tricks bedienen. Weil in einer Höhle fiese Monster schlummern sollen, schicken uns die Wachen mit einem Messer bewaffnet unter die Erde um sauber zu machen. Nachdem wir die Viecher verjagt haben – immerhin sind Höhlen sonnengeschützt und somit wichtig – verstecken wir das Messer im Sand. Den Wachen erzählen wir, die Waffe wäre verloren gegangen. Später können wir dann zurückkehren, erneut in die Höhle hinabsteigen und das Messerholen.
Drei Skills sorgen für Charakterunterschiede
Quelle: Focus/Spiders Games
Romanzen mit bis zu drei weiblichen Charakteren sind möglich: Spiders auf der Suche nach Bioware-Tugenden?
Wenn das ausufernde Dialogsystem nicht wäre, könnte man soweit eigentlich genauso gut ein Action-Adventure vor sich haben. Zum RPG wird Mars: War Logs erst durch sein Skill-System, das einen vor die Wahl aus drei Skill-Ausrichtungen stellt. Wählt man einen Technomancer, wird Roy, der eigentlich gar nichts mit dem Marskrieg zu tun haben will, zum abgefahrenen Cyberpunk-Zauberer ausgebildet und kann etwa Blitze verschießen. Das sieht cool aus und hat etwas von Sith-Kräften.
Technisch macht Mars: War Logs einen halbgaren Eindruck. An manchen Stellen der Alpha-Version kommen noch arg verwaschene Texturen durch und die Charakter-Animationen sind hölzern. Jedoch hat War Logs auch seine tollen Momente, denn die Silk Engine lässt den Mars an einigen Stellen auch von seiner hübschen Seite glänzen. Wir erwarten, dass bis zur Fertigstellung die Textur-Schwächen noch ausgebügelt werden. Mars: War Logs erscheint in diesem Jahr als Downloadtitel zum Budgetpreis von knapp 15 Euro für Xbox 360, Playstation 3 und PC.
